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Fassade aus Aluminium mit Faltenstruktur

Neubau eines Einrichtungshauses bei Saarbrücken
Gute Verschleierungstaktik

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Bei Saarbrücken gibt es ein neues Gebäude für ein Möbelhaus, das als großvolumiger Zweck- und Gewerbebau eine hohe ästhetische Qualität aufweist. Thomas Müller Ivan Reimann Architekten entwarfen eine Fassade, die sich wie ein glänzendes Kleid aus gefalteten Aluminiumverbund-Elementen über das große Bauvolumen zweier Baukörper legt.

Anforderung:

Ansprechende Architektur für 43 000 m² GF, 233 000 m³ BRI und 30 000 m² Verkaufs-/Ausstellungsfläche

Lösung:

Zwei Baukörper mit Höhenversprüngen und zurückspringendem Sockel: VHF mit dreidimensionaler Faltenstruktur


Kay Rosansky | be

Wer sich Saabrücken über die A 620 aus südöstlicher Richtung nähert und dann über die „Ostspange“ in Richtung Zentrum fährt, dem fällt, gleich nach dem Osthafen auf der rechten Seite, ein neues Gebäude ins Auge, welches die berechtigte Forderung nach ästhetischer Qualität auch bei Zweck- und Gewerbebauten beispielgebend unterstützt.

Die Firma Möbel Martin mit über 2 000 Mitarbeitern suchte nach einer Möglichkeit, in der saarländischen Landeshauptstadt zu expandieren. Als ein Grundstück an der Römerbrücke vakant wurde, fasste man den Plan, das neueste Haus an diesem Zugang zur Stadt zu errichten. Die prominente Lage in urbanem Umfeld brachte natürlich eine gewisse Verantwortung hinsichtlich der Architektur mit sich. Und auch Verwaltung und Genehmigungsbehörden der Stadt schenkten dem Vorhaben auf der ca. 50 000 m² großen Areal am Rande des Naturschutzgebietes St. Arnualer Wiesen ihre Aufmerksamkeit.

Man näherte sich der Aufgabe durch einen nicht unbedingt üblichen Schritt: Ein Wettbewerb wurde ausgelobt. Diesen konnte das Büro Thomas Müller Ivan Reimann Architekten für sich entscheiden. Eine große Herausforderung für die Architekten bestand in der Nutzung des Gebäudes: Denn in einem Möbelhaus müssen, damit es auch wirtschaftlich funktionieren kann, erhebliche Flächen untergebracht werden, und zwar über mehrere Etagen. Dadurch ergibt sich die beträchtliche Höhe des Baukörpers.

Viel Fläche

Um eine Vorstellung zu entwickeln, mögen einige Zahlen helfen. Alleine die Verkaufs- und Ausstellungsfläche wird mit ca. 30 000 m² angegeben, die Dachterrasse mit knapp 1 000 m² und der Außenbereich des „Kinderparadieses“ mit ungefähr 680 m². Die Geschossfläche beträgt 43 000 m² und der Brutto-Rauminhalt 233 000 m³. Das Restaurant bietet 220 Besuchern Platz und allein dessen Außenbereich beansprucht ca. 670 m².

Neben Lager- und Büroflächen, sanitären Einrichtungen und Technikräumen waren außerdem noch sieben Fluchttreppenhäuser, das natürlich belichtete Atrium, die Fahrtreppenanlage sowie ein Café unterzubringen, ebenfalls mit Außenbereich.

Aufgelöstes Bauvolumen

Und dennoch, trotz der beeindruckenden Zahlen – eine „Kiste“, wie sie auf der grünen Wiese möglicherweise noch akzeptabel scheint, sollte hier keinesfalls entstehen, darin waren sich alle Beteiligten einig. Die Architekten lösten das ungeheure Volumen auf, indem sie das Gebäude aus zwei ineinandergeschobenen Körpern bildeten, die, mit acht Außen- und vier Innenecken versehen, eine gefällige Kubatur erzeugen. Der größere der beiden nimmt das eigentliche Möbelhaus auf, in dem kleineren befinden sich Paletten- und Hochregallager. Unterstützt wird die Maßnahme durch Versprünge in der Höhe, welche sich aus unterschiedlichen Traufhöhen (vier- bzw. dreigeschossig) und Nutzungsbereichen wie Dachterrasse oder Außengastronomie ergeben.

Außerdem wurde der so bereits deutlich gegliederte Baukörper auf einen zurückspringenden Sockel aus Betonwerkstein gestellt, in welchem die Gebäudeöffnungen untergebracht wurden. Bereits dieser Sockel entfaltet seine positive optische Wirkung, und zwar aus unterschiedlichen Distanzen betrachtet. Doch es war ein weiterer Kunstgriff nötig, um letztendlich allgemeine Begeisterung zu wecken und auch die letzten Zweifler umzustimmen – die Fassade.

Dreidimensional gefaltete Fassade

Die Architekten warfen dem Baukörper gewissermaßen ein Kleid aus gefalteten Alucobond-Elementen über, welches das Gebäude wie ein Tuch zu verhüllen scheint. Die Faltungen der dreidimensionalen Fassade lockern nicht nur die großen Flächen weiter auf, sie liefern durch das Spiel mit Licht und Schatten außerdem ein Schauspiel, welches im Tagesverlauf mit seinen entsprechenden Lichtwechseln unterschiedliche Grade einer vorgegebenen Dramaturgie durchläuft.

Nach Sonnenuntergang bildet der reliefartige Vorhang die Bühne für farbwechselnde Lichtinszenierungen, welche mithilfe von programmierbaren RGBW-Strahlern abgerufen werden können. Das schimmernde Leuchten der Fassade wird durch die Oberfläche Brillantmetallic 602 erzeugt, die mit einem Glanzgrad von 25 – 40% (Gardner Skala) das einfallende Licht entsprechend reflektiert.

Doch wie so oft in der Kunst gilt auch hier: Was schließlich besonders leicht und lässig wirken soll, benötigt eine genaue Planung und Vorbereitung. Um die asymmetrischen Elemente sauber montieren zu können war bereits in der Fertigung mit einer Genauigkeit wie im Möbelbau zu arbeiten. Thomas Müller und Ivan Reimann Architekten holten bereits sehr früh die Firma Henke AG aus Hagen ins Boot, Spezialisten auch für anspruchsvollste Fassadenlösungen. Gemeinsam wurden Entwürfe und mögliche Realisierungen durchdacht und an Modellen überprüft.

Akribische Umsetzung bei der Gestaltung der Fassade

Allen Beteiligten war bewusst, dass das Potenzial des Fassadenmaterials voll ausgereizt werden würde. Bei nur 10 mm breiten Fugen würde eine Fertigungstoleranz von höchstens 1 mm auf 19 m akzeptabel sein, und zwar nicht einmalig, sondern in einem sauber reproduzierbaren Prozess. Über 2 400 Elemente in den Abmessungen 850 mm mal 2 900 mm wurden insgesamt angefertigt, um die ca. 4 000 m² Fassadenfläche zu bekleiden.

Trotz Schnittoptimierung wurden aufgrund der Dreidimensionalität hierfür 12 400 m² Plattenmaterial benötigt. Es wurden jeweils sechs Segmente übereinander montiert, auf 390 dreidimensional ausgerichteten Achsen. Die Unterkonstruktion musste, um den Tiefeneffekt zu erzielen, bis zu 700 mm auskragen. Im Rahmen eines kontinuierlichen Monitoring wurde ein ständiger Abgleich von Soll- und Istwerten durchgeführt; eventuelle Ungenauigkeiten im Rohbau durften schließlich keinesfalls auf die Fassade durchschlagen.

Nachdem man in dieser Weise die einzelnen Fassadenflächen technisch im Griff hatte, galt es natürlich, auch die komplizierten Eckverbindungen sauber zusammenzuführen. Das gelang, indem diese neuralgischen Punkte in Form von Sonderanfertigungen hergestellt und montiert wurden.

Eine Konstruktion wie diese verlangt nach einem Material, das mindestens drei Eigenschaften kompromisslos in sich vereinigen muss: geringes Flächengewicht, hohe Biegesteifigkeit und sehr präzise Bearbeitbarkeit. Dass die Aluminiumverbundplatten zudem mit einem sehr langlebigen und stabilen Lacksystem beschichtet sind, die nachhaltige Nutzung über viele Jahre ermöglichen, trägt ebenfalls zum gelungenen Gesamtergebnis bei.

Das Objekt zeigt einmal mehr, was an der vorgehängten hinterlüfteten Fassade (VHF) gestalterisch wie technisch möglich ist, sofern sich Profis mit Know-how der Sache annehmen und sofern auch deren Kommunikation untereinander in so vorbildlicher Weise funktioniert.


Wettbewerbsauslober, Bauherr und Nutzer: Möbel Martin GmbH, Saarbrücken

Architektur (LP 1 – 5, künstlerische Oberleitung): Thomas Müller Ivan Reimann Architekten, Berlin
www.mueller-reimann.de

Fassadenbau: Henke AG, Berlin


Holger Lehmann, Niederlassungsleiter Henke AG Berlin: „Wir als Techniker und Ingenieure haben das (Fassaden)Material gewählt, weil es von der Verarbeitung her die präzisen Formen, die der Architekt wünschte, wiedergeben kann.“


Die Unterkonstruktion für die Fassade musste für den gewünschten Tiefeneffekt bis zu 700 mm weit auskragen. Mit einem kontinuierlichen Monitoring wurde ein ständiger Abgleich von Soll- und Istwerten durchgeführt.


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