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Mit geringer Brandlast

Neubau eines Zentrallagers in Speyer
Mit geringer Brandlast

Um für die Zukunft hinsichtlich Lagerung und Logistik optimal aufgestellt zu sein, entschied sich die Leitung des Reifenspezialisten Pneuhage zum Neubau eines neuen, üppig dimensionierten Zentrallagers. Eine besonders wichtige Rolle spielt hierbei das Thema Brandschutz. So waren beispielsweise Dachabdichtungsbahnen mit geringer Brandlast vorzusehen.

Sven-Erik Tornow / jo

Für die Planung der Halle mit einer Größe von rund 50 000 m2 wurde das Architekturbüro Boos & Giringer aus Renchen beauftragt. Bereits in der Planungsphase kam es zu einer ersten Erweiterung, so dass die Halle dann in der jetzigen Größe von 70 000 m2 realisiert wurde.
Da es sich bei dem Neubau um ein Reifenlager handelt, war von vorne herein ein spezielles Risikomanagement notwendig. Insbesondere das Thema Brandschutz spielte hier eine wichtige Rolle. Deshalb stand man während der gesamten Planungsphase in engem Kontakt mit dem Verband der Sachversicherer VdS und der Feuerwehr.
Gewaltige Dimensionen
Dem Lager mit einer Länge von 244 m, einer Breite von 284 m und einer Höhe von 12,50 m ist sowohl eine Staplerhalle als auch ein dreigeschossiger Verwaltungstrakt vorgelagert. Konstruktiv erstellte man die Halle mit Stahlbetonfertigteilen in F 90 im Rastermaß 20,25 m x 20,25 m sowie mit Wänden als Nebenstützen. Ortbeton mit Köchern bilden die Fundamente.
Als Außenwände kamen Stahlkassetten mit 100 mm Mineralwolle-Dämmung zum Einsatz, die mit Stahltrapezblechen verkleidet wurden. Im Bereich der Tore ordnete man Stahlbetonsandwich-Elemente mit 60 mm Wärmedämmung an. Bei den insgesamt 114 Toren, jeweils 57 zur Anlieferung und 57 zur Abholung, handelt es sich um wärmegedämmte Sektionaltore. Auch die Staplerhalle erstellte man mit Stahlbetonfertigteilen in F 90, hier jedoch im Rastermaß 20,25 m x 13,15 m, aber auch mit Wänden als Nebenstützen. Alle tragenden Wände, Stützen, Fundamente und Decken des dreigeschossigen Verwaltungsbaus wurden in Ortbeton erstellt und wärmegedämmt.
Abdichtung
Während das Dach des Bürotraktes als Tragschale eine Ortbetondecke erhielt, wurden die Dächer der Stapler- sowie der Lagerhalle mit Trapezblechen ausgeführt. Entsprechend der Nutzung folgt auf die Dampfsperre eine nichtbrennbare Wärmedämmung aus Mineralwolle, auf den Hallendächern in 120 mm Dicke, auf dem Bürodach in 140 mm Dicke. Als Abdichtung kam die Dach- und Dichtungsbahn Evalon von alwitra zum Einsatz. Für alle Verlegearten und Flachdachbauweisen nahezu universell einsetzbar, basiert diese Bahn auf einer Hochpolymerlegierung aus Ethylen-Vinyl-Acetat-Terpolymer (EVA) und Polyvinylchlorid (PVC). Dank dieser Rezeptur ist die Bahn durch gleichbleibende Eigenschaften und eine hohe Lebensdauer gekennzeichnet. Die sonst übliche Auswanderung flüchtiger Bestandteile wird nachhaltig durch den hohen Anteil an hochpolymeren Feststoffen verhindert.
Festigkeit und Dehnung bilden hierbei ein ausgewogenes Verhältnis, was eine thermisch und mechanisch hohe Belastbarkeit ermöglicht. Ihre helle und glatte Oberfläche wirkt schmutzabweisend und zugleich wärmestrahlenreflektierend. Grundsätzlich ist die Dach- und Dichtungsbahn mit einer homogenen Dichtschicht ausgestattet. Passend für die jeweilige Anwendung und den entsprechenden Dachaufbau ist sie unkaschiert, unterseitig mit Polyestervlies oder Glasvlies kaschiert oder mit vlieskaschierter, unterseitiger Selbstklebeschicht ausgestattet. Eine Verlegung auch ohne Trennlage ist auf allen genormten Dachdämmstoffen möglich.
Brandschutzmaßnahmen
Konstruktiv ist die Halle nur in zwei Brandabschnitte eingeteilt. Die jeweils rund 35 000 m2 großen Hallenflächen werden durch eine Stahlbetonbrandwand in F 180 getrennt. Dies hat mit Blick auf die Wegeführung und den Transport innerhalb der Halle enorme Vorteile. Um dennoch umfangreichen Brandschutz zu bieten, ist das gesamte Objekt voll gesprinklert. Vor allem kam eine Regalsprinkleranlage zum Einsatz, bei der jedes Regalfach gesprinklert ist. Darüber hinaus wurde auch eine Standard-Deckensprinkleranlage installiert. Insgesamt umfasst die Sprinkleranlage 42 000 Sprinklerköpfe und 1 000 Brandmelder. Ergänzt wurde das gesamte System durch eine 1 400 m lange Ringleitung um das Gebäude in DN 250, die bei rund 10 bar eine Pumpleistung von 13 500 l/min ermöglicht. Um im Brandfall ausreichend Wasser zur Verfügung zu haben, erstellte man auf dem Grundstück Wasserspeicher mit einem Gesamtfassungsvermögen von rund 2,4 Mio. Litern.
Das bereits vorhandene Überwachungssystem für den Warenein- und –ausgang wurde ergänzt, so dass die gesamten Außenkanten des Grundstücks überwacht werden.
Brandlasten gering halten
Mit Blick auf die Ausführung der 70 000 m2 großen Dachfläche ließen sich Planer und Bauherr von den Erfahrungen der VdS leiten. Grundsätzlich gilt, die Brandlasten des Dachaufbaus so gering wie möglich zu halten.
Die Brandlast bezeichnet den in Mega-Joule gemessenen Brennwert des Bauteils oder Baustoffes im eingebauten Zustand. Die Dach- und Dichtungsbahn Evalon mit einer Dicke von 1,2 mm hat eine Brandlast von etwa 38 Mega-Joule pro m2. Das liegt knapp unter der Brandlast von einem Liter Heizöl mit 42 Mega-Joule. Traditionelle Abdichtungsbahnen erreichen pro Lage und m2 einen Heizwert, der bis um das Dreifache höher ist.
Nach Auswertung eines Großteils der Brände von industriellen und gewerblichen Gebäuden werden vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft deshalb nachfolgende Systeme bzw. Materialien empfohlen:
  • Brandlastarme Dampfsperren
  • Nichtbrennbare Wärmedämmstoffe anstelle von brennbaren Wärmedämmstoffen
  • Hochpolymere Dachbahnen
  • Mechanische Befestigungen, deren Anzahl in der Fläche, den Rändern und Ecken durch die Flachdachrichtlinien des Dachdeckerhandwerkes geregelt werden, anstelle von bituminösen Klebmassen.
Mit dem Einsatz der bewährten Dach- und Dichtungsbahn Evalon in Kombination mit dem Dachschichtenpaket (in diesem Fall nach der erhöhten Brandschutzanforderung „Verhalten bei äußerer Brandeinwirkung“, Klassifizierung BROOF(t3), geprüft) folgte man den Anregungen der VdS.
Darüber hinaus galt es beim Hallenbau in Verbindung mit dem Brandschutzkonzept Anforderungen nach DIN 18234 „Baulicher Brandschutz großflächiger Dächer – Brandbeanspruchung von unten“ zu erfüllen. So wurden bei allen An- und Abschlüssen an aufgehenden Bauteilen und um die Durchdringungsstelle der Profilform folgend Abschottungen mit Formstücken aus nicht brennbaren Baustoffen eingesetzt.
Fazit
Beim Hallenneubau der Pneuhage in Speyer konnten sowohl alle logistischen Anforderungen an eine moderne Lagerhalle erfüllt als auch alle notwendigen Maßnahmen hinsichtlich des vorbeugenden Brandschutzes realisiert werden. Dank der engen Zusammenarbeit vom Architekt, Bauherr, VdS und Feuerwehr wurde ein Brandschutzkonzept entwickelt und umgesetzt, das den hohen Anforderungen an das gelagerte Gut und die Gebäudedimension entspricht. Zugleich bietet die Umsetzung mit nur zwei Brandabschnitten Vorteile bei dem Transport und der Wegeführung in der Halle.
Architekten: Boos & Giringer Freie Architekten, Renchen
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