Neubau einer Wohnsiedlung an der französischen Atlantikküste

Titanzink trifft Schilf

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Die Dächer der Siedlung „Le Clos des Fées“ mit 18 Einfamilienhäusern weisen eine Besonderheit auf. Sie sind mit zwei unterschiedlichen Materialien gedeckt. Für die Nordseiten wurde Schilf verwendet, an der Südseite kam Titanzink zum Einsatz. Die Dächer sind Teil eines Konzeptes, das traditionelle Konstruktionsweisen mit modernen Materialien kombiniert.

Guido Wollenberg | jo

Die Siedlung „Le Clos des Fées“ liegt unmittelbar an der französischen Atlantikküste auf einem kleinen Plateau nahe dem Dorf Paluel. Etwas frei übersetzt könnte man den idyllischen Platz als „Weiler der Feen“ bezeichnen. Doch in Frankreich ist der Ortsname Paluel untrennbar mit dem Kernkraftwerk verknüpft, das nur wenige hundert Meter von Paluel entfernt seine Türme in den Himmel reckt.
Die Architekten des Pariser Architekturbüros CoBe, die mit der Planung der Siedlung beauftragt wurden, sahen darin eine Chance, das Bild von Paluel positiv zu verändern. Sie wählten den Namen als in Anlehnung an das Gemälde „La Fée Électricité“ von Raoul Dufy, mit dem der Künstler 1937 auf die soziale Bedeutung der Elektrizität für die Gesellschaft hinweisen wollte. Mit der Namenswahl wollten die Architekten den künstlerischen Anspruch unterstreichen und ebenso Bezug auf das Kernkraftwerk nehmen.
„Le Clos des Fées“ ist ein Gegenentwurf, ein kleines Ökodorf, das auf nachhaltige Bauweisen setzt und die Energieversorgung aus regenerativen Energien einbezieht.
Qualitäten von Stadt und Land vereint
Hauptsächlich aus Einfamilienhäusern bestehend, stellt es eine Alternative zu den sonst üblichen Wohnsiedlungen einer Vorstadt dar ebenso wie zu den typisch ländlichen Dorfstrukturen.
Alexandre Jonvel vom Architekturbüro CoBe beschreibt den Charakter des Dorfes wie folgt:
„Le Clos des Fées verweist auf ein besonderes Konzept: Es vereint die Qualitäten von Stadt und Land. Aus einer städtischen Sichtweise heraus ist das neue Wohngebiet nicht dicht besiedelt, für eine ländliche Region wie Paluel aber sehr wohl.“
Die normalen Grundstücksflächen der Region liegen bei 1 000 bis 1 500 m², in der neuen Siedlung liegen sie bei 350 m². Die Wohnflächen liegen je nach Gebäude mit 92, 120 oder 140 m² aber deutlich über den Standardwerten.
Der Bebauungsplan sieht großzügige öffentliche Räume und viel Platz für kulturelle Einrichtungen vor. Der Autoverkehr läuft außen um das Gebiet herum, während das Innere als kleiner Park gestaltet ist. Gemeinsam mit den Architekten von CoBe haben die Landschaftsbauer des Unternehmens Mutabilis regionale Eigenheiten wie das sich verändernde Licht, den Wind, die Vegetation, den Horizont und die lokalen Bauweisen in die Planung der Anlage einbezogen.
Schilf und Titanzink
Durch ihre Küstenlage sind die Gebäude starkem Wind und salzhaltiger Meeresluft ausgesetzt. Das Klima und die historischen Bauweisen dieser Region haben den Entwurf der Architekten wesentlich geprägt. Die neu errichtete Anlage umfasst auf einer Grundstücksfläche von fast 5,7 ha neben 18 Einfamilienhäusern zwei Ferienwohnungen, Künstlerateliers, ein Gemeinschaftshaus, eine Werkstatt und eine Parkanlage.
Ein wichtiger Aspekt des Entwurfs ist die Kombination von traditionellen, lokalen Konstruktionsweisen mit modernen Baustoffen. Besonders gut spiegeln das die Dächer wider: Sie bestehen aus zwei unterschiedlichen Materialien. Auf der nach Norden, zum Meer hin ausgerichteten Seite, sind sie aus Schilf. Die nach Süden ins Landesinnere weisenden Dächer sind mit Titanzink gedeckt. Auf den Titanzink-Dachhälften finden sich Solarkollektoren, sie können bis zu 45 % des Warmwasserbedarfs decken. Bewusst nutzen die Architekten die „Hybriddächer“ aus Titanzink und Schilf als Zitat aus der Vergangenheit. Im Zweiten Weltkrieg wurden viele Dächer beschädigt. Nach dem Krieg waren die Mittel knapp und die Menschen griffen eben auf verfügbare Baustoffe zurück: Die Nordseiten wurden aus Schilf errichtet und die Südseiten aus Blech.
Diese bauliche Vergangenheit griffen die Architekten auf, interpretierten diese aber mit modernen Baumaterialien neu: Das Schilf aus der nahe gelegenen Bucht der Seine erwies sich als ungeeignet. Stattdessen fiel die Wahl auf Schilf aus der Camargue, da sich dieses wesentlich schwerer entzündbar zeigte. Für die andere Hälfte des Daches kam vorbewittertes Titanzink von VMZinc zum Einsatz. Dieses Material kommt dem beabsichtigten Nachhaltigkeitsgedanken entgegen, denn der hochwertige Werkstoff ist langlebig, sehr widerstandsfähig und auch dem rauen Klima der salzigen Meeresluft dauerhaft und wartungsfrei gewachsen.
Das Architektenteam wählte für die Hybriddächer die Oberflächenvariante Quartz-Zink. Dessen samtgraue Beschaffenheit und Optik ähnelt der durch natürliche Bewitterung entstandenen Patina von walzblankem Zink. Gemeinsam mit dem silbrig-schimmernden Lärchenholz der Fassadenflächen und dem Schilf vermitteln die Häuser so ein erdiges Farbkonzept.
Französische Leistendeckung
Die Eindeckung der Dachhälften aus Zink wurde in der sogenannten französischen Leistendeckung ausgeführt, einer traditionellen Pariser Technik. Ursprünglich war diese Art der Verlegung auf die Materialeigenschaften des im 19. Jahrhundert hergestellten Zinks abgestimmt. Hier kam sie zum Einsatz, da die Leistendeckung eine deutliche Strukturierung der Flächen ermöglicht. Damit greifen die Dächer von „Le Clos des Fées“ die klassische französische Art der Eindeckung auf und die vertikale Strukturierung passt ebenso bestens zu den ebenfalls vertikal gegliederten Wänden aus Lärchenholz und der Struktur der Schilfdächer.
Die französische Leistendeckung setzt auf einer hinterlüfteten Dachkonstruktion auf. Sie beruht auf einer sich nach oben verjüngenden ca. 4 cm hohen Holzleiste. Diese wird auf einem Haft befestigt, der für den seitlichen Halt der angrenzenden Zinktafeln zuständig ist. Auf der Leiste wird eine Deckschiene aus Zink angebracht, die an den Seitenflächen nochmal gekantet ist. Auf diese Weise liegt sie nicht an den abgedeckten Blechen an und vermeidet die Gefahr von aufsteigendem Wasser. Insgesamt wurden für die Dächer der Gebäude von „Le Clos des Fées“ rund 2 500 m² Titanzink verbaut.
Architekten: CoBe architecte, Paris

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