Neubau eines Klinikzentrums in Winnenden. Rhythmische Farbstrecke

Neubau eines Klinikzentrums in Winnenden

Rhythmische Farbstrecke

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Das neue Klinikum von Winnenden vereint die ehemaligen Krankenhäuser in Waiblingen und Backnang und ist für die medizinische Versorgung von etwa 400 000 Bewohnern verantwortlich. Ein umfassendes Farbkonzept trägt zur äußeren und inneren Gestaltung bei und unterstützt darüber hinaus die räumliche Orientierung in den Bauten.

Dipl.-Ing. Nikolai Ziegler

An der Grenze zwischen Wohnbebauung und Landschaftsraum gelegen ist das Klinikum in die Wiesenlandschaften des Zipfelbachs und die sanften Hügel der angrenzenden Weinberge eingebettet. Diese abwechslungsreiche Landschaft war für das Entwurfskonzept bestimmend, ausgearbeitet und umgesetzt vom Büro Hascher Jehle Architektur. Gemeinsam mit dem bestehenden Zentrum für Psychiatrie bilden die Neubauten ein weitläufiges Klinikareal und formen mit dem neuen Ärztehaus und der Verwaltung ein städtebauliches Ensemble aus fünf Pavillons, das sich um eine zentrale Platzanlage gruppiert.
Klinik im Grünen
In drei locker angeordnete Baukörper gegliedert, die über einen flachen ein- bis zweigeschossigen Sockel miteinander verbunden sind, fügt sich der Klinikneubau trotz seiner funktionsbedingten Größe in die Landschaft ein. Gleichzeitig erhält der Gebäudekomplex durch die Gliederung in Sockel- und Obergeschosse sowie in „einzelne“, drei- bis fünfgeschossige Häuser eine Kleinteiligkeit und eine am Nutzer orientierte Maßstäblichkeit. In den einzelnen Pavillons sind die Räume ring- oder u-förmig um je zwei Innenhöfe herum angeordnet: einem kleineren Hof, um den sich die Nebenräume gruppieren und einem größeren Hof für die Pflegezimmer.
Während die Bettenhäuser einer einfachen und klaren Grundrissstruktur folgen, übernimmt der zweigeschossige Sockel die klinischen Funktionseinheiten.
Die Höfe bringen Licht, Luft und Aufenthaltsqualität in die Flure und Räume. Seitlich einfallendes Streiflicht erhellt und rhythmisiert die langen, mit großflächigen Verglasungen ausgestatteten Flure. Diese begleiten die Wartebereiche und lassen interne Blickbezüge zu.
Zur architektonischen Massenverteilung erklären die Architekten: „Die Gebäudestruktur des Klinikums mit ihren geschlossenen und offenen Höfen, Dachterrassen und pavillon artigen Baukörpern löst sich auf unterschiedliche Weise auf, um in einen Dialog mit dem Außenraum zu treten. Die gestalteten Außenflächen gehen fließend in den angrenzenden Landschaftsraum über, so dass sich der Neubau mit der Umgebung verzahnt.“
Vitalisierende Farbe
Das Wohlbefinden von Patienten hat einen großen Einfluss auf deren Krankheitsverlauf. Neben den Lichtverhältnissen der Innenräume und den visuellen Bezügen zur Natur beeinflussen die Farbe, das Material und die Oberflächen der mittelbaren und unmittelbaren Umgebung unser Wohlbefinden. Dem Farbkonzept der Fassaden als auch der Innenausstattung kommt bei Klinikbauten daher eine nicht zu unterschätzende Bedeutung zu.
Für den Klinikneubau in Winnenden orientierten sich die Architekten an den Farben der landschaftlichen Umgebung. Das äußere Erscheinungsbild des Neubaus wird wesentlich durch die farbigen Sonnenschutzelemente der Fassade geprägt. Sie ermöglichen eine komplette Verschattung des gesamten Baukörpers. Die bewaldete, hügelige Landschaft der Umgebung mit ihren grünen Wiesen und orangefarbenem Laub diente als Vorbild für die Farbgebung der Fassade.
Während das Außenbild der Fassaden von dem Wechselspiel der Farben Gelb, Grün und Orange geprägt wird, wurde bei der Innenraumgestaltung je eine der drei Farben einem Pavillon zugeordnet. Dies unterstützt die Identifikation der Patienten mit ihrer Station und unterstützt die Orientierung in den Gebäuden.
Künstlerisch gestaltete Magistrale
Um einen störungsfreien und reibungslosen Ablauf der Notfall-bedingten medizinischen Versorgung gewährleisten zu können, ist die Trennung von Patienten-, Personal- und Besucherwegen bei der Planung einer Klinik von ganz zentraler Bedeutung.
Das innere Erschließungssystem basiert demnach auf ringförmig organisierten Fluren, die über ein lineares Gangsystem miteinander verbunden sind.
Im Eingangsgeschoss wird der südliche Verbindungsflur als 180 m lange, zweigeschossige Magistrale erlebbar. Zentrum der Magistrale ist die großzügige, zweigeschossige Eingangshalle, die sich über raumhohe, großflächige Verglasungen zum Vorplatz öffnet. Die Magistrale verbindet die einzelnen Stationen des Krankenhauses sowie die Pavillons miteinander. Im Erdgeschoss wird eine Raumschicht aus Wartezimmern, Anmeldungen, Nebenräumen und Erschließungskernen entlang der Erschließungsachse zum Filter zwischen den konträren Klinikbereichen: Sie trennt die Untersuchungsräume der Ambulanzen und der Notaufnahme von der Haupterschließung.
Entsprechend des vorgegebenen architektonischen Farbkonzepts entwickelte der Künstler Burghard Müller-Dannhausen entlang der Magistrale ein 180 m langes, zweigeschossiges Wandbild. Korrespondierend mit den Farben der Pavillons zeigt das übergeordnete Wandbild einen Farbverlauf von Gelb über Grün nach Orange, der sich aus einer Sequenz aus aneinander gereihten Farbflächen ergibt.
Schmale, strichartige Flächen sowie vertikale oder schräge Rechtecke und Trapeze in je fünfzehn Farbtönen der Grundfarben ergeben ein abstraktes, lebendiges Bild.
Dieser Wechsel von senkrechten und schrägen Linien und Flächen erzeugt den Eindruck eines Vorhangs in Bewegung oder von Gras und Schilf im Wind.
Türen, Fenster, Durchgänge, Träger und Stützen sind in das System eingebunden und folgen mit ihren Beschichtungen dem Farbkonzept. „Die Farbwand ist die Fortsetzung der Architektur mit den Mitteln der Malerei“, stellt der Künstler Müller-Dannhausen heraus. Den Grund der „Farbwand“ bilden Gipskarton-Platten von Rigips. Als Grundierung verwendete der Künstler den „Uni Primer“ von Lascaux. Diese weiße Grundierung für starre, nicht saugende Untergründe wie Beton, Nichteisenmetalle, Polyester und Plexiglas eignet sich, um anschließend mit Acryl- und Ölfarben weiterzuarbeiten. Die Grundierung erzeugt eine nichtsaugende Oberfläche, die sich schnell trocknend, elastisch, lichtecht und alterungsbeständig erweist. Auf saugenden Untergründen kann Uni-Primer mit Pinsel, Bürste und Roller aufgetragen werden, wobei eine vorgängige Isolierung mit Lascaux „Hydro-Grund“ zu empfehlen ist.
Die Farbwand selbst ist mit Lascaux „Artist“ gestaltet. „Artist“ ist eine Acrylfarbe für künstlerische und dekorative Gestaltung, die sich für den Innen- wie auch Außenbereich eignet. Aus dem Herstellersortiment mit 54 Farben lassen sich jegliche Nuancen anmischen. Für die Schlussbehandlung und Versiegelung des Kunstwerks, aber auch um die Wand gegen Verschmutzung und mechanische Beanspruchungen zu schützen sowie das Reinigen der Oberfläche zu ermöglichen, wurde der ebenfalls von Lascaux stammende matte „Transparentlack“ verwendet.
Den oberen Raumabschluss bildet eine abgehängte „Gipskartondecke“ von Knauf, die bereichsweise durch das Akustikputzsystem Knauf Fumi ergänzt wurde. Über die mit einer Länge von 180 m erstaunliche Dimension seines Kunstwerks fügt der Künstler an:
„Die Farbschritte folgen dem menschlichen Schritt, beantworten aber dessen Regelmäßigkeit durch einen spannungsreichen Rhythmus. So wird die Strecke zum Weg.“
Architekten: Hascher Jehle Architektur, Berlin
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