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Bauen mit Holz günstiger machen

Forschungsprojekt
Bauen mit Holz günstiger machen

Bauen mit Holz: Das traditionsreiche Zollingerdach lässt sich mithilfe der Digitalisierung ins Heute übertragen
Durch konstruktive Optimierung und digitale Planung will die HTWK-Forschungsgruppe FLEX der materialeffizienten Zollingerdach-Bauweise zu einem Comeback verhelfen. Bild: HTWK Leipzig/FLEX/Alexander Stahr

Holz bindet Kohlenstoff, lässt sich klimaneutral entsorgen und wächst nach. Zudem ist es vielseitig einsetzbar – als Tragwerk, Fassade oder Dach. Doch ein Massenprodukt ist Holz als Baustoff bisher nicht, denn Bauen mit Holz ist teurer als mit Stein oder Beton. Wie lässt sich das ändern?

Die Preise für Holzbauten könnten sinken, wenn die gesamte Branche die Möglichkeiten der Digitalisierung besser nutzt. Wie das gelingen kann, erforscht Professor Alexander Stahr gemeinsam mit seiner Forschungsgruppe FLEX. An der der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig (HTWK Leipzig) arbeiten die Forschenden daran, Holz als Baumaterial zu einer Renaissance zu verhelfen. Sie entwickeln statische Berechnungswerkzeuge für Holzhochbauten, optimieren historische Bautechniken und vereinfachen die Holzverarbeitung durch digitale Tools.


Veranstaltungshinweis: Um ihr Know-how rund um den Baustoff Holz in die Breite zu tragen, organisieren die Forschenden am 22. und 23. September 2022 zum zweiten Mal die EASTWOOD-Konferenz in Leipzig.


Das Zollingerdach ins Heute übersetzt

Am Beispiel einer mehr als hundert Jahre alten Dachbauweise demonstrieren die HTWK-Forschenden, wie traditionsreiche Baumethoden mithilfe der Digitalisierung modernisiert werden können und dabei Ressourcen schonen. Mit dem Zollingerdach, einer gekrümmten, freitragenden Konstruktion aus kurzen Hölzern, wurden bis 1928 mehr als tausend Häuser und Hallen in Deutschland überdacht.

Stahr und sein Team sehen großes Potenzial im Zollingerdach, denn die Baumethode ist besonders effizient und spart so Material ein. Die Forschenden beseitigten konstruktive Mängel und erweiterten den Bauprozess um die Möglichkeiten der Digitalisierung. Jeder Arbeitsschritt – von der Idee bis zur Umsetzung auf der Baustelle – profitiert davon. Es beginnt bei der Planung mithilfe parametrischer Entwurfswerkzeuge. Algorithmen definieren dabei, wie sich durch die Änderung verschiedener Parameter die Geometrie der Lamelle verändert. Diese Daten werden direkt an die Maschinen für den Zuschnitt weitergereicht.

„Heutzutage gibt es computergesteuerte Abbundmaschinen, die Lamellen perfekt und zehntelmillimetergenau zuschneiden. Das verbessert die statische Berechenbarkeit und reduziert den Wartungsaufwand des Daches ungemein“, so Stahr. Die Maschinen können die fertigen Bauteile bereits in der richtigen Reihenfolge stapeln. Eine enorme Zeitersparnis: Statt mehrerer Wochen dauert der Aufbau eines Hallendaches nun nur noch wenige Tage.

„Kostensenkung trotz individueller Einzelteilfertigung – darin liegt für die Baubranche enormes Potenzial. Durchgängig digitale Prozessketten vom Entwurf über die Planung und die Vorfertigung in der Werkhalle bis hin zur Montage auf der Baustelle sind dafür der Schlüssel“, ist Stahr überzeugt. „Dank unserer Forschungen ermitteln wir in einem System die Geometrie, Statik und Wirtschaftlichkeit. Die Informationen kommen am Ende maschinenlesbar heraus, und schon kann der Fertigungsprozess starten.“

Holzhybrid mit Aussicht

Hochhäuser aus Holz

Auch im Hochhausbau kann das Bauen mit Holz eine Alternative sein. Derzeit bestehen mehrstöckige Gebäude meist aus Stahlbeton, denn Beton kann große Lasten tragen und in Kombination mit Stahl beachtliche Flächen überspannen. Doch Stahlbeton verbraucht Unmengen an Energie und Rohstoffen. Zudem setzt er in seiner Herstellung viele Treibhausgase frei.

Um jedoch Holz als Baumaterial verwenden zu können, benötigen Bauunternehmen vielerlei statische Daten und Berechnungsmodelle, unter anderem zum Schwingungsverhalten von Holz. Wie verhält sich das Baumaterial beispielsweise, wenn das Gebäude regelmäßigen Erschütterungen aufgrund von fahrenden Straßenbahnen oder Autos ausgesetzt ist?

Ein Modell für derartige statische und dynamische Berechnungen für Holzbauten erstellte Armin Lenzen. Als Forschungsgrundlage analysierten der Professor für Baumechanik und sein Team des Instituts I4S der HTWK Leipzig ein mehrstöckiges Holzhaus in Leipzig-Lindenau. Dabei erarbeiteten die Forschenden praxisorientierte Methoden, um mehrgeschossige Holztragwerke im urbanen Raum zu planen und präzise Prognosen über das Schwingungsverhalten zu treffen. Die Ergebnisse wurden 2021 im »Journal of Sound and Vibration« veröffentlicht.

EASTWOOD-Konferenz am 22. und 23. September 2022

Um ihre Erkenntnisse in die Anwendung zu bringen und das Know-how rund um das Bauen mit Holz in die Breite zu tragen, organisiert die Forschungsgruppe FLEX am 22. und 23. September 2022 bereits zum zweiten Mal die EASTWOOD-Konferenz in Leipzig. Im Nieper-Bau der HTWK Leipzig tauschen sich rund 150 Fachleute aus Architektur, Ingenieurwesen, Konstruktion, Holzbau, Zimmerhandwerk, Holzhandel, Investition, Wissenschaft und Forschung in Vorträgen über aktuelle Erkenntnisse und Entwicklungen zum Holzbau aus.

EASTWOOD – Holzbau-Event mit Fachausstellung »


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