Umbau einer Klosterkirche zur Veranstaltungs- und Konzerthalle in Dargun

Licht und Ton machen die Musik

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Wie erweckt man eine historische Ruine aus dem 13. Jahrhundert zu neuem Leben? Mit sorgfältiger Planung, Rücksichtnahme auf das Bestehende und dem Einbau einer Akustikdecke aus Hightech-Material sowie mit moderner Lichttechnik gelang es, aus der Ruine der Klosterkirche Dargun eine moderne Konzerthalle zu machen.

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Von dänischen Zisterziensermönchen 1172 als Kapelle erbaut, wurde diese in mehreren Bauabschnitten im 13. Jahrhundert zur gotischen Hallenkirche aus Backstein erweitert. Im Laufe der Jahrhunderte erlebte die Anlage eine wechselvolle Geschichte. Nach der Reformation wurde das Kloster zum Schloss umgebaut – seit 1556 als Nebenresidenz für die Fürsten Mecklenburg-Güstrow. In den folgenden 200 Jahren wandelte sich das Kloster zur dreigeschossigen Vierflügelanlage mit flankierenden Ecktürmen unter Verwendung der mittelalterlichen Bausubstanz. Am Ende des zweiten Weltkrieges fielen Schloss und Kirche einem Brand zum Opfer. 1979 wurde die Kloster- und Schlossanlage dank Denkmalpfleger und Darguner Bürger auf die zentrale Denkmalliste der DDR gesetzt.
Die gesamte Anlage wird seit 1990 gesichert, saniert und für Besucher zugänglich gemacht. 2007/2008 wurde die Sanierung der Mauerkronen über eine Länge von knapp 700 m und des Hohen und Niederen Chors sowie des Querschiffs fortgeführt. Nach Teilabschluss der Arbeiten am Querschiff wurde die bereits vorhandene Treppe mit Aussichtsplattform freigegeben. Heute kann die Kloster- und Schlossanlage Dargun besichtigt werden und ist zudem ein atmosphärischer Veranstaltungsort für Konzerte und Festivals aller Art.
Umbau mit Fingerspitzengefühl
Im Zuge der umfangreichen Renovierungs- und Sanierungsarbeiten erhielt die Klosterkirche neben neuen Fenstern und Türen sowie einem Klinkerboden auch ein neues Dach. Doch zwei Baustellen blieben: Akustik und Licht.
Die unzureichende Akustik im wiederhergestellten Hallenschiff zählte zu den besonders großen Herausforderungen. Aufgrund des Halls hatten Besucher beispielsweise bei Vorträgen Probleme, den Rednern zu folgen – selbst wenn sie nur wenige Meter entfernt saßen. Hinzu kam eine in die Jahre gekommene Beleuchtung, die im Innenraum selbst tagsüber für eine düstere Stimmung sorgte.
„Dieses ungemütliche Ambiente passte nicht zu diesem beeindruckenden Gebäude. Es schrie förmlich danach, inszeniert zu werden“, beschreibt Architekt Martin Beyer seinen Eindruck, als er die Räumlichkeiten erstmals sah.
2011 wurde schließlich der Auftrag erteilt, ein Konzept für einen zeitgemäßen Veranstaltungsraum zu entwickeln. Finanziert wurde das Großprojekt durch Fördermittel des Landes Mecklenburg-Vorpommern und zusätzlich durch private Spenden.
Planungsidee
Eine akustisch wirksame Textildecke und ein innovatives Beleuchtungskonzept waren die zentralen Elemente für die Wandlung der Klosterkirche Dargun in Mecklenburg-Vorpommern zu einem modernen Veranstaltungsraum. Statt einer einfachen Flachdecke entschieden sich die Planer nach einem Gutachten für eine Decke aus akustisch wirksamem Textilstoff, die den Charakter des zerstörten, ursprünglichen gotischen Kreuzgewölbes erhält.
„Im Gegensatz zu einer Flachdecke fügt sich das Hightech-Material exzellent in das Ambiente des historischen Gebäudes ein. Die Gliederung der Akustikdecke nimmt den Duktus der ursprünglichen Geometrie des Gewölbes auf und reduziert die Nachhallzeit“, erklärt Martin Beyer.
Auch für die Beleuchtung wurde eine Lösung benötigt, die sich ohne viel Aufwand in die bestehenden alten Gemäuer integrieren ließ und einfach zu bedienen war. Nach einer digitalen 3D-Analyse fiel die Wahl schließlich auf Homeworks QS von Lutron.
Nachdem das Projekt mit den verschiedenen Verantwortlichen wie Bürgermeister, Pfarrer und Kirchengemeinde, Landeskonservator und dem Landkreis Mecklenburgische Seenplatte abgestimmt war, begann im Dezember 2013 die Installationsphase, die bis Februar 2014 dauerte.
Umsetzung im Detail
Für die neue Akustikdecke wurden drei Textilsegel auf eine Aluminiumkonstruktion gespannt. Das Gewebe der Textilsegel Batyline Aw stammt von Serge Ferrari, B1 nach DIN 4102. Jedes der freitragenden Segelelemente ist 10 x 10 m groß. Die Konstruktion der in der Mitte hochgezogenen und lediglich an den Wänden fixierten Decke ist deutschlandweit einmalig und entspricht auch den Brandschutzvorschriften einer öffentlichen Versammlungsstätte.
Dank der Lichtlösung entstand im Innenraum der Klosterkirche ein Ambiente, das Tradition und Moderne auf beeindruckende Weise verbindet: Neben drei Kronleuchtern wurden insgesamt 28 dimmbare Halogenleuchten von Spittler installiert.
Dabei sorgte das mittelalterliche Mauerwerk bei Planern und Installateuren für Kopfzerbrechen: „Es existiert in der Kirche kein rechter Winkel“, sagt Detlef Jeenicke, der als Repräsentant für Lutron und für den Hersteller der Leuchtenlösung Spittler Lichttechnik unter anderem beratend für das Projekt tätig war. „Die Herausforderung bestand nun darin, krumme Flächen mit geraden Strahlen zu beleuchten.“
Hinzu kamen weitere Schwierigkeiten. Das etwa 1 m dicke Mauerwerk erwies sich für Bohrversuche als zu robust. Aus diesem Grund musste beispielsweise der Wlan-Router, ein zentrales Element für die Steuerung der Lichttechnik, statt außerhalb der Kirche im Inneren positioniert werden. Er befindet sich nun direkt unter der Orgel.
Flexible Lichtinszenierung
Für die Beleuchtung der Klosterkirche haben sich Architekt und Bauherr für das Lutron System Homeworks QS entschieden: „Dank der Variabilität von Homeworks Qs konnte auf alle bestehenden Wünsche der Auftraggeber eingegangen werden“, sagt Detlef Jeenicke. „Ganz einfach lassen sich so ohne zusätzlichen Programmieraufwand zum Beispiel verschiedene Lichtszenarien einstellen.“
Insgesamt wurden elf verschiedene Lichtszenen vorinstalliert. Sie bieten ideale Lichtverhältnisse beispielsweise für Führungen, Gottesdienste, Lesungen oder Trauungen. Die Bedienstelle des Systems, das sich in einem Nebenraum der Kirche befindet, lässt sich bequem via Wlan über iPhone oder iPad steuern. Ein weiterer Vorteil ist die Effizienz des Systems: Die Lutron Lösung sorgt dafür, dass den Halogenleuchten selbst bei maximaler Helligkeit nur 90% ihrer Leistungsfähigkeit abverlangt wird. Durch diese bewusste Reduzierung verlängert sich die Leistungsdauer der Leuchten erheblich, ohne dass sich daraus eine Einschränkung für die Nutzer ergibt: Sie können wie gewohnt zwischen 1 und 100% dimmen.
Insgesamt bietet das System zudem vier DMX-Kreise. Externe Ton- und Lichttechniker können dank dieser Schnittstellen ihr eigenes Equipment problemlos in die bestehende Technikinfrastruktur integrieren – und so beispielsweise bei Events ihre individuellen Lichtszenen aufrufen.
Zu neuem Leben erweckt
Aus der hallenden Ruine ist ein moderner Mehrzweck- und Veranstaltungsraum für 200 Gäste geworden. Heute finden darin Gottesdienste, Empfänge der Stadt, Kammerkonzerte oder Kunstausstellungen statt. Dank der Lichtsteuerung lässt sich die Klosterkirche Dargun dem Anlass entsprechend flexibel beleuchten. Durch die Inszenierung bietet der Kirchenraum zu jeder Tageszeit ein einladendes Ambiente. Optimale Akustik – egal ob für Musikdarbietungen oder Reden – garantiert die dem ursprünglichen Gewölbe nachempfundene Decke aus Segelelementen.
Planung LPH 1–8 mit Brandschutzplanung: Martin Beyer, Beyer Architekten, Rostock
in Zusammenarbeit mit Ellermann GmbH, Konzepte aus Textil & Profil, Rietberg Beratung: Detlef Jeenicke, Licht der Architektur, Berlin Akustik: Ingenieurbüro Kohlen & Wendlandt, Applikationszentrum Akustik GbR, Rostock Taubert und Ruhe GmbH, Pinneberg


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