Schallschutz-Anforderungen im Bodenbereich

Stille auf Schritt und Tritt

Bei Renovierungen und Modernisierungen sorgen vorhandene Deckenkonstruktionen oft für Probleme. Architekten und Bauphysiker können jetzt auf eine Entscheidungsgrundlage zurückgreifen, die auf Basis von Messungen unterschiedlicher Bodenaufbauten erstellt wurde. Trockenestriche und Schüttungen bewirken einiges in Sachen Schalldämmung.

Rita Jacobs | be

Nachbarschaftslärm in übereinander liegenden Wohnungen wird immer als störend empfunden. Ursache ist unzureichender Schallschutz. Neben der Art des Bodenbelags – Bodenbeläge mit hoher Oberflächenhärte und Steifigkeit übertragen Trittschallgeräusche besonders gut, während weichgepolsterte Bodenbeläge diese schon in der Entstehung mindern – kommt es vor allem auf die Deckenkonstruktion selbst an. Grundsätzlich dämmen schwere Deckenkonstruktionen den Schall besser als leichte. Denn je höher die Masse, um so träger reagiert die Decke und desto geringer ist die Schallübertragung. Massiv ausgeführte Decken werden daher immer mit hervorragender Schalldämmung verbunden, während leichten Holzbalkendecken auf Grund ihrer geringeren Masse eine schlechte Schalldämmung nachgesagt wird.
Zu Unrecht: Denn Holzbalkendecken erreichen z. B. in Verbindung mit Rohdeckenbeschwerungen hervorragende Tritt- und Luftschallwerte. Insgesamt kommt es in der Ausführung weniger auf ein hohes Gewicht der Decke, sondern vielmehr auf einen sinnvollen Aufbau an. Durch die Kombination verschiedener aufeinander abgestimmter Aufbauten kann die Trittschallübertragung bei Holzbalkendecken – auch nachträglich – wirkungsvoll minimiert werden. Wesentliche Verbesserungen bei der Luftschalldämmung können zusätzlich durch den Einsatz federnd abgehängter Decken mit Dämmung im Deckenhohlraum erreicht werden. Besonders sinnvoll ist die Kombination beider Verfahren.
Mindestanforderungen und erhöhter Schallschutz
Für Trenndecken, also für Decken, die in mehrgeschossigen Gebäuden fremde Wohn- oder Arbeitsräume voneinander trennen, sind die Schallschutzanforderungen bauaufsichtlich durch die DIN 4109 11/89 verpflichtend geregelt. Demnach gilt für Trenndecken bei Wohnungen und Arbeitsräumen in Geschosshäusern sowie für Decken in sogenannten Beherbergungsstätten ein erf. R’w von 54 dB und ein erf. L’n,w von 53 dB. Bei Schulen gilt für Decken zwischen Unterrichtsräumen ein erf. R’w von 55 dB und ein erf. L’n,w von 53 dB.
Neben diesen baurechtlich verbindlichen Mindestanforderungen werden in Beiblatt 2 der Norm Empfehlungen für einen erhöhten Schallschutz gegeben. Im Mehrgeschossbau mit Wohnungen und Arbeitsräumen und im Hotelbau liegen hier die Werte für Trenndecken bei erf. R’w von ≥ 55 dB und ein erf. L’n,w von ≤ 46 dB. Diese Werte sind nicht verpflichtend, gelten in der Rechtsprechung jedoch zunehmend als geschuldet, etwa wenn die Anpreisung einer Immobilie ein gehobenes Niveau (Komfortwohnungen) erwarten lässt. Vorschläge für den erhöhten Schallschutz von Wohnungen enthält außerdem die VDI Richtlinie 4100.
Vorteile Trockenestrich
Speziell zur Verbesserung des Schallschutzes im Bodenbereich bieten sich Trockenestriche an, die auch nachträglich bei der Renovierung oder Modernisierung problemlos eingebracht werden können. Im Vergleich zu Systemen aus Holzwerkstoffplatten, also z. B. OSB- bzw. Spanplatten, bieten Systeme aus Gipsbauplatten, wie etwa Fermacell Gipsfaser Estrich-Elemente, entscheidende Vorteile.
Sie verfügen über die notwendige Masse, sind aber trotzdem biegeweich und besitzen damit sowie durch unterschiedliche Dämmstoffkaschierungen auf der Rückseite alle Voraussetzungen für eine gute Schalldämmung.
Die einfache Handhabung sorgt für eine schnelle Verarbeitung. Zudem sind sie praktisch sofort nach der Verlegung belastbar. Trocknungszeiten wie bei Nassestrichen müssen im Bauablauf nicht berücksichtigt werden.
Die Vielzahl unterschiedlicher Ausführungen ermöglicht ein breites Anwendungsspektrum, auch Elemente für Fußbodenheizungen sind verfügbar. Hinsichtlich der Einsatzgebiete sind Gipsfaser Estrich-Elemente mit herkömmlichen, massiven Estrichsystemen vergleichbar – je nach Systemaufbau ist der Einsatz in den Anwendungsbereichen 1 bis 4 problemlos möglich – ihr Vorteil gegenüber Zement- oder Fließestrich ist dabei ein relativ geringes Eigengewicht, so dass keine statischen Probleme auftreten.
Eine wesentliche Verbesserung des Trittschallschutzes wird zusätzlich durch den Einsatz von Schüttungen erreicht, die das Gewicht der Rohdecke erhöhen. Sie werden direkt auf die Rohdecke aufgebracht. Damit sie unter dem Estrich nicht wandern, werden sie entweder, wie bei dem Fermacell Waben-Dämmsystem, in Pappwaben geschüttet oder mit einem Bindemittel versehen.
Waben-Dämmsysteme sind nach dem Verfüllen sofort belastbar, müssen nicht nachverdichtet werden und benötigen keine Trockenzeiten. Durch ihr moderates Gewicht (45–90 kg/m²) eignen sich Schüttungen vor allem auch für Altbauten. Zulässige Lasten werden damit selten überschritten, es entstehen in der Regel keine statischen Probleme.
Verlässliche Entscheidungshilfe
Welcher Bodenaufbau aber ist der geeignete? Speziell bei Umbauten stellen die vorhandenen Bestandskonstruktionen den Planer und Bauphysiker oft vor Probleme: Wie sollen etwa bereits vorhandene Deckenkonstruktionen in Verbindung mit neu erstellten Zwischenböden bewertet werden? Wie wirkt sich eine vorhandene Beschwerung im Einschub aus? Eine Vielzahl von Randbedingungen und Anforderungen sind für die Wahl des geeigneten Trockenbodenaufbaus maßgebend. Antworten gibt es kaum.
Um diese Lücke zu schließen, hat Fermacell jetzt speziell für den Schallschutz im Bodenbereich umfassende Messungen unterschiedlicher Boden-Aufbauten durchgeführt. Architekten und Bauphysikern steht damit erstmals eine verlässliche Entscheidungsgrundlage für die Wahl des geeigneten Trockenbodenaufbau zur Verfügung. Geprüft wurden beispielhaft insgesamt rund 100 neue Aufbauten – der Hersteller weist ausdrücklich daraufhin, dass die möglichen Kombinationen noch deutlich größer sind – auf sieben unterschiedlichen Deckentypen:
  • Sichtbare Holzbalkendecke.
  • Geschlossene Holzbalkendecke mit Unterdecke auf Lattenrost.
  • Geschlossene Holzbalkendecke mit federnd abgehängter Unterdecke.
  • Geschlossene Holzbalkendecke mit nichttragendem Einschub.
  • Geschlossene Holzbalkendecke mit tragendem Einschub und Ergänzung mit gebundener Schüttung.
  • Geschlossene Holzbalkendecke mit tragendem Einschub und gebundener Schüttung.
  • Massivdecke 400 kg/m².
Eingesetzt wurden die Fermacell Gipsfaser Estrich-Elemente 2 E 22, 2 E 31, 2 E 32 und 2 E 35 – je nach System mit rückseitiger Mineralwoll- oder Holzweichfaserkaschierung in unterschiedlichen Dicken sowie in Verbindung mit Wabenschüttung bzw. gebundener Schüttung, außerdem ein Fußbodenheizungssystem. Alle Messungen wurden gemäß der DIN EN ISO 140 durchgeführt.
Neues Element mit besten Werten
Spitzenreiter mit den durchweg besten Messwerten ist das zur Bau 2013 neu vorgestellte Estrich-Element 2 E 35. Es wurde eigentlich zur Verbesserung des Trittschalls auf Massivdecken entwickelt und bietet hier bei geringer Aufbauhöhe von 45 mm in Verbindung mit ≥ 20 mm Fermacell Ausgleichsschüttung eine Trittschallverbesserung von 31 dB, sorgt jedoch auch in Kombination mit Holzbalkendecken für hervorragende Dämmwerte. So erreichte das aus zwei werkseitig verklebten Gipsfaser-Platten bestehende Element, das zusätzlich bereits bei der Herstellung mit 20 mm hochverdichteter Mineralwolle kaschiert wird, in Kombination mit 60 mm Wabendämmung bereits auf einer einfachen Decke mit sichtbaren Holzbalken Trittschalldämm-Werte von Ln,w,R 55 dB.
Auf einer geschlossenen Holzbalkendecke mit federnd abgehängter Unterdecke bietet der gleiche Aufbau Werte von Ln,w,R 39 dB und ist damit weitaus besser als die in der DIN 4109, Beiblatt 2 definierten Anforderungen für erhöhten Schallschutz. Auch ohne federnd abgehängte Unterdecke werden die Anforderungen an den erhöhten Schallschutz locker überschritten: Die Prüfung der geschlossenen Holzbalkendecke mit nicht tragendem Einschub ergab einen Wert von Ln,w,R 43 dB.
Die guten Schalldämmwerte des Fermacell Estrich-Element 2 E 35 werden ergänzt durch eine extrem hohe Wirtschaftlichkeit. Statt mehrerer verschiedener Einzelkomponenten steht damit ein komplettes System in einem einzigen Element zur Verfügung. Entsprechend schnell und einfach ist die Verarbeitung. Die Verlegung direkt auf der Massivdecke gelingt in nur einem Arbeitsschritt. Im Ergebnis wird so – ohne Ausgleichsschüttung – bereits eine Trittschallverbesserung von 27 dB erreicht. Höhere Schallschutzanforderungen können in lediglich zwei Arbeitsgängen erreicht werden.
Analog zu herkömmlichen Fermacell Estrich-Elementen erfolgt die Verarbeitung schwimmend im schleppenden Verband. Dabei werden die Elemente direkt auf der Rohdecke oder auf der Fermacell Ausgleichsschüttung verlegt. Ein besonderer Schutz für die Mineralwolle ist nicht erforderlich. Entsprechend können die Arbeiten im Vergleich zur Verlegung von Einzelkomponenten (Schüttung, ggf. Lastverteilungsplatten, Trittschalldämmplatten, Estrichelemente) wesentlich schneller und wirtschaftlicher abgewickelt werden.
Auch die Sicherheit des Gesamtaufbaus gewinnt mit dem Element erheblich: Häufig auftretende Probleme bei direkter Begehung und damit Zerstörung der Mineralwoll-Trittschalldämmplatte werden durch die Kaschierung praktisch ausgeschlossen. Insgesamt steht die einfache Anwendung nicht nur für schnellen Baufortschritt und somit für niedrigere Verlegekosten, sondern auch für eine geringe Fehleranfälligkeit.
Fazit
Erstmals steht für Architekten und Bauphysiker, die sich mit dem Schallschutz im Bodenbereich befassen, eine verlässliche Entscheidungsgrundlage für die Wahl des geeigneten Trockenbodenaufbau zur Verfügung. Die Ergebnisse aller gemessenen Aufbauten sind im neuen Handbuch „Fermacell Bodensysteme – Planung und Verarbeitung“ zusammengefasst.

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