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Von wegen schief gewickelt

Neubau eines Technikgebäudes an der Technischen Universität Dresden
Von wegen schief gewickelt

Es gibt mit Sicherheit spannendere Bauaufgaben als reine Nutzbauten. Doch was auf dem Campus der Technischen Universität Dresden als 20 Kilovolt (KV) Übergabestation entstand, ist ein Beispiel für die Gestaltungsmöglichkeiten, die auch bei Technikgebäuden bestehen. Die Architekten Heinle, Wischer und Partner aus Berlin und Dresden bezeichnen ihren Entwurf selbst als „gebaute Spule“ – eine passende Bezeichnung für diesen Baukörper.

Dipl. Ing. Marc Nagel

Der Campus der Technischen Universität Dresden im Süden der Stadt ist kompakt und übersichtlich. Die renommierte Universität hat hier viele ihrer Institute konzentriert und bietet ein sehr gutes Lern- und Forschungsumfeld mit zahlreichen Neubauten. Zu einem solchen Umfeld gehören neben einem attraktiven Standort und passenden Gebäuden auch eine funktionierende Infrastruktur. Ein wichtiger Teil davon ist eine stabile und ausreichende Stromversorgung. Um diese auch in Zukunft zu gewährleisten, wurde vom Bauherrn, der Sächsischen Immobilien- und Baumanagement Dresden II, ein neues Technikgebäude in Auftrag gegeben, das als 20 Kilovolt Übergabestation dient und die Energieversorgung zukünftig sichert. Wie bei den in letzter Zeit entstandenen Neubauten, legte man auch bei der Übergabestation besonderen Wert auf eine gute gestalterische Qualität. Die Umsetzung dieser Vorgabe war Aufgabe des Architekturbüros Heinle, Wischer und Partner.
Nach Motiv gesucht: Gebaute Spule
Platziert wurde das Technikgebäude am südlichen Rand des Campus in direkter Nachbarschaft zu den Sporthallen und weiteren Gebäuden an der Nöthnitzer Straße. Als reines Technikgebäude beschränkt sich sein Bauvolumen auf einen eingeschossigen Baukörper mit einem halben Untergeschoss. Dieses bietet Platz für Installationen und die Zu- und Abführung von Stromkabeln.
Das Besondere sind jedoch ohnehin nicht die Größe und der Aufbau, sondern die Gestaltung. Denn statt einen reinen Zweckbau zu errichten, der aus einem modularen System für Industriebauten oder aus Fertigteilen auch seinen Zweck erfüllt hätte, wurde nach einem Motiv für die Gestaltung gesucht. Fündig wurden die Planer bei der Spule als Vorbild. Spulen sind Bauteile, die zu einem Transformationsprozess, wie er in einer Übergabestation stattfindet, ganz selbstverständlich dazu gehören. So entstand die gebaute Spule, wie Heinle, Wischer und Partner selbst das Gebäude passenderweise bezeichnen. Diese Assoziation entsteht, weil der Stahlbetonbau aus Ortbeton, geliefert von Semper Beton in der Festigkeitsklasse C25/30, seitlich von zwei Betonscheiben flankiert wird. Diese als Betonfertigteile von Heidelberger Betonelemente (ebenfalls Festigkeitsklasse C25/30) ausgeführten Scheiben wurden in Sichtbeton erstellt und grau eingefärbt. Die mittlere Festigkeit genügt dabei, da es sich nur um einen eingeschossigen Bau handelt.
Die Sichtbetonscheiben bilden die Abschlüsse des länglichen, im Grundriss rechteckigen Baus. Zudem fassen sie die über die Lochfassade aus Beton gestülpte zweite Haut. Sie besteht aus perforierten Kalzip-Aluminiumprofiltafeln des Typs Kalzipprofil 65/305 (t=1,0 mm) – einer witterungsbeständigen und zugleich eleganten Fassadenlösung. Ausgeführt wurden die Fassadentafeln im Farbton Bronze B40 und mit einem AluPlus-Patina Finish, das vorbewittert wurde. Dadurch erhält der Baukörper einen golden-bronzenen Schimmer. Aufgrund der Perforation der Fassadenprofile ist dieser nicht blickdicht und lässt die Öffnungen der darunter liegenden Lochfassade durchscheinen, bildet ansonsten jedoch eine homogene Haut. Lediglich die Eingangstüre tritt aus diesem Bild eigenständig hervor. Das Bild der Spule wird dabei durch die Falze der Profiltafeln ebenso betont wie durch die abgerundeten Fassadenanschlüsse an Dach und Bodenplatte.
Lüftung und Dämmung
Neben den Fassadenöffnungen in der Betonhülle sind Lüftungs- und Druckklappen verbaut. Sie entsprechen den Vorgaben des zu erbringenden Explosionsschutzes. Hierfür setzten die Planer Überdruckklappen des Typs 433 von Renson sowie Lüftungsgitter des Typs 481 (mittelschwere Ausführung) von Renson ein.
Um das Gebäude, das aufgrund seiner Nutzung keine Vorgaben bei der Energieeinsparung zu erfüllen hat, frostfrei zu halten, wurde es leicht gedämmt. Eine 5 cm starke Dämmschicht aus den Rockwool-Produkten Hardrock sowie Pentarock für die Dachdämmung und Fixrock für die Fassade übernehmen diese Aufgabe. Ebenfalls gedämmt und abgedichtet wurde die Bodenplatte und die Wände des Untergeschosses. Dies war notwendig, weil vorhandenes, anliegendes Schichtenwasser die Bausubstanz ansonsten dauerhaft geschädigt hätte. Hierfür setzten die Planer Dämmplatten von Austrotherm ein. Die Platten des Typs XPS Top 30 SF bestehen aus feuchteunempfindlichem extrudiertem Polystyrolhartschaum und verfügen für eine leichtere Montage über einen Stufenfalz. Montiert und zusätzlich abgedichtet wurden sie mit einer Bitumenbeschichtung von PCI des Systems Pecimor 2K. Damit ist die 20 KV Übergabestation an der TU Dresden funktional und nachhaltig. Nachhaltig in dem Sinne, dass ausreichende Maßnahmen für den Erhalt der Bausubstanz und eine einwandfreie Funktionalität des Gebäudes ergriffen wurden.
Auch Technik kann schön sein
Doch das Technikgebäude nur als funktional und nachhaltig zu bezeichnen, würde diesem Entwurf nicht gerecht werden. Zwar handelt es sich nicht um einen gestalterischen Leuchtturm auf dem Campus der TU Dresden – was auch der Bauaufgabe geschuldet sein dürfte. Trotzdem gelang es den Architekten, ein elegantes Gebäude zu entwerfen, das etwas Skulpturales hat – was auch durch die gold-bronzene Aluminiumprofilfassade betont wird.
Mit den formalen Anleihen aus der Technik, dem Vorbild der Spule also, wurde zudem eine Formensprache gewählt, die gut zur Funktion passt, ohne ins Pathetische abzurutschen. Damit haben Heinle, Wischer und Partner verdeutlicht, dass auch ein noch so schlichtes Raumprogramm und eine einfache Bauaufgabe das Potenzial zu einem gelungenen Entwurf haben. Das belegt auch, dass weder Funktionsbauten noch Gewerbe- oder Industriegebäude nur funktionale Aspekte erfüllen müssen. Denn auch sie können und dürfen schön sein und über eine hohe gestalterische Qualität verfügen.
Katja Kotlan, Heinle, Wischer und Partner: „Grundidee des Gebäudes ist die Interpretation einer Kupferspule. Fassade und Dach wurden mit einer metallischen, kupferfarbenen Fassade aus eloxierten Aluminiumprofiltafeln verkleidet. Die Stehfalze der Metallfassade setzen dabei die Spulenwindungen gestalterisch um. Die beiden Stirnseiten aus grau eingefärbtem Sichtbeton dienen sowohl dem robusten Umgang mit schweren Trafos und Rollwagen und setzen gestalterisch die Idee der Spule fort.“
Architekten: Heinle, Wischer und Partner – Freie Architekten, Berlin
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