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Mit Fingerspitzengefühl modernisiert

Modernisierung des Düsseldorfer Ständehauses
Mit Fingerspitzengefühl modernisiert

Mit einem Feuerwerk wurde das komplett modernisierte Ständehaus wiedereröffnet. In dem vor über 120 Jahren errichteten Repräsentationsgebäude sind nun dank modernster Technik Konzerte und Ausstellungen möglich.

Dem Architekturbüro Kiessler + Partner ist es gelungen, in dem Gebäude Mauern sowie historische Elemente wie Treppen und Gewölbe des Gebäudes zu belassen und gleichzeitig moderne Konstruktionen hinzuzufügen. So entstand beispielsweise ein unter dem Wasserspiegel liegender Veranstaltungssaal.
Die Bauleitung der umfangreichen Rekonstruktions- und Erweiterungsarbeiten lag bei der Architekten- und Ing.-Gesellschaft Höhler und Partner.
Überplanung
Schon 1995 sah eine Machbarkeitsstudie die Umnutzung des bis 1988 als Parlamentsgebäude genutzten Hauses vor. Die Münchner Architekten Kiessler + Partner überzeugten mit ihren Ideen, wonach das ganze Gebäude so überplant werden sollte, dass es für Empfänge der Staatskanzlei im repräsentativen Rahmen nutzbar wird und auch für Veranstaltungen und Kunstsammlungen kulturellen Ansprüchen genügt. Dabei galt es, mit dem historischen Erbgut behutsam zu verfahren, aber auch Neues einzubringen; kriegsbedingte Einwirkungen bzw. ein vereinfachter Wiederaufbau mussten kompensiert werden.
Rekonstruiert und ergänzt
Beim Betreten des Gebäudes gelangt man heute durch das Foyer in den ehemaligen Innenhof, der nun mit Glas überdacht die zentrale Gebäudefläche darstellt. Die historische Treppe zu den oberen Stockwerken zwischen Lichthof und Foyer ist stilgetreu rekonstruiert und zusätzlich modern ergänzt worden.
Die Sandsteintreppe scheint zu schweben: Auf einer auskragenden Betonkonstruktion, statt wie früher, auf Wände abgestützt. „Wir haben die Form der historischen Treppe aufgegriffen und als ergänzende Stahlkonstruktion bis zum vierten Stock fortgesetzt“, erläutert Dipl.-Ing. Hermann Schultz das architektonische Konzept seines Büros.
Als symmetrisches Pendant zur historischen Treppenkonstruktion wurde ein gläserner Aufzug mit rechteckiger Grundfläche in das Gebäude integriert. So ist der Übergang der alten Entwürfe, die vom Architekten Raschdorf stammen, zur modernen Architektur transparent geblieben und braucht den Vergleich zur Vorläuferkonstruktion nicht zu scheuen.
Schwebend und transparent
Das EG des Ständehauses wurde freigelegt, so dass eine große Fläche entstand. Der geschichts- trächtige 280 m² große Parlamentsaal im 1. OG, in dem die Bundespräsidenten Heuss und Scheel deutsche Nachkriegsgeschichte schrieben, scheint schwebend im Raum zu stehen.
Der geschlossene Unterbau wurde entfernt und nur auf Stützen gelagert. So entstand ein großzügiger und zusammenhängender Raum im EG, der durch das Tageslicht erhellt wird.
Der Lichthof erhält sein Licht ungehindert durch ein Glasdach mit einer kühn gewölbten Stahl-Träger-Konstruktion. Das Glasdach, das ganze Haus überdachend, ist auf den Grundmauern des Gebäudes errichtet und erlaubt auf diesen einen „Rundgang“. Eine 45 x 54 m große Fläche umspannt das Muldengewölbe des Daches, ausgeführt als Netzkonstruktion aus Stahl-Dreiecken auf selbsttragenden Stahlprofilen, die von der „Glashaut“ bedeckt werden.
Unter Grundwasserniveau
Mit dem Aufzug gelangt man auch in den ehemaligen Keller des Gebäudes. Aus dem historischen Teilkeller entstand nun ein stattliches Untergeschoss, das mit seiner maximalen Deckenhöhe von bis zu 5,5 m eher einem Saalgebäude gleicht. Um diesen Raum zu schaffen, musste die Bodenschale des Ständehauses um rund 2 m abgesenkt werden und liegt damit unter dem höchsten Grundwasserstand.
Das Gebäude ist teilweise von einem Gewässer umgeben, das aus großen runden Fenstern sichtbar ist. Die Wasseroberfläche befindet sich in der Mitte der Fenster, so dass der Betrachter den Wasserstand „von unten“ in Augenschein nehmen kann.
Vorsatzschalen
Diese Konstruktion ist nur durch wasserdichten Beton möglich, der mit Vorsatzschalen verkleidet ist. Als Unterkonstruktion für die Vorsatzschalen dienen frei vor der Wand angeordnete verzinkte Profile aus Stahlblech in U- und C-Form, die zweilagig mit einer 18 und einer 15 mm dicken Fermacell Gipsfaser-Platte beplankt sind. Die erste Plattenlage ist stumpf gestoßen, während die zweite Lage als Klebefuge ausgeführt wurde.
Der Hohlraumboden wie auch die Vorsatzschalen sind hinterlüftet und beugen einer Kondenswasserbildung vor. Der gesamte Saal im Untergeschoss ist damit von einer sich umwälzenden Lufthülle umschlossen.
Durch die Bögen innerhalb der halbrunden Nischen ist der Wasserspiegel wie in einem Aquarium sichtbar. Die Bogenkonstruktion ist ebenfalls mit Fermacell Ausbau-Platten verkleidet. Diese eignen sich für den Einsatz von gebogenen Gestaltungselementen, da die bauphysikalischen Eigenschaften durch die Formänderung nicht beeinträchtigt werden.
Umsetzung
Im Ständehaus sind aufgrund der großzügigen Architektur Wandlängen von bis zu 14 m anzutreffen. Auf die erforderlichen Dehnungsfugen konnten dank der verwendeten Gipsfaser-Platten und der speziellen Fermacell Klebefugentechnik in den meisten Fällen verzichtet werden.
Auch die Höhe der Wände im Ständehaus, die bis zu 12 m beträgt, stellt besondere Anforderungen an die Stabilität der eingesetzten Baustoffe. Darüber hinaus sind Ausstellungswände durch wandhängende Lasten auch in dieser Hinsicht starken Belastungen ausgesetzt.
Für solch hohe Anforderungen in Sachen Belastbarkeit ist die stabile Gipsfaser-Platte prädestiniert. Durch die zweilagige Beplankung der Vorsatzschale mit 18 und 15 mm dicken Gipsfaser-Platten können ruhende Lasten bis zu 60 kg mit nur einem Hohlwanddübel befestigt werden.
Alle Böden des Gebäudes verfügen über Befestigungspunkte für Ausstellungs-Stellwände und Versorgungs-Anschlüsse für Datentechnik. In den Decken sind Stromschienen für Beleuchtung und Klimatechnik untergebracht. Kühldecken, die mit den stabilen Gipsfaser-Platten beplankt sind, ermöglichen in fast allen Sälen über die Zwischenräume eine problemlose Führung der Abluft zwischen den Gipsfaser-Platten und der Gebäudedecke.
Weitere Informationen
Gipsfaser-Platten bba 541
Architekturbüro: Kiessler + Partner, Dipl.-Ing. Hermann Schultz, München Bauleitung: Architekten- und Ing.-Gesellschaft Höhler und Partner, Düsseldorf
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