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Circular Buildings Toolkit - Einfacher Einstieg ins zirkuläre Bauen

Circular Buildings Toolkit
Einfacher Einstieg ins zirkuläre Bauen

Circular Building Design Toolkit für das zirkuläre Bauen
Die kostenlose Plattform Circular Building Design Toolkit macht Know-how rund ums zirkuläre Bauen zugänglich und erleichtert Entwurfsentscheidungen. Bild: Arup

Das Interesse an kreislaufgerechten Immobilien steigt – trotzdem gibt es bislang nur sehr wenige Projekte, die nach zirkulären Design-Prinzipien realisiert wurden. Grund dafür ist meist fehlendes Know-how. Die neue Plattform »Circular Buildings Toolkit« will das ändern.

Wie nötig ein Umsteuern in Richtung kreislauffähige Immobilienwirtschaft ist, zeigt ein Blick auf unsere Städte. Mit 51,7 Milliarden Tonnen Material ist allein der Gebäudebestand in Deutschland ein gigantisches Rohstofflager. Würde man die verbauten Materialien konsequent wiederverwenden, wäre dies der wirksamste Hebel zur Senkung des Abfallaufkommens und CO2-Ausstoßes.

Theoretisch – denn die in älteren Bestandsgebäuden verbauten Materialien wurden nicht für eine spätere Wiederverwendung konzipiert. Sie lassen sich entweder gar nicht oder nur mit großem technischem Aufwand sortenrein trennen. Angesichts dieses brachliegenden Ressourcenpools ist die gesamte Wertschöpfungskette gefordert, ein neues Mindset zu entwickeln – weg von der Verschwendung hin zu zirkulärer Verwendung.

Zirkulärer Werkzeugkoffer

Um Know-how rund ums zirkuläre Bauen leicht zugänglich zu machen und damit den Einstieg in die kreislauffähige Immobilienwirtschaft zu erleichtern, haben Arup und die Ellen MacArthur Foundation die kostenlose Plattform Circular Building Design Toolkit entwickelt. 

„Mit unserem Circular Building Design Toolkit wollen wir die Immobilienwirtschaft dabei unterstützen, zirkuläre Prinzipien in den Planungsprozess zu integrieren, die es ermöglichen, Gebäude hinsichtlich ihres Ressourcenverbrauchs, CO2-Fußabdrucks und Materialwerts zu optimieren“, erklärt Martin Pauli, Leiter Foresight Consulting bei Arup.

Für das Tool hat ein interdisziplinäres Experten-Team die übergeordneten Circular-Economy-Prinzipien auf die Immobilienwirtschaft übertragen. Daraus wurden schließlich vier grundlegende Circular-Building-Design-Strategien abgeleitet – quasi als »zirkulärer Werkzeugkoffer«. Jede Strategie ist mit konkreten Maßnahmen auf Konzeptions-, Konstruktions- als auch Materialebene verbunden. Berechnungstools wie der Carbon Assessment Calculator machen die Umweltauswirkungen der jeweiligen Entwurfsstrategie transparent.

Online-Plattform für zirkuläres Bauen bekommt Zuwachs

Differenzierte Zirkularität

Will man erreichen, dass die verbauten Ressourcen über den gesamten Lebenszyklus hinweg wertvoll bleiben, müssen die Aspekte Langlebigkeit, Adaptivität und Nutzungsflexibilität möglichst frühzeitig in den Entwurf einfließen.

Da Gebäude aus verschiedenen Komponenten mit unterschiedlichen Funktionen und Nutzungsdauern bestehen, ist es sinnvoll, die einzelnen Komponenten im Gebäudedesign voneinander zu trennen und für jede eine maßgeschneiderte Designlösung zu entwickeln. So sollten bei der Konzeption des Tragwerks Langlebigkeit und Adaptierbarkeit im Vordergrund stehen, Fassaden und Gebäudetechnik hingegen nach den Prinzipien des Recyclings und der Wiederverwertbarkeit konzipiert werden.

„Das Circular Buildings Toolkit erleichtert zirkuläre Entwurfsentscheidungen und beschleunigt damit die dringend notwendige Ressourcenwende“, so Cristina Gamboa, CEO des World Green Building Councils.

Einfacher Einstieg

Das kostenlose Circular Buildings Toolkit richtet sich an Nutzer aller Erfahrungs-Levels. Einsteiger können sich mithilfe von Lehrmaterialien und Case Studies in das Thema einarbeiten, Erfahrene im Rahmen eines gemeinsamen Workshops mit Investoren und Entwicklern die passende Designstrategie für ihr zirkuläres Projekt definieren.

Das Toolkit wurde auf den Workflow von Architekten und Planern zugeschnitten. Alle Module sind so konzipiert, dass sie sich nahtlos in den kreativen Designprozess einfügen.

„Uns war es wichtig, kein Nerd-Tool zu entwickeln. Die Benutzung unseres zirkulären Werkzeugkoffers soll Spaß machen und dazu anregen, Projekte unter zirkulären Aspekten neu zu denken“, so Martin Pauli.

So sieht das Bauen der Zukunft aus

Modulares Vorzeigeprojekt

Das erste reale Projekt, bei dem das Circular Buildings Toolkit eingesetzt wurde, ist der Prototyp des modularen, zirkulären Gebäudesystems ADPT. Das System soll multifunktional nutzbar, konfigurierbar, transportierbar und recycelbar sein. Aufgrund des hohen Vorfertigungsgrades wurden die Baufirmen bereits zu einem sehr frühen Zeitpunkt in die Entwurfsplanung einbezogen. Dadurch ist viel interdisziplinäres Wissen in das Projekt eingeflossen.

„Das Toolkit hat uns dabei geholfen, dieses Know-how zu bündeln, strukturiert zu nutzen und dadurch die richtigen Entscheidungen zu treffen“, erklärt Lena Raizberg, Leiterin Architektur Berlin bei Arup.

Aufgrund derCO2-Speicherfähigkeit war eigentlich Holz der favorisierte Baustoff. Da die Module aber jederzeit erweiterbar und umnutzbar sein sollten und unklar war, inwieweit Holz für einen mehrfachen Umbau geeignet ist, entschied man sich, eine Stahlvariante optional zu durchdenken. Auch für andere Materialen wurden zirkuläre Alternativen entwickelt, um angesichts der aktuellen Materialengpässe im Ernstfall schnell umplanen zu können. 


Hinweis: Dieser von Arup und Futur2K konzipierte Prototyp des modularen, zirkulären Gebäudesystems ist Teil des Ausstellungsprojekts »Folkwang und die Stadt«, das anlässlich des 100-jährigen Jubiläums des Museums Folkwang vom 21. Mai bis 7. August 2022 in Essen zu sehen ist. Im Fokus stehen u.a.  Konzepte zur Urbanität der Zukunft, die im Stadtraum präsentiert werden.


Hohes Marktpotenzial

„Die Immobilien der Zukunft sind zirkulär“, ist sich Eva Hinkers, Vorsitzende des Europe Region Boards bei Arup, sicher. Das neue Circular Buildings Toolkit unterstütze die Immobilienwirtschaft, neue zirkuläre Wertschöpfungspotenziale zu erschließen. Während konventionelle Immobilien am Ende des Lebenszyklus hohe Abrisskosten verursachten, seien die in zirkulären Gebäuden verbauten Baustoffe eine mittel- und langfristige Wertanlage. Sie stellten ein Rohstoffdepot dar, dessen Wert besonders in Zeiten von Rohstoffknappheit kontinuierlich steige.

Laut Prognosen der Unternehmensberatung Roland Berger eröffnet die Kreislaufwirtschaft der europäischen Immobilienwirtschaft bis 2025 Marktpotenziale in Höhe von 240 Milliarden Euro. Durch innovative Geschäftsmodelle entlang der gesamten Wertschöpfungskette lassen sich jährliche Wachstumsraten von bis zu 30 Prozent realisieren.

Direkt zum Circular Buildings Toolkit »


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