Geschlossene Offenheit

Glastrennwände im Büro

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Leichte Glastrennwände können in Büros den Widerspruch zwischen geschützten individuellen Arbeitsbereichen und einer offenen unkomplizierten Kommunikation versöhnen. Transparenz ist praktisch zu 100 % möglich, sie muss aber nicht immer und an jeder Stelle wünschenswert sein.

Markus Hoeft

Bürozelle, Großraum, Kombibüro, Open Space Office – über die verschiedenen Bürokonzepte der letzten Jahrzehnte ließe sich inzwischen fast eine eigene Kulturgeschichte schreiben. Aber kaum eine abgeschlossene – denn die Entwicklung der Bürowelten wird angesichts immer wieder neuer Organisationsformen der Arbeit sowie angesichts des rasanten Fortschritts in der Daten- und Netztechnik wohl weitergehen.
Flexibilität gefragt
Von heute errichteten oder modernisierten Büroimmobilien verlangt diese Perspektive vor allem Flexibilität in der Raumaufteilung und -nutzung, wie sie mit leichten Trennwänden erreicht werden kann, die sich ohne Eingriffe in die Statik und mit geringem Aufwand jederzeit an neue Bedürfnisse anpassen lassen. Nur so werden Gebäudekonstruktionen im Büro-, Gewerbe- und Objektbau langfristig nutzbar sein.
Bei der Planung von Raumlandschaften mit leichten Trennwänden kann ein Blick auf die Geschichte der Bürokonzepte und vor allem ihre jeweiligen Vor- oder Nachteile hilfreich sein. So ist das ursprüngliche Zellenbüro bei Mitarbeitern durchaus beliebt, weil es ein Maximum an Ungestörtheit und Zurückgezogenheit bietet. „My office is my castle“, fällt einem hierzu in Abwandlung des englischen Spruchs ein, womit aber auch schon die Nachteile angedeutet sind: Zellenbüros fördern eine gewisse Burg- bzw. Lagermentalität in den einzelnen Arbeitseinheiten. Die Isolation reduziert die unkomplizierte und zufällige Kommunikation und Kooperation. Darüber hinaus werden Größe und Lage der Einzelbüros zu Statussymbolen, die Hierarchien zementieren.
Das Großraumbüro, das diese Nachteile vermeiden und die Teamarbeit fördern sollte, bringt nun jedoch aus seinen Anfangsjahren ein außerordentlich schlechtes Image mit. Lärm bzw. ganz allgemein akustische Unruhe stellen dabei den Störfaktor Nummer eins dar, der ein konzentriertes, ungestörtes Arbeiten in Ruhe behindert. Aber auch die nicht individuell regelbare Klimatisierung und das Fehlen jeder „Privatheit in der Arbeitswelt“ gelten als problematisch.
Viele Nachteile des Großraumbüros können Raumstrukturen mit leichten und verglasten Trennwänden kompensieren. Allem voran die Geräuschbelästigung von außen, die sich bei geschosshohen Wänden heute praktisch völlig ausschließen lässt. Glastrennwände definieren eindeutige Grenzen des eigenen Arbeitsbereichs, was aus psychologischen Gründen nicht zu unterschätzen ist. Zugleich vermeidet ihre Transparenz jedoch Gefühle des Ausgeschlossenseins. Denn auf dem Gang vorübergehende Kollegen können per Blick kontaktiert, gegrüßt und ggf. auch einfach herein gewinkt werden.
Ihre optische Raumwirkung erhalten leichte Trennwände vor allem durch das Material und die Farbgestaltung der Rahmen- bzw. Trägerelemente einerseits und der Flächenfüllung andererseits.
Die „verschwundene“ Wand
Bei Glastrennwänden bestimmen außerdem die Ansichtsbreite der Träger und die Position der Verglasung das Bild mit. Drei grundsätzliche Bauweisen für Glastrennwände lassen sich unterscheiden: wandmittige Verglasung, flächenbündige Verglasung oder stützenfreie Ganz-Glas-Wand.
In der einfachsten Ausführung befindet sich die Einscheiben- oder bei höheren Schallschutzanforderungen auch eine Isolierverglasung mittig in einem Rahmen, wodurch der Eindruck von überdimensionalen Fenstern entsteht und die Wand eine eindeutige Rhythmik erhält. Optisch zurückhaltender präsentieren sich frontbündig verglaste Wände, bei denen die Gläser außen auf den Profilen sitzen und die Wand dadurch eine völlig glatte Oberfläche ausbildet. Die Bauweise entspricht in etwa dem Structural Glazing des Fassadenbaus. Neben der Eleganz bieten frontbündig verglaste Systeme oft einen besonders guten Schallschutz.
Sowohl mittige als auch bündige Verglasungen können durch schmale Ansichtsbreiten der Profile optisch reduziert werden. Noch einen Schritt weiter gehen die Ganz-Glas-Wände, die ohne senkrechte Tragprofile auskommen. Unauffällig verfugte bzw. verklebte Glasstöße und die wahlweise Ausführung mit einfacher oder doppelter Verglasung ermöglichen nahezu unsichtbare Raumabtrennungen, die aber trotzdem einen komfortablen Schallschutz bieten.
Opake Ergänzungen
In ihrer architektonischen Wirkung erzeugen optisch „verschwundene“ Wände eine beeindruckende Großzügigkeit und Offenheit, die sich meist positiv auf die Gesamterscheinung der Büroetage und ihrer Belichtung bis in die Tiefe des Raums auswirkt. Zugleich büßen aber die Wände auch einen Teil ihrer abschirmenden, auf Zurückgezogenheit und Intimität zielenden Funktion ein. Es kann deshalb an ausgewählten Stellen und Bereichen sinnvoll sein, das Prinzip der maximalen Transparenz ganz bewusst zu durchbrechen.
Eine Möglichkeit dabei ist der Verzicht auf Glas in dann voll geschlossenen Türen oder die Verwendung opaker Füllungen in den Trennwänden, für die in der Regel Elemente aus Schichtstoffen oder Holz, jeweils mit Furnieroberfläche, innerhalb des Systems zur Verfügung stehen. Auch Schrankeinbauten, Wandabsorber zur Verbesserung der Raumakustik oder Installationswände gehören zu diesen nicht transparenten Lösungen.
Ihr Problem: Sie kennen nur ein Alles oder Nichts, eine volle Transparenz oder eben gar keine. Spannender im Sinne der Lichtinszenierung können hingegen teiltransparente oder transluzente Gestaltungen im Glas selbst sein. Die Verglasung lässt in diesen Fällen immer noch Licht bis in die Tiefe der Etage, zugleich wird die Einsehbarkeit einzelner Räume reduziert, eine bestimmte Wegeführung in den inneren Gängen betont oder aber ganz profan die Gefahr von Unfällen herabgesetzt, denn die Sichtbarkeit von Ganz-Glas-Wänden kann im Extremfall durchaus soweit herabgesetzt sein, dass ein Dagegen-Laufen möglich wird.
Transluzenz und Teiltransparenz
Klassische Techniken für transluzente Verglasungen sind Satinieren, chemisches Ätzen oder auch Lackieren. Es entstehen matte Glasoberflächen, die Licht hindurchlassen, aber keinen klaren Durchblick ermöglichen. Je nach Verfahren können die leicht rauen Oberflächen sogar ein haptisches Erlebnis vermitteln.
Einen zumindest optisch ähnlichen Effekt erzeugen mit Folien beklebte Verglasungen. Mit Glasdekorfolien lassen sich relativ einfach regelmäßige ornamentale Muster, etwa in Punkt- oder Linienform, auf den Scheiben realisieren. Auch geschlossen transluzente Flächen sind möglich, die dann beispielsweise Teilflächen in Kopfhöhe blickdicht schließen können, während die Bereiche darüber und darunter für eine optimale Belichtung klar bleiben. Solche Lösungen verbessern nicht nur die Abgeschlossenheit in den Büros, sondern erlauben auch optisch betonte Wegeführungen auf den Fluren.
Besonders interessant sind mit Folien beklebte Gläser geworden, seit der digitale Druck ihre sehr wirtschaftliche, aber individuelle Gestaltung erlaubt. Anders als bei den bisherigen siebbedruckten Gläsern müssen hier keine größeren Serien mit immer dem gleichen Motiv hergestellt werden, stattdessen lassen sich auch Einzelanfertigungen zu vertretbaren Kosten darstellen. Dem Planer eröffnen sich dadurch völlig neue Möglichkeiten, weil klare, transluzente und opake Teilflächen in Abhängigkeit vom Motiv frei auf einer Scheibe gemischt werden können. Dabei entstehen farbige, in jeder Hinsicht einmalige und unverwechselbare Glasgestaltungen, bei denen allerdings das Urheberrecht zu beachten ist: Auch der Druck auf eine Scheibe ist eine Veröffentlichung, für die man das Einverständnis des Bildkünstlers benötigt.
Bei aller Freiheit der Gestaltungsmöglichkeiten und der Vielfalt der möglichen Motive haben oberflächenbehandelte oder folierte Gläser jedoch den Nachteil, dass sie die einmal gewählte Lösung unveränderlich fixieren. Die Büronutzer können nicht situationsbedingt reagieren und das Verhältnis zwischen Offenheit und Abschirmung nach den gerade herrschenden Arbeitsbedingungen bestimmen.
Dies ermöglichen hingegen klassische Jalousien oder Rollos, wobei – wie an der Fassade – die Jalousien auch im Scheibenzwischenraum von zweifach verglasten Trennwänden angeordnet werden können.
Diese Lösung hat den zusätzlichen Charme, dass der Architekt sehr elegante und absolut transparente Glastrennwände planen kann, die die Großzügigkeit der Räume unterstreichen, gleichzeitig aber die Nutzer im Alltag das individuell gewünschte Verhältnis von Privatheit und Offenheit, von Ungestörtheit und Kommunikation herstellen können. In Kombination zum Beispiel mit offenen Besprechungsbereichen oder Teeküchen für die zufällige Kommunikation dürfte dies die größtmögliche Versöhnung des Widerspruchs zwischen Zellen- und Großraumbüro darstellen.


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