Aufstockung und Modernisierung von Wohngebäuden in Hamburg

Wohnfläche verdoppelt – CO2-Ausstoß halbiert

In einem Hamburger Vorort wurde durch Aufstockung von Siedlungshäusern der Wohnraum beinahe verdoppelt und gleichzeitig ein nachhaltiges energetisches Konzept realisiert. Aus statischen Gründen wurde die Baumaßnahme in Holztafelbauweise ausgeführt. Mit Gipsfaser-Platten wurde ein von der HBauO abweichendes Brandschutzkonzept realisiert.

Ein Mix aus alter und neuer Architektur prägt das Bild im Hamburger Stadtteil Alsterdorf. Grünflächen zwischen den Häusern und ein alter Baumbestand sorgen für ein parkähnliches Ambiente. Die Nachfrage nach Wohnraum ist hier – wie in der gesamten Hafenmetropole – kaum zu befriedigen. Vor diesem Hintergrund entschloss sich die Robert Vogel GmbH & Co. KG, ein großes privates, international agierendes Hamburger Immobilienunternehmen, zur Nachverdichtung seines Wohnungsbestandes an der Bebelallee in Alsterdorf.

Realisiert wurde ein Entwurf des Hamburger Büros blauraum architekten Partnerschaft Ebel, Halbach, Venus, das vor der Planung verschiedene Konzepte zur Nachverdichtung untersuchte. Die Entscheidung fiel schließlich auf die Aufstockung der Bestandsbauten um zwei Geschosse. Damit wurde die vorhandene, gewachsene städtebauliche Struktur der Siedlung am wenigsten verändert. Entstanden sind insgesamt 47 familienfreundliche und hochwertig ausgestattete Drei- bis Vier-Zimmer-Wohnungen in Größen zwischen 70 und 150 m².
Statik
Der Altbestand, der in massiver Bauweise mit einem zweischaligen Mauerwerk und Stahlbetondecken errichtet wurde, zeichnet sich durch einen sparsamen Materialeinsatz und hohe Ausnutzung statischer Reserven in Konstruktion und Gründung aus. Vor diesem Hintergrund entschieden sich die Architekten, die Aufstockung als Mischbauweise aus Massiv- und Holzbau, den Großteil in Holztafel-Fertigbauweise auszuführen. Die Holzbauweise ermöglichte eine kurze Bauzeit bei geringem Baulärm über dem während der gesamten Dauer der Maßnahme bewohnten Altbestand.
Die Fassade wurde als hinterlüftete Fassade mit 10 000 m² aus weißen Alaska Zedernholzschindeln und somit als konsequente Fortsetzung der Holzbauweise ausgeführt. Die Gestaltung nimmt Bezug auf die umgebenden Bäume, was den Häusern den Beinamen Treehouses einbrachte.
Brandschutzkonzept
Entsprechend der HBauO ist das Objekt nach § 2(3) bauordnungsrechtlich der Gebäudeklasse 4 zuzuordnen. Es sind in dieser Klasse Holztragkonstruktionen zulässig, sofern ausschließlich nicht brennbare Dämmstoffe verwendet und tragende, aussteifende und raumabschließende Bauteile hochfeuerhemmend ausgeführt werden. Dabei muss die Brandschutzbekleidung alleine einen Feuerwiderstand von 60 Minuten aufweisen und als K 60 nach DIN EN 13501–2 klassifiziert sein.
„Im Rahmen des Brandschutzkonzeptes konnte durch zielführende Kompensationsmaßnahmen eine Anpassung der Bauteilanforderung realisiert werden“, erklärt Fermacell-Architektenberater Carsten Scheffler. „Hier spielten verschiedene Faktoren mit, die ganzheitlich das gesamte Objekt und die Nutzung berücksichtigen.“
Unter anderem wurden die Bauteile schließlich in F 90-BA in Kombination mit einer brandschutztechnisch wirksamen Bekleidung K 45 ausgeführt. Damit bleibt ein potenzieller Brand mindestens 90 Minuten sicher auf eine Wohneinheit begrenzt. Über einen Zeitraum von ≥ 45 Minuten ist gewährleistet, dass kein Brandeintrag in die Konstruktion erfolgt.
Für die Genehmigung der Holzfassade war eine gesonderte Stellungnahme inklusive Brandversuchen nötig. Außerdem wurden horizontale und vertikale Ableitbleche an der Unterkante und im Bereich der Brandwände eingebracht.
Ausgeführt wurde die brandschutztechnisch wirksame Bekleidung der Holzkonstruktion mit Fermacell Gipsfaser-Platten. Die Platten gewährleisten je nach Konstruktion Brandschutz bis zur Feuerschutzklasse F 120 und sind gemäß der EN 13501 als nicht brennbarer Baustoff der Baustoffklasse A 2 klassifiziert. Sie wurden sowohl für die Innen- wie auch für die Außenwandkonstruktion eingesetzt. Sämtliche Wände wurden beidseitig mit einer doppelten Lage aus 15 mm dicken Fermacell Platten beplankt und mit einer Dämmung aus Steinwolle WLG 035 im Hohlraum versehen. Auf Grund der Armierung aus recycelten Papierfasern verfügt Fermacell über Material- und Verarbeitungseigenschaften, die dem Holz sehr ähnlich sind.
Bodenaufbau
Neben rund 32 000 m² Gipsfaser-Platten in 15 mm Dicke für die Decken- und Wandkonstruktionen wurden bei der Aufstockung der Siedlung an der Hamburger Bebelallee auch rund 5 000 m² 2 E22 Estrich-Elemente verarbeitet. Sie bestehen aus zwei werkseitig verklebten 12,5 mm dicken Fermacell Platten im Format 150 x 50 cm. Ein umlaufender 5 cm breiter Stufenfalz gewährleistet in Kombination mit dem handlichen Format und geringem Gewicht eine schnelle und einfache Verarbeitung ohne Zeitverzug für nachfolgende Gewerke.
Unter den Estrich-Elementen wurde eine 20 mm starke Mineralfaserdämmung gemäß Freigabeliste des Herstellers auf Fermacell Ausgleichsschüttung ≥ 20 mm eingebaut. Der Einbau der 20 mm Dämmung erfolgte entsprechend der Musterrichtlinie über brandschutztechnische Anforderungen an hoch feuerhemmende Bauteile in Holzbauweise. Die spezielle Dämmung kann ohne weitere Abdeck- bzw. Lastenverteilplatte direkt auf der Ausgleichsschüttung verlegt werden. Mit einer zulässigen Punktlast von 1,0 kN ist dieser Aufbau für den Anwendungsbereich 1 (Wohnbereich) zugelassen.
Feuchträume
In den Nassbereichen kamen mit Fermacell Powerpanel H2O für Wände und Powerpanel TE für den Boden spezielle wasserfeste, zementgebundene Leichtbeton-Bauplatten zum Einsatz. Die beidseitig mit einem alkaliresistenten Glasfasergewebe armierten Platten mit Sandwichstruktur sind diffusionsfähig (Wasserdampfdiffusionswiderstandszahl von µ= 56) und Schimmelpilz-resistent und ermöglichen hoch belastbare Konstruktionen. Die Verarbeitung von Powerpanel TE erfolgte analog zur Verlegung der 2 E 22 Estrich-Elemente in den Wohnbereichen mit 20 mm starker Mineralfaser auf Ausgleichsschüttung ≥ 20 mm.
Planungsziel und Fazit
Ziel der Planer war es, den bisherigen jährlichen CO2-Ausstoß zu halbieren. Dazu wurden die Klinker auf der Fassade der Bestandsbauten mit einer außenliegenden Dämmung versehen, die mit einem neuen Sichtmauerwerk aus grauweißen Maschinen-Handstrichziegeln verkleidet wurde, das die Farbgebung der Zedernholzfassade in den oberen Stockwerken aufnimmt. Die Schindelfassade selbst wurde hinterlüftet gemäß EnEV 2007 erstellt. Der Ersatz des alten Sattelkaltdaches durch zwei Stockwerke mit bekiestem Flachdach hat zudem das A/V-Verhältnis der Gebäude positiv verändert.
Insgesamt konnte das Gesicht der Siedlung modernisiert und die Wohnfläche der Häuser an der Bebelallee fast verdoppelt werden. Neben einer optischen Verjüngung des Viertels ist auch die angestrebte Verjüngung der Bewohnerstruktur gelungen.
Planung: blauraum architekten Partnerschaft Ebel, Halbach, Venus, Hamburg Objektüberwachung: KKP Architekten + Ingenieure, Hamburg

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