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Ungleichmäßig mit Struktur

Neubau eines Verwaltungsgebäudes in Oberösterreich
Ungleichmäßig mit Struktur

Wenn hinter einer Fassade eine entsprechende Unternehmenskultur steckt, spricht man von Corporate Architecture, umgesetzt bei diesem Neubau mit einer Metallfassade, die Leistung und Philosophie des Unternehmens transportiert. Der Entwurf ist von Piet Mondrians abstrakter Malerei mit rechteckigen Farbfeldern inspiriert.

Helga Langer / be

Im ländlichen Oberösterreich ist auf der Kuppe eines Hügels ein attraktives Ufo gelandet: Das Verwaltungsgebäude eines Unternehmens für Tortechnik. Auf schlanken Pfeilern ruhend schmiegt sich der halbrunde Bau in die Kurve der Landstraße. Der Hang zur Straße hin wird von hellgrauem Gleisschotter bedeckt, aufgelockert von sechs kugelig beschnittenen Bäumen.
Bestimmt wird die Gebäudeoptik durch ein breites Band mit fünf unterschiedlichen Fenstergrößen, die für harmonischen Lichteinfall sorgen, und von der Fassade aus schiefergrauen vorbewitterten Großrauten, parallel waagerecht angeordnet. Die verschiedenen Fenstergrößen erscheinen lebhaft und dynamisch, aber auch eingebunden in die formende Disziplin und Dauerhaftigkeit der Großrautenfassade. Dynamik, Disziplin und Dauerhaftigkeit symbolisieren auch die Firma, die hier ihren Verwaltungssitz hat; die Ei2 Protector stellt im großen Stil Brandschutztüren her.
Werkstoff
Metall, der Werkstoff für die Türen-Produktion, setzt auch als Gebäudehülle ein markantes Zeichen. Das Gebäude transportiert über die Metallfassade das Tun und die Philosophie des Unternehmens, nämlich technisches Know how, bewusster Materialeinsatz, Perfektion und Innovation.
Die Fassade ist zunächst praktische Arbeitshülle, vom ästhetischen Gesichtspunkt her eine Symphonie in Grau, die durch Linien und Flächen, Licht und Schatten geprägt wird. Je nach Sonnenstand und Blickwinkel des Betrachters ändert sich die Oberflächenfarbe, nuanciert von Lichtreflexionen; das Gebäude verändert sein Gesicht mit dem Wechsel der Tageszeit.
Mit Glas abgeschirmte, optisch offene Büros bieten lichte und ruhige Arbeitsplätze. Ein Gemeinschaftsraum mit Bar dient dem abendlichen informellen Treffen, zu dem alle Mitarbeiter willkommen sind. Das Haus überzeugt durch Design, Funktionalität und nachhaltige Planung.
Individuell und dauerhaft
Die Fassade erinnert an die Werke des Künstlers Piet Mondrian. Bei seinen Bildern wird eine ausgesprochen harmonische Klarheit durch das Gleichgewicht der Beziehung zwischen Linien und Flächen erreicht. Erreicht wird die gestalterische Auflösung der Fläche bei dieser Fassade durch die spezifische Kombination von unterschiedlichen Größen der Großrauten und Fenster erreicht.
Das Team des Architekturbüros DI Alfred Berghofer aus Linz schätzt das Spektrum an gestalterischen Möglichkeiten mit Rheinzink-Großrauten. Dadurch lässt sich eine Fassade individuell gestalten, gleichzeitig erhält sie einen dauerhaften und wartungsfreien Gebäudeschutz. Für Fassadenkreationen stehen eine große Bandbreite an Rautenmaßen zur Auswahl – von 3 000 mm als maximale Baulänge und 600 mm als maximale Baubreite bis zum Mindestmaß von 600 mm Länge und 333 mm Breite.
Im vorliegenden Fall wurden den Verarbeitern für die Gestaltung nur Eckpunkte vorgegeben, mit der Anweisung, kurze Reststücke möglichst gleichmäßig auf die ganze Fläche aufzuteilen – somit fiel kaum Verschnitt an. Es wurde zeit- und materialsparend gearbeitet: Die Basis ist ein Stahlbetonskelettbau, auf den eine vorgefertigte Holzriegelfassade vorgehängt wurde, zur Isolierung wurde Zellulose eingeblasen. Danach ließ sich die Metallfassade auf die hinterlüftete Holzriegelfassade montieren.
So passt nicht nur das Material zum nachhaltigen Bauen, da Rheinzink von allen Buntmetallen nach Herstelleraussage die geringste CO2-Belastung bei der Herstellung und auch den geringsten Energieaufwand bei der Produktion verzeichnet. Auch die verschnittarme Verarbeitung stützt die Nachhaltigkeit.
Fassadendetails
Die einzelnen Fassadenteile wurden in der Werkstatt für die horizontale Verbindung gekantet. Der Zuschnitt der Raute und die Kantung für die vertikale Verbindung erfolgte auf der Baustelle, denn es war nur die Bahnbreite im Vorfeld festgelegt; die tatsächliche Größe der Fläche wurde vor Ort bestimmt. Vorgabe des Planers war ein ungleichmäßiges Deckbild mit einer durchgehenden Strukturierung durch Querlinien, jedoch keine Regelmäßigkeit durch vertikale Fugen. Wie die Fläche gestaltet und aufgeteilt wurde, dies lag in der Hand des Spenglers, eine Aufgabe der Synthese von Technik und Kunst.
Nur durch exakte Planungen und kreative Lösungen konnten die Großrauten auf der vom Zimmermann gefertigten Vollholzschalung präzise montiert werden. Die Verlegung der Großrauten und ihre Verbindung zueinander erfolgt einfach durch die an allen vier Seiten hergestellten Kantungen. In die zwei Vor- bzw. Rückkantungen wurde jeweils die nächste Großraute eingepasst.
Darüber hinaus wurden die Großrauten auf der Holzunterkonstruktion mittels Hafter befestigt. Die Anzahl der Hafte richtete sich nach der Größe der Raute. Da die Rauten mittels einfacher Falze ineinander gehängt wurden, war nur bei den Fensteranschlüssen Löten notwendig. Alle Fensterleibungen sind spenglertechnisch perfekt eingebunden. Wenn der Betrachter vor dem Objekt steht, sieht er eine klare horizontale Fugenausbildung, deren Linienverlauf auch an den Gebäudeecken ohne Bruch weitergeht. Präzise verbundene Falzungen, handwerklich saubere Fensterabschlüsse und die von unten als Gestaltungselemente erkennbaren Hinterlüftungen lassen den Bau in sich stimmig wie aus einem Guss erscheinen.
Die zahlreichen Eck- und Fensteranschlüsse erforderten wegen der notwendigen handwerklichen Sorgfalt viel Zeit, da vor Ort genau gemessen, zugeschnitten und gekantet werden musste. Der zusätzliche Zeitaufwand muss bei der Kalkulation einer künstlerisch gestalteten Fassade berücksichtigt werden.
bba-Infoservice Rheinzink-Großrauten-Fassade 512 www.zinkberatung.de www.zinkberatung.de
Architekt: DI Alfred Berghofer, Linz

Kompakt-Info
Titanzink ist legiertes Zink nach DIN 17770 mit der Kennzeichnung D-Zn (D = dauerstandfest, Zn = Zink). Basis ist sehr reines Elektrolyt-Feinzink (DIN 1706) mit Legierungszusätzen aus Kupfer und Titan. Die Legierung hat normengemäß genau definierte Eigenschaften, nämlich gegenüber metallisch reinem Zink eine wesentlich verbesserte Dauerstandfestigkeit, geringere Wärmedehnung, verringerte Kaltsprödigkeit und verbesserte Lötbarkeit (Grobkornbildung erst über 300° C); Baustoffklasse A 1.
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