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Denkmalpflege Hand in Hand mit kommerzieller Nutzung

Umnutzung der Buntgarnwerke in Leipzig–Schleußig
Denkmalpflege Hand in Hand mit kommerzieller Nutzung

Dr. Ing. Günter Glock, Leiter Anwendungstechnik; Stefan Esche , Verkaufs-Fachberater; Dirk Jähnichen Verkaufs-Fachberater / r.

Die Buntgarnwerke Leipzig, ehemals eine Wollgarnfabrik, gelten als das größte erhaltene Industriedenkmal Deutschlands. 1875 erfolgte die Grundsteinlegung des Industriekomplexes. Die Geschäftsaktivitäten gehen auf die bereits 1866 gegründete Seiden-, Garn- und Tapisseriewarenhandlung C. A. Tittel zurück. Anfang des 20. Jahrhunderts reichte der Platz für das Industrieareal nicht mehr aus, so dass man auch auf der anderen Seite der Elster, direkt am Ausgangspunkt des geplanten Elster-Saale-Kanales, im Stadtteil Schleußig baute (Hochbau „Süd“).
Insgesamt 570 m Wasserfront säumen den Industriekomplex. Die Fabrikgrundstücke umfassten damals eine Gesamtfläche von ca. 32 000 m², von denen knapp die Hälfte bebaut waren.
Die Ausstattung der Fabrik setzte für die damalige Zeit Maßstäbe: Elf Dampfkessel lieferten die nötige Energie und heißes Wasser, eine eigene Wasseraufbereitungsanlage, Instandsetzungs-werkstätten, eine Fabrikfeuerwehr, Werksbahn, Kantine mit Werksküche und Speiseräumen, Zellen-Brausebäder und vieles mehr.
1911 fanden mehr als 2 000 Beschäftigte Lohn und Brot in der Fabrik.
Umwandlung in Lofts
Das heutige Nutzungskonzept der Firma Atrium als Bauherr beruht auf modernen, repräsentativen Loft-Wohnungen im Industriedenkmal Buntgarnwerke. Hohe Räume, riesige Fensterflächen, offene Zwischenebenen, ein Innenhof mit Galerien, Fahrstuhlanlagen, ein zentraler Conciergebereich sowie videoüberwachte Tiefgaragenplätze schaffen ein Wohnambiente in citynaher Umgebung zwischen Elsterpark und dem Fluss Weiße Elster. Die Wohnungen wurden in zwölf unterschiedliche Grundrisstypen je Stockwerk unterteilt. Auf einer Erdgeschoss- und drei Obergeschossebenen sind Lofts bzw. Penthouse-Wohnungen verteilt. Drei Treppenhäuser, eins davon im begrünten Innenhof, erschließen die verschiedenen Ebenen.
Die Penthouse-Wohnungen verfügen über Dachterrassen, die ebenso wie der allen Eigentümern zugängliche 500 m² große Dachgarten, einen fantastischen Rundblick über Leipzig erlauben.
In kürzester Bauzeit von nur einem Jahr wurde der Hochbau Süd, das Kernstück des von Züblin in massiver Eisenbetonbauweise in der Leipziger Gründerzeit errichteten Industriekomplexes, in ein attraktives Wohnumfeld verwandelt.
Das hohe Rastermaß der ehemaligen Werkshallen gliedern Zwischendecken in Loft-Teilbereiche. Die Gebäudehüllen bestanden aus kleinformatigem Ziegelmauerwerk und wurden außen steinsichtig bzw. mit Gurtbändern und Bossenprofilierungen in Stand gesetzt.
Die Bereitstellung der unterschiedlichen Putz- und Mauermörtel stellte eine logistische Herausforderung dar. Zeitweilig waren 20 Großraumsilos mit jeweils 18 m³ Inhalt, Siloförderanlagen zur Trockenförderung der Baustoffe bis an den Einsatzort auf allen Ebenen und im Keller (Tiefgarage) und diverse Putzmaschinen gleichzeitig im Einsatz.
Sanierung feuchter Flächen
Die Nähe der Weißen Elster bedeutete für die Kellergeschosse aufwändige Abdichtungsmaßnahmen im Grundwasserhorizont. Auf Grund der durchgeführten Mauerwerksdiagnostik und den festgestellten Belastungen mit bauschädlichen Salzen wurde der Gesamtbereich der Tiefgarage (ca. 1 500 m² Wandfläche) mit dem weißen, schnell abbindenden BaumitBayosan SanierPutz HiQ Top ausgeführt.
Der WTA-zertifizierte Sanierputz (WTA-Merkblatt 2–9–04-D „Sanierputzsysteme“) erlaubt bei bestimmten Salz- und Feuchtebelastungen eine einlagige Beschichtung, was den Fortgang der Arbeiten wesentlich beschleunigt hat. Durch seine Schnellabbindung können die Oberflächen wenige Stunden nach dem Putzmörtelauftrag bereits endbearbeitet werden (filzen, glätten, strukturieren). Dank seiner hellen Farbe ist auch die Optik „gebrauchsfertig“ – ohne Farbanstrich. In Teilbereichen der Treppenhäuser wurde auf Grund eines ähnlichen Befundes ebenfalls auf den SanierPutz HiQ Top zurückgegriffen.
Detaillösungen
Die Wohnungszwischenwände wurden mit Kalk-Sandsteinen (Format 2 DF, Planstein) aufgemauert. Die Zwischenräume zwischen den Betonstützen im 1. und 2. OG wurden aus statischen Gründen mit Beton ausgegossen. Manuell mit einem leicht quellenden Einpressmörtel ausgefugt werden mussten die verbliebenen Zwischenräume zwischen Mauerwerk und Pfeiler wurden. Um eine einheitliche Oberflächenoptik zwischen KS-Plansteinen und Betonflächen zu erzielen, wurden die glatten Wandflächen mit auf der Baustelle zugeschnittenen Gipsplatten im Rastermaß der KS-Steine bekleidet. Als Klebemörtel wurde dazu der BaumitBayosan InnenSpachtel IS 20 auf Gipsbasis verwendet. Diese Wandflächen erhielten ebenso wie die Innenseiten der Außenwände, die mit einem Kalk-Zementputz abgestimmter Festigkeit (BaumitBayosan LuftporenLeichtputz LL 66) verputzt wurden, lediglich einen Farbanstrich.
Die Unterseiten der Betondecken der Laubengänge (Galerien) im Innenhof wurden zusätzlich mit einer Wärmedämmung zur Vermeidung von Kältebrücken versehen. Dazu wurden cirka 4 cm Wärmedämmputz gem. DIN EN 998–1:T (BaumitBayosan DämmPutz DP 85) aufgetragen. Die Oberfläche wurde mit 5 mm Glättspachtel fein abgefilzt (BaumitBayosan Haft- und SchweißPutz HSP 60) und gestrichen.
Alle oberflächensichtigen Betonpfeiler und -stützen im Innenhof und auf der Dachterrasse wurden mit einem kunststoffvergütetem Haftmörtel überzogen und fein abgefilzt (BaumitBayosan HaftMörtel HM 50). In der Oberflächenstruktur entspricht er den Kalk-Zementputzflächen, ausgeführt mit dem LuftporenLeichtputz LL 66.
Die Umsetzung der planerischen Zielstellungen wurde in Rekordzeit geleistet. Nicht nur die Erhaltung sondern auch die Umnutzung des Gebäudes zeigen einmal mehr, dass Denkmalpflege und rentable, kommerzielle Nutzung sich hervorragend ergänzen können. Das gesamte Objekt zeigt erfreulicherweise keine Leerstände und wird von der Eigentümergemeinschaft hervorragend angenommen.
Weitere Informationen
Sanierputz bba 510
Luftporenleichtputz bba 511
Dämmputz bba 512
Innenspachtel bba 513
Architekturbüro: Gregor Fuchshuber & Partner, Leipzig
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