Augenmerk auf Anschluss-Details

Außenwand-Innendämmung

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Für die Innendämmung von Außenwänden gibt es mittlerweile eine Vielzahl von Systemlösungen, die oft auch ohne Dampfsperre funktionieren. Bei der Auswahl sollte der Planer auf die angebotenen Detaillösungen für Fensterlaibungen oder einbindende Wände und Decken achten. Denn zu niedrige Oberflächentemperaturen erhöhen die Schimmelpilzgefahr an angrenzenden Bauteilen.

Markus Hoeft

Die äußere Wärmedämmung gilt als die bauphysikalisch überzeugendste Lösung für die Verbesserung der Energieeffizienz von Gebäuden. Trotzdem gibt es viele Situationen, in denen die Innendämmung der Außenwände in Betracht gezogen werden sollte. Das naheliegendste Beispiel sind Baudenkmale, bei denen sich gravierende Veränderungen der Fassade von selbst verbieten bzw. durch den Eintrag in die Denkmalliste verboten sind. Aber auch darüber hinaus gibt es eine Vielzahl historisch und baukulturell wertvoller Gebäude, deren äußere Gestalt verantwortungsbewusste Planer und Bauherren bewahren wollen. Speziell aus den Jahrzehnten um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert, also etwa aus Gründerzeit, Jugendstil oder auch Neuer Sachlichkeit, sind viele architektonisch und bauhandwerklich spannende Baukonstruktionen erhalten und als Wohnraum sehr begehrt. Dies gilt zumindest dann, wenn sie mit zeitgemäßen energetischen Standards ertüchtigt werden und gleichzeitig den speziellen Charme ihrer Fassaden und Bauformen behalten.

Die Innendämmung der Außenwände kann diese doppelte Anforderung erfüllen. Zumal durch die Neubewertung der Feuchtigkeitsverhältnisse in von innen gedämmtem Mauerwerk immer mehr Innendämmsysteme entwickelt worden sind, die ohne Dampfsperre verwendet werden können. Es handelt sich vor allem um diffusionsoffene, kapillaraktive Aufbauten mit Mineraldämmplatten, aber teilweise auch um diffusionsdichte Lösungen mit Hartschäumen, die ohne aufwändige und gegen Beschädigung empfindliche Dampfsperre auskommen können. Die Schichtaufbauten sind dadurch vergleichsweise dünn, sodass der Verlust an Wohnfläche zwar weiter vorhanden, aber in der Größenordnung meist vertretbar ist.

Die Fachliteratur und die Herstellerunterlagen beschreiben meist sehr genau, wie das jeweilige Innendämmsystem auszuführen ist, wie es funktioniert und welche Randbedingungen einzuhalten sind. Auf ungestörten, glatten Wandflächen ergibt sich meist ein eher einfacher Aufbau, der aber nicht darüber hinwegtäuschen darf, dass eine Innendämmung gegenüber der klassischen äußeren Fassadendämmung einige Besonderheiten speziell bei den Anschlussdetails aufweist. Besondere planerische Sorgfalt verlangen die anstoßenden Innenwände und Decken, außerdem die Laibungen von Fenstern und Türen sowie eventuelle Installationen an bzw. in den Außenwänden.

Bei der Auswahl eines konkreten Innendämmsystems sollten deshalb nicht nur die glatten Flächenaufbauten verglichen werden, sondern auch die Vorschläge und Lösungen des jeweiligen Herstellers für die wärmetechnisch sensiblen Anschlussdetails.

Keine kühlen Zonen
an den Innenwänden

Ein wesentlicher bauphysikalischer Unterschied der Innendämmung gegenüber der äußeren Wärmedämmung besteht darin, dass die Außenwände zukünftig auf der ungedämmten Seite des Bauwerks liegen, also selbst kalt bleiben.

Anstoßende Innenwände gehören jedoch zum beheizten Volumen, weshalb sich an der Stoßstelle beider Bauteile eine Wärmebrücke ergibt. Die hier kontinuierlich abfließende Wärme reduziert die Effizienz der Dämmung. Noch problematischer ist aber meist das Absinken der Oberflächentemperaturen in den Raumecken, das punktuell zu schimmelpilzkritischen Temperaturen von 12,6° C und weniger führen kann.

Während die Dämmung die Temperatur der ungestörten Außenwandflächen erhöht und das Schimmelpilzrisiko dort oft deutlich vermindert, sinkt dort, wo die Innenwände anstoßen, die Temperatur und die Gefahr von Schimmel kann sogar größer als vorher sein.

Die einfachste Abhilfe ist das Verlegen der Innendämmplatten in einem angrenzenden Streifen von 50 cm Breite oder mehr auf den Innenwänden. Dadurch entsteht jedoch eine gestalterisch nicht unbedingt glückliche sichtbare Kante im Raum. Dämmkeile, die es in vielen Innendämmsystemen gibt, reduzieren die optische Wirkung dieser Kante, erzeugen aber ihrerseits eine ebenfalls nicht immer gewünschte schräge Fläche auf der Innenwand. Alternativ kann auch der Putz der Innenwand abgeschlagen und die Kante der geraden Platten so kaschiert werden. Wird mit sichtbarer Kante gearbeitet, lässt sich der Absatz außerdem bewusst inszenieren, etwa indem er farblich abgesetzt wird oder mit einem Zierprofil abschließt.

Eine ganz andere Lösung für dieses Detail hat Caparol mit dem Thermowinkel entwickelt. Der gelochte Aluminiumwinkel mit angeklebtem Armierungsgewebe wird flächenbündig in den Putz eingebettet und leitet zielgerichtet Wärme in die kälte- und damit schimmelgefährdete Zone. Doch auch ohne diesen speziellen thermischen Effekt ist am Übergang von der Außen- zur Innenwand in jedem Fall ein Putz-Eckwinkel zu empfehlen, um Rissbildungen im Stoßbereich zu vermeiden.

Keine warme Luft
im Deckenanschluss

Decken sind ebenfalls in die kalte Zone einbindende warme Bauteile und hinsichtlich der thermischen Problematik den Innenwänden vergleichbar. Massivdecken können auf ihrer Unterseite mit einem Dämmstreifen oder alternativ mit Dämmkeilen geschützt werden. Zu beachten ist, dass die Dämmplatten an der Decke oft nicht nur geklebt, sondern auch gedübelt werden müssen. Auf der Oberseite von Massivdecken, also im Fußbodenaufbau, verbietet sich der Dämmstreifen in der Regel. Die Innendämmung sollte hier in jedem Fall bis auf die Rohdecke reichen und direkten Anschluss an die Trittschalldämmung des Estrichs haben.

Am Übergang von der Innendämmung zur Rohdecke empfiehlt sich zur Vermeidung von flankierender Schallübertragung eine akustische Trennung.

Gebäude aus der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert, die für Innendämmungen besonders prädestiniert sind, weisen allerdings oft gar keine massiven, sondern Holzbalkendecken auf. Ihre Beurteilung und Behandlung ist etwas komplexer, weil die Balkenköpfe künftig im kalten und damit für Kondensfeuchtigkeit anfälligen Mauerwerk liegen werden.

Der Zustand der Balkenköpfe muss deshalb vor Beginn der Arbeiten auf eventuelle Vorschädigungen geprüft und der Zutritt von Feuchtigkeit möglichst unterbunden werden.

Das erfordert eine sorgfältige Abdichtung der Balkenköpfe inklusive der eventuell vorhandenen Risse im Holz, damit keine warme und wasserdampfhaltige Raumluft in den sensiblen Kopfbereich gelangen und dort kondensieren kann.

Ein Öffnen des Deckenaufbaus ist dafür unvermeidlich, hat aber zugleich den Vorteil, dass die Innendämmung geschossübergreifend an der Außenwand verlegt werden kann. Mögliche Aufbauten der Wärmedämmung im Deckenhohlraum beschreibt Rigips sehr detailliert in den Unterlagen zum Innendämmsystem RigiTherm 032.

Keine Wärmelecks durch Installationen

An Fenstern und Türen macht sich häufig ein Platzproblem bemerkbar. Meist stehen nur 1 oder 2 cm zwischen dem Fenster und der Laibung für die Innendämmung zur Verfügung – während auf den glatten Flächen eher mit 6 bis 10 cm Dicke gedämmt wird. Bei Generalsanierungen mit Fenstertausch kann man überlegen, ob die neuen Fenster etwas kleiner geplant werden, um Platz in der Laibung zu gewinnen. Allerdings verändert dies auch die Proportionen der Außenansicht, die ja mit der Entscheidung für die Innendämmung eigentlich bewahrt werden soll. Theoretisch denkbar wäre außerdem das Abschlagen des Laibungsputzes, das mit 1 oder höchstens 2 cm aber allein kaum den nötigen Platzgewinn bringt.

In vielen Fällen muss die Laibung deshalb schwächer gedämmt werden als die ungestörte Fläche, wofür in vielen Sortimenten spezielle dünnere Laibungsplatten angeboten werden. Die Reduzierung des Wärmeschutzes in der Laibung lässt sich begrenzen, wenn ein Hochleistungsdämmstoff mit geringerer Wärmeleitfähigkeit verwendet wird.

Diese Materialien sind zwar teurer, werden aber nur für einen genau definierten und eher kleinflächigen Bereich benötigt, sodass sie sich im Gesamtkostenrahmen eventuell darstellen lassen.

Besonders leistungsfähige Lösungen sind Dämmstoffe mit Aerogelen oder den in der Anwendung ähnlichen „advanced porous materials“ (APM). In beiden Fällen handelt es sich um kleinstporige Nano-strukturen, die etwa so groß sind wie die eingeschlossenen Luftmoleküle. Die spezielle stoffliche Struktur reduziert die Bewegungsmöglichkeit der Moleküle und damit die Wärmeübertragung deutlich.

Für die Innendämmung geeignete Platten dieser Art sind beispielsweise die Aevero Innendämmplatte von Sto mit λ = 0,017 W/mK oder Calostat von Evonik mit λ = 0,021 W/mK (jeweils Bemessungswert). Einen anderen innovativen Ansatz verfolgen Vakuum-Paneele, die z. B. Saint-Gobain Weber als Weber.therm ab 3 cm Gesamtdicke mit λ = 0,007 W/mK anbietet. Aber auch konventioneller Hartschaum kann die Situation in der Laibung verbessern. So beinhaltet das Innendämmsystem iQ-Therm von Remmers eine Laibungsplatte aus PUR-Hartschaum mit λ = 0,032 W/mK (Nennwert). Zum Vergleich: Die Mineralplatten für diffusionsoffene, kapillaraktive Innendämmungen haben meist Lambdawerte um 0,042 W/mK.

Die genannten Hochleistungsdämmstoffe sind jeweils Teil kompletter Innendämmsysteme, für deren Einsatz und eventuelle Kombinationsmöglichkeiten mit anderen Dämmstoffen die Herstellerangaben zu beachten sind.

Dichtheit von Hülle,
Anschluss und Installation

Voraussetzung für praktisch alle Innendämmsysteme ist eine gegen Schlagregen, aufsteigende Nässe oder andere Feuchtigkeitseinwirkungen geschützte Außenwand. Dies gilt speziell auch für die Fensteranschlussfugen, die luftdicht sowie wind- und regensicher abzudichten sind.

Der Dämmstoff sollte wegen der unterschiedlichen zu erwartenden Bewegungen am Fenster oder an eventuellen Durchdringungen elastisch entkoppelt werden. Des Weiteren dürfen die Systeme nicht von Luft hinterströmt werden, weil die warme Raumluft einen relativ hohen Anteil Wasserdampf enthält, der in der kühlen Zone hinter der Dämmung kondensieren würde.

Potenzielle Einfallstore für die Raumluft sind beispielsweise Durchdringungen und haustechnische Installationen in der gedämmten Wand. Sie sollten nach Möglichkeit vermieden werden, anderenfalls ist für eine dauerhaft luftdichte

Ausführung zu sorgen. Das gilt für alle Arten von Rohren, aber auch für elektrische Schalter oder Steckdosen, die eine Wärmebrücke in der Dämmung bilden.

Für Situationen, in denen Elektrodosen unvermeidlich sind, gibt es in einigen Systemen fachgerecht integrierte Lösungen, etwa das Steckdosen-Set von Multipor oder den Elektroquader von Caparol.

Die kleinen und scheinbar unwichtigen Einzelheiten der Elektroinstallation zeigen noch einmal sehr anschaulich, dass es bei der Bewertung und Auswahl von Innendämmsystemen eben nicht nur auf die glatten, ungestörten Hauptflächen ankommt. Der Planer hat auch eventuelle Installationen sowie die Anschlüsse der Innenwände, Decken oder Fenster zu berücksichtigen und sollte die vom Hersteller angebotene Lösung in diesen Punkten hinterfragen.

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