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Raue Schale, weicher Kern

Neubau eines Bankgebäudes in Karlsruhe
Raue Schale, weicher Kern

Am Grundstück der neuen Volksbank geht es entlang der B10 laut zu. Die Karlsruher Architekten antworten mit einem Gebäude, das an exponierter Stelle zwischen Schutzbedürfnis und Außenwirkung oszilliert. Überzeugend verbindet es Energiekonzept und Innenarchitektur.

Dipl.-Ing. Daniel Vieser, Karlsruhe Dipl.-Ing. Michael Kleber, Karlsruhe

Zugang zu diesem Gebäude zu finden, gelingt nicht auf Anhieb. Stadteinwärts fahrend perlt man leicht ab an seinem spiegelglatten Schild. Es scheint keinen Eintritt zu gewähren, man gleitet vorbei und ist irritiert. Dieses kleine Missverständnis wird vielleicht auf dem Rückweg sichtbar, eine klare Botschaft vermisst man aber auch hier. Am belebten Mendelssohnplatz zeigt sich der Bau mit einer scharfen Kante. Das Portal liegt im Schatten der beherrschenden Glasfassade und ist zudem in den Baukörper zurückgezogen. Noch lockt der Bau nicht.
Mit etwas Abstand werden ein vorne und ein hinten erkennbar. Nach Süden die harte Front zur stark befahrenen Ludwig- Erhard-Allee, im Norden eine aufgefaltete Bandfassade zu einem ruhigen Park. Die beiden gegensätzlichen Gesichter laufen an der westlichen Kante zusammen, gehen aber keine Beziehung miteinander ein.
Erst im Inneren des Gebäudes werden sie in entwurflichen Zusammenhang gebracht. Durchgehende Lichthöfe bilden eine optische und funktionale Verknüpfung, die der Fassade fehlt.
Drei Lichthöfe
Sie legen den Rhythmus des gesamten Gebäudes fest und sind elementar für die räumliche Erfahrung. Hinter der Straßenfassade durchstoßen sie alle Ebenen bis zum Dachgeschoss. Schnurgerade Stege durchlaufen das Gebäude in seiner ganzen Länge und verbinden die Lufträume. Sie gewähren unaufdringliche Einblicke in die Büros, bieten Ausblicke nach draußen in den Stadtraum und werden auf 80 m nie langweilig. Diese Erschließung ist unabhängig von den nicht-öffentlichen Büroflächen.
Den Lichthöfen sind sämtliche Funktionen angelagert: Die Büroräume, die offenen Teeküchen, der Kern mit Treppenhaus, Aufzug und Sanitärräumen. Sie nehmen mit jedem Geschoss einen neuen Zuschnitt an, werden laufend gebrochen. So ergeben sich vor den Teeküchen ganz nebenbei kleine Orte mit starker topologischer Identität.
Die Seite zum Norden, dem Park zugewandt, interpretiert die Triole naturgemäß völlig anders. Drei Mal wurde die Fassade so gefaltet, dass die Büroflächen im Bereich der Lichthöfe die größte Tiefe erhalten. Die Höfe und die vergrößerte Fassadenfläche sorgen auch hier für genügend Tageslicht in den tiefer gelegenen Raumzonen. Es bleibt aber unklar, wie gut sich diese Grundrissform nutzen lässt, zu sehr ist den Möblierungsplänen die Mühe mit störrischen Restflächen anzusehen. Dennoch erzeugt die Faltung eine Unterschiedlichkeit räumlicher Situationen, die jeden Arbeitsplatz wiedererkennbar macht.
Zwei Gesichter
Auf die gegensätzlichen Bedingungen im Süden und Norden antworten die Architekten sehr differenziert. Im Süden wurde eine Pfosten-Riegel-Fassade gewählt, die vorrangig als Schild gegen den Verkehrslärm entwickelt wurde. Auch hier bestimmen die Höfe den Rhythmus, für sie wurde die ansonsten opake Glashaut geöffnet. Sonnenschutz-Gläser ipasol natura 67/37 von Interpane ermöglichen hier den Verzicht auf eine außen liegende Verschattung, die aus konzeptionellen Gründen vermieden werden sollte. Besonders nachts treten diese Öffnungen in Erscheinung, strahlen wie drei flackernde Windlichter und lassen die wehrhafte Wirkung vom Tage fast vergessen.
Der opake Teil der Südseite ist als Glaskaltfassade konstruiert. 400 m2 Photovoltaik-Module stehen im ungleichmäßigen Wechsel mit keramisch bedruckten Fassadenplatten BI-Color von BGT Bischoff Glastechnik. Weiße – nachts leuchtende – Linien durchziehen die Fassade und splittern sie in vieleckige Teilflächen. Dieses Bild mag dem Wunsch des Bauherrn nach Zeichenhaftigkeit geschuldet sein, seine Herleitung erschließt sich dem Betrachter aber nicht zwingend.
Die Nordseite wurde als Bandfassade ausgebildet. Brüstungsstreifen – mit Zementfasertafeln Natura 8 mm von Eternit bekleidet – sind nach unten leicht ausgestellt und ermöglichen damit die Integration der außenliegenden Jalousien. Die nach innen entwässerten Fensterbänke erübrigen eine Tropfkante. So laufen die Brüstungsbänder ohne Störungen durch und schließen oben wie unten direkt an die Verglasung an.
Die dritte – innenliegende – Fassade aus Holz und Glas trennt Lufträume und Büros. Zum Einsatz kamen Akustikwandverkleidungen (fecophon) sowie Systemtrennwände aus Glas (fecofix) und Holz (fecostruct). Gewöhnliche IV68-Fensterprofile wurden durch 20 cm tiefe Rispen aus Furniersperrholz ausgesteift. Sie verleihen der schlanken Rahmenkonstruktion eine Plastizität, welche sie zum gestaltprägenden Element im Innenraum macht. Büromöbel von Bene sowie Stehleuchten von Spittler Lichttechnik sorgen zusätzlich für eine angenehme Arbeitsatmosphäre.
Sanft heizen und kühlen
Zum Betrieb des Gebäudes werden die regenerativen Energiequellen Erdreich und Sonne genutzt. Das Herzstück der Wärme- und Kälteversorgung ist die Geothermieanlage Geozent profi HKN 215 von Zent-Frenger mit 75 Doppelrohrsonden unterhalb der Tiefgarage. Sie dienen als Quelle respektive Senke für eine reversible Wärmepumpe. Ein Gasbrennwertkessel und eine Kompressionskältemaschine übernehmen die Spitzenlasten. Die Wärme- und Kälteverteilung erfolgt über die Betondecken mittels im Kern angeordneter Rohrleitungen.
Große Flächen und ein hoher Strahlungsanteil bei der Energieabgabe ermöglichen moderate Vorlauftemperaturen beim Heizen und Kühlen und machen den Einsatz der Wärmepumpe besonders effizient. Der Trägheit des Systems wird mit Randzonenelementen in den Büros Rechnung getragen. Sie sind an einen separaten Heiz-Kühl-Kreislauf angeschlossen und ermöglichen die Kurzfristregelung durch den Nutzer.
Leichter Wind aus nördlichen Richtungen
Da die Zuluft nicht zur Konditionierung eingesetzt wird, genügt ein 1,5-facher hygienischer Luftwechsel. Die Zuluftkanäle sind mit 90 mm Durchmesser entsprechend schlank und wurden in die Betondecke eingelassen. In die Räume strömt die temperierte Zuluft oberhalb der Randzonenelemente, die dabei als Plattenluftverteiler wirken. Von den Büros gelangt die Luft über kaum sichtbare Durchlässe in die Teeküchen und weiter in die Atrien, die als Abluftkanäle dienen. Im Dachgeschoss wird die Luft über eine Lüftungsanlage abgeführt. Deren Wärmerückgewinnung macht in der Heizperiode passive Solareinträge nutzbar. Die netzgekoppelte Photovoltaikanlage erzeugt im Jahr etwa soviel Strom, wie in der Heizperiode für den Betrieb der Wärmepumpe benötigt wird. Durch das innovative Energiekonzept können laut Planung jährlich etwa 86 Tonnen CO2 eingespart werden.
Architektur: Konzept und Projektsteuerung: Vollack archiTec, Karlsruhe Herrmann+Bosch Architekten BDA, Stuttgart
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