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Horizontalsperre versus Feuchte

Nicht ohne Analyse
Horizontalsperre versus Feuchte

„Aufsteigende Feuchte“ kann in der Google-Suche im Internet bis zu eine Million Treffer ergeben – aber nicht jede Feuchte, die der Planer in Grundmauern trifft, ist unbedingt aufgestiegen. Vor der Entscheidung für eine nachträgliche Horizontalsperre steht darum die Ursachensuche.

Markus Hoeft

Feuchtigkeit in Grund- und Kellermauern stellen einen relativ einfach zu erkennenden Schadensfall dar: Dunkle oder verfärbte Teilflächen bis zu einer bestimmten Steighöhe oder Salzausblühungen auf dem Putz speziell im Sockelbereich sind auffällige und recht sichere Anzeichen, die aber noch nichts über die Ursachen der Feuchtebelastung aussagen. Weil sich der Schaden hauptsächlich an den Wänden manifestiert, wird er oft als aufsteigende Feuchte infolge fehlender oder defekter Abdichtung in den aufgehenden Wänden dargestellt. Eine nachträgliche Horizontalsperre mittels eingerammter Bleche, aufgesägter Mauern oder injizierter Abdichtungen ist dann eine erfolgversprechende Möglichkeit für die Trockenlegung.

Es darf allerdings nicht übersehen werden, dass der Schadensfall feuchter Grund- und Kellermauern ein komplexes Ursachengeflecht haben kann, in dem die aufsteigende Feuchtigkeit nur eine von mehreren Möglichkeiten ist. Jede Planung einer Bauwerkstrockenlegung muss deshalb mit einer Untersuchung der Gründe für die Durchfeuchtung beginnen.

Feuchte an der Wurzel gepackt

Als eine Analysemethode bietet sich dabei die Feststellung der Feuchtigkeitsverteilung im Wandquerschnitt am oberen Ende des wasserbelasteten Bereichs an. Aufsteigende Feuchtigkeit müsste ein Maximum in der Wandmitte erreichen. Liegt die größte Wasserbelastung hingegen außermittig, sind andere Ursachen wahrscheinlicher.

Bevor jedoch eine kostenträchtige Untersuchung der Feuchtigkeitsverteilung vorgenommen wird, kann es hilfreich sein, die Nutzungs- und Umbaugeschichte des Gebäudes zu erforschen. Wenn das Gebäude noch relativ jung und/oder die Quellenlage sehr gut ist, dringt man vielleicht zum entscheidenden Punkt vor, bis wann das Gebäude trocken war und was seitdem für Veränderungen am Bauwerk oder in seiner unmittelbaren Nähe passiert sind. Doch selbst wenn sich die Baugeschichte in grauer Vorzeit verliert, kann eine Untersuchung der noch erkennbaren Umbauten und der aktuellen Nutzung der betroffenen Räume einigen Aufschluss geben.

Zu beachten sind dabei vor allem vier Problemkreise und ihre Folgen:

  • Salzbelastung und daraus resultierende hygroskopische Feuchtigkeit
  • Kondensfeuchtigkeit
  • seitlich eindringende Feuchtigkeit sowie
  • die von unten aufsteigende Feuchtigkeit.

Salzbelastung

Salze haben in hohem Maße die Fähigkeit, Wasser anzuziehen und in diesem in Lösung zu gehen. Sie wandern dann in gelöster Form an die Oberfläche der Wand und kristallisieren unter Volumenvergrößerung aus. Wegen ihrer hygroskopischen Wirkung können die Salzkristalle dort erneut Feuchtigkeit aus der Umgebungsluft aufnehmen, wodurch ein sich selbst aufschaukelnder Prozess mit dauerhaft feuchten Wandflächen entsteht.

Das Schadensbild ist an Auskristallisierungen und dem wegen der Volumenvergrößerung abplatzenden Putz relativ einfach zu erkennen. Auf eine chemisch-technische Analyse des Salzgehalts kann deshalb eventuell verzichtet werden.

Dreifacher Feuchteschutz

Schwieriger ist hingegen zu beantworten, ob das Salz in der Wand primärer und alleiniger Grund des Feuchteschadens ist oder nur Begleiterscheinung einer anderen Ursache.

So können die Salze mit seitlich von außen eindringendem Wasser eingewandert sein. Auch der Eintrag von innen ist möglich, wenn historische Gebäude Zeiten mit problematischen Nutzungen erlebt haben, etwa als Viehställe oder durch chemisch belastete Produktionsprozesse (Salpeter für Schwarzpulverherstellung, Brauereien, Gerbereien). Eine weitere Salzquelle stellen eventuell die verwendeten Baustoffe dar, sowohl die ursprünglich eingebauten als auch die nachträglich bei Umbauten und Reparaturen eingesetzten.

Doch was auch immer die Ursache war, die Beseitigung der Salzfracht gehört in jedem Fall als flankierende Maßnahme zur Sanierung, weil das Salz ansonsten weiter hygroskopische Feuchtigkeit erzeugt. Befallene Flächen sind vom Putz zu befreien und gründlich mechanisch zu säubern. Der Schutt muss sorgfältig und vollständig aus dem Gebäude entfernt werden. Bei starker Salzbelastung bis in die Tiefe der Wand können als weitere Maßnahmen Kompressen, Opferputz oder ein Sanierputz nach WTA erforderlich sein.

Kondensfeuchte

Hygroskopische Feuchtigkeit durch Salzbefall bildet in der Regel ein Feuchtigkeitsmaximum an der Innenseite der Wand aus. Dies gilt aber auch für den Schadensfall Kondensfeuchte, weshalb beide leicht zu verwechseln sind. Kondensfeuchte entsteht, weil die inneren Oberflächen von Kellermauern in der Regel kühler sind als der Kellerraum. Die Feuchtigkeit der Raumluft schlägt sich deshalb als Tauwasser auf der Wandoberfläche nieder. Bei mangelhafter Lüftung kann daraus auf längere Sicht ein nachhaltiger Feuchteschaden entstehen. Zu prüfen ist deshalb, ob früher vorhandene Lüftungsöffnungen, vor allem Kellerfenster, aber bei historischen Gebäuden u.U. auch spezielle Lüftungskanäle, im Rahmen von Umbauarbeiten verschlossen wurden. Eventuell reicht es in diesen Fällen aus, die Öffnungen wiederherzustellen und auf die natürliche Trocknung der Grundmauern zu warten. Anderenfalls können eine verbesserte allgemeine Raumheizung oder eine spezielle Wandheizung den Prozess beschleunigen.

Im Hinblick auf die Kondensfeuchte sind auch besondere feuchteintensive Nutzungen, etwa als Baderäume, Waschküchen, Wäschetrockenräume oder Gewächshaus (Pilzzucht), zu berücksichtigen.

Umgang mit Feuchte

Seitlich eindringendes Wasser

Liegt das Maximum der Feuchte auf der Außenseite der Wand, ist seitlich eindringendes Wasser die wahrscheinliche Ursache. Es kann sich um eine schadhafte Vertikalsperre handeln, die beispielsweise bei äußeren Tiefbauarbeiten verletzt wurde. Möglicherweise hat sich aber auch der Lastfall für die Feuchtebeanspruchung verändert, so dass z.B. statt Bodenfeuchte, für die die ursprüngliche Vertikalsperre ausgelegt war, nun stauendes oder drückendes Wasser ansteht. Derartige Veränderungen sind möglich, wenn in der Umgebung Tiefbauarbeiten für neue Grundwasserverhältnisse gesorgt haben (Straßenbau, Verschließen oder Verlegen von Gräben, Befestigung vorher unbefestigter Hofflächen u.ä.). Auch eine Nachfrage bei den örtlichen Wasserwerken kann helfen, um eventuelle Veränderungen von deren Fördermenge zu erfahren.

Werterhalt durch Feuchtesanierung

Aufsteigende Feuchte

Die in den Mauern kapillar aufsteigende Feuchte ist also nur eine von mehreren möglichen Ursachen für einen vorhandenen Schaden, bei dem verschiedene Ursachen auch parallel auftreten können. Die nachträglich einzubauende Horizontalsperre wird darum in vielen Fällen eine Teilmaßnahme im Gesamtkonzept der Sanierung sein. Es gibt Hinweise in der Fachliteratur, dass die aufsteigende Feuchte „häufiger als Schadensursache diskutiert wird, als sie in der Praxis auftritt“ (H. Künzel, IPB-Mitteilungen Nr. 337/1998). Andere bezweifeln sogar, dass Bodenfeuchte in Mauerwerk überhaupt auf größere Höhen steigen kann. Nach dieser Auffassung unterbricht die Abfolge aus Fuge-Stein-Fuge-Stein den kapillaren Wassertransport durch den Wechsel der Kapillardurchmesser (Quellensammlung hierzu unter www.konrad-fischer-info.de).

Gegen diese grundsätzlichen Zweifel sprechen allerdings die Referenzlisten der nun schon seit einigen Jahrzehnten auf dem Markt befindlichen Anbieter. Wenn die Kapillarverhältnisse in den Grundmauern für ein Ansteigen der Feuchtigkeit besonders günstig sind, kann eine nachträgliche Horizontalsperre als Maßnahme der Mauerwerkstrockenlegung offenbar Erfolg haben.

Keller feuchtesicher gemacht

Diese nachträglichen Horizontalsperren lassen sich mit der Injektionsmethode sowie mit mechanischen und elektrophysikalischen Verfahren herstellen. Die elektrophysikalischen Verfahren sind hinsichtlich ihrer grundsätzlichen Wirkungsweise umstritten. Die prognostizierten Effekte lassen sich nicht eindeutig im Labor simulieren und auch mathematisch nicht exakt beschreiben. Auf eine vertiefende Darstellung soll hier verzichtet werden.

Zu den mechanischen Verfahren gehören das Mauersägen und das Einrammen von Edelstahlblechen. Beim Sägen werden die Grundmauern an der tiefsten noch zugänglichen Stelle abschnittsweise in voller Breite aufgeschlitzt und verkeilt. In den Schlitz legt man sich überlappende Streifen einer Abdichtungsbahn und verpresst den Schlitz anschließend mit einem schwindfreien Mörtel. Bei Mauerstärken bis etwa 1 m und Vorhandensein einer durchgehenden Lagerfuge lassen sich auch Edelstahlplatten pneumatisch einrammen.

Die mechanischen Verfahren haben den großen Vorteil einer sicheren und nachvollziehbaren Wirksamkeit. Sie sind allerdings aufwändig und bedeuten immer einen Eingriff in die statische Substanz. Beim Sägen sind Setzungserscheinungen über dem Schlitz zu befürchten, beim Rammen können die Erschütterungen das Bauwerk negativ beeinflussen.

Endlich trockener Kellerboden

Horizontalsperre per Injektionsverfahren

Bei den Injektionsverfahren werden Flüssigkeiten unter Druck oder drucklos über in Reihen angeordnete Bohrungen in das Mauerwerk eingebracht. Die Flüssigkeiten sollen sich im Querschnitt gleichmäßig verteilen und dabei die Kapillarporen verstopfen, verengen und/oder hydrophobieren. Bei fachgerechter Ausführung wird damit der Kapillartransport in einer geschlossenen Schicht der aufgehenden Wände unterbrochen. Eine weitere Durchfeuchtung oberhalb des behandelten Querschnitts ist ausgeschlossen. Es muss jedoch für ein Austrocknen der dort schon vorhandenen Feuchtigkeit gesorgt werden, eventuell ist wie oben beschrieben eine Beseitigung schädlicher Salze erforderlich.

Vor der eigentlichen Injektion ist das Mauerwerk auf Hohlräume zu prüfen, damit das Injektionsmittel nicht unkontrolliert abfließt. Speziell bei unregelmäßigem Mauerwerk mit klüftigem Gefüge und bei Hohlkammersteinen muss deshalb zunächst eine Vorverfüllung oder Verpressung mit geeigneten Mörteln oder Suspensionen vorgenommen werden, weshalb manche Anbieter auch von einem mehrstufigen Verfahren sprechen. Aus den Untersuchungen zur Mauerwerksstruktur und seiner Saugfähigkeit ergeben sich außerdem die erforderlichen Bohrlochabstände. Da bei der Injektion niedrigviskose, also sehr gut fließfähige Massen in mehr oder minder inhomogene und offene Strukturen gefüllt werden, kann bei fehlendem oder desolatem Wandputz ein vorheriges Verputzen notwendig sein, damit das Injektionsmittel nicht unkontrolliert ausfließt (jeweilige Herstellerangaben beachten).

Wohnen ohne Kellerfeuchte

Bei der Auswahl der Injektionsmittel ist der Grad der zulässigen Durchfeuchtung zu beachten. Viele Mittel wirken reaktiv – vor allem durch Verkieselung – und benötigen für die Reaktion ein bestimmtes, in seiner Höhe aber begrenztes Feuchtigkeitsangebot, das gemessen werden muss. Bei den meisten Anbietern gibt es zumindest eine Lösung, die bis 95 % Durchfeuchtungsgrad eingesetzt werden kann, so dass sich auch Fälle extremer Nässe behandeln lassen. Gesondert zu prüfen ist die Eignung für Druckwasser, falls ein solcher Lastfall vorliegt.

Eine andere Möglichkeit gegenüber den reaktiven Verfahren sind Injektionen mit erhitztem Spezialparaffin, z.B. im Isotec-Verfahren. Hier wird das Mauerwerk vor der Injektion mit Spezialheizstäben auf ca. 100 °C erhitzt und der Injektionsbereich getrocknet. Der vorherige Durchfeuchtungsgrad spielt dadurch keine Rolle: Das erhitzte Paraffin kann in die nun wasserfreien Kapillaren fließen und dort erhärten.

Alte Handwerkskunst respektiert

Qualitätsüberwachung

Für die Auswahl des Injektionsmittels können die Zertifizierungen der WTA (Wissenschaftlich-Technische Arbeitsgemeinschaft für Bauwerkserhaltung und Denkmalpflege e. V.) Anhaltspunkte liefern. Zertifizierte Injektionsstoffe haben in standardisierten Wirksamkeitsprüfungen ihre prinzipielle Eignung für den jeweils angegebenen Durchfeuchtungsgrad unter Beweis gestellt.

Nachträgliche Horizontalsperren unterliegen nicht der DIN 18195, weil sie zum dort ausgeschlossenen Bereich der Bauwerkserhaltung gehören.

Grundlegende Informationen bieten zwei WTA-Merkblätter: Nr. 4–6–05/D „Nachträgliches Abdichten erdberührter Bauteile“ und Nr. 4–4–04/D

„Mauerwerksinjektionen gegen kapillare Feuchtigkeit“. Sie beschreiben sowohl Aspekte der Planung als auch der Ausführung und stellen damit eine Hilfsmittel auch für den bauüberwachenden Planer dar.

Denn die Wirkungsweise der Injektionen ist zwar gedanklich gut nachzuvollziehen, lässt sich aber zunächst nicht per Augenschein überprüfen. Entscheidend für die einwandfreie Funktion sind neben der prinzipiellen Eignung des Verfahrens auch die Erfahrung und das Qualitätsbewusstsein der Verarbeiter. Mit der Ausführung von Injektionen sollte deshalb nur eine qualifizierte Fachfirma mit fundierter Referenzliste und geschultem Personal beauftragt werden.


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