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Dezent eigenständig

Neubau des Chemiepraktikums an der RWTH Aachen
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Auf den ersten Blick ein Solitär, auf den zweiten die Komplettierung eines Ensembles: So zeigt sich das neue Chemiepraktikum der RWTH Aachen. Mit diesem Entwurf ist es Kister Scheithauer Gross (ksg) gelungen, einen Baukörper zu kreieren, der sich in seine Umgebungsbebauung einfügt und dabei angenehm eigenständig und markant bleibt.

Dipl. Ing. Architekt Marc Nagel | jo

Im Westen der Aachener Innenstadt, auf dem Campus der RWTH Aachen an der Turmstraße, befindet sich das Ensemble der Fachgruppe Chemie. Zwischen den anderen Standorten der Technischen Hochschule haben sich die Chemiker hier direkt an der Bahnlinie und in Nachbarschaft zu den Sportstätten der RWTH eingerichtet. Das Gebäudeensemble bildet zwischen Eckert- und Landoltweg sowie Turmstraße und Melatener Straße einen Campus im Campus, der nun mit dem Chemiepraktikum komplettiert wurde.
Dieser neue Baukörper ergänzt den Bestand und erweitert das Raumangebot um rund 3 720 m2 Brutto-Geschossfläche, davon sind rund 1 500 m2 neue Laborräume. Äußerlich markiert er das Grundstück und bildet einen klaren Abschluss gegenüber der umgebenden Bebauung. Das Spannende dabei: Blickt man vom Eckertweg auf den neuen Baukörper, zeigt sich dieser zunächst wie ein im Grundriss orthogonal angelegter Bau. Je näher man jedoch der Melatener Straße kommt, desto deutlicher wird, dass es sich eben nicht um einen solchen Körper handelt. Denn während die beiden zum Nordwesten hin orientierten Gebäudeecken noch dem rechten Winkel treu sind, folgt die südliche Ecke einem kleineren Winkel von rund 45 Grad. So passt sich das Gebäude dem Straßenverlauf von der Melatener Straße in die Turmstraße an und folgt dem daraus entstehenden Winkelmaß.
Spiel mit Fenstern und Putz
Seine Form ist jedoch nur eines der Kennzeichen des Neubaus. Ihr zur Seite stehen die lebendige und an die jeweilige Umgebungsbebauung angelehnte Putzfassade sowie die Fenstergestaltung. Diese wurden in zwei Ausführungen verbaut und kennzeichnen jeweils die dahinter befindliche Nutzungsart.
Die Putzfassade bildet den Abschluss des Wandaufbaus mit seinem Wärmedämmverbundsystem, das auch auf den Wunsch des Bauherren, Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW, installiert wurde. Um den mineralischen Oberputz Multitherm von Heck in Anlehnung an die Materialität seiner Nachbarbebauung entsprechend erscheinen zu lassen, wurde dieser zu den Ziegelgebäuden im Norden hin von Hand mit einem unregelmäßigen Muster versehen. In Kombination mit dem RAL Farbton 7038 ergibt das eine leichte Betonanmutung sowie – entsprechend der Ziegel – eine kleinteiligere Struktur. Die straßenseitigen Fassaden sind ebenfalls mit dem Multitherm von Heck ausgeführt, wurden jedoch als glatter Putz erstellt.
Neben den Putzflächen wurden auch die Fenster als Gestaltungselement eingesetzt. So differieren diese je nach der dahinter liegenden Funktion und wurden in zwei Gestaltungslinien unterteilt. Während mit der Fassade bündige, raumhohe Fenster die Foyers und die zugehörigen Erschließungsbereiche kennzeichnen, weisen die Fensterflächen mit tieferen Laibungen und einer Brüstung auf die Labore mit den 160 hochmodernen Digestorien, also Abzuganlagen, hin. Bei der Detailausführung griffen die Planer von ksg Architekten und Stadtplaner auf unterschiedliche Systeme zurück. So wurden bei den eher klassischen Fenstern in den Laibungen Kunststoffrahmen der Serie 88plus der profine GmbH (Kömmerling) eingesetzt, während das Pfosten-Riegel-System FW50 im Falle der bündigen Fenster aus Aluminium besteht und von Schüco stammt. Bei allen Fenstern setzte das ausführende Unternehmen, die Metallbau Jansen GmbH & Co. KG, Isolierverglasungen ein, die vor allem auf der Südseite mit einer Sonnenschutzbeschichtung versehen sind.
Auch innen durchdacht
Nach innen gelangt man durch den Haupteingang am östlichen Ende der Nordseite. Hier befindet sich auch einer der beiden Erschließungskerne, die in die insgesamt fünf Obergeschosse und ein Untergeschoss führen. Während die Erschließung am Eingang mit Aufzug und Treppen der Haupterschließung dient, gewährleistet das zweite Treppenhaus die notwendigen Fluchtwege.
Außer den Nebenräumen erreicht man über die Erschließungswege auch die pro Geschoss angeordneten Foyers sowie die Unterrichtsräume und Labore. Die Foyers – als Ankunfts- und Transitort für die Studierenden – weisen eine hohe Aufenthaltsqualität auf. Sitzbänke aus Betonwerksteinplatten des Typs R2108 von Rehburger Betonwerk mit ihrer gesprenkelten Optik, die dunklen Böden sowie der Wechsel von weißen und farbigen Wandfeldern tragen hierzu bei. Die Böden wurden mit Linoleum des Typs Marmorette PUR der Armstrong DLW GmbH im Farbton Midnight Grey ausgelegt. Dieser Boden fand seinen Einsatz, u.a. aufgrund seiner Robustheit – ideal für Aufenthaltsräume und zudem beständig gegen Säuren und Laugen.
In den eigentlichen Laboren wählten die Planer der Nutzung entsprechend einen robusten Fliesenboden. Die verwendete Serie Plural Plus 3 von Agrob Buchtal ist leicht zu reinigen und gegen die in einem Labor auftretenden Belastungen durch Laugen und Säuren sehr beständig. Gestalterisch fügt sich dieser im Farbton Tiefanthrazit ausgeführte Untergrund sehr gut ins Gesamtbild ein. Ansonsten sind die Labore in erster Linie funktional und unter dem Aspekt der Arbeitssicherheit ausgestattet.
Markant und funktional
Damit können gerade die Laborräume als exemplarisch für das gesamte Gebäude angesehen werden. Von der Gestaltung der Fassade mit Putz und den beiden verschiedenen Fenstersystemen über die Erschließung und die Materialauswahl bis hin zur Ausstattung des Gebäudes stellt das Chemiepraktikum eine gekonnte Kombination aus Funktionalität und Ästhetik dar. Sogar die Gebäudeform, die dem Straßenverlauf des umgebenden Stadtraums folgt, trägt zu diesem Eindruck bei und gibt dem Entwurf von ksg Architekten und Stadtplaner eine angenehme Eigenständigkeit, ohne zu sehr auffallen zu wollen. Den rund 160 Studierenden, die hier seit April ein und aus gehen, wurde mit dem Gebäude somit eine Adresse für ihren Fachbereich und ein ästhetisch anspruchsvoller Ort für ihre Lehre und Forschung gebaut. Was kann man mehr wollen?
Johannes Kister, Architekt: „Das Gebäude ist nur auf den ersten Blick ein Solitär. In seiner polygonen Form reagiert es präzise auf die städtebauliche Situation und führt das bis in die Detailgestaltung der Materialität und Farbe der Fassade fort. Dem flächenmäßig kleinen Gebäude gelingt eine neue Wahrnehmung der chemischen Institute im Stadtraum.“
Architekten: kister scheithauer gross Architekten und Stadtplaner GmbH, Köln


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