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Neues Lichtkonzept für das Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe

Sanierung eines Museums in Hamburg
Neues Lichtkonzept für das Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe

Mit modernster Beleuchtungstechnik und der Öffnung von Räumen schufen MRJ-Architekten im Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe aus einem engen, dunklen Foyer einen lichtdurchfluteten, besucherfreundlichen Eingangsbereich. Neue Sichtachsen durch das Gebäude ermöglichen eine bessere Orientierung sowie Tageslicht in den zentralen Bereichen.

Als Architekt Martin Jannsen aus dem Architekturbüro MRJ-Architekten vor sechs Jahren zum ersten Mal seine zukünftige Baustelle besichtigte, störte ihn am meisten, wie eng und dunkel sich der Eingangsbereich des Museums für Kunst und Gewerbe präsentierte.

„Mehr Licht“ war daher sein Ansatz, der sich wie ein roter Faden durch seine weiteren Planungen ziehen sollte.
In Zusammenarbeit mit der Innenarchitektin Renate Müller und mit seinem Vorgänger, dem Architekten Klaus Demtröder, wurde in mehreren Bauabschnitten das gesamte Innere des Museums erneuert. Ehemalige Abstellflächen wurden zu modernen Verwaltungsräumen, die Museumsleitung bekam einen Anbau im Innenhof. Das jahrelang zugemauerte Westportal des Gebäudes wurde zu neuem Leben erweckt und als krönender Abschluss das Hauptportal mit angrenzendem Foyer zu einem lichtdurchflutetem, besucherfreundlichem Eingangsbereich mit Büchershop und Sonderausstellungsfläche umgebaut.
Ehemaliges Schulgebäude
Das Gebäude des Museums für Kunst und Gewerbe stammt aus dem Jahre 1877 und wurde ursprünglich als Schule genutzt. Seit seiner Entstehung hat sich das Haus mit vielen nachfolgenden wechselvollen Veränderungen erst im Laufe des 20. Jahrhunderts vom Schulgebäude in das jetzige Museum gewandelt. Heute steht das Gebäude unter Denkmalschutz. Das Museum für Kunst und Gewerbe zählt mit durchschnittlich 250 000 Besuchern im Jahr – aus allen Alters- und Interessensgruppen – zu Europas führenden Museen seiner Art. Mit der Restaurierung und Sanierung des Haupteingangs sollte ein großzügiger Empfangs-, Warte- und Kassenbereich geschaffen werden, um die zunehmenden Besucherströme angemessen im Haus zu empfangen und zu verteilen. Dabei waren die denkmalschutzwürdigen Bereiche und Bauteile besonders zu beachten. Mehrere Stiftungen und Sponsoren, darunter die Hermann Reemtsma Stiftung und Hauptsponsor Harald Hartog, finanzierten den insgesamt neun Millionen Euro teuren Umbau.
Neue Sichtachsen
In dem zentralen Eingangsbereich waren bei Baubeginn die historischen Kreuzgewölbe und die hohen Stuckdecken zu großen Teilen durch vorgesetzte Wände oder abgehängte Decken versteckt und teilweise stark beschädigt. Wandpfeiler (Pilaster) waren komplett abgeschlagen und entfernt worden. Die Symmetrie des Gebäudes war durch die kleinräumige Einteilung für Besucher nicht erkennbar. Diese Bausünden der Nachkriegszeit ließen die MRJ-Architekten in enger Zusammenarbeit mit dem Denkmalschutzamt entfernen. Die historischen Stuckdecken wurden komplett freigelegt und restauriert, vorgesetzte Gipskartonwände herausgenommen und Zwischentüren in die Seitenflügel versetzt. Anhand vorhandener Reste konnten die ehemals in die Wände integrierten Pilaster mit ihren Sockeln und Kapitellen komplett rekonstruiert werden. So schmücken sie jetzt nicht nur den Eingangsbereich in ihrer ursprünglichen Schönheit, sondern übernehmen wieder eine tragende Funktion für das Kreuzgewölbe. Die gesamte zentrale Fläche konnte daher von Zwischenwänden befreit werden. Damit sind Sichtachsen in alle Richtungen des Gebäudes entstanden, die den Besuchern die Orientierung im Museum erleichtern. In Ost-West-Richtung ist der Blick frei geworden bis zum gegenüberliegenden Westportal, das von Mauern befreit und ebenso wie der Haupteingang mit einer Glastür (Metallprofil in Messing brüniert von SeccoSistemi) versehen wurde. Morgen- und Abendsonne erhellen jetzt die zentrale Mittelachse des Gebäudes. Der Blick durch die Glastüren von außen in die Ausstellungsräume weckt Neugier und schafft Anreiz zum Besuch des Museums, das seine Besucher nun hell und freundlich empfängt.
Kunstobjekte erstrahlen dank LED
Um ein neues Beleuchtungskonzept für die verschiedenen Anforderungsbereiche im Museum aufzustellen, zogen die Architekten die beiden Hamburger Lichtplanungsbüros Peter List und Peter Andres hinzu. Von Museumsdirektorin Professor Sabine Schulze stammte die Idee, LED-Lichtschienen der Firma Zumtobel zu verwenden, um die Kunst in den Ausstellungsräumen ins rechte Licht zu setzen. Sie kannte diese innovativen und besonders energiesparenden Leuchten, deren filigrane Aluminiumprofile durch ihre Unauffälligkeit bestechen, bereits aus dem Frankfurter Städelmuseum. Mit diesen Lichtschienen wird der Stromverbrauch auf ein Minimum beschränkt. Gerade mal 2,5 Watt nehmen die Leuchtdioden auf, die jeweils in Dreiergruppen an der Unterseite der Pendelleuchten angeordnet sind. Nach unten gerichtet ergeben sie eine weiche Grundbeleuchtung in den Aufenthaltszonen. Um Kunstobjekte ganz gezielt und aus verschiedenen Richtungen auszuleuchten, lassen sie sich einzeln herausziehen und drehen. Das Licht ist UV- und IR-frei, so dass es die Farben empfindlicher Gemälde und Skulpturen nicht zerstört.
Farbige Lichtszenen
Die neue Sonderausstellungsfläche Hartog-Galerie versahen die Architekten mit einer farbsteuerbaren LED-Beleuchtung als zentrales Lichtband (Osram) an der Decke des Raumes. Verschiedene Lichtszenen sind bereits einprogrammiert und können über die Schalttafel gewählt werden (Lichtsteuerung von Lutron). Ausstellungsobjekte, Dekoration und Beleuchtung können jetzt farblich aufeinander abgestimmt werden. So ergibt sich für die Besucher ein einheitliches Gesamterlebnis.
Dezente Beleuchtung
Im zentralen Treppenhaus sowie in den neuen Waschräumen schafft indirektes Licht eine blendfreie Helligkeit. Das Treppenhaus erhielt Strahler, die den Stuck an Decken und Wänden ausleuchten. Kreuzgewölbe wurden lichttechnisch dezent akzentuiert. Hinterleuchtete Spiegel über den Waschtischen der zentralen Toiletteneinrichtung und ein hinterleuchtetes Deckensegel im Flur des Untergeschosses schaffen auch hier ein freundlich modernes Ambiente. Ein historischer Kandelaber wurde von alten Farbschichten befreit und gereinigt, seine Gaslaterne durch eine moderne Leuchte ersetzt. Jetzt steht der Kandelaber als Schmuckstück am Westportal und erhellt abends sanft den Eingang.
Architekt: Martin Jannsen, Architekturbüro MRJ-Architekten, Hamburg
Innenarchitektin Renate Müller, Hamburg Lichtplanung: Büro Peter List und Büro Peter Andres, heute: List Lichtdesign, Hamburg
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