Mineral- und Perlite-Dämmplatten - Innendämmung ohne Dampfsperre

Mineral- und Perlite-Dämmplatten

Außenwand-Innendämmung auch ohne Dampfsperre

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Die Außenwand-Innendämmung gilt als zweitbeste Variante bei der energetischen Verbesserung des Bestands. Die Erhaltung baukultureller Werte und die Entwicklung von Mineraldämmplatten, mit denen Innendämmungen auch ohne Dampfsperre möglich sind, geben der Bauweise jedoch eine neue Bedeutung.

Markus Hoeft

Die Rückbesinnung auf den Wert unserer traditionellen Gebäudeansichten, Straßenbilder und Stadträume ist einerseits eine ideelle Auseinandersetzung um die Bewahrung von Baukultur früherer Jahrzehnte und Jahrhunderte. Andererseits hat sie ganz praktische Konsequenzen, wenn für jede Modernisierung das Spannungsfeld zwischen zeitgemäßer Energieeffizienz mit einer wärmegedämmten Fassade sowie dem Erhalt der überlieferten Architekturformen und Gebäudemaßstäbe jeweils neu ausgelotet werden muss.
Es mag ja noch angehen, wenn die oft einfach gebauten und wenig gestalteten mehrgeschossigen Wohnungsbauten aus der unmittelbaren Nachkriegsära oder auch die Plattenbauten der siebziger und achtziger Jahre des 20. Jahrhunderts im Zuge von Sanierungen mit wärmegedämmten Fassaden komplett überformt werden. Wer hier nicht allzu billig baut, kann Gebäudeansichten und Stadträume eventuell sogar aufwerten. Anders sieht es jedoch oft bei der Bausubstanz aus dem 19. und der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts aus, die selbst in einfacher Ausführung mehr oder minder deutlich das damalige Bemühen um Gestaltung, Maß und Architektur zeigt. Also gerade um das, was wir heute Baukultur nennen und bewahren wollen.
Die Wärmedämmung der Außenwände auf der Innenseite – oder kurz: die Innendämmung – kann bei diesen Gebäuden ein probates Mittel sein, um zeitgemäße Energieeffizienz und den Erhalt der Gebäudeidentität miteinander zu versöhnen. Dies gilt nicht nur für Baudenkmale im formalen juristischen Sinn oder für Gebiete mit Erhaltungssatzungen, sondern bei allen Fassaden mit einer bestimmten Gestaltungsqualität.
Beurteilung der Feuchtigkeitsverhältnisse
Die Außenwand-Innendämmung ist auch deshalb zu einer prüfenswerten Alternative geworden, weil mit dem Feuchteverhalten und der Notwendigkeit einer Dampfsperre zwei Probleme früherer Ausführungsarten in den letzten Jahren eine Neubewertung erfahren haben.
Diese neue Beurteilung der Feuchtigkeitsverhältnisse in von innen gedämmten Außenwänden ist eng mit der Entwicklung der Mineraldämmplatten verbunden, die Prozesse der Diffusion mit denen der Kapillaraktivität und Sorption kombinieren.
Innendämmungen benötigen dadurch nicht mehr zwingend eine Dampfsperre, sie werden einfacher in der Planung und fehlertoleranter in der Ausführung sowie während der Nutzung.
Dicke im Gesamtaufbau bewerten
Mineraldämmplatten – oder wie sie auch genannt werden Mineralschaumplatten – können als ein ultraleichter Porenbeton aufgefasst werden. Die Ausgangsstoffe sind wie bei diesem Kalk, fein gemahlener Quarzsand, eventuell auch Zement und in jedem Fall ein Porenbildner, häufig auf Aluminiumbasis. Die Rohstoffe werden mit Wasser angesetzt und expandieren unter dem Einfluss des Porenbildners zu ihrer typisch porig-schaumigen Struktur, ehe sie anschließend im Autoklaven gehärtet werden. Die Blöcke lassen sich anschließend zu Platten sägen, die je nach Sortiment meist Dicken von 50 bis 200 mm aufweisen.
Der hohe Porenanteil des Materials sorgt für die außerordentlich niedrige Rohdichte von 85 bis 140 kg/m³ (je nach Hersteller und Produkt). Vor allem aber ist er für die geringe Wärmeleitfähigkeit verantwortlich, die für auf dem Markt befindlichen Mineralschaumplatten recht einheitlich mit einem Wert von 0,042 W/mK angegeben wird. Platten aus Perlite als (Leicht-)Zuschlagstoff und Bindemittel, die wegen ihrer sehr ähnlichen Anwendungseigenschaften in diesem Artikel mit behandelt werden sollen, erreichen λ = 0,045 W/mK.
Beide Lambda-Werte bilden nicht unbedingt die Spitze des für Dämmstoffe Möglichen, schließlich liegen Hartschäume und Mineralfasern bereits in Bereichen von 0,032 W/mK. Für einen qualitativ gleichwertigen Wärmeschutz muss die Dämmung bei Mineralplatten also etwas dicker ausgeführt werden als bei EPS oder Mineralwolle. Dafür benötigt man jedoch in der Regel in Räumen mit normaler Luftfeuchtigkeit keine Dampfsperre, was eine sehr wirtschaftliche Ausführung ermöglicht und vor allem den Installationsraum erspart, der zum Schutz vor Verletzungen der Dampfsperre bei konventionellen Aufbauten erforderlich ist.
In der Gesamtbetrachtung müssen Mineraldämmungen deshalb nicht in jedem Fall dicker sein.
Gleichgewicht beim Feuchtetransport
Mineraldämmplatten werden mit einem systemzugehörigen, ebenfalls mineralischen Kleber vollflächig auf die Innenseite der Außenwände geklebt. Die Untergründe können Mauerwerk oder fest anhaftende alte Putzschichten sein. Die Schichtenfolge aus Mauerwerk, ggf. Altputz, Kleber und Mineraldämmplatten gewährleistet einen diffusionsoffenen, durchgängig mineralischen Wandaufbau mit sehr homogenem Sorptionsverhalten.
Die bereits erwähnte Neubewertung dieser Aufbauten setzt bei dem Gedanken an, dass das Glaser-Verfahren die Feuchteverhältnisse und den Feuchtetransport in einer solchen Schichtenfolge nur unzureichend beschreibt, weil es sich allein auf die Diffusion konzentriert. Nach Glaser diffundiert die Feuchte der inneren Raumluft als Wasserdampf in den Aufbau hinein und erreicht innerhalb der Wand den Taupunkt, wo der Dampf zu (flüssigem) Wasser kondensiert und dort verbleibt. Die Folge wäre eine nicht hinnehmbare Wasseranreicherung innerhalb des Aufbaus.
Sofern aber alle beteiligten Baustoffe sorptionsfähig sind, also in einem gewissen Umfang Wasser aufnehmen können, und sofern die gesamte Schichtenfolge durchgängig kapillaraktiv ist, findet parallel ein zweiter Prozess statt: Das kondensierte Wasser wandert in den Kapillaren in flüssiger Form zurück zur inneren (warmen) Oberfläche und verdunstet dort wieder. Dadurch kommt es nicht zu einer unbegrenzten Feuchtigkeitsanreicherung in der Wand, sondern es stellt sich ein Gleichgewicht ein: Wasserdampf wandert per Diffusion ein und gleichzeitig wandert kondensiertes Wasser über die Kapillaren wieder aus.
Das früher ausschließlich für die Beurteilung von Innendämmungen verwendete Glaserverfahren ist also nicht falsch, beschreibt aber für sorptionsfähige und kapillaraktive mineralische Schichtenfolgen nur die eine Hälfte des tatsächlichen Geschehens. Denn die gleichzeitige kapillare Trocknung verhindert in Kombination mit der sorptiven Verteilung des Wassers im Baustoff lokale Spitzen der Feuchtigkeitskonzentration. Für die Berechnung des Gleichgewichtsverhaltens wurden vollständig neue Programme entwickelt, z.B. WUFI®.
Zusätzliche Feuchtelasten vermeiden
Auch bei Innendämmungen mit Mineralschaumplatten bleibt der Feuchtigkeitsnachweis für den Wandaufbau im Grundsatz eine Aufgabe des Planers. Er wird in Räumen mit normaler Luftfeuchtigkeit in vielen Fällen auf die Dampfsperre verzichten können, sofern bestimmte Randbedingungen und Grenzen eingehalten werden.
So muss die Schichtenfolge tatsächlich lückenlos kapillaraktiv und sorptionsfähig sein, sollte also zum Beispiel keine dichten sperrenden (Alt-)Anstriche enthalten. In diesem Sinne schließen einige Hersteller auch Gipsputz als Untergrund aus. Ebenso erfordern Holzeinbauteile, etwa Fachwerk, besondere Beachtung.
Auch der Innenputz auf den Mineraldämmplatten und die Wandfarbe müssen auf das offene System abgestimmt sein, weshalb die Dämmplatten oft als komplette Systeme mit Kleber, Armierungsgewebe und Innenputz angeboten werden oder die Herstellerunterlagen Empfehlungen für bestimmte Putzaufbauten aussprechen.
Um auf eine Dampfsperre verzichten zu können, sollte jeder zusätzliche Feuchtigkeitseintrag in die Wand nach Möglichkeit vermieden werden. Wie jede Außenwand-Innendämmung sind deshalb auch Mineraldämmplatten gegen ein Hinterströmen der warmen Innenraumluft zu schützen, was die vollflächige Verklebung und der abschließende Putz in der Regel leisten. Außerdem darf die Außenwand keine aufsteigende Feuchte aus den Grundmauern enthalten und muss auf der Außenseite ausreichend dicht gegen Schlagregen sein. Ein funktionsgerechter Außenputz oder bei Sichtmauerwerk eine intakte Verfugung sind deshalb Voraussetzungen für das Funktionieren ohne Dampfsperre.
Ebenfalls wie bei jeder Innendämmung sind auch bei Mineralschaumplatten die Wärmebrücken zu beachten, die Innenwände oder auch Geschossdecken bilden können. Alle einbindenden Bauteile sollten deshalb eine Anschlussdämmung zwischen 0,50 und 1,00 m erhalten, wofür in vielen Sortimenten materialgleiche Dämmkeile oder dünnere Platten für die Anschluss- und Laibungsdämmung angeboten werden.
Nichtbrennbarkeit
Für die Nutzungsphase ist sicherzustellen, dass auch spätere Renovierungsanstriche keine sperrenden Schichten auf dem offenen System bilden. Der mögliche Verzicht auf die Dampfsperre vereinfacht die Ausführung und schützt später gegen eine nachträgliche Verletzung der Dampfsperre, z.B. wenn die Bewohner Gegenstände an der Wand befestigen. Auch bei Mineraldämmungen muss allerdings für schwerere Gegenstände die Befestigung im tragenden Untergrund gewährleistet werden. Ein weiterer Vorteil der meist faser- und kunststofffreien Mineraldämmungen ist ihre Nichtbrennbarkeit, die zusammen mit der mineralischen Herkunft des Baustoffs zu einer guten Akzeptanz bei den Gebäudenutzern führt.

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