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Solares Zeichen gesetzt

Neubau einer Wohnsiedlung am Medienhafen Düsseldorf
Solares Zeichen gesetzt

Mit der Solarsiedlung Medienhafen Düsseldorf wollten HGMB Architekten trotz klassischer Blockrandbebauung zeigen, dass solares Bauen überall möglich ist. Der Energieverbrauch ist um 50 % geringer als in herkömmlichen Wohnungen, möglich gemacht durch eine ganze Reihe von Maßnahmen.

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Düsseldorf ist Medienstadt, Modestadt und eine Stadt des solaren Bauens. So könnte der Dreiklang bald lauten, wenn in der Hauptstadt Nordrhein-Westfalen das Beispiel der Solarsiedlung am Medienhafen Vorbildfunktion übernimmt. Denn neben Freiburg oder Potsdam, die mit ihren Solarprojekten bereits bekannt sind, schickt sich nun auch Düsseldorf an, hier ein Zeichen zu setzen – und das in einem klassisch städtischen Umfeld.
Dass die Wahl der Wohnungsbaugesellschaft Rheinwohnungsbau GmbH bei der Auswahl der passenden Planer für das Projekt Solarsiedlung Medienhafen Düsseldorf auf HGMB Architekten fiel, kam nicht von ungefähr. Schließlich wollte man mit der Solarsiedlung – in prestigeträchtiger Umgebung in Düsseldorfs Medienhafen – ein Zeichen setzen und als Leitprojekt für die Initiative „50 Solarsiedlungen NRW“ fungieren. Dass dies gelungen ist, liegt auch an der Erfahrung der ausgewählten Architekten und des beratenden Ingenieurbüros Wortmann & Scheerer im Umgang mit energieeffizientem Bauen im Wohnungsbau.
Städtebaulich interessant
Während die meisten Solarsiedlungen auf der grünen Wiese oder auf Brachflächen am Stadtrand entstehen, befindet sich die Solarsiedlung Medienhafen in einer städtebaulich sehr interessanten Lage – als innerstädtische Konversionsfläche und städtebauliches Vorzeigeprojekt. Der Medienhafen, gefragter Bürostandort vor allem der Medien- und Kreativbranche, wurde vor allem durch seine teilweise sehr progressive Bebauung bekannt. Die sogenannten tanzenden Hochhäuser des Architekten Frank O. Gehry direkt am Wasser gehören zu den Sehenswürdigkeiten der Stadt Düsseldorf. In diesen Kontext galt es nun, eine Wohnanlage mit der Vorgabe des nachhaltigen, weil energiebewussten Bauens zu gestalten. Die Architekten Jürgen Henning, Dirk Menke, Rainer Benedict und Richard Henning gingen trotz prominenter Nachbarschaft selbstbewusst an die Aufgabe heran. So entstand im Dreieck zwischen Gladbacher Straße, Gilbachstraße und Hammer Straße, vom eigentlichen Medienhafen etwas zurück gesetzt, eine Wohnanlage in klassischer Blockrandbebauung.
Durch diese Maßnahme, bei der allerdings die Baulinie gegenüber den Bestandsgebäuden etwas zurück versetzt wurde, um eine puffernde Grünzone zu schaffen, wurde das Bild einer klassisch städtischen Bebauung beibehalten. Durch konsequente Blockrandbebauung mit vier Etagen entstand ein großzügiger Innenhof, der als Kombination aus privaten und teilöffentlichen Flächen sowohl private Mietergärten anbietet als auch Raum für einen kleinen Park bietet. Die dadurch geschaffenen Vorteile vor allem für junge Familien dürften neben dem solaren Bauen und den großzügigen Wohnungen ein weiterer Grund gewesen sein, dass die Mietwohnanlage so gut angenommen wurde – sind doch mittlerweile alle Wohneinheiten vermietet.
Abgeschlossen wird das Ensemble der Wohnbebauung an der Ecke Gladbacher-Hammer-Straße mit dem Büro- und Verwaltungsgebäude des Bauträgers Rheinwohnungsbau.
Großzügiges Wohnen für alle
Um eine gute Durchmischung bei den Mietern zu erhalten, setzten die Architekten gemeinsam mit dem Bauträger auf Zwei-, Drei- und Vierraumwohnungen. So konnte gewährleistet werden, dass sowohl Singles als auch junge Paare und Familien für die Mietwohnungen in Düsseldorf gewonnen werden konnten. Die Wohnungen verfügen dabei über einen Freisitz, der im EG in Form eines kleinen privaten Gartens mit Terrasse, in den oberen Stockwerken mit Balkon und im Dachgeschoss mit einer Dachterrasse realisiert wurde. Um Platz für die Dachterrasse zu schaffen wurde dabei das DG von der Gebäudekante zurück versetzt und bildet so eine Art Sonderetage der Anlage, die insgesamt vier Etagen vorweist.
Während die privateren Räume wie Schlafzimmer oder Wohnzimmer eher zum ruhigen Innenhof orientiert sind, findet sich die Wohnküche straßenseitig. Mit diesem Grundrissplan wollen die Architekten das städtische Leben dort, wo es stört, heraus halten und trotzdem über die Küche einen Bezug schaffen, um an diesem teilzunehmen. So ist der Grundriss neben dem begrünten Innenhof, der außer den bereits erwähnten privaten Gärten auch einen großen, für alle Mieter zugänglichen Bereich vorhält, eine weiterer Mosaikstein im Anspruch von Bauherr und Planern, mit der Solarsiedlung Medienhafen ein Zeichen zu setzen.
Solares Bauen als Grundgedanke
Doch nicht nur die städtebauliche und die architektonische Qualität standen im Mittelpunkt der Planung. Vor allem die Vorgaben, die es innerhalb der Initiative „50 Solarsiedlungen NRW“ zu erfüllen galt, mussten bedacht werden. Keine leichte Herausforderung, bedenkt man, dass durch die Lage des Grundstücks, die Anforderungen an einen Mietwohnungsbau mit nahezu identischen Grundrissen und die städtebauliche Vorgabe der Blockrandbebauung dieses Vorhaben erschwerten.
Denn nicht alle Wohnungen konnten durch diese Vorgaben ideal nach dem Verlauf der Sonne und so nach dem idealen Energieeintrag ausgerichtet werden. Auch eine individuelle Grundrissplanung nach solaren Gesichtspunkten war nicht möglich. Dass es trotzdem gelungen ist, den Energieverbrauch gegenüber herkömmlichen Wohnungen um 50 % zu senken, zeigt, dass die Philosophie von HGMB Architekten realisierbar ist: Solares Bauen ist überall möglich.
So sorgen im Medienhafen gleich mehrere Komponenten dafür, dass Energie gespart bzw. richtig eingesetzt wird. Große Fenster sorgen vor allem in südlicher Ausrichtung für einen guten Wärmeeintrag im Winter. Damit sich die Räume im Sommer durch die großflächige, meist raumhohe Verglasung nicht zu sehr aufheizen, verfügen sie über eine Verschattungsmöglichkeit in Form von Rollläden des Typs Karo von Roma. Im Dachgeschoss kommen hierfür Schiebeläden aus Holz von Ernst Weirich zum Einsatz, die handwerklich gefertigt wurden. Als Fenster wurden öffenbare „Design 2000“ Doppelfalzfenster von Bug Aluminiumtechnik verwendet. Sie entsprachen mit einem U-Wert von 1,3 W/m²K den Vorstellungen der Energieplaner von Wortmann & Scheerer. Einem U-Wert, der in einem guten Bereich liegt, mit passenden Gläsern von Interpane, Pilkington oder Okalux aber durchaus noch auf Werte von 1,1 W/m²K und sogar 0,5 W/m²K verbessert werden kann, was aber natürlich die Kosten in die Höhe treibt.
Auch der Wandaufbau in den Wohnbereichen mit Kalksandstein KS-RE 20/2.0, d=17,5 und einem davor liegenden Wärmedämm-Verbundsystem aus Polystyrol der Firma Weber & Broutin, Typ „Terratherm B 100“, wurde in Absprache mit den Energieplaner ausgewählt. Mit einer Schichtstärke von 160 mm und zusätzlichem 2 mm Putz bringt es dieses System nach DIN 18550 auf eine Wärmeleitfähigkeit von 0,035 W/mK. Während im Wohnbereich besagter Aufbau seine Anwendung findet, wurde in den Treppenhäusern mit ihren roten Wandelementen eine andere Ausführung bevorzugt. Hier kommt eine Pfosten-Riegel-Konstruktion von Bug Alutechnik zum Einsatz. Die Holz-Aluminium-Ausführung verfügt ebenso wie die gesamte Verglasung im Gebäude über einen U-Wert von 1,3 W/m²K. Die Fassade besteht aus einem Wechsel aus Glas, Putz, Holz- und Faserzementflächen (im Dachgeschoss), während die Dächer, wo nicht mit Solarpaneelen belegt, extensiv begrünt wurden.
Technik hilft Energie sparen
Doch nicht nur konstruktive Methoden zur Energieeinsparung wurden eingesetzt. Damit die gesamte Wohnanlage als Drei-Liter-Haus betrieben werden konnte, also mit einem Heizenergieverbrauch der unter 30 kWh pro m² und Jahr liegt, waren noch technische Komponenten nötig.
So verfügen die Wohnungen über einen Fernwärmeanschluss, dessen Wärme mittels einer kontrollierten Lüftung in den Wohnungen verteilt wird. Eine Wärmerückgewinnung von bis zu 80 ² sowie eine Luftvorwärmung über Erdsonden unterstützen das System der Firma Zehnder und sorgen so für einen niedrigeren Energiebedarf bei gleichbleibendem Komfort für die Nutzer. Außerdem kann über die Lüftungsanlage des Typs Comfoair 1500 dank der vorhandenen Erdsonde auch gekühlt werden, was den Einsatz einer Klimaanlage, vor allen in den Büroräumen der Rheinwohnungsbau, überflüssig macht.
Das Warmwasser wird ebenfalls über die Fernwärmeanlage erzeugt, erhält jedoch Unterstützung von einer an der Südseite auf einer Fläche von 260 m² angebrachten Solaranlage. Die Solarpaneele des Typs Solar Roof Kollektordach von Wagner & Co. Solartechnik liefern ca. 40 % des Warmwasserbedarfs.
Vorbildfunktion und Beispielbau
Das Mietwohnungsbau und solares Bauen zusammen gehen, zeigt auch die Tatsache, dass mittlerweile alle Wohnungen des Komplexes bezogen sind und die Solarsiedlung Medienhafen in Düsseldorf als Leitbild für die Initiative „50 Solarsiedlungen NRW“ angenommen wurde – vor allem was die Verbindung aus städtischem und solarem Wohnungsbau betrifft. Auf dem Gelände am Medienhafen konnte so eine zwar architektonisch nicht herausragende Gestaltung, doch aber ein Beweis dafür geliefert werden, dass solares Bauen in einem innerstädtischen Umfeld möglich ist.
Die positive Reaktion von Bewohnern aber auch von internationalen Besuchergruppen, die am solaren Bauen interessiert sind, gibt den Planern Recht, wenn sie sagen, dass solares Bauen das Bauen der Zukunft ist.
Richard Henning, HGMB Architekten: „Die Solarsiedlung Hafen war für uns eine besondere Herausforderung. In den meisten Fällen werden Solarsiedlungen ja „auf der grünen Wiese“ geplant. Klassische Blockrandbebauung, mit all seinen Vor- und Nachteilen, ist eigentlich keine städtebauliche Figur, die man mit Solararchitektur in Verbindung bringt. Am Hafen sieht man aber, dass solares Bauen auch im innerstädtischen Kontext möglich ist – eine wichtige Erkenntnis in Zeiten wo es viele Menschen zurück in die Innenstädte zieht und gleichzeitig die Energiepreise steigen.“
bba-Infoservice Rollladensystem 509 Doppelfalzfenster 510 Kalksandstein 511 Wärmedämmverbundsystem 512 Lüftungsanlage 513 Solaranlage 514 www.hgmb.de www.hgmb.de www.hgmb.de
Architekturbüro:
HGMB Architekten GmbH & Co. KG, Düsseldorf Energieplaner: Wortmann & Scheerer, Bochum
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