Umbau des Sparkassen-Hauptsitzes zum Museum in Chemnitz

Kunst im Kontext

Eine neue Heimat fand die einzigartige Kunstsammlung des Münchner Kunsthändlers Dr. Alfred Gunzenhauser. 2 500 Werke von 270 Künstlern des 20. Jahrhunderts, vorwiegend aus dem Expressionismus sind im denkmalgeschützten Chemnitzer Gebäude ausgestellt. Als zeitloser Bodenbelag kam Linoleum zum Einsatz.

Für das neue Museum stellte die Ostdeutsche Sparkassenstiftung ihren früheren Hauptsitz am Falkeplatz zur Verfügung, der saniert und umgebaut wurde; vier Etagen beherbergen heute die exzellente Sammlung. Die weltweit größte Otto-Dix-Konvolute, bestehend aus 290 Arbeiten bildet das Herzstück der Sammlung. Das in den Jahren 1928–1930 errichtete Gebäude mit Stahlbetonskelettkonstruktion war eins der ersten Hochhäuser in Chemnitz, gebaut im Stil der Neuen Sachlichkeit. Entworfen wurde es von Fred Otto, damaliger Stadtbaurat und ein wichtiger regionaler Vertreter modernen Bauens.

Seine Gebäude zeichnen sich durch Funktionalität und eine klare architektonische Formensprache aus. So wirkt auch der Bau am Falkeplatz durch seine Proportionen und die klar gegliederte Lochfassade im Stil der Bauhaus-Ära, jener Zeit, aus der auch viele der Kunstwerke von Gunzenhauser stammen. Die Fassade besteht aus beigefarbenem Travertin, die Oberfläche wirkt homogen und wird durch minimal variierende Fenstergrößen und -formen aufgelockert. Eine sachliche Formensprache unterstützt dieses Erscheinungsbild und vermeidet zugleich jegliche Monotonie.
Umnutzung ohne Trennwände
Verantwortlich für die Sanierung des denkmalgeschützten Gebäudes ist das Berliner Architekturbüro Staab Architekten. Hauptaufgabe war die Verwandlung eines Verwaltungsgebäudes mit verschiedenen kleinen Raumstrukturen in eine weitläufige offene Museumslandschaft ohne störende Trennwände. Staab Architekten überzeugten mit einem durchdachten Licht- und Raumkonzept, das der Kunst einen optimalen Präsentationsrahmen bietet. Die vorhandenen räumlichen Potenziale schöpften sie aus und hielten die baulichen Ergänzungen und Eingriffe so gering wie möglich.
„Für uns lag die Herausforderung des Projekts in der Gratwanderung zwischen dem rücksichtsvollen Umgang mit der denkmalgeschützten Bausubstanz und der für die neue Museumsnutzung notwendigen Transformation des Hauses. Dabei das richtige Maß zu finden, war für uns eine zentrale Aufgabe“, erklärt Volker Staab.
In einigen Fensteröffnungen am Gebäude schieben sich gläserne Kuben leicht aus der Fassade heraus. Großflächige Portraits der wichtigsten Künstler werden in den beleuchteten Vitrinen präsentiert. Dadurch wird die Sammlung Gunzenhauser in der Stadt weithin sichtbar gemacht. Alle weiteren Fenster sind originalgetreu erhalten. Im Inneren führten die Architekten das Gebäude auf seine statische Struktur zurück, lediglich die Außenwände, tragende Stützen, Rippendecken und Treppenhäuser blieben bestehen. Mit einfachen, formal ablesbaren Eingriffen arbeiteten die Planer die spezifischen räumlichen Qualitäten für die neue Museumsnutzung heraus. Nahezu alle Innenwände konnten entfallen.
Ausstellungskonzept
In der Mitte des 7-geschossigen Baukörpers und den beiden viergeschossigen Flügeln, befindet sich ein Innenhof, seinerzeit die Kassenhalle. Der dank eines Glasdachs lichtdurchflutete Raum wurde zum Zentrum der Wechselausstellung. Er kann zusätzlich für Vorträge und Veranstaltungen genutzt werden. Um den darüberliegenden Lichthof sind die Ausstellungsräume angeordnet. Hier wurden die Hofwände freigestellt, über transluzente Verkleidungen der Fenster gelangt Tageslicht gleichmäßig, aber blendfrei in die Räume.
Diese Hofwände dienen der Orientierung und leiten als Leuchtkörper durch die Ausstellung. Aufgrund der übersichtlichen Gliederung des Innenraums und der einfachen Erschließung ist der Rundgang für die Besucher einfach nachvollziehbar. Die baulichen Eingriffe beschränkten sich auf Ausstellungswände und Einbauelemente im Eingangsbereich. Garderobe, Cafeteria und Kassenmöbel wurden dort zurückhaltend unterge-bracht. Zudem ergänzten die Architekten das Erschließungskonzept der oberen Etagen um eine neue, einläufige Kaskadentreppe. Sie wirkt als ein zugleich verbindendes, zeitgenössisches Element. Zum Ausstellungsraum hin ist die Treppenkonstruktion mit bronzefarbenen eloxierten Aluminiumtafeln verkleidet, im Inneren ist der Baukörper in dunklem Rot gehalten. Die schmale, lange Treppe verbindet die Ausstellungsbereiche und eröffnet raffinierte visuelle Perspektiven.
Nachhaltiger Werkstoff
Die Treppeninnenwände sind in Rot ausgeführt, auch der Boden greift diese Farbwahl auf. Hierzu wählten die Architekten den einfarbigen Linoleum Uni Walton in Rostrot, pompeji red, von Armstrong, der im Bauhaus verwendet zum Klassiker wurde. Auch im Kassenbereich des Museum wurde der zeitlos attraktive Belag verlegt.
Zum einen besitzt das Linoleum alle erforderlichen technischen Eigenschaften für hoch frequentierte Bereiche, wie Rutschhemmung und Strapazierfähigkeit. Zum anderen ist das Material leicht zu reinigen und auch über längere Zeit besonders wirtschaftlich. Für noch mehr Nachhaltigkeit wird das Linoleum auch mit einer hochwertigen PUR-Vergütung angeboten. So kann die Ökobilanz des umweltfreundlichen Bodenbelags aus überwiegend natürlichen und nachwachsenden Rohstoffen wie Leinöl, Naturharzen, Jute sowie Holz- und Korkmehl noch erhöht werden.
Entwurf | Architektur: Staab Architekten, Berlin

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