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Nicht nur gegen Überhitzung

Textiler Sonnenschutz und Raffstore
Nicht nur gegen Überhitzung

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Außenliegender Sonnenschutz soll in erster Linie der Überhitzung entgegenwirken, muss aber auch visuellen Komfort im Hinblick auf den Blendschutz, die Helligkeit und den Ausblick bieten. Gerade bei textilem Sonnenschutz kommt deshalb der Auswahl des Behangs durch den Planer besondere Bedeutung zu.

Anforderung:

Räume vor Überhitzung schützen, ohne ihnen Helligkeit und Ausblick zu nehmen

Lösung:

Außenliegender Sonnenschutz mit strahlungstechnisch und optisch optimiertem Behang


Markus Hoeft

Sonnenschutz scheint auf den ersten Blick eine einfache, gewissermaßen eindimensionale Funktionalität in der Architektur zu sein. Schließlich weiß jeder aus Erfahrung, dass die Sonne bei klarem Himmel so intensiv scheinen kann, dass die Grenzen des Wohlbefindens und des individuellen Klimakomforts schnell überschritten sind. Innenräume müssen darum – vor allem bei einem hohen Glasanteil in der Fassade – gegen Überhitzung geschützt werden, um ein behagliches und leistungsförderndes Innenklima zu bewahren. In dieser verkürzten Form dargestellt besteht die Aufgabe des Planers dann hauptsächlich darin, starre oder bewegliche Sonnenschutzvorrichtungen auf eine elegante Art am Fenster bzw. in der Fassade unterzubringen.

Licht und Sicht

Aber wie bereits angedeutet hat Sonnenschutz in der Architektur deutlich mehr als diese eine Dimension des Hitzeschutzes. Eng mit ihm verbunden ist in jedem Fall der Blendschutz, wie er speziell für Bildschirmarbeitsplätze benötigt wird. Es muss also nicht nur der Eintritt von Sonnenwärme, sondern in bestimmten Situationen auch der von Sonnenlicht reduziert werden.

Dies verändert jedoch die optischen Verhältnisse in den Innenräumen. Sie müssen eine gewisse Grundhelligkeit behalten, die gleichzeitig eine realistische Farbwiedergabe und das unangestrengte Sehen von Kontrasten ermöglicht. Wichtig für die Aufenthaltsqualität im Raum können auch subjektiv empfundene und kaum messbare Eigenschaften wie eine freundlich-helle Raumstimmung oder das unmittelbare Erlebnis der sich verändernden Witterung sein.

Zum subjektiven Wohlgefühl in anspruchsvoller Architektur gehört auch der Ausblick nach außen, der durch den Sonnenschutz möglichst wenig eingeschränkt sein soll. Zusätzlich kann es Anforderungen an den Einblick nach innen geben – sowohl begrenzender als auch öffnender Art: Im privaten Wohnbereich sollen Einblicke eher verhindert werden, während sie beispielsweise bei Schaufenstern oder Autohäusern ausdrücklich erwünscht sind.

Ähnlich konträr können die angestrebten Sichtverhältnisse in der Dunkelheit sein. Denn auch ohne jede Sonne lassen sich Sonnenschutzbehänge nachts als Sichtschutz oder für die Inszenierung bestimmter Lichtstimmungen nutzen. Der verhinderte Einblick wird oft als Nachtintimität beschrieben. Umgekehrt kann etwa bei Showrooms oder Veranstaltungshäusern eine bestimmte Öffnung gewollt sein, um aus dem beleuchteten Gebäude eine prägnante Lichtskulptur zu formen.

Hier deutet sich an, dass die Auswahl des Sonnenschutzes nicht nur die Lebensqualität der Menschen im Gebäude beeinflusst. Auch für den außenstehenden Betrachter und den städtebaulichen Eindruck setzt die Technik architektonische Akzente. Zum einen durch die Materialität und Farbe der Behänge, zum anderen durch das veränderliche, sozusagen belebte Bild der Fassade, das durch die verschiedenen Ansichten des offenen, halboffenen oder geschlossenen Sonnenschutzes an den einzelnen Fenstern bzw. Fassadenbereichen entsteht.

Kriterien bei der Systementscheidung

Bei aller Vielfalt der möglichen Funktionen des Sonnenschutzes wird jedoch meist der sommerliche Wärmeschutz Auslöser und Anlass für die Planung derartiger Systeme sein. Es geht um die Herstellung bzw. Erhaltung eines behaglichen Raumklimas und um die Reduzierung der Kühllasten – womit der Sonnenschutz unmittelbaren Einfluss auf die Energieeffizienz des Gebäudes hat.

Außenliegender Sonnenschutz fängt die Strahlung schon vor der Verglasung ab und hat deshalb eine größere Wirkung als innenliegende Systeme. Im Hinblick auf die bereits genannten zusätzlichen Funktionen des Blendschutzes oder der Lichtstimmung sind bewegliche Systeme gegenüber starren Lamellen meist im Vorteil, weil sie auf die jeweilige Sonnensituation reagieren können.

Unter Beachtung dieser Randbedingungen bieten sich vor allem zwei grundsätzliche Bauweisen des Sonnenschutzes an: Einerseits textiler Sonnenschutz mit Senkrechtmarkisen, die auch als Fenster- oder Fassadenmarkisen bezeichnet werden; andererseits Raffstores mit waagerechten Lamellen, die umgangssprachlich auch als Jalousien bezeichnet werden.

Beide Bauweisen können einen ausgezeichneten Hitzeschutz bieten. Die DIN 4108–2 gibt in Tabelle 7 die Anhaltswerte für den Abminderungsfaktor FC sowohl für Raffstores als auch für parallel zum Glas verlaufende Markisen mit 0,25 an – was der beste Wert aller dort aufgeführten Sonnenschutzsysteme ist. In der sonstigen und vor allem optischen Funktionalität unterscheiden sich Raffstores und Markisen jedoch deutlich.

Funktionalität bei Markisen
und Raffstores

Fenster- und Fassadenmarkisen werden heute meist als ZIP-Screen angeboten, die in den seitlichen Führungen von einer Art Reißverschluss gehalten werden. Das erhöht die Windstabilität und erlaubt größere Tuchformate. In der Regel lassen sich Anlagengrößen bis 18 m² problemlos realisieren. Einzelne Hersteller geben aber auch bis zu 10 m Breite und bis zu 14 m Höhe als mögliche Maximalmaße an.

Senkrechtmarkisen bieten einen guten und streifenlosen Ausblick. Der Durchsichtscharakter in geschlossenem Zustand wird maßgeblich von der Art des Behangs bestimmt.

Differenziertere Möglichkeiten der Lichtsteuerung und des Ausblicks haben Nutzer hingegen bei Raffstores, weil hier neben den Zuständen auf, halboffen und zu auch die Drehung der Lamellen die Lichtstimmung verändern kann. Durch die Auswahl speziell geformter Lamellen lassen sich außerdem lichtlenkende Effekte realisieren, bei denen das Sonnenlicht beispielsweise zunächst auf die helle Decke und von dort blendfrei bis in die Tiefe des Raums geleitet wird.

Sowohl textiler Sonnenschutz als auch Raffstores benötigen für die Ruhestellung einen Kasten über dem Fenster, dessen Platzbedarf und Wärmeschutz sorgfältig geplant werden muss. Beide Systeme lassen sich problemlos mit elektrischem Antrieb und automatischer Steuerung ausrüsten. Die Steuerung sollte in jedem Falle individuelle Einstellungsmöglichkeiten für den Raumnutzer haben, ihm also erlauben, bei Anwesenheit die Automatik zu übersteuern. Das hat zwar den Nachteil, dass unruhige Fassadenbilder entstehen können, wenn in jedem einzelnen Büro eine andere Einstellung des Behangs gewählt wird. Dafür wird jedoch das Gefühl von Fremdbestimmung durch die Automatik vermieden, was die Akzeptanz des Sonnenschutzes und die Zufriedenheit am Arbeitsplatz erhöht.

Tuchauswahl bei Markisen

Bei Senkrechtmarkisen bestimmt die Tuchauswahl wesentliche Eigenschaften der Funktionalität gegen Hitze und Blendung, aber auch der architektonischen und psychologischen Wirkung. Ungünstig ausgewählte Behänge lassen sich später nur mit einigem Aufwand austauschen, weshalb der Tuchauswahl in der Planungsphase eine hohe Aufmerksamkeit geschenkt werden sollte.

Beim sommerlichen Wärmeschutz ist vor allem auf den FC-Wert bzw. den Energiedurchlassgrad gtot zu achten. Kleine Zahlenwerte bedeuten jeweils großen Hitzeschutz. Beide Parameter sind jedoch keine Eigenschaften des Tuchs allein, sondern ergeben sich aus der Kombination der Eigenschaften der Verglasung und des Sonnenschutzes. Um trotzdem zu einer Vergleichbarkeit zu kommen, werden in den Herstellerunterlagen Anhaltswerte FC bzw. gtot für eine Standardverglasung angegeben – meist die Verglasung C nach DIN EN 14501 mit U = 1,2 W/m²K und g = 0,59. Für andere Verglasungen gelten andere Werte, weshalb der Hitzeschutz für das konkrete Projekt jeweils berechnet werden muss.

Neben der Wärmetransmission ist – speziell in Gebäuden mit Bildschirmarbeitsplätzen – die Lichttransmission im Hinblick auf den Blendschutz zu beachten. Wichtig für den visuellen Komfort ist der Tv-Wert, der die Lichtdurchlässigkeit im sichtbaren Bereich oder etwas allgemeiner formuliert die Helligkeit im Raum beschreibt.

Von dieser Lichttransmission (nach innen) zu unterscheiden ist die Durchsicht (nach außen), für die der Öffnungsfaktor (ÖF, auch OF) maßgeblich ist. Beide Eigenschaften können mit Prozentwerten beschrieben werden, was die Verwechslungsgefahr erhöht. Der Öffnungsfaktor steht für die Maschengröße im Gewebe. Bei 0 % Maschenanteil handelt es sich um eine blickdichte Verdunklung, schon bei 14 % kann – abhängig von der Farbe des Tuchs – eine weitgehende Transparenz trotz des heruntergefahrenen Sonnenschutzes gegeben sein.

Wer sich nicht mit den Details dieser Zahlenwerte herumplagen möchte, kann sich auch an den Leistungsklassen nach DIN EN 14501 „Abschlüsse – thermischer und visueller Komfort – Leistungsanforderungen und Klassifizierung“ orientieren. Die Norm definiert für Eigenschaften wie den sommerlichen Wärmeschutz, den Blendschutz, die Durchsicht nach außen und den Sichtschutz bei Nacht jeweils fünf Leistungsklassen von 0 (sehr kleiner Effekt) bis 4 (sehr guter Effekt).

Neben diesen technischen Parametern beeinflusst die Tuchfarbe die Raumatmosphäre und den architektonischen Eindruck von innen und von außen. Die Farbe muss einerseits auf die Fassade abgestimmt sein, soll aber andererseits im Raum positive Emotionen auslösen und eine realistische Farbwiedergabe ermöglichen.

Alle Parameter berücksichtigen

Betrachtet man das gesamte Anforderungsprofil an den Sonnenschutz, zeigt sich sehr deutlich, dass eine alleinige Maximierung des Hitzeschutzes nicht unbedingt zielführend ist. Stattdessen müssen die unterschiedlichen und bauphysikalisch teilweise entgegenwirkenden Eigenschaften in einem ausgewogenen Verhältnis optimiert werden, wobei im Einzelfall auch Kompromisse erforderlich sein können. Zum Beispiel schützen dunkle Gewebe besser vor Sonneneinstrahlung und Blendung, dämpfen aber auch die Lichtverhältnisse im Raum stärker ab und schränken meist das positive Raumerlebnis ein. Erst eine Planung, die alle Parameter berücksichtigt, schafft die angestrebte architektonische Qualität.


Beim sommerlichen Wärmeschutz ist vor allem auf den FC-Wert bzw. den Energiedurchlassgrad gtot zu achten. Beide Parameter sind jedoch keine Eigenschaften des Tuchs allein, sondern ergeben sich aus der Kombination der Eigenschaften der Verglasung und des Sonnenschutzes.


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