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Beweglicher Mantel

Aufstockung des Börsengebäudes in Zürich
Beweglicher Mantel

Eine Börse ist ein Ort der Bewegung, der Veränderungen und der Überraschungen. Schon deshalb passt die Fassadengestaltung der Dachetage der Neuen Börse in Zürich gut ins Bild: Bewegliche, bedruckte Glaslamellen, die sich nach dem Stand der Sonne drehen, umschließen das kürzlich neu aufgestockte Attikageschoss.

Pascal Camenzind

Schon mehr als zehn Jahre ist es her, dass die Neue Börse Selnau (Zürich) sich von einer traditionellen Parkettbörse in eine Computerbörse verwandelt hat. Damals wurden umfangreiche Umbauten vorgenommen. Die elektrischen Installationen mussten den neuen Erfordernissen des elektronischen Wertpapierhandels angepasst werden. Die Form des Börsengebäudes aus dem Jahr 1992 wurde in diesem Zuge aber nicht verändert: Sie greift – zumindest in den oberen Stockwerken – die klassische Kreisform der so genannten Maklerschranken im traditionellen Parketthandel auf.
In diesem Jahr wurde das Börsenhaus aufgestockt und um ein gläsernes Attikageschoss erweitert, in dem Büro- und Konferenzräume untergebracht sind. Die Architekten Weber + Hofer aus Zürich, die bereits den Umbau im Jahr 1997 geplant hatten, griffen auch bei der aktuellen Erweiterung die geometrische Grundstruktur des Gebäudes auf. So entstand ein mehrfach abgerundetes und deshalb sehr dynamisches Geschoss, das sich harmonisch in die Bestandsform einfügt. Die Planer setzten die gesamte neue Etage leicht von der bestehenden Gebäudeflucht zurück. Dadurch wirkt das neue Attikageschoss wie ein eigenständiger Gebäudeteil. Ins Auge fällt er besonders aufgrund der Fassadengestaltung: Die „Wände“ sind rundum aus Glas, und vor diese Ganzglasfront legt sich gleich einem transparenten Mantel eine etwa 3 m hohe Glaslamellen-Anlage.
Eleganz und Lebendigkeit
Diese vor die Fassade gesetzte Lamellenanlage ist nicht starr. Die Lamellen verändern – automatisch gesteuert – ihre Position mit dem Sonnenstand. Das gesamte Dachgeschoss erhält seinen besonderen Charakter vor allem aufgrund dieser langsamen, aber stetigen Bewegung der Lamellen.
Weber + Hofer Architekten: „Deren fortlaufend wechselnde Ausrichtung im Tagesverlauf und der aufgebrachte Siebdruck in bronzenem Farbton, welcher sich wiederfindet in den Strukturen des Natursteins, verleiht dem Attikageschoss eine Eleganz und Lebendigkeit, die das Besondere dieser Lage unterstreicht.“
Mit Colt International fanden die Züricher Planer einen erfahrenen Partner für die Konzeption und Umsetzung der Sonnenschutzanlage auf dem Dach der Neuen Börse. Denn neben den hohen Ansprüchen an die Gebäudeästhetik, wollten Weber + Hofer mit der Lamellenfassade vor allem ein System für den effektiven Sonnenschutz und damit auch für eine Optimierung der Energiebilanz realisieren. Zwei Aspekte waren für die Erreichung dieses Ziels von entscheidender Bedeutung: Die Beschaffenheit, genauer gesagt, die Bedruckung der Glaslamellen und die automatische Steuerung, die dem Stand der Sonne nachgeführt wird.
Durchblick und Sonnenschutz
Die einzelnen Lamellen sind alle 2,90 m hoch und etwa 50 cm breit. Sie bestehen aus Verbundsicherheitsglas (reines Weißglas, VSG 2 x 12mm TVG) und stehen bündig auf Aluminiumprofilen.
Bedruckt wurden die Glaslamellen im Siebdruckverfahren in Perlbeige – in Anlehnung an die Farbe der Natursteinfassade in den Untergeschossen. Colt wählte ein Punktraster mit einem Bedruckungsgrad von 78 %. Jeder einzelne Punkt hat einen Durchmesser von 12 mm. Diese spezielle Rasterung hat zur Folge, dass der Blick von innen nach außen nur unwesentlich beeinträchtigt wird. Neben der optimalen Durchsicht gelingt in umgekehrter Richtung gleichzeitig ein äußerst effektiver Schutz vor direkter Sonneneinstrahlung. Die Innenräume, die vorwiegend als Büros genutzt werden, werden außerdem tagsüber mit ausreichend Tageslicht versorgt. Durch die dem Sonnenstand nachgeführte Steuerung wird eine optimale Reflexion der Sonnenstrahlung durch die Lamellen erzielt. Ganz konkret bewegen sich die Lamellen in Schritten à fünf Grad. Damit das System „weiß“, welche Wetter- und Witterungsverhältnisse herrschen, gibt es verschiedene Sensoren: Luxmeter für die Messung der Sonneneinstrahlung, Windsensoren zur Erfassung der Windstärke sowie Regensensoren und Temperaturfühler.
Die Ausrichtung der Anlage nach dem jeweiligen Sonnenstand erfolgt nicht Lamelle für Lamelle, sondern die einzelnen Lamellen-Elemente sind in Gruppen zusammen gefasst. In Verbünden zu jeweils drei Stück pro Motor (230 Volt, Schutzklasse IP55) werden sie an den geraden Fassadenabschnitten bewegt und in Verbünden zu jeweils vier oder fünf Lamellen an den runden Fassadenabschnitten. In der Grundstellung stehen die Lamellen in einem Winkel von 90 Grad zur Fassade. An den runden Fassadenabschnitten ist jede einzelne Lamelle am Kreiszentrum ausgerichtet. Von der Grundstellung aus können sich die Lamellen in einem Winkel von bis zu 180 Grad drehen.
Sollte der Himmel über Zürich bewölkt sein, so fahren die Lamellen automatisch in ihre Grundposition. Bei Niederschlag und gleichzeitigem Frost werden die Lamellen automatisch blockiert. Das gleiche gilt für Windstärken von über 70 km/h. Ist das Wetter extrem wechselhaft, so lässt sich über ein Bedienfeld eine Zeitverzögerung aktivieren.
Architekten: Weber Hofer Partner AG, Zürich
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