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Luft durch die Decke

Neubau eines Wohnhauses in Trier
Luft durch die Decke

Für den Bau eines Passivhauses ist eine Lüftungsanlage erforderlich. Das wusste auch der Architekt Alexander Wien, als er sich an die Planung seines Eigenheims begab. Auf der Suche nach einer geeigneten Lösung initiierte er eine neue Fertigdecke mit integrierten Lüftungskanälen.

Michael Schmahl

Sachlich und funktional, so präsentiert sich das neue Hause der Familie Wien auf dem ehemaligen Gelände der Landesgartenschau in Trier. Der Baukörper ist wegen des schmalen Grundstücks auffällig lang gestreckt. Das zweistöckige Gebäude basiert auf einer ungewöhnlichen Pfosten-Riegel-Konstruktion, wobei sich Bauherr und Architekt Alexander Wien bereits in einem frühen Planungsstadium für den Einsatz von Spannbeton-Fertigdecken entschied. Ihn reizte bei dieser Deckenlösung u. a. die Optik des Sichtbetons. Die maßgenauen Standard-Formteile eignen sich perfekt für geradlinige Gebäudetypen und sorgen für besonders rationelle Bauabläufe. Aufgrund der Hohlräume im Inneren sind die Elemente um bis zu 50 % leichter als Massivbauteile. Dies ermöglicht besonders filigrane Stützenquerschnitte.
Die Spannbeton-Fertigdecke sollte sich aber auch aus einem weiteren Grund als vorteilhaft erweisen. „Um den Passivhausstandard zu erreichen, musste ich die obligatorische Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung unterbringen“, erläutert der Architekt.
„Jedoch verlangte die lineare Gebäudeform nach Leitungswegen von bis zu 30 m sowie entsprechend großen Leitungsquerschnitten.“
Eine Lösung unter der Decke kam nicht in Frage, da die lichte Raumhöhe sowie die puristische Deckenuntersicht erhalten bleiben sollte. Schließlich kam Alexander Wien auf die Idee, Teile des Kanalnetzes in die Decke zu integrieren. Er wandte sich mit seinem Plan an den Hersteller DW Systembau, einem Mitgliedsunternehmen des Bundesverbandes Spannbeton-Fertigdecken.
Hohlräume als Lüftungskanäle
Grundsätzlich sind Lüftungsdecken auf der Basis von Spannbeton-Fertigteilen keine vollkommen neue Erfindung. In Skandinavien gibt es bereits seit einigen Jahren praktikable Lösungen, die auch dem Architekten als Inspiration dienten. Davon ausgehend entwickelte DW Systembau ein neues Beschichtungsverfahren, durch das die Hohlkammern der Bauelemente als Lüftungskanäle genutzt werden können. Der große Querschnitt der Hohlkammern hält auch bei langen Leitungswegen die Luftgeschwindigkeit und den Druckverlust niedrig. Das sorgt für eine hohe Effizienz und geringere Strömungsgeräusche. Spannbeton-Fertigteile sind standardmäßig 1,20 m breit.
„Aus diesem Grund habe ich sowohl das Entwurfs- als auch das Ausbauraster exakt auf dieses Format abgestimmt“, so der Architekt. „Prinzipiell können aber auch schmalere Passplatten hergestellt werden. Das Luftkanalnetz habe ich ebenso in einer frühen Entwurfsphase festgelegt und bis ins Detail geplant. Die Deckenstärke ließ sich bei einer freien Spannweite von 6 m auf 28 cm einschließlich Bodenaufbau begrenzen. Der kreisförmige Leitungsquerschnitt hat einen Durchmesser von 145 mm.“
Schnelle Montage
Von der Auftragserteilung bis zur Lieferung der Deckenelemente vergingen rund zwei Monate. Aufgrund des hohen Vorfertigungsgrades verlief die Montage schnell und unkompliziert. Für die rund 125 m2 Deckenfläche pro Etage benötigte das verantwortliche Rohbauunternehmen jeweils einen Tag. Auch sämtliche Aussparungen für die Anschlüsse und Durchlässe wurden bereits vorgeplant und im Werk hergestellt. Entsprechend ging die Anbindung an das Kanalnetz innerhalb kürzester Zeit vonstatten. Dabei kamen handelsübliche Formteile zum Einsatz. Die wirtschaftlichen Bauabläufe haben dafür gesorgt, dass die Kosten für die Lüftungsdecken nicht höher lagen als bei einer konventionellen Lösung mit klassischer Ausführung des Kanalnetzes.
In gestalterische Hinsicht stehen der Sichtbeton und die Konstruktion im Mittelpunkt. Die Deckenuntersicht wurde lediglich geschliffen, die Stoßfugen der Spannbetonelemente wurden grau versiegelt. Statt der üblichen Tellerventile wählte der Architekt hochwertige Schlitzauslässe.
Schlanke Fassadenkonstruktion
Bemerkenswert ist desweiteren die Pfosten-Riegel-Fassade des Gebäudes. Üblicherweise wären hinter der Fassade zusätzliche Stützen zur Abtragung der Deckenlast erforderlich gewesen.
„Nicht zuletzt wegen des geringen Deckengewichtes konnte ich auf eine derartige Zusatzkonstruktion verzichten. Vielmehr fungieren die filigranen Fassadenprofile auch gleichzeitig als
tragende Stützen. So habe ich nicht nur mit Blick auf die Höhe, sondern auch bezüglich der Fläche eine optimale Raumnutzung erzielt.“
In den sichtbaren Bereichen wurden scharfkantige, lasergeschweißte Stahlprofile verwendet. Sie sind in ihrer Optik mit herkömmlichen Fassadenprofilen vergleichbar und werden daher in ihrer tragenden Funktion nicht wahrgenommen.
Ergänzt wird die Pfosten-Riegel-Konstruktion durch eine Ausfachung aus Holzwerkstoffen. Das Ergebnis ist eine geschlossene, wärmebrückenfreie Wandfläche mit passivhaustauglichem U-Wert. Daneben sorgen entsprechende Fenster, die Wärmerückgewinnung bei der Lüftungsanlage sowie eine Wärmepumpe mit Erdsonde für passivhausgerechte Standards.
Das Haus der Familie Wien wurde somit zum gelungenen Pilotprojekt für die neu entwickelte Lüftungsdecke. Die rationellen Bauelemente haben beim vorliegenden Gebäude die zweckdienliche Integration einer leistungsfähigen Lüftungsanlage erst ermöglicht. Zugleich sorgen sie in jeder Hinsicht für eine optimale Raum- und Flächennutzung gesorgt. Spannbeton-Fertigdecken erfordern zwar ein gewisses Maß an Vorplanung und mancherlei Detailwissen. Jedoch können sich Architekten und Planer in diesem Zusammenhang auf das umfassende Beratungsangebot des Bundesverbandes Spannbeton-Fertigdecken und der daran angeschlossenen Herstellerunternehmen stützen.
Architekt: Alexander Wien, Trier

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