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Öffnung zum Licht

Umbau einer Kirche in Stuttgart-Möhringen
Öffnung zum Licht

Beim Umbau der Christuskirche in Möhringen sollten eine liturgische Neufassung des Kirchenraums sowie zusätzliche Betreuungsbereiche für Kinder geschaffen werden, ergänzt von einem neu geordneten Foyer. Viel Licht im Kirchenraum war gewünscht, weshalb Lichtröhren und lichtstreuendes Isolierglas Verwendung fanden.

Eingeweiht wurde die Kirche mit dem evangelischen Gemeindezentrum im Jahr 1957. Für die Ausführung des Gesamtprojekts war Mitte der 50er Jahre Architekt Dr. Ing. Walter Ruff aus Stuttgart-Degerloch zuständig. Den äußeren Charakter prägt ein 24 m hoher Turm. Im 30 x 12 m großen Kircheninnenraum finden 400 Personen Platz.

Der Umbau-Entwurf von Gergs-Blum-Schempp Architekten entspricht dem Wunsch der Gemeinde, neben der Schaffung von zusätzlichen Räumen für die Betreuung von Kindern dem bestehenden Kirchenraum eine liturgische Neufassung zu geben. Die Spannweite dieses Wunsches reicht von eher zweckgebundenen Forderungen bis hin zu eher geistlichen Erwartungen. Die damit verbundene Vielfalt der Ansprüche an das Gebäude wurde durch folgende Maßnahmen erfüllt: Liturgische Neufassung des Kirchenraumes und Anpassung des Foyers.
Der Altar ist der Träger der eucharistischen Gaben. Hier wird die Gemeinschaft mit Christus gestiftet. Er ist der „Tisch des Herrn“ (1.Korinther 10,21), um den sich die Gemeinde versammelt. Dieser Vorstellung folgend wurde der Altar aus dem abgegrenzten Bereich eines sehr dunklen „Scheinchores“ befreit und in den Kirchenraum hineingestellt. Die Gemeinde gruppiert sich auf drei Seiten um diesen frei stehenden Altar.
Lichtraum für die Nähe zu Gott
Der Altar ist aber auch Ort einer besonderen Nähe zu Gott. Zur Versammlung um die Mitte kommt daher die Öffnung nach oben zum Licht (1. Timotheus 6,16). Der bestehende „Scheinchor“ wurde zugunsten eines 2 m tiefen Lichtraumes hinter dem Altar aufgegeben.
Durch vier Lichtkamine fällt – für die Gemeinde nicht sichtbar – Sonnenlicht in diesen Raum. Als Zeichen der Gegenwart Gottes kommt diesem von oben in den Kirchenraum einfallenden Licht eine besondere Bedeutung zu.
Die Schwierigkeit bei der Erfüllung dieser Forderung bereitete im Fall der Christuskirche eine bis zu 4,50 m hohe Satteldachkonstruktion über dem Holzgewölbe des Innenraumes. Vier auf der Innenseite hochverspiegelte Röhren, sogenannte Solatubes 290-DS von Interferenz, mit einem Durchmesser von 290 mm überbrücken diese Distanz. Prismenkuppeln sorgen oberhalb dieser Röhren für einen gleichmäßigen Lichteinfall, unabhängig vom Höhenstand der Sonne. Die unteren Austrittsöffnungen sind hinter einer Schürze versteckt. Die für die Gemeinde unsichtbare Lichtquelle erweckt den Eindruck eines zum Himmel hin offenen Raumes.
Ein verdichteter, geglätteter Kalkputz (Grassello di Calce) reflektiert das von oben einfallende Licht. Keine Darstellung, weder von Christus noch von Gott, besetzt diesen von Licht erfüllten Raum. Allein das Licht entfaltet seine strahlende Wirkung im ansonsten leeren Raum als Zeichen des „Herrn, der da wohnt in einem Licht, da niemand hinkommen kann, welchen kein Mensch gesehen hat noch sehen kann“ (1. Timotheus 6,16). Dem zweiten Gebot – Du sollst dir kein Bildnis noch irgendein Gleichnis machen (5. Mose 5,8) – wird vollkommen entsprochen.
Zwischen Altar und Lichtraum wurde das bestehende Holzkreuz wieder aufgerichtet. Seine Kontur hebt sich deutlich vor der hell erleuchteten Wand des Lichtraums ab. Links neben dem Holzkreuz fand die Kanzel und rechts neben dem Altar der Taufstein einen angemessenen Platz. Die Orgel blieb an Ort und Stelle erhalten.
Raumgewinn und -ausleuchtung
Durch Verzicht auf den bisherigen „Scheinchor“ und Einziehung einer zusätzlichen Wandscheibe gewann die Gemeinde hinter dem Lichtraum auf zwei Etagen Räume für die Sakristei, die Leitung und das Personal der Kindertagesstätte im Gartengeschoss.
Die Gemeinde wünschte Kirchenfenster, durch die viel Licht tief in den Raum hinein flutet. Zugleich sollte jegliche Blendung vermieden werden. Diesen widersprüchlichen Anforderungen wird die Glasart Kapilux T von Okalux gerecht. Kapilux T ist ein Isolierglas mit integrierter Kapillarplatte. Die Kapillare senken nicht nur die Wärmeverluste mit U-Werten bis 0,8 W/m²K. Zusätzlich verbessert die vorwärtsgerichtete Lichtstreuung die Raumtiefenausleuchtung und vermeidet gleichzeitig Blendung im Raum. Senkrecht zur Glasfläche besteht partielle Durchsicht von innen nach außen.
Zusätzlich sollte der Kirchenraum nicht durch sichtbare Leuchten beeinträchtigt werden. Aus diesem Grund wurden Einbaustrahler mit Metalldampflampen in warm-weißer Lichtfarbe eingebaut, im allgemeinen breit strahlend, über dem Altar eng strahlend (Einbaustrahler Scene 5 von LTS).
Nebenraum-Neuordnung
Die Grundstruktur des bestehenden Foyers blieb erhalten. Vor die Wandscheibe, welche die Treppe zur Empore vom Foyer trennt, wurde ein Körper eingestellt, der zusammen mit der gegenüberliegenden Küche den Aufgang zum Kirchenraum einfasst. Hier befindet sich die Toilette für Behinderte. Die Treppe zum Gartengeschoss wird nicht mehr benötigt. Hier entstand der Raum für neue Toiletten. Behinderte betreten das Gebäude über eine Rampe, die zu einem neugeschaffenen Eingang auf der Ostseite führt. Von diesem zweiten Eingang aus bietet sich dem Besucher von leicht erhöhtem Standpunkt ein Blick über die Felder in der unmittelbaren Umgebung.
Architekten: Gergs-Blum-Schempp Partnerschaft Freier Architekten, Stuttgart
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