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Vereint in der Unterschiedlichkeit

Neubau von Wohngebäuden in der Baugruppe in Berlin-Treptow
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Ensemble statt Monolith – eine Baugruppe errichtet mehrere mehrgeschossige Wohngebäude auf einem alten Bahngrundstück in Berlin-Treptow. Jedes Haus folgt anderen inneren Organisationsprinzipien, was Individualität und Vielfalt innerhalb der Gruppe ermöglicht. Holz-Element-Fassaden bilden die gemeinsame Klammer für die differenzierten Baukörper.

Markus Hoeft

Bauen in Baugruppen ist innerhalb des Berliner S-Bahn-Rings praktisch die einzige für Familien verbliebene Möglichkeit, selbstbestimmt und selbstgestaltend Wohneigentum zu errichten. Das Besondere am Projekt Wohnen am Hochdamm in Berlin-Treptow ist denn auch weniger die Bauherrenschaft selbst, sondern ihre Größe: 65 Mitglieder, die für rund 100 beteiligte Erwachsene und eine Vielzahl von Kindern stehen, haben hier nicht nur ein einzelnes Gebäude, sondern ein Ensemble aus vier mehrgeschossigen Gebäuden gebaut. Auf gut 11 000 m² Bruttogeschossfläche entstanden 64 Eigentumswohnungen, etwas Gewerbefläche und vor allem viel gemeinschaftlicher Raum, darunter Klassiker wie Hof- und Spielbereiche oder der Versammlungsraum der Baugruppe, aber etwa auch eine Sauna, Werkräume und sogar Open-Office-Bereiche für die Mitglieder.
Die Vielgestaltigkeit der Nutzungen ergänzt sich mit der Vielgestaltigkeit der Nutzer zu einem lebendig durchmischten kleinen Stadtquartier.
Denn auch wenn das Projekt nicht speziell generationenübergreifend angelegt war, sind neben Familien mit Kindern auch Singles verschiedenen Alters und Senioren Teil der Baugruppe geworden, deren Initiator Dipl.-Ing. Architekt Marius Schliekmann mit seinem Berliner Büro immolog.Architekten ist. Er war 2009 auf das Grundstück zwischen dem alten Bahndamm und der Kiefholzstraße aufmerksam geworden, das die Bahn verkaufen wollte. Nach dem Erwerb organisierte er die Baugruppe und entwarf das Ensemble der vier Baukörper, die sich dem Bebauungsplan folgend nicht an der typischen Berliner Blockrandbebauung orientieren, sondern quer zur Straße stehen. Dadurch öffnet sich die Wohnanlage einerseits zum Stadtraum und ermöglicht andererseits Durchblicke auf die ehemalige Bahnstrecke, die heute ein denkmalgeschützter Grünzug ist.
Skelett- und Wandbauweisen
Den Auftakt im Norden bildet das Doppelhaus FIN mit 24 Maisonettewohnungen. Während die Gartenwohnungen im Hochparterre über den Sockel der Tiefgarage erschlossen werden, sind die oberen Wohnungen über einen freistehenden Treppenturm im Hof zwischen den beiden Riegeln und anschließend über Laubengänge zu erreichen.
Das Doppelgebäude FIN ist wie auch der mittlere Projektteil LIZ in einer Querwandbauweise errichtet worden.
Jedoch wurde im Haus LIZ mit klassischem Geschosswohnen sowie der Integration der Gemeinschaftsbereiche eine komplett andere innere Organisation realisiert.
Über den Sockel der Tiefgarage bzw. der Keller werden sowohl die gemeinsamen Erdgeschossräume als auch die beiden Treppenhäuser erreicht.
Eine abermals andere innere Struktur hat das südlich abschließende Gebäude ANA, das den Übergang von der offenen Bauweise zur benachbarten Blockbebauung vollzieht. Mit seinem abgewinkelten Grundriss bildet es einerseits den Giebelwandanschluss zu den Bestandsbauten aus, gibt aber andererseits mit seinem freien Schenkel auch den Auftakt zur quer orientierten offenen Bebauung. Um die nötige Flexibilität im Grundriss zu gewährleisten, wurde ANA als einfach und variabel zu unterteilendes Betonskelett errichtet.
Holz-Elementfassaden
Nach der inneren Gebäudeorganisation und der Bauweise handelt es sich beim Projekt am Bahndamm also durchaus um ein sehr gemischtes Ensemble, das aber durch seine Fassaden sowohl technisch als auch gestalterisch zu einer Einheit zusammengefasst wird. Die Außenwände entstanden durchgängig als nichttragende Konstruktion aus vorgefertigten Holzrahmen-Elementen. Die Rahmen wurden bereits in der Vorfertigung mit 240 mm Zellulosedämmung gefüllt. Raumseits schließen sich die Installationsebene und eine Gipskartonschale an. Die Außenseite ist mit Holzzementplatten Duripanel (Eternit) beplankt, die die Horizontalaussteifung der Rahmen übernehmen.
Auf die Holzzementplatten wurde bauseits ein Wärmedämmverbundsystem (Sto) mit einer 40 mm dicken Speedlamelle aufgebracht, deren senkrecht stehende Mineralfasern für eine hohe Abreißfestigkeit sorgen. Den Abschluss bildet der Kunstharzputz Stolit (Sto), der für die einzelnen Gebäude in leicht abgestuften Tönen verwendet wurde, wodurch noch einmal die Gemeinsamkeit der unterschiedlichen Gebäude unterstrichen wird. Auf plastische Effekte in der Gestaltung der Gebäudefassaden wurde hingegen mit Blick auf die die Besonderheiten der Lage und des Außenraums verzichtet – zumal schon die in Folge der individualisierten Bewohnerplanung immer wieder wechselnden Fensterformate Belebtheit und Varianz in der Außenansicht hervorrufen.
Die Wärmedämmung der Wände sorgt gemeinsam mit den weiteren Maßnahmen des Wärmeschutzes am Dach und den Fenstern für ein energetisches Niveau der Gebäude, das KfW 70 entspricht. Sie verfügen über eine zentrale Energie- und Warmwasserversorgung durch ein Blockheizkraftwerk sowie die heute für Neubauten fast als Standard anzusehende integrierte Be- und Entlüftungsanlage mit Restwärmetauscher.
Hohe Tiefgarage
Ein besonderes Baudetail ergab sich am unteren Anschluss der Fassade zu der sockelartig unterlagerten Tiefgarage bei den Häusern FIN und LIZ. Sie wurde bewusst so hoch eingebaut, dass sich die Gründung oberhalb des Grundwassers liegt. Die Tiefgarage ragt dadurch bis zu 1,40 m aus dem Gelände heraus und geht mit ihrer Abdichtung direkt in die Holzelement-Fassade über. Eine heiß auf dem Holz zu verarbeitende bituminöse Abdichtung sollte vermieden werden, weshalb die Abdichtung des Sockels und des Fassadenanschlusses mit dem Flüssigkunststoff Kemperol (Kemper System) ausgeführt wurde. Die Abdichtung auf Basis von Reaktionsharzen wurde vor Ort flüssig auf die Fläche aufgebracht und mit einem Vlies armiert. Durch eine chemische Reaktion härtet das Material nach dem Abbinden zu einer dauerelastischen, fugenlosen Abdichtung aus, die sich wie maßgeschneidert allen baulichen Gegebenheiten anpasst.
Rund viereinhalb Jahre sind seit Marius Schliekmanns erster Idee bis zum Einzug der Baugruppe 2014 vergangen. Mit seinem Team bei immolog hat er das Projekt von Anfang an entwickelt, die komplette Bewerbung mit unzähligen Informationsveranstaltungen, Kennenlerntreffen und Planungsterminen durchgeführt sowie neben der hochbaulichen Planung letztlich auch die Bauüberwachung verantwortet. Dadurch gewinnt das Projekt über die verschiedenen, auch schwierigen und existenziellen Phasen eines solchen Vorhabens ein hohes Maß an Authentizität.
Gleichzeitig entfaltet die Arbeit in und mit der Baugruppe ein hohe integrative Wirkung, sowohl im Binnenverhältnis der Bewohner und Eigentümer als auch im Verhältnis ihres Projekts zum umgebenden Stadtraum.
Architekt: Konzept, Bewerbung, Planung und Bauausführung: Dipl.-Ing. Marius Schliekmann, immolog.Architekten, Berlin, Leistungsphasen 1–9


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