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Glasfassaden mit prägnanter Ansicht

Fassadenverglasungen
Mit prägnanter Ansicht

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Die technische Entwicklung erlaubt inzwischen hochtransparente, weitgehend farb- und ansichtsneutrale Fassadenverglasungen. Für bestimmte Entwurfsideen kann aber gerade umgekehrt das optisch prägnante und erlebbare Glas die bessere Wahl sein. Farbe, Verspiegelung, Bedruckung oder Struktur sind Möglichkeiten individueller Gestaltung.

Anforderung:

Optisch prägnante Glasfassaden

Lösung:

Gestaltete Glas-Ansichten mit Farbe, Spiegelung, Bedruckung, Beleuchtung, Folien, Struktur wie z. B. Ornament-/Dekorglas


Markus Hoeft

Die wichtigsten bauphysikalischen Kennwerte von Verglasungen für die Fassade sind der Wärmedurchgangskoeffizient U und der Gesamtenergiedurchlassgrad g. Der U-Wert ist ausschlaggebend für den winterlichen Wärmeschutz, während der g-Wert den Energieeintrag in das Gebäude durch die Sonneneinstrahlung und damit vor allem die Behaglichkeit im Sommer beschreibt. In beiden Fällen handelt es sich um Prozesse des Strahlungsdurchgangs, wie bereits der Namensbestandteil „durch“ sowohl beim Wärmedurchgangskoeffizienten als auch beim Gesamtenergiedurchlassgrad anzeigt.

Verglasungen haben jedoch neben der Durchgangs- auch eine Ansichtsqualität, die sich mit einer Reihe verschiedener Parameter beeinflussen lässt. Die optische Erscheinung der Verglasung kann zwar auch die bauphysikalische Situation verändern, primär jedoch bestimmt sie die Architektur der Fassade und damit den Gesamteindruck des Gebäudes.

Zu den steuerbaren Ansichtsparametern gehört zum Beispiel die Farbe des Glases, die speziell bei Sonnenschutzverglasung von Bedeutung ist. Weitere gestalterische Möglichkeiten bieten die Reflexion der Gläser bzw. der Grad ihrer Entspiegelung, die Bedruckung oder Folierung auf Teilbereichen der Fassade oder die Struktur des Glases selbst. Letztere kann von völlig klarem Floatglas über leichte Unregelmäßigkeiten bei bewusst mit historischen Techniken hergestellten Gläsern bis hin zu deutlich strukturierten Ansichten etwa mit Ornamentglas, Kapillarplatten oder Profilbaugläsern reichen. Außerdem lässt sich die Ansicht der Verglasung mit technischen Mitteln wie LED oder PV-Modulen in der Verglasung variieren.

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Pflicht und Kür bei der Glasfassade

In einer Zeit, die vor allem nachhaltiges energieeffizientes Bauen erfordert, ist die Glasauswahl nach dem U- und dem g-Wert sicher die grundlegende Entscheidung im Planungsprozess. Nach dieser Pflicht kann dann aber noch die Kür der optischen und ansichtstechnischen Feinarbeit am Fassadenprojekt folgen.

Während die bauphysikalischen Kennwerte letztlich nur das Ziel der energetischen Optimierung kennen und damit eher eine ingenieurtechnische Fragestellung sind, bietet die Gestaltung der Glasansicht deutlich mehr individuellen Freiraum und erweist sich als klassische Architektenaufgabe.

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Neues Wahrzeichen am Meer

Pro und contra bei optisch neutralem Glas

Schaut man in die Informationsmaterialien der Glasanbieter, aber auch auf viele der in den letzten Jahren ausgeführten Glasfassaden, dann ist das beherrschende Thema weniger die Gestaltung des Glases mit Farbe oder Struktur, sondern eher eine Tendenz zur ansichtsneutralen Verglasung und damit zu einer gewissen Entmaterialisierung der Fassade. Begonnen hat diese Entwicklung mit der industriellen Reife des Floatglasverfahrens in den 1960er Jahren. Die Glasschmelze schwimmt hierbei auf einem Bad aus flüssigem Zinn und härtet mit spannungsarmen und sehr glatten Oberflächen aus. Das Verfahren erlaubt die Herstellung völlig klarer und schlierenfreier Flachgläser, die nicht die bei gegossenem oder gewalztem Glas unvermeidlichen leichten Unregelmäßigkeiten aufweisen. Ein erster Schritt zum „unsichtbaren“ Glas war damit getan.

Die meisten Rohgläser haben von Hause aus einen leicht grünlichen Farbstich. Mit der Entwicklung von besonders eisenoxidarmem Glas gelang es, fast völlig farbneutrale Verglasungen herzustellen, deren Farbwiedergabeindex über 99 % betragen kann, die also praktisch gar keine Farbwirkung mehr haben. Ähnliches wurde bei den Funktionsbeschichtungen im Isolierglasaufbau erreicht, die heute ebenfalls farblos sein können und gleichzeitig entspiegelnd wirken, also die Reflexion deutlich reduzieren.

In technischer Hinsicht ist es eine Meisterleistung, derartig neutrale Gläser herzustellen, die kaum noch eine optische Eigenwirkung entfalten. Sie erlauben hochtransparente Fassaden ohne jede Beeinträchtigung des Ein- und des Ausblicks. In architektonischer Hinsicht lässt sich jedoch fragen, ob diese Transparenz für jedes Projekt sinnvoll ist. Denn mit der scheinbaren Entmaterialisierung verliert die Gebäudehülle auch an erlebbarer Trennwirkung, für die sie in der Baugeschichte unter anderem erfunden wurde. Die Menschen im Gebäude erhalten keine abschottende Intimität, der Anblick von außen zeigt die bauliche Struktur, aber eben auch die Inneneinrichtung der Räume – was bei manchen Gebäudenutzungen nicht immer sinnvoll ist: Als vorübergehender Passant möchte man nicht unbedingt an jedem einzelnen Bürochaos teilnehmen und würde lieber eine homogene, aber vom Architekten durchgestaltete Glasfläche sehen. Auch die Reduzierung der Reflexion kann im Einzelfall ein Verlust sein, wenn Gebäudehüllen nicht mehr die wechselnden Wetterbedingungen oder markante Strukturen aus ihrer Nachbarschaft spiegeln.

Es gibt im Einzelfall also sehr verschiedene Gründe, Glasfassaden eine bewusste Gestaltung und damit Individualität zu verleihen. Fassade kommt schließlich vom lateinischen facies, also von Gesicht/Angesicht.

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Dynamik mit Farbe und Reflexion

Wie schon angedeutet kann eine Färbung bereits im Rohglas vorhanden sein. Mehr Bedeutung für den farblichen Eindruck haben jedoch die Funktionsbeschichtungen am Isolierglasaufbau und hier speziell die Sonnenschutzbeschichtungen. Neben den neutralen Varianten gibt es beispielsweise bläuliche, gräuliche oder bronzefarbene Tönungen, die der Aufheizung der Innenräume unter Sonneneinstrahlung entgegenwirken können. Die Verglasungen erzeugen in der Außenansicht eine optisch eher geschlossene Fassade. Der Ausblick vom Innenraum ist kaum beeinträchtigt, allerdings kann es zu einer leichten Verfälschung der Farbwiedergabe kommen. Der Effekt des Geschlossenen lässt sich mit metallischen Beschichtungen steigern. Sie erhöhen die Reflexion, was einerseits den Einblick reduziert und andererseits spannende Spiegeleffekte auf der Fassade hervorrufen kann.

Eine besondere Form der Farbgebung nutzen dichroitische Gläser, die durch eine spezielle Beschichtung oder Folierung irisierende Farbeffekte erzeugen. Je nach Blickwinkel des Betrachters sowie Intensität und Stand der Sonne werden jeweils andere Bereiche des Farbspektrums hindurchgelassen bzw. reflektiert. Es entsteht ein ständig wechselndes Farbspiel mit sich verändernder Ästhetik.

Ein ähnlicher Effekt lässt sich mit schaltbaren dynamischen Verglasungen erzeugen. Je nach Sonnenintensität wird hier in der Beschichtung des Glases eine Niederspannung erzeugt, die elektrochrome Reaktionen auslöst: Bei starker Sonneneinstrahlung erscheint das Glas eher dunkel, bei bedecktem Himmel hell. Die Technik wurde vor allem unter dem bauphysikalischen Aspekt des Hitzeschutzes entwickelt, ruft aber parallel auch dynamische architektonische Effekte hervor.

Die Farbwirkung des Glases lässt sich außerdem über farbige Folien im Laminat von Verbundglas oder über das Bedrucken der Scheiben beeinflussen. Dabei wird das Glas im Siebdruck oder im Digitaldruck mit keramischen Farben bedruckt, die im Vorspannprozess dauerhaft einbrennen. Neben abstrakten Ornamenten und Farbflächen sind auch realistische Bilddarstellungen möglich.

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Glasfassade inklusive Lichtstimmung vorab testen

Transparenz und Transluzenz

Neben der Farbe kann die Struktur des Glases als Gestaltungsmittel eingesetzt werden. Etwa indem auf die absolute Gleichmäßigkeit von Floatglas bewusst verzichtet und stattdessen auf historische Herstellungstechniken zurückgegriffen wird. Geblasenes, gegossenes oder auch gewalztes Glas weist stets leichte Unregelmäßigkeiten auf, verleiht den Gebäuden dadurch aber auch einen individuellen Charakter. Typische Einsatzgebiete sind denkmalgerechte Sanierungen.

Noch einen Schritt weiter geht das auch für Neubauten geeignete strukturierte Dekorglas. Bekannt ist diese Variante vor allem von Badverglasungen. Bestimmte Produkte lassen sich jedoch auch im Isolierglasaufbau von Fassaden einsetzen. Je nach Art der eingeprägten Struktur sind die Durchblickmöglichkeiten reduziert oder praktisch nicht mehr vorhanden. Dafür kann jedoch eine optische Intimität in den Innenräumen gewonnen werden sowie ein angenehm gleichmäßiger diffuser Lichteinfall.

Diese Kombination aus Transluzenz ohne Einblick, aber mit gestreutem Lichteinfall lässt sich auch mit Glassteinen, Profilbaugläsern oder Kapillareinlagen am Isolierglas erreichen. Flachglas kann einen ähnlichen Effekt mit satinierten oder sandgestrahlten Oberflächen hervorrufen. Derartige Verglasungen ohne Ausblick dürfen in vielen Fällen nicht sinnvoll für komplette Fassaden sein, können sich aber ausgezeichnet für eine Teilbelegung auf Flächen, die gegen Einsicht geschützt werden sollen, eignen.

Ihr besonderer Charme zeigt sich bei Dunkelheit, wenn die sonst geschlossenen Fassadenabschnitte zu leuchtenden Feldern werden. Das funktioniert allerdings nur bei eingeschalteter Innenbeleuchtung. Soll die Architektur davon unabhängig werden, lassen sich stromsparende und bei Bedarf auch verschieden farbige LED in die Verglasung integrieren, die eine spannende Lichtskulptur entstehen lassen können. Das Gebäude erhält dadurch eine eigenständige Nachtansicht, die sich überraschend von der gewohnten Ansicht bei Tageslicht unterscheiden kann.

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Entmaterialisierte Glasfassade kein alleiniger Königsweg

Das völlig farb- und durchsichtsneutrale Fassadenglas stellt sicherlich momentan die Spitze der technologischen Entwicklung dar und kann zu beeindruckenden Gestaltungen führen. Angesichts der Vielfalt der Möglichkeiten der Glasgestaltung stellt sich jedoch die Frage, ob eine allzu enge Fixierung auf die nicht erlebbare, quasi entmaterialisierte Glasfassade der alleinige Königsweg zu individueller Architektur ist.

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Während die bauphysikalischen Kennwerte (U- und g-Wert) letztlich nur das Ziel der energetischen Optimierung kennen und damit eher eine ingenieurtechnische Fragestellung sind, bietet die Gestaltung der Glasansicht deutlich mehr individuellen Freiraum und erweist sich als klassische Architektenaufgabe.


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