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Transparente Schubladen

Norddeutsche Landesbank in Hannover
Transparente Schubladen

Der Neubau der Norddeutschen Landesbank in Hannover ist ein Musterbeispiel für das koordinierte Zusammenspiel von baulichem und anlagentechnischem Brandschutz. Architekten und Brandschutzplaner realisierten durch ein gemeinsam mit den Behörden erarbeitetes Gesamtsicherheitskonzept ein außergewöhnlich transparentes und flexibel nutzbares Objekt.

Der Wunsch des Bauherrn nach Offenheit wurde durch den umfassenden Einsatz von Brandschutzverglasungen bis in den Gebäudekern hinein umgesetzt.
Mittlerrolle innerhalb funktionaler Vielfalt
Der Neubau der Norddeutschen Landesbank am Friedrichswall in Hannover liegt an der Schnittstelle zwischen der City und den Wohngebieten der Südstadt.
Mit dem westlich angrenzenden Rathaus und dem Maschpark verbinden sich dort die stadträumlichen Funktionen Einkaufen, Arbeiten, Wohnen, Kultur, Sport und Freizeit.
Der Mittlerrolle innerhalb dieser funktionalen Vielfalt begegnete das Architekturbüro Behnisch, Behnisch & Partner aus Stuttgart mit einer gestalterischen Offenheit, die neben dem reichhaltigen Glaseinsatz in Fassaden und Innenausbau auch einen großzügigen, begrünten Innenhof als öffentlichen Teil des Gebäudes vorsah. Dieser Innenhof ist über eine mehrgeschossige Eingangshalle zu erreichen und wird durch Restaurants, Läden, Cafés und eine Galerie belebt.
Schubladenartig in alle Himmelsrichtungen
Das Gebäude lässt sich grob in eine 6-geschossige Blockrandbebauung und einen höheren, turmartigen Teil im Innenhofbereich aufgliedern. Der 60 Meter hohe und 17 Stockwerke umfassende Turm ist mit Büros für Vorstände, repräsentativen Konferenzräumen und einem Casino ausgestattet. Durch seine spektakuläre Fassade mit Geschossblöcken, die schubladenartig in alle Himmelsrichtungen auskragen, wird er stilprägend für den gesamten Komplex.
Die Unkonventionalität im äußeren Erscheinungsbild wird im Innenraum eingelöst durch eine überaus variantenreiche Raumaufteilung – stets verbunden mit dem Streben nach maximalem Tageslichteinfall sowie kommunikativer Offenheit und funktionsübergreifender Transpa-renz.
Unkonventionelle Lösungen
Eine Reihe objektspezifischer Gegebenheiten galt es mit der Landesbauordnung, der Sonderverordnung und den behördlichen Anforderungen abzustimmen.
Zu berücksichtigen waren unter anderem gestalterisch-konstruktive Besonderheiten, dazu zählen das Arrangement der Gebäudekörper und die Bauhöhe von bis zu 60 m, die gläserne Doppelfassade, und im Inneren die zusammenhängenden Lufträume über mehrere Geschosse.
Weitere Konfliktsituationen ergaben sich aus der Nutzung: Vorgesehen waren flexibel nutzbare Großraumbüros und Kombi-Büros mit hohen Glasanteilen – man strebte damit eine Auflösung der konventionellen, linearen Flur/Büroraum-Struktur an. Darüber hinaus mussten mehrere Versammlungsräume, eine zweigeschossige Tiefgarage mit Anbindung an alle Gebäudekörper sowie das denkmalgeschützte „Siemenshaus“ mit in das Gesamtsicherheitskonzept integriert werden.
Vollsprinklerung mindert Regelanforderungen
Für die erwünschte Offenheit und Transparenz angesichts der komplexen räumlichen Situation sah das beauftragte Brandschutz-Planungsbüro HHP Braunschweig Beratende Ingenieure GmbH eine Vollsprinklerung des Gebäudes vor.
Durch diese umfassende anlagentechnische Maßnahme wurden Möglichkeiten eröffnet, Regelanforderungen in einzelnen Punkten abzumindern.
So stellte die Baubehörde keine weiteren Brandschutzanforderungen an die Glasfassaden sowie die mehrgeschossigen Raumeinheiten. Die in Teilbereichen übergroßen Brandabschnitte wurden angesichts dessen ebenso genehmigt wie die flexibel gestalteten horizontalen Rettungswege.
Brandabschnitte und Erschließung
Brandwände unterteilen das Gebäude in insgesamt neun Brandabschnitte mit Nutzungseinheiten von bis zu 600 m² und teils zweigeschossiger Struktur.
Alle Nutzungseinheiten sind gegeneinander durch feuerbeständige Wände getrennt. Die beiden Garagengeschosse stellen eigene Brandabschnitte dar, die durch die Anordnung von feuerhemmenden Trennwänden in Rauchabschnitte mit maximal 5 000 m² Grundfläche geteilt wurden.
Die gläserne Eingangshalle bildet einen eigenen Rauchabschnitt über mehrere Geschosse – eine Entrauchungsanlage verhindert die Rauchausbreitung innerhalb des Gebäudes.
Der Anzahl der Brandabschnitte entsprechend, erfolgt die vertikale Erschließung durch insgesamt neun Treppenräume. Sie sind als innenliegende Treppenräume mit vorgelagerten Schleusen bzw. Flurabschnitten ausgebildet.
Die Treppenräume im Hochhausbereich sind als Sicherheitstreppenräume mit Überdruckbelüftung ausgeführt. Die Höhe des Hochhauses machte einen separaten Feuerwehraufzug erforderlich, der Zugang zu allen Ebenen verschafft und im Normalfall als Lastenaufzug genutzt werden kann. Horizontale Rettungswege sind innerhalb der Nutzungseinheiten als interne Erschließungsflure ausgebildet, die Flurwände müssen daher keinen definierten Feuerwiderstand erfüllen.
Brandschutzverglasung
Um die Idee von einem offenen, transparenten und damit kommunikationsfördernden Gebäude konsequent umzusetzen, setzte man bei den baulichen Brandschutzmaßnahmen einen erheblichen Anteil an Brandschutzverglasungen mit insgesamt 1 231 m² Pilkington Pyrostop® ein. Sie sorgen als F 30-Trennwände und F 30/T 30-Türsysteme mit F 30-Anschlussbauteilen allerorts für helle, sichere Treppenraumzugänge und Nutzungstrennungen.
Durch die Wahl der filigran profilierten, dennoch statisch hoch belastbaren Systemkonstruktion „System MBB 2000“ konnte der transparente Brandschutz mit großen ungeteilten Scheibenmaßen realisiert werden. Er entspricht zugleich dem hohen ästhetischen und funktionalen Anspruch, der die Architektur sowie die weitere Gebäudetechnik im Bereich Sonnenschutz und Klimatisierung auszeichnet.
Auf Seite 36 dieser bba-Ausgabe beschreiben wir dieses Objekt unter dem Aspekt Dach- und Dichtungsbahnen für das Flachdach.
Weitere Informationen
Brandschutzverglasung Pyrostop ® bba 512
Architekt: Behnisch, Behnisch & Partner, Stuttgart Projektleitung: Martin Haas und Jörn Genkel Brandschutztechnik: HHP Braunschweig Beratende Ingenieure GmbH, Braunschweig
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