Neubau eines Hotels in Aachen

Purpur als Landmarke

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Auf dem Gelände des alten Tivoli-Stadions in Aachen ist vor kurzem ein 3-Sterne Hotel der Hilton-Gruppe fertiggestellt worden. Ein ungewöhnliches Detail des nach Plänen von Cross Architecture realisierten Neubaus ist die maßgeschneiderte Vorhangfassade aus dreidimensional verformten, dabei purpurfarben leuchtenden Aluminiumblechen.

Robert Uhde

Mehr als 80 Jahre lang diente das 1928 an der Kreuzung Krefelder Straße/Merowinger Straße errichtete Tivoli-Stadion als Heimstätte des zeitweiligen Fußball-Bundesligisten Alemannia Aachen. Nach dem Umzug des Vereins in einen modern ausgestatteten Neubau im Jahr 2009 wurde die altehrwürdige Arena abgebrochen und an gleicher Stelle ein innenstadtnahes Quartier mit Büro- und Gewerbeflächen errichtet. Zuletzt wurde am Standort auch ein Hotelneubau der Hilton-Gruppe eröffnet. Der als aufgelöste Blockrandbebauung mit Innenhof konzipierte, im Sommer 2017 fertiggestellte Neubau integriert auf vier bis fünf Ebenen mit einer Bruttogrundfläche von 9 800 m² insgesamt 164 Gästezimmer für gehobene Ansprüche. Komplettiert wird das Raumprogramm durch eine großzügige Lobby, durch Konferenzbereiche sowie durch einen Fitnessbereich mit Außenterrasse und mit Blick über den südwestlich angrenzenden Landschaftsgürtel.

Mit der Planung des Projektes hatte die DaixKo Hotelbaugesellschaft im Sommer 2014 ein Team um die beiden Architekten Markus Sporer und Cornelius Wens beauftragt, das bereits 2011 den begrenzt ausgeschriebenen Wettbewerb für das Projekt gewonnen hatte. Seinerzeit war Markus Sporer noch Partner und Geschäftsführer des renommierten niederländisch-deutschen Büros Benthem Crouwel Architects, seit 2016 firmieren sie gemeinsam als Cross Architecture. Zum Portfolio der Planer zählen unter anderem auch das Bergbaumuseum in Bochum (bba 4/2011) oder das Kulturforum in Koblenz (bba 5/2014).

Blickfang mit Nutzen: Vorhangfassade aus Purpur-Aluminium

Um den auf halber Strecke zwischen historischem Stadtzentrum und der Autobahn A4 gelegenen Standort hervorzuheben und gleichzeitig die stadträumlich wichtige Eingangssituation am Fuße des südwestlich gelegenen Lousberges zu markieren, entschieden sich die Architekten für eine bewusst prägnante Gestaltung. Auffällig ist dabei nicht nur die in Richtung der Kreuzung fließend von vier auf fünf Geschosse aufsteigende Gebäudekubatur, ins Auge sticht vor allem die oberhalb des weitgehend verglasten Erdgeschosses (Pfosten-Riegelfassade Schüco FWS 50+SG, Ral 9011, matt) aufsteigende Vorhangfassade. Die äußere Hülle der Front setzt sich zusammen aus vertikal angeordneten, dabei dreidimensional in mehreren Achsen verformten und dreifach gefalzten Aluminiumblechen, umgesetzt in der architektonisch bislang kaum in Erscheinung getretenen Grundfarbe Purpur.

Die durch den niederländischen Fassadenspezialisten Th. Bartels individuell nach den Vorgaben der Architekten umgesetzte Lamellenstruktur hat zuallererst die Funktion eines außen liegenden, fest stehendenden Sonnenschutzes, der den Hotelgästen den ganzen Tag über blendfreie Innenräume ermöglicht. Darüber hinaus aber wirkt sie vor allem als optischer Blickfang: „Mit der Gestaltung wollten wir eine deutliche Landmarke entlang der vierspurigen Haupteinfallstraße schaffen“ , erklärt Projektarchitekt Markus Sporer die grundlegende Idee.

Die Wirkung und Dynamik der Vorhangfassade haben die Planer dabei ganz bewusst aus der Perspektive eine vorbeifahrenden Autos heraus entwickelt: „Die kräftige purpurne Farbigkeit und die große räumliche Tiefe der Lamellenkonstruktion überspielen den strengen Rhythmus der innen liegenden Lochfassade und erzeugen durch die variable Breite und Tiefe der einzelnen Elemente gleichzeitig eine subtile Dynamik, die bei höherer Geschwindigkeit noch an Reiz gewinnt.“

Die ungewöhnliche Konstruktion setzt sich zusammen aus jeweils 3 m hohen, dabei wechselweise konisch nach oben bzw. nach unten zulaufenden und bis zu 40 cm in einem rechten Winkel in den freien Raum hinaus reichenden Einzelelementen, die mit einer Ankerkonstruktion an der innen liegenden Lochfassade montiert sind. In drei bzw. vier übereinander liegenden Reihen fassen sie die gesamte Fassadenhöhe oberhalb des verglasten Erdgeschosses ein. Im Zusammenspiel ist den Architekten ein unverwechselbarer gestalterischer Akzent mit großer Fernwirkung gelungen, der gleichzeitig auch die Nutzung als Hotel unterstreicht:

„Denn wahrnehmungspsychologisch betrachtet steht die monochrome, in mehreren hellen und dunklen Tönen von Aubergine bis Pink variierte Farbe Purpur für Attribute wie Sinnlichkeit, Exklusivität und Luxus“ , so Markus Sporer.

Besonders intensiv ist der Eindruck bei Sonneneinstrahlung, wenn die Wirkung der Vorhangfassade durch ein markant bewegtes Schattenspiel hervorgehoben wird. Verstärkt wird der Effekt außerdem durch den ruhigen, ebenfalls dunkelvioletten Hintergrund der innenseitigen Lochfassade, die als zweite Fassadenschicht die Gästezimmer in den Obergeschossen und die Nebenräume im Erdgeschoss umhüllt. Die Fensterelemente sind ebenfalls von Schüco in passender Ausführung zur Pfosten-Riegelfassade im Erdgeschoss: AWS 75 Si, Ral 9011, matt.

Guter Service bei bezahlbaren Preisen

Der Eingangsbereich des Hotels wird durch einen tiefen Rücksprung der Gebäudekubatur im Erdgeschoss entlang der Merowingerstraße akzentuiert. Die Aussparung schafft eine überdeckte Vorfahrt, die den Gästen einen witterungsgeschützten Zugang in die geschosshoch verglaste Lobby ermöglicht. Das dort und im gesamten Innenraum umgesetzte Gestaltungskonzept wurde in sämtlichen Details nach den Design-Vorgaben der „jungen“ Linie „Hampton by Hilton“ umgesetzt, mit der die Hotelkette hohen Servicelevel bei bezahlbaren Preisen für Businessreisende wie für Touristikreisende gleichermaßen bieten will.

Das Erdgeschoss beherbergt neben gemeinschaftlichen Gästebereichen wie einem Restaurant auch zusätzliche, mit Parkettböden (Fertigparkett Heritage Eiche Blonde, stark gebürstet von Tarkett), Teppichen und Steingutfliesen (Steingut Stateroom Multicolor von Villeroy und Boch) ausgeführte Konferenzbereiche und Servicezonen. Große Trennelemente schaffen dabei einen fließenden Übergang zwischen den unterschiedlichen Zonen, sodass der Raum offen und intim gleichermaßen wirkt.

Über zwei Personenaufzüge bzw. ein Treppenhaus erreichen die Gäste anschließend die Obergeschosse des Neubaus mit den insgesamt 164 Gästezimmern. In einigen der Räume beschwören Schwarz-Weiß-Fotografien aus der Glanzzeit von Alemannia Aachen die Historie des Clubs. Im vierten Obergeschoss steht den Gästen zusätzlich ein Fitnessbereich mit Blick über den angrenzenden Landschaftsraum und eine Außenterrasse zur Verfügung. Den Blick auf die Stadt, auf das neue Stadion und auf die angrenzende Umgebung gibt es dabei inklusive – als Einstimmung auf das bevorstehende Heimspiel oder auf den Besuch der historischen Innenstadt.

bartelsbv.nl

Planung:
CROSS Architecture,
Aachen/Amsterdam

www.cross-architecture.net

Benthem Crouwel GmbH, Aachen

http://benthemcrouwel.com

Projektteam: M. Sporer, C. Wens,
J. Görling, S. Vijgen, F. Elshoff

Ausführungsplanung:

Casademont Architekten, Aachen

TGA:

DSTR Planungsgesellschaft mbH,
Aachen

Statik | Bauphysik | Brandschutz:
B. Walter Ingenieurgesellschaft mbH,
Aachen

Landschaftsarchitekten:

Greenbox Landschaftsarchitekten PartG, Köln


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