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Kreislaufwirtschaft - Mehr.WERT.Pavillon auf der BUGA in Heilbronn

Kreislaufwirtschaft
Innovativer Ressourceneinsatz beim »Mehr.WERT.Pavillon« auf der BUGA

Kreislaufwirtschaft: Studierende, Forscher und Professoren des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) haben gemeinsam mit dem Architekturbüro 2hs den »Mehr.WERT.Pavillon« auf der Bundesgartenschau Heilbronn 2019 realisiert. Das Projekt demonstriert einen innovativen und sinnvollen Einsatz vorhandener Ressourcen.

Der »Mehr.WERT.Pavillon« ist Teil des sogenannten »Mehr.WERT.Gartens« – ein Partnerprojekt des Umweltministeriums Baden-Württemberg mit den Entsorgungsbetrieben der Stadt Heilbronn – und liegt im Experimentierfeld der Bundesgartenschau Heilbronn 2019, dem sogenannten „Inzwischenland“.

Mit Pavillon und Garten wird die Frage erforscht, wie wir und auch die Generationen nach uns gut leben können – und wie wir es schaffen, unsere Wirtschaft positiv zu entwickeln, wenn die natürlichen Ressourcen knapper werden.

„Es war uns wichtig, dass nachhaltige Architektur attraktiv und relevant sein muss“,  sagt Dirk E. Hebel, Professor für Nachhaltiges Bauen am KIT, zu dem Projekt. „Gerade im Bauwesen ist ein Umdenken möglich, denn wir sind heute schon in der Lage, die Kreislaufwirtschaft im Bau zu etablieren, wir müssen es nur wollen und dann auch tun.“

Materialien aus der urbanen Mine

Das Projekt »Mehr.WERT.Pavillon« demonstriert einen innovativen und sinnvollen Einsatz vorhandener Ressourcen. Alle im Projekt eingesetzten Materialien haben bereits mindestens einen Lebenszyklus durchlaufen, entweder in gleichbleibender oder veränderter Gestalt. Ebenfalls sind alle Materialien sortenrein verbaut und nach dem Rückbau wiederum komplett trennbar.

Bei dem Projekt kommen keinerlei Kleber, Silikonfugen, Anstriche oder sonstige Imprägnierungen zum Einsatz. „Damit bedient sich das Projekt einerseits der bestehenden urbanen Mine, aber stellt gleichzeitig auch ein Materiallager dar, dessen Ressourcen nach der Bundesgartenschau wieder vollständig zur Verfügung stehen“, erklärt Felix Heisel, Projektleiter und Partner im Büro 2hs.

Konzeptionell liegt dem Projekt dabei eine stoffliche Schichtung zugrunde: Die tragende Struktur ist komplett aus Stahl gefertigt, welcher größtenteils aus einem zurückgebauten Kohlekraftwerk in Nordrhein-Westfalen stammt. Die Fassade zeigt wiederverwertete Glasmaterialien aus dem Glascontainer, wie Glaskeramik oder Schaumglas. Die Bodenflächen im Garten und unter dem Pavillon sind mit mineralischen Bauabruchstoffen belegt, welche direkt oder in weiterverarbeiteter Form von Recyclinghöfen stammen. Die Möbel und Einbauten sind aus wiederverwerteten Kunststoffmaterialien hergestellt.

Tragstruktur

Wiederverwendete Stahlrohre stammen aus dem inzwischen rückgebauten Kraftwerk Kneppers und wurden von der Firma Hagedorn GmbH im Zuge der Rückbaumaßnahmen für den »Mehr.WERT.Pavillon« bereitgestellt.

Neben einer genauen Sichtprüfung zur Feststellung möglicher Beschädigungen der Elemente wurde der Stahl auf verschiedene Eigenschaften untersucht. Prüfungen in den Laboratorien der KIT Architekturfakultät (Prof. Pfeifer und Prof. Wagner) sowie der KIT Versuchsanstalt für Stahl, Holz und Steine auf Zugfestigkeit, Elastizität, Kerbschlagzähigkeit und chemische Zusammensetzung ermöglichten es, die notwendigen Aussagen über die Materialqualität zu treffen.

„Aus ingenieurtechnischer Sicht steht der Wiederverwendung von Baumaterialien in tragenden Anwendungen nichts entgegen, sofern deren Materialkennwerte bekannt und überprüfbar sind“, so Karsten Schlesier, Tragwerksplaner im Büro 2hs.

Fassade

Die Fassade zeigt hauptsächlich zwei verschiedene Produkte aus Brauch- und Bruchglas. Magna Glaskeramik wird zu 100 Prozent aus Recyclingglas hergestellt und kann nach Gebrauch vollständig und hochwertig wieder dem Glaskreislauf zugeführt werden. Transparentes, grünes oder braunes Flaschenglas werden durch einen Sinterprozess zu Glaskeramik verschmolzen, wobei die Farbigkeit und Form der Glasscherben erhalten bleiben und eine besondere Ästhetik entsteht.

Das zweite Produkt, Foamglas, wird ebenfalls aus Recyclingglas hergestellt, welches durch Zugabe von Gas zu einem leichten, aber stabilen Dämmmaterial aufgeschäumt wird. Schaumglas kann nach Gebrauch wieder zu neuwertigem Schaumglas verwertet werden.

Boden

Der Boden kombiniert verschiedene mineralische Materialien, gefasst in Stahlrahmen als „Gefallenes Laub“ der Baumstruktur. Zur Anwendung kommen Beton- und Ziegelbruch in verschiedenen Körnungen, direkt wiederverwendete Klinkersteine und sogenannte WasteBasedBricks der Firma StoneCycling. Dieses kleine niederländische Start-Up verarbeitet mineralischen Bauschutt zu neuen Backsteinen – im Falle des »Mehr.WERT.Pavillons« in die Sorten „Salt&Pepper“, „Blackpepper“ und „Salami“.

Die Fläche zwischen dem Laub wird als wassergebundene Fläche aus Porzellanbruch ausgebildet. Gebrochene Teller und Tassen aus Produktionsausschuss und Recyclinghöfen werden hierzu gemahlen und als sortenreine Bodenschicht aufgebracht.

Möblierung

Der Tresen und die Videostele wurden aus einem Plattenmaterial der Firma Really. produziert, welches aus rezyklierten Textilfasern (weiße Baumwolle und Denim-Jeansstoffe) hergestellt wird.

Die Arbeitsplatte besteht aus Dapple, einer sehr harten und beständigen Platte aus HDPE der Firma Smile Plastics. Der Rohstoff hierzu sind benutzte, gesammelte Küchen-Schneidebretter.

Die Hocker und Stühle wurden vom Studio Dirk van der Kooij aus Kunststoff-Hausabfällen hergestellt – mit Hilfe eines 3-D Druckers.


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