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Fröhlicher Stadtbaustein

Neubau eines Schulungs- und Entwicklungszentrums in Neckarsulm
Fröhlicher Stadtbaustein

Mit dem Neubau des Schulungs- und Entwicklungszentrums von Audi in Neckarsulm wurde ein Stadtbaustein geschlossen und um einen bunten Akzent ergänzt. Mit der farbigen Fassade und abgerundeten Kanten wirkt der Entwurf von BKT Architekten aus Heilbronn ebenso als Solitär wie als Abschluss einer Gebäudereihe aus insgesamt sechs Baukörpern.

Dipl. Ing. Marc Nagel

Wie ein Kiesel liegt das Schulungs- und Entwicklungszentrum (SE-Zentrum) von Audi an der K2000, der Gottlieb-Daimler-Straße. Es wirkt, als hätte an ihm bereits der Strom der vielen Fahrzeuge, die hier täglich vorbei fahren, seine Spuren hinterlassen.
Damit steht das Gebäude im klaren Kontrast zur ihm folgenden Kammbebauung aus vier orthogonal aufgebauten Gebäuden. Diese vier Körper haben jeweils eine eher klassische Fassade, während das SE-Zentrum rund und bunt daher kommt. Erst wieder der südliche Abschluss der Reihe weckt mit der Gebäudeform erneut die Assoziation mit einem Kieselstein. Dieses, in seinem Grundriss ebenfalls von vielen Rundungen geprägte Gebäude, wirkt als Parkhaus mit einer Stahlkonstruktion und einer feinen Glashülle, aber eher schlicht und zurückhaltend.
Attribute, die man dem SE-Zentrum nicht zuschreiben will. Denn der Stahlbeton-Bau des Zentrums zwischen der viel befahrenen Gottlieb-Daimler-Straße und einer Bahntrasse stellt seine Besonderheit nicht alleine durch die Rundungen dar. Gerade die Farbgestaltung der Fassade macht dieses Gebäude besonders. Damit besteht es auch im Vergleich mit dem Forum von Audi, das sich gegenüber an der K2000 befindet. Ein Gegengewicht zu diesem Forum und zur Bebauung der anderen Straßenseite zu schaffen, war erklärtes Ziel des städtebaulichen Entwurfs des Ensembles und des Gebäudeentwurfs des SE-Zentrums durch BKT Architekten.
Lebendige Fassade
Das Gebäude selbst dient als Schulungs- und Entwicklungszentrum für Audi in Neckarsulm, ist aber auch Arbeitsort von über 25 selbständigen Ingenieurbüros, die hier in unmittelbarer Nähe zum Audiwerk sehr gute Arbeitsbedingungen und eine enge Vernetzung mit ihrem wichtigsten Auftraggeber vorfinden. Ihnen steht gemeinsam mit Audi auf drei Obergeschossen und einem Kellergeschoss eine Fläche von rund 11 000 m2 zur Verfügung.
Diese Fläche wird von einer Lochfassade umschlossen, die aus ästhetischen und funktionalen Überlegungen heraus in den beiden Obergeschossen eine zusätzliche Glasfassade erhielt. Diese erhöht als vorgehängte Gebäudehaut den Sicht-, Schall- und Sonnenschutz und gibt mit ihrer Farbgestaltung dem Baukörper eine eigene Identität. Die in grünlich-gelben bis dunkelroten Farbtönen gehaltenen Glaspaneele wurden im Siebdruckverfahren mit Farbe versehen und sind mit 60 % Deckung bedruckt. Sie fanden in zwei Formaten Anwendung. Die jeweiligen Formate liefern auch Hinweise auf den Gebäudeaufbau dahinter. Das große Format mit 3 185 mm auf 480 mm verdeckt die Geschosse, während das kleine Format mit 1 220 mm auf 480 mm die Geschossdecke samt Brüstung des oberen Geschosses verbirgt. Die dabei zur Anwendung gekommenen Gläser sind alle als 16 mm Verbundsicherheitsglas ausgeführt. Die Profile für die vorgehängte Fassade stammen von Metallbau Obersulm – ein Eigenentwurf für dieses Projekt. Lediglich bei den Fenstern der Lochfassade griffen die Planer auf Standardlösungen zurück. Hier wurden Schüco Corona CT 70-Fenster verwendet.
Noch mehr Glas beim Sockel
Während die beiden Obergeschosse also sehr bunt auftreten, zeigt sich das Sockelgeschoss eher schlicht. Dies wertet den Entwurf jedoch deutlich auf und gibt ihm eine gewisse Leichtigkeit. Das hierfür verwendete Profilglas von Glaszentrum Schweickert GmbH aus Heilbronn wurde mit der lichtstreuenden Dämmung TIMax GL von Wacotech eingesetzt. TIMax GL wird als Wärmeschutzelement aus dünnen Glasfaserfäden zu Matten versponnen und wirkt mit der eingeschlossenen Luft dämmend. Das transluzente Material erreicht so einen U-Wert von 1,2. Um auch das Aufheizen des Gebäudes über die Glasfassade einzudämmen, ergänzten die Planer TIMax GL um die Sonnenschutzeinlage TIMax TL als Glaslook-Dekor. Dies bringt eine hellgrüne, gleichmäßige Färbung der Gläser. TIMax TL ist eine dünne Glasgewebebahn, die zur Innenseite der Glasfassade vor das Wärmeschutzelement aufgebracht wird. Dort sorgt sie dafür, dass der solare Wärmeeintrag erheblich reduziert wird. So kann ein Lichttransmissionswert der Gläser von ca. 0,24 erreicht werden.
Hinter der Fassade verbirgt sich im Erdgeschoss der Werkstattbereich mit Test- und Werkstatträumen. Diese größeren Raumeinheiten zwischen ca. 26 m2 und 312 m2 Grundfläche können barrierefrei beliefert werden und bieten neben dem Haupteingang auch separate Zu- und Abgänge. Eigentlicher Höhepunkt des Gebäudes ist jedoch der Atrium-Hof im Kern. Er ermöglicht kurze Pausen im Freien, die aufgrund der Innenlage auch weitest gehend frei von Lärm und Schmutz sind.
Über das Foyer erreicht man den Erschließungskern, der neben Aufzug und Treppenhaus noch einen Hausmeisterbereich sowie sanitäre Einrichtungen bereit hält.
Lernen, Forschen und Entwickeln
Folgt man der Erschließung, ändert sich der Grundriss. Im ersten und im zweiten Obergeschoss dominieren kleinere Büroeinheiten und Labore die Aufteilung. Sie werden über einen Ring erschlossen, der sein Licht über den großen Lichthof sowie in einigen Bereichen über die Außenfassade erhält. Hier sind die meisten Ingenieursbüros untergebracht und teilen sich die Flächen mit Audi. Das Automobilunternehmen nutzt das zweite Obergeschoss für seine Audi-Akademie und ist so auch räumlich nah an den Dienstleistern. Übrigens: Audi ist keineswegs der Bauherr des SE-Zentrums. Das Unternehmen ist ebenso wie die Ingenieure nur Mieter. Als Bauherr engagierte sich die Heimstättengemeinschaft Neckarsulm Heilbronn eG. Eine Wohnungsbaugenossenschaft, die jedoch auch im Bereich des Gewerbebaus aktiv ist. Insgesamt entstanden so Arbeits- und Lernräume für rund 25 eigenständige Ingenieurbüros. Das Untergeschoss wird hauptsächlich als Tiefgarage genutzt. Dort befinden sich 57 Stellplätze.
Mit der Mischung aus bunter Glasfassade und einem Sockel aus grünlich schimmerndem Profilglas, den vielen Rundungen und den funktionalen Grundrissen entstand so in Neckarsulm ein Stadtbaustein, der sich zwar durch seine Extravaganz abhebt, der sich aber auch in das Gesamtbild einfügt. Gerade an einer solchen Verkehrsader wie der K2000 stellt das SE-Zentrum eine willkommene Abwechslung dar.
Marcus Teske, Partner des Büros: „Dem ungleich größeren, silbernen Volumen des AUDI-Zentrums, wird ein verhältnismäßig kleiner Baukörper gegenüber gestellt, der durch seine intensive Farbgestaltung als „bunter Kiesel“ in der Kommunikation der beiden Baukörper ein Gleichgewicht darstellt.“
Markus Happold, Architekt: „Bei der vorgehängten Fassade war es uns wichtig, keine Standardlösung einzusetzen, sondern eine filigran wirkende Eigenkonstruktion, die in Verbindung mit Fachfirmen und Statiker entwickelt und minimiert wurde.“ „Nur durch die sehr gute Zusammenarbeit mit der Stadt Neckarsulm und privaten Investoren, konnte die Aufwertung dieses Stadtbausteins entlang der Gottlieb-Daimler-Straße gelingen.“
Architekten: BKT – Bechler Krummlauf Teske Architekten BDA, Architektengesellschaft mbH, Heilbronn
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