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Ohne Dampfsperre

Energetische Sanierung eines historischen Fachwerkhauses in Hannover
Ohne Dampfsperre

In der Altstadt von Hannover wurde die energetische Sanierung eines denkmalgeschützten Fachwerk- hauses mit einer Kombination aus Lehmmörtel und Mineraldämmplatten ausgeführt. Im Ergebnis entstand ein Gebäude, das die Anforderungen der aktuellen EnEV für Neubauten erfüllt.

Rita Jacobs | jo

Einen Eindruck vom einstigen Aussehen der Residenzstadt der Kurfürsten und Könige von Hannover vermittelt die vom Holzmarkt zur Marktkirche führende Kramerstraße mit ihren historischen Fachwerkhäusern. Ihnen kommt eine besondere Bedeutung zu, da heute lediglich noch 20 Fachwerkhäuser im Stadtbild wahrzunehmen sind. Unlängst wurde hier eines dieser Relikte aus früherer Zeit denkmalgerecht saniert. Zielsetzung war dabei, die Modernisierungsmaßnahme nach dem Standard eines EnEV-Neubaus durchzuführen und das Objekt in einen zeitgemäßen Nutzungszustand zu versetzen.
Grundlegende Sanierung
Vor allem umfassende Schäden an der Gebäudekonstruktion erforderten eine grundlegende Sanierung. So entwickelten die Projektplaner etwa zur Entlastung des alten Kellergewölbes ein inneres Tragsystem auf Basis der statisch intakten Teile des Bestandes. In den Außenwandkonstruktionen ersetzten sie nicht mehr tragfähige Hölzer. Teile der Holzkonstruktion, die nur partiell geschädigt waren, wurden unter Anwendung traditioneller Techniken repariert. Im gesamten Gebäude mussten schädliche und ungeeignete Anstriche, Spachtelungen und Putze entfernt und durch konstruktionsverträgliche Produkte und Materialien ersetzt werden.
Da der Bau nach der Sanierung energetisch dem Neubau-Standard gemäß der EnEV entsprechen sollte, war eine Dämmung sämtlicher Wände, Decken und Böden geplant. Ergänzt wurde das Konzept durch eine entsprechende Anlagentechnik sowie durch den Einbau hochwärmedämmender Fenster.
Tauwasserschäden verhindern
Im Fokus der Dämm-Maßnahmen standen vor allem die Außenwände. Sie sollten eine Innendämmung erhalten. Damit konnte gleichzeitig die historische Fachwerk-Fassade erhalten bleiben. „Die Innendämmung von Gebäuden,“ erläutert Georgios Schade, Geschäftsführer der SMB Baugestaltungs-GmbH, die das Projekt fachtechnisch beraten und die Innendämmungs- und Lehmbauarbeiten durchgeführt hat, „stellt sowohl an die Planenden und Ausführenden, als auch an die gewählten Materialien besondere Anforderungen.“ Da es dabei vor allem um die Berücksichtigung bauphysikalischer Aspekte gehe, sei die richtige Materialwahl äußerst wichtig.
„Vor allem bei Fachwerk,“ weiß Schade, „ist der Dämm-Konstruktion eine hohe Bedeutung beizumessen. Die Kombination von so verschiedenen Materialien wie Holz, Ziegel, Naturstein, Lehm und Kalk und deren unterschiedliches Verhalten bei veränderten klimatischen Verhältnissen erfordern eine genaue Betrachtung. Speziell bei der Ausführung einer Innendämmung sind Besonderheiten zu berücksichtigen, die dem Schutz der tragenden Holzkonstruktion dienen.“
Dabei gelte es, betont Schade, das Hinterströmen des Dämmsystems mit warmer Raumluft zu verhindern sowie Tauwasserschäden an der Holzkonstruktion zu vermeiden: „Das wird nur erreicht durch die Verwendung eines kapillaraktiven Dämmstoffs, der einen Teil des anfallenden Tauwassers kapillar zum Raum hin zurückführt.“
Kapillaraktives Dämmsystem
Ursprünglich war geplant, die Innendämmung mit Holzfaserweichplatten auszuführen. Wegen eines generell günstigeren Feuchtekapillarverhalten von Mineraldämmplatten gegenüber Holzweichfaserplatten (günstigerer Sd-Wert) fiel die Entscheidung jedoch schließlich auf Ytong Multipor Mineraldämmplatten. Damit kam ein diffusionsoffenes, kapillaraktives System zum Einsatz, das ohne Dampfsperre ausgeführt werden konnte. Ausschlaggebend für die Materialwahl war auch die Tatsache, dass die Mineraldämmplatte gegen Schwamm- und Schimmelbefall resistent ist.
Wichtigster Grund war jedoch, dass mit dem Ytong Multipor Lehmmörtel eine Systemergänzung zu den Ytong Multipor Mineraldämmplatten zur Verfügung stand, die speziell für die energetische Sanierung von Fachwerk-Gebäuden optimal geeignet ist. „Das kapillare Feuchtetransportvermögen von Ytong Multipor Lehmmörtel wirkt mit seiner sehr geringen Ausgleichsfeuchte konservierend auf die umschlossenen Hölzer“, erklärt Gregorius Schade.
Architekt Rainer Wildmann ergänzt: „Die Materialien passen zusammen und harmonieren miteinander. Die Natürlichkeit der Baustoffe bleibt weiterhin erhalten und wir erhalten im Ergebnis energieeffiziente Werte und ein gutes Raumklima. Außerdem lässt sich das Ganze wirtschaftlich umsetzen.“
Im vorliegenden Fall bot der Lehmmörtel jedoch vor allem Vorteile durch sein breites Anwendungsspektrum, das es ermöglicht, komplette Innendämmungsaufbauten mit nur einem Material zu erstellen. Das ausschließlich aus Lehmpulver und Natursanden bestehende Material kann gleichermaßen als Ausgleichputz bei Unebenheiten im Untergrund oder als Klebemörtel für die Ytong Multipor Mineraldämmplatte eingesetzt werden, außerdem als Armierungsputz mit Gewebeeinlage bzw. als abschließender Oberputz auf Ytong Multipor Mineraldämmplatten.
Planebener Untergrund
Um den historischen Unterbau möglichst weitgehend zu erhalten, wurde im vorliegenden Fall darauf verzichtet, den gesamten alten Wandbelag komplett zu entfernen. Vielmehr entfernten die Restauratoren lediglich die nicht tragfähigen Putzstellen und besserten die Schadstellen in dem für Norddeutschland typischen Strohlehmschlag-Untergrund aus. Anschließend wurde die Fläche mit Ytong Multipor Lehmmörtel als Ausgleichsputz begradigt. Es gelang dabei, einen perfekten planebenen Untergrund herzustellen. So konnte die anschließende Verlegung von Ytong Multipor deutlich vereinfacht und somit beschleunigt werden. Eingesetzt wurden Ytong Multipor Mineraldämmplatten in einer Dicke von 80 mm. Die diffusionsoffenen Mineraldämmplatten ergänzen im System optimal die bauphysikalischen Eigenschaften des Lehmmörtels.
Fazit
Der Spagat zwischen Denkmalschutz und Ausbau eines historischen Fachwerkhauses in der Altstadt von Hannover zum energieeffizienten Gebäude auf EnEV-Neubauniveau gelang durch den Einsatz von Ytong Multipor Lehmmörtel in Kombination mit Ytong Multipor Mineraldämmplatten. Das diffusionsoffene Dämmsystem kompensiert unerwünschte Tauwasserbildung in der historischen Wandkonstruktion und verhindert so die Entstehung von Feuchteschäden nachhaltig. Gleichzeitig traten die Planer damit den Beweis an, dass auch für historische Fachwerkhäuser wirtschaftliche und energieeffiziente Modernisierungsmöglichkeiten bestehen. Zwei weitere historische Fachwerkhäuser wurden im Anschluss nach dem gleichen Prinzip renoviert und einer modernen Nutzung zugeführt.
Architekt: Rainer Wildmann, Wildmann Architekten, Hannover
Projektberatung: Georgios Schade, SMB Baugestaltungs-GmbH
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