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Lückenschluss mit Berliner Eckgebäude

Neues Bürogebäude in Berlin
Expressiv integriert

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Das moderne Eckgebäude schließt eine der letzten Lücken in der weitgehend homogenen Gründerzeitbebauung im Prenzlauer Berg von Berlin. Seine dynamische Fassade aus Architekturbeton-Fertigteilen setzt einen bewussten städtebaulichen Kontrast, fügt sich aber gleichzeitig mit vielen technischen und gestalterischen Details in die Formensprache der angrenzenden Gebäude ein. Der Lückenschluss ist gelungen.

Anforderung:

Städtebaulich integrierter Eck-Lückenschluss mit eigenständig-zeitgemäßer Architektur

Lösung:

Höhenlinie, Massivität und Haptik des Bestandes aufgenommen: Betonfertigteile mit skulpturaler Ausbildung


Markus Hoeft | be

Das rund 464 m² große Eckgrundstück im Berliner Ortsteil Prenzlauer Berg war lange Zeit eine Leerstelle in der geschlossenen Gründerzeitarchitektur entlang der Greifswalder Straße und der Heinrich-Roller-Straße. Wer hier bauen wollte, musste auf die grundlegende Frage nach dem Lückenschluss eine überzeugende Antwort finden: Soll sich die moderne Architektur dezent in die umgebende Bebauung ein- und unterordnen oder den Bestand als eigenständiges Werk markant kontrastieren?

Das Büro Tchoban Voss Architekten setzte diesem scheinbaren Dualismus mit dem 2019 fertig gestellten Büroneubau ein kraftvolles Sowohl-als-auch entgegen. Die expressiv-lebhafte Hauptfassade ist mit ihrer geschosshohen quadratischen Gitterstruktur aus hellen Architekturbeton-Fertigteilen eindeutig ein heutiges Werk, das sich von den benachbarten Gründerzeithäusern klar abhebt. Gleichzeitig greift die Architektur aber in ihrer Maßstäblichkeit und ihrer massiven Haptik wichtige Elemente der umgebenden Bebauung auf, wodurch die städtebauliche Integration des hervorgehobenen Eckgebäudes in die zu beiden Seiten anschließenden Bauzeilen gelingt.

Geometrische Integration als Lückenschluss

Das Gebäude entstand als Ortbeton-Skelettbau mit sechs Vollgeschossen, die pro Mieteinheit als flexible Kombinationen aus Großraum- und Einzelbüros, Konferenz- und Meetingräumen sowie Coworking-Spaces genutzt werden können. Das oberste Geschoss ist straßenseitig um ca. 1,60 m zurückgestaffelt und schließt nach oben mit einer Betonfertigteil-Attika zur Dachterrasse ab.

Die Staffelung über dem fünften und die Attika über dem sechsten Geschoss bilden zwei gut sichtbare waagerechte Linien als markante obere Gebäudebegrenzung. So entsteht in Kombination mit der Nachbarbebauung gewissermaßen ein Rahmen, in dem die Hauptfassade mit ihren gewölbten Betonfertigteilen inszeniert werden kann.

Dieser Rahmen unterstreicht die Eigenständigkeit des Gebäudes und damit seine Singularität im Stadtraum. Gleichzeitig dienen die oberen Linien aber auch der städtebaulichen Integration eben dieser Singularität, weil sie mit einem präzisen Höhenanschluss zu den angrenzenden Häusern mit ihren unterschiedlichen Dachformen ausgeführt sind: Rechts werden exakt die Trauf- und die Knicklinie des Mansarddachs in der Greifswalder Straße aufgenommen. Links, zur Heinrich-Roller-Straße, gelingt ein ebenso passgenauer Anschluss an die historische Trauflinie und das dort in moderner Zeit hinzugefügte Dachgeschoss.

Der Neubau von Tchoban Voss Architekten setzt aber nicht nur die Höhenlinien – und die Anzahl der Geschosse – seiner Nachbarn fort, er greift auch deren Materialität auf. Als typische Vorkriegsgebäude weisen sie eine massive Bauweise mit mineralischen Fassaden und kleinteiliger Reliefbildung durch Gesimse auf. Dem entspricht beim Lückenschluss mit dem Eckgebäude die massive Betonfassade, die die Tiefe der Struktur durch ihre besondere Formgebung zum Ausdruck bringt.

Kontrapunkt Fassade

Der Lückenschluss Greifswalder Ecke Heinrich-Roller-Straße enthält also deutlich mehr integrative Momente, als man auf den ersten Blick vielleicht bemerkt. Trotzdem bleiben sein Kontrast zur historischen Nachbarbebauung und seine selbstbewusste Eindeutigkeit als Gebäude unserer Zeit die hervorstechenden Aspekte beim Gebäudeanblick. Dies bewirkt neben der veränderten Maßstäblichkeit, die die geschosshohen Fenster erzeugen, vor allem die fast schon skulpturale Oberflächengeometrie des Betons.

Die Architekturbeton-Fertigteile der Fassade wurden in enger Abstimmung mit der GBJ Geithner Betonmanufaktur Joachimsthal GmbH entwickelt und realisiert. Das Unternehmen erstellte ein detailliertes 3D-Modell, das einerseits einen strukturierten Planungs- und Produktionsablauf im Betonwerk ermöglichte, andererseits aber auch die Montagebedingungen vorwegnahm und eine präzise Abstimmung mit dem Fensterbau erlaubte. Denn hinter den nur etwa 40 bis 50 cm breiten Stegen des quadratischen Fassadenrasters musste die Firma Geithner die Betonfertigteile verankern, aber gleichzeitig auch die Berliner Hans Timm Fensterbau GmbH die Fenster befestigen und den Sonnenschutz montieren. Auch wenn der Platz an manchen Stellen extrem knapp war, gelang dies schließlich doch ohne gegenseitige räumliche Behinderung.

Die in sich leicht gedrehten Pfeiler und Geschossdeckenbänder treffen sich abwechselnd entweder auf einem Hoch- oder einem Tiefpunkt und formen auf diese Weise ein dynamisches, organisch-fließendes Gewebe. An den Hochpunkten der Gitterstruktur tritt die Fassade bis zu 50 cm über die Baufluchtlinie hervor. Im Sinne der von Sergei Tchoban angestrebten Massivität wurden auch diese Hochpunkte nicht mit Hohlkörpern ausgeführt, sodass es zu maximalen Betondicken von 45 cm kam, die an den Tiefpunkten und speziell am Sonnenschutz im Extremfall auf Dicken von nur 3 cm ausliefen. In diesen Bereichen mit sehr geringer Betondeckung konnte keine Stahlbewehrung eingesetzt werden, stattdessen kamen Glasfasermatten zum Einsatz.

Die besondere Rundform der Betonoberflächen entstand in vom Bootsbau entlehnte Spantenkonstruktionen, in die eine flexible Schalhaut eingearbeitet wurde. Die Fertigteile sind fein gesandstrahlt, wodurch eine gleichmäßig-wolkenfreie Ansicht entsteht und gleichzeitig der leichte Glanz von schalungsglattem Beton vermieden wird. Mit dieser stumpfen Oberfläche und ihrer massiven Ausführung schließen die Fertigteile bruchlos an die Putzfassaden der Nachbarbebauung an – während sie gleichzeitig mit ihrer modernen Formensprache den angestrebten Kontrast setzen.


Projekt: Neubau Bürogebäude Greifswalder Straße Ecke Heinrich-Roller-Straße, Berlin

Auftraggeber: Grundstücksgesellschaft Greifswalder Straße 226 bR, Berlin

Architekt: Sergei Tchoban, Tchoban Voss Architekten, Berlin
Projektpartner: Axel Binder
Projektleiterin: Liza Gradinarova
Mitarbeit: Katja Fuks, Valeria Kashirina, Andrea Moritz, Ingo Schwarzweller, Ramona Schwarzweller, Evgenia Sulaberidze
www.tchobanvoss.de

Planungsdetails Fassade: IBF Ingenieurbüro Franke, Glienicke

Statik: Ingenieurbüro Bendel Bradke & Lang GmbH, Berlin

Projektsteuerung: M.F.P.N. Projektmanagement GmbH & Co. KG, Berlin

Fenster und Sonnenschutz: Hans Timm Fensterbau GmbH & Co. KG, Berlin

Fertigstellung: September 2019

BGF: ca. 2 100 m²

Grundstücksgröße: 464 m²

Vermietbare Fläche: 1 908 m²


Architekt Sergei Tchoban: „Das Projekt ist mir sehr wichtig, weil ich mich viel mit der Frage beschäftige, wie wir mit unseren heutigen Möglichkeiten in den Innenstädten bauen sollen? (…) Bedeutend für die Integration neuer Gebäude in das Straßenbild, in das Raumbild der heutigen europäischen Stadt sind aus meiner Sicht das Thema der Massivität und das Thema des Kontrastes.“

„Heutzutage planen wir leider mit vielen Materialien, die sehr unhaptisch sind, die gewissermaßen hohl wirken. Das sind zum Beispiel Vollwärmeschutzfassaden oder Vorhangfassaden, die die vorderste Schicht sehr dünn ausbilden. Auch wenn der Bau damit eine gewisse Massivität ausstrahlen will, spürt das Auge doch immer, dass die monolithische Wirkung der Fassade nicht vorhanden ist. Hier hingegen haben wir eine Fassade aus hohlraumfreien Betonfertigteilen, die das für mich unersetzbare Gefühl der Massivität ausdrückt.“


Die besondere Rundform der Betonoberflächen entstand in vom Bootsbau entlehnte Spantenkonstruktionen, in die eine flexible Schalhaut eingearbeitet wurde. Spanten sind die formgebenden Rippen einer Konstruktion mit aufmontierter Außenhaut. Der besondere Vorteil liegt im niedrigen Gesamtgewicht.


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Architekt Sergei Tchoban: „Die Sprache der zeitgenössischen Architektur kann durchaus in einem wohltuenden Kontrast zur umgebenden Bebauung stehen. Aber der Anteil dieser Architektur in der heutigen Stadt darf nicht allzu groß sein. Der Kontrast soll nicht überwiegen, sondern etwa bei etwa einem Viertel bis einem Drittel der sich neu einfügenden Bebauung liegen. Am Standort unseres Neubaus existiert eine intakte Stadt, die sehr homogen wirkt. Darum haben wir uns im Maßstab der Umgebung untergeordnet, aber gleichzeitig in der Formensprache einen architektonischen Kontrapunkt zu den benachbarten Gebäuden gesetzt.“




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