Glasschiebeelemente und Glasschiebetüren

Die aufgelöste Wand

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Glasschiebeelemente und großflächig verglaste Schiebetüren / Glasschiebetüren als Austritt auf Balkon oder Terrasse sind nicht nur funktionale Elemente der Raumbildung sondern auch des Wärme- und Wetterschutzes. Ihre Architektur und Ästhetik soll gleichzeitig ein emotionales Erlebnis und besonderes Lebensgefühl vermitteln.

Markus Hoeft

Es lässt sich kaum allgemeingültig beschreiben, was eigentlich einen anspruchsvollen architektonischen Entwurf von Räumen und speziell Wohnräumen ausmacht. Ausgewogene Raumproportionen oder hochwertige Materialien und Oberflächen gehören sicher dazu, was aber die Frage sehr vage und unkonkret beantwortet. Präziser fassen lassen sich hingegen einzelne Gestaltungsmittel, die dabei helfen, aus der normalen Kubatur den besonderen Raum herauszuarbeiten. Zu diesen Möglichkeiten der außergewöhnlichen, überraschenden und durchaus auch exklusiven Gestaltung gehören heute großflächige Verglasungen, die im Idealfall geschosshoch vom Boden bis zur Decke reichen und die Breite (fast) einer kompletten Wand einnehmen.
Für die Faszination, die solche großflächigen Verglasungen und ihre Glas-Schiebetüren ausüben, gibt es verschiedene Deutungsmöglichkeiten. Etwa aus der Frühgeschichte des Menschen, der – als er noch nicht sesshaft war – Orte mit weiter Aussicht als Lagerplätze bevorzugte, weil sich von dort sowohl zu jagende Tiere als auch eventuell nahende Feinde ausgezeichnet beobachten ließen. Auch die bergende Höhle folgt diesem Grundmuster mit drei schützenden Wänden und der vierten, offenen Seite mit dem Ausblick.
Um Transparenzgrad ringen
Eine andere Erklärung wäre aus der Auflösung der Wand in der Architekturgeschichte herzuleiten: Schon beim Übergang von der Romanik zur Gotik lässt sich beobachten, wie radikal reduzierte Wände und parallel dazu ebenso deutlich vergrößerte Fenster die Baumeister zu bis heute beeindruckenden Innenräumen inspirierten. Auch spätere Epochen haben immer wieder um höhere Transparenzgrade und Fenstergrößen in ihren Bauwerken gerungen. Unsere heutigen Glasfassaden und Großflächen-Verglasungen stehen insofern symbolhaft für die endlich gelungene Komplettauflösung der Wand.
Die Bauweise überwindet aber nicht nur die Wand, sondern auch das Fenster. Denn für die reine Notwendigkeit der Belichtung und des Ausblicks würden in vielen Fällen auch normale Fassadenfenster ausreichen. Allein unter lichttechnischem Aspekt betrachtet stellt die voll verglaste Wand also gewissermaßen eine Übererfüllung der Anforderungen dar. Oder anders formuliert: Sie ist ein Luxus, ohne den ein Raum trotzdem funktionieren kann, mit dem er aber einen deutlichen Zugewinn an Gestaltungs- und Aufenthaltsqualität erhält. Dieser Luxus, der hier in einem positiven Sinne als Mehr- und Lebenswert aufgefasst wird, sollte dann auch architektonisch in Szene gesetzt werden – durch wertige Materialien, eine ästhetische Minimierung der Fensterprofile, überraschende Öffnungsvarianten und komfortable Öffnungsfunktionen.
Art der Flügelbewegung
Für den Nutzungskomfort und das Erscheinungsbild großflächiger Verglasungen, Glasschiebetüren  und Glasschiebeelemente ist vor allem die Art der Flügelbewegung von Bedeutung, also die Entscheidung zwischen Schiebe-Falt-Systemen und Schiebe- bzw. Hebe-Schiebe-Türen.
Mit Faltlösungen lassen sich ganze Wände zum Verschwinden bringen, im geschlossen Zustand sind allerdings mehr senkrechte Teilungen zu sehen, weil jeder einzelne Faltflügel schmaler sein muss als eine Schiebetür. Bei zur Seite verfahrbaren Schiebe- oder Hebe-Schiebe-Türen sind sehr große Flügelbreiten möglich. Allerdings bleiben die geöffneten Flügel in der Regel sichtbar, sofern sie nicht in einer Wandtasche platziert werden können. Durch die Anordnung von zwei oder drei Schienen lassen sich mehrere bewegliche Flügel kombinieren. Dann entstehen mit reinen Schiebelösungen ähnlich große Öffnungsflächen wie mit Schiebe-Falt-Systemen, allerdings auf Kosten einer erhöhten Bautiefe für die verschiedenen Laufschienen.
Die Ansicht in geschlossenem Zustand wird vor allem von den Profilen sowie den Flügelgrößen bestimmt. Bei den Ansichtsbreiten der Flügelprofile ist – ähnlich wie bei Fassaden – eine stetige Tendenz zur Verringerung zu beobachten, in Extremfällen werden nur noch 30 mm benötigt, beispielsweise beim Schiebetürsystem Schüco ASS 77 PD.
Da die Tragfähigkeit und Statik der Rahmen aber letztlich sichergestellt werden müssen, geht der „Schwund“ bei den Profilbreiten etwas zu Lasten der Profiltiefen. Diese Entwicklung wird auch durch den Übergang von Zweifach- zu Dreifach-Verglasungen forciert. Bautiefen der Flügel von 50 mm sind meist nur für Zwei-Scheiben-Isolierglas geeignet. Für einen zeitgemäßen Wärmeschutz muss jedoch mit drei Scheiben geplant werden, was dann oft Bautiefen um 70 mm erfordert, bei noch dickeren Spezialverglasungen eventuell auch mehr.
Bei diesen Maßen handelt es sich um die Bautiefe der einzelnen beweglichen Flügel, für die Blendrahmen oder den Dopplungsbereich von Schiebetüren muss mit größeren, optisch wirksamen Profiltiefen gerechnet werden.
Reduzierte Profilgeometrie
Die architektonische Wirkung von Schiebe- oder Faltsystemen hängt auch vom Material der Rahmen ab. Durch die hohe Tragfähigkeit können vor allem mit Aluminium optisch reduzierte Rahmen erreicht werden. Aber auch Holz oder Kunststoff können große Flügel elegant fassen: Bei den Kunststofflösungen etwa die Hebe-Schiebetüren Vekaslide von Veka oder Premidoor von Profine, letztere beispielsweise mit bis 2,9 m Höhe und im Standard bis zu 6,5 m Breite. Daneben gibt es – ähnlich wie bei Fenstern – Materialkombinationen von Profilen aus Holz oder Kunststoff mit Aluminiumdeckschalen, die den hohen Wärmeschutz der konstruktiven Materialien mit der Oberflächenästhetik des Metalls kombinieren.
Für eine reduzierte und elegante Gestaltung sind nicht nur die Geometrie der Rahmenprofile ausschlaggebend, sondern auch ihre Menge und damit die Scheibengröße. Geschosshohe Ausführungen mit 3,0 m und mehr Bauhöhe vermeiden eine Querteilung der Glasflächen. Noch einen Schritt weiter gehen rahmenlos erscheinende Glasschiebeelemente bzw. Schiebelösungen und Glasschiebetüren, bei denen die Profile nicht sichtbar oben im Deckenaufbau und unten im Fußboden liegen, wie es beispielsweise die Schiebesysteme von Sky-Frame oder Cero von Solarlux ermöglichen. Anders als die Querteilung des Glases lassen sich senkrechte Profile nicht vollständig vermeiden – zumindest nicht, wenn das Verglasungssystem modernen wärmetechnischen Anforderungen genügen muss. Neben einer schlanken Profilgeometrie eröffnen hohe Flügelbreiten und damit eine möglichst kleine Zahl senkrechter Profile den Weg zu optisch reduzierten Gestaltungen. Die realisierbare Flügelbreite hängt technisch vom maximal zulässigen Flügelgewicht ab, das bis 500 kg, in einigen Systemen aber auch deutlich mehr, betragen kann. Viele Hersteller geben statt des Gewichtes die möglichen Baugrößen an, zum Beispiel für die Hebe-Schiebeelemente Wicslide 160 von Wicona bis 3,24 m Breite bzw. 3,40 m Höhe. Die in den technischen Unterlagen der Hersteller genannten Größenangaben sind meist nur als Beispiele zu verstehen. Die tatsächlich erreichbaren Maße hängen vom Flügelgewicht ab und können nicht mit jeder Verglasung erreicht werden.
Bei der Minimierung der Profilgrößen und -mengen kann neben der inneren Ansicht auch der äußere Anblick ausschlaggebend sein. Die wärmegedämmte Glas-Faltwand SL 82 bietet beispielsweise eine Ganzglas-Optik mit außen planliegender Glasfläche, die ähnlich wie beim Structural Glazing mit profilüberdeckendem Stufenglas erreicht wird.
Auflösung der Ecken
Wie oben beschrieben, können moderne großflächige Glasschiebeelemente und Glasschiebetüren als Auflösung der geschlossenen Wand interpretiert werden. Unter diesem Aspekt ist es naheliegend, im nächsten Schritt über die Auflösung mehrerer Wände und die Reduktion der Gebäudeecken nachzudenken. In klassischen Lösungen benötigt diese Ecke in der Regel einen senkrechten Pfeiler oder zumindest ein markantes Profil.
Aber auch pfostenfreie Ecklösungen sind möglich, etwa bei Soreg glide von Burckhardt oder als Ganzglasecke von Schweizer, bei der die Fugen zwischen den Fensterfronten sehr schmal und somit kaum sichtbar sind. Noch überraschender in der Wirkung sind Eck-Schiebetüren, wie sie beispielsweise heroal oder Schüco anbieten. Eckbereiche lassen sich damit vollständig öffnen, ohne dass feste Rahmen oder Profile den Blick nach außen einschränken.
Die architektonische Eleganz, die rahmenlose Ganzglassysteme, optisch reduzierte Profile oder besondere Ecklösungen ermöglichen, sollte in der technischen Funktionalität und dem Komfort der Bedienung ihre Entsprechung finden.
In einer Zeit, wo selbst normal große Fassadenfenster bereits mit Motoren ausgerüstet werden, ist der elektrische Antrieb für die deutlich größeren und schwereren Flügel von Schiebesystemen eigentlich unverzichtbar, wenn sie in ihrer Wertigkeit und eben auch in ihrem Luxus erlebbar sein sollen. Weil die Beschläge der Schiebelösungen speziell unter dem Aspekt der Leichtgängigkeit optimiert sind, ist eine Bedienung allein mit Muskelkraft zwar in der Regel möglich, doch muss speziell beim Anfahren zunächst mit einigem Aufwand die Trägheit überwunden werden. Elektrische Antriebe, deren Motoren verdeckt im Boden, in der Decke oder auch in den Profilen selbst angeordnet sind, machen diesen Kraftaufwand überflüssig.
Auch bei jungen Auftraggebern, die im Moment des Einbaus ihre Schiebetüren bzw. Glasschiebetüren noch ohne Hilfe bedienen können, sollte die Motorisierung zumindest geprüft und gegebenenfalls vorbereitet werden, um späteren Umbauaufwand zu vermeiden bzw. zu minimieren. Eine Überlegung, die ähnlich für die barrierefreie Ausbildung der Schwelle von Schiebetüren gilt. Im Sinne des nachhaltigen Bauens ist eine altersgerechte Situation anzustreben, die auch in den späteren Lebensjahren der Bewohner Bestand haben kann.
Doch auch jenseits dieser reinen Vernunft spricht vieles für den Komfort einer leichten Bedienung und Benutzung von Schiebesystemen. Denn ihre Architektur und Ästhetik sollen ein emotionales Erlebnis und besonderes Ambiente vermitteln, wozu dann auch ein gewisser Luxus in der Funktionalität gehört.

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