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Die umsetzbare Trennwand

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Die umsetzbare Trennwand

Die Raumstrukturen zeitgemäßer Büros müssen auf vielfältigen Wandel in der Arbeitswelt reagieren können. Wechselnde Mieter, sich verändernde Anforderungen an Team- und Einzelarbeit sowie immer wieder neue Trends in der Büroorganisation erfordern flexible Raumstrukturen, wie sie beispielsweise mit der umsetzbaren Trennwand erreicht werden können.

Markus Hoeft

Mit einem Begriff wie „funktionale Konstanz“ hätte der Baumeister des Kolosseums in Rom vermutlich wenig anfangen können, aber er hat ein beeindruckendes Beispiel eben dieser Konstanz geschaffen: Das Gebäude diente rund 400 Jahre ohne grundsätzliche Umbauten dem ursprünglichen Zweck. Selbst heute, wo kein Bedarf an Unterhaltung durch Gladiatorenkämpfe mehr besteht, könnte man die Ruine aus rein technischer Sicht für zeitgemäße Vorführungen wie Konzerte oder Fernsehshows nutzen.
Dies ist natürlich nur ein Gedankenspiel, aber es zeigt deutlich, wie radikal sich die Anforderungen an funktionale Konstanz heute gewandelt haben. Denn bei modernen Büro- und Verwaltungsgebäuden kommt es statt der Unveränderlichkeit vielmehr auf Flexibilität und Variabilität an. Der Bauherr weiß zunächst noch nicht unbedingt, welche Mieter er für seine Investition gewinnen kann und demzufolge auch nicht, welche Bedürfnisse sie hinsichtlich der Raumstrukturen, der Haustechnik und der datentechnischen Ausrüstung haben werden.
Und selbst wenn Institutionen oder Unternehmen als Nutzer feststehen, können diese kaum genau voraussagen, welche Raumzuschnitte und –anordnungen sie in künftigen Zeiten benötigen werden. Denn die Organisationsformen der Arbeitswelten unterliegen einer kaum im Detail prognostizierbaren Dynamik. Die Abkehr vom hierarchischen Bauen und vom Großraumbüro sowie der Trend zur offenen Büroorganisation und zur Gruppenarbeit in wechselnder Zusammensetzung sind Stichworte zu diesen Entwicklungen.
Jederzeit um- und rückbaubar
Dauerhaftigkeit in dem Sinne, dass sich die Immobilie dauerhaft nutzen lässt, entsteht unter diesen Bedingungen nicht wie beim Kolosseum durch starre, sozusagen für die Ewigkeit gemauerte oder heutzutage auch betonierte Wandkorsette, sondern durch leichte und leicht veränderbare Raumstrukturen, die zum Beispiel mit umsetzbaren Trennwänden ausgebildet werden können.
Im Unterschied zu den für Tagungs- und Veranstaltungsräumen genutzten verschiebbaren Falt- oder Klappwänden sind umsetzbare Trennwände im Grundsatz ortsfest, lassen sich jedoch ohne großen Aufwand demontieren oder versetzen. Der schnelle und weitgehend staubfreie Auf- und Abbau ermöglichen Büroumgestaltungen ohne größere Arbeitsunterbrechungen, z. B. über ein Wochenende hinweg, oder im Extremfall sogar bei laufendem Betrieb. Da es sich um leichte Einbauten handelt, die nicht Teil der Gebäudestatik sind, können die Wände praktisch an jeder erforderlichen Stelle im Grundriss aufgebaut werden und ebenso beliebig auch entfernt bzw. an anderer Stelle wiederverwendet werden. Und dies, ohne größere Spuren oder Beschädigungen an der Bausubstanz zu hinterlassen, so dass auch Büromieter ohne Konflikte mit dem Vermieter ihre Räume mit umsetzbaren Trennwänden strukturieren können.
Systeme und Ergänzungen
Umsetzbare Trennwände werden als Bausysteme mit sehr variablen, aufeinander abgestimmten Komponenten angeboten. Das Grundgerüst bilden Skelett- oder Rahmenkonstruktionen aus Aluminium oder Stahl mit nicht sichtbaren Befestigungen. Die Felder dieses Grundgerüstes können mit verschiedenen Materialien gefüllt werden, etwa mit Glas, Melaminharzplatten oder Holz. Dadurch lassen sich je nach angestrebter Büroorganisation transparente, durchscheinende oder vollständig sichtdichte Wände ausführen. Die Füllungen sind in den meisten Systemen austauschbar und miteinander kombinierbar, so dass je nach Bedarf offene und geschlossene Wandabschnitte ausgebildet werden können.
Die meisten Bausysteme für umsetzbare Trennwände sind für den raumhohen Aufbau vom Fußboden bis zur Decke konzipiert. Daneben gibt es aber auch freitragende Raum-in-Raum-Lösungen, die als separater Kubus mit eigener Decke in das Geschoss gestellt werden können. Die Lösung bietet eine hohe Flexibilität und eignet sich speziell dann, wenn Installationen oder Beleuchtungen unter der Massivdecke eine raumhohe Ausführung der Trennwände erschweren. Je nach gewählter Systemlösung stehen weitere Ergänzungs- und Zubehörelemente zur Verfügung. Zum Beispiel Drehtüren, teils in normaler Durchgangshöhe, teils in raumhoher Ausführung. In vielen Fällen lassen sich außerdem Schiebetüren oder verschiebbare Wandelemente integrieren, was die Nutzungsflexibilität noch einmal verbessert, aber in der Regel auch die Investitionskosten erhöht.
Bei allen Vorteilen, die umsetzbare Trennwand-Systeme bieten, müssen auch ihre Grenzen beachtet werden. Im Unterschied zur massiven Trennwand oder Trockenbau-Ständerwänden kann der Nutzer nicht eben mal auf konventionelle Weise ein Kabel nachträglich in der Wand verlegen oder ein Regal anschrauben. Die Installationen für die Elektro- und Datenverkabelung müssen also entweder komplett über Decken und Fußböden organisiert werden. Oder es wird ein System mit intelligenter, möglichst auch nachträglich zu erweiternder Installationslösung in den Wandprofilen gewählt. Auch für wandhängende Lasten wie Regale, Garderoben, Pinnwände o. Ä. bieten einige Systeme werkzeugfrei zu nutzende Befestigungsmöglichkeiten.
Schallschutz und Akustik
Trotz aller Offenheit, die heute in der Büroorganisation bevorzugt wird, muss die umsetzbare Trennwand eine gute akustische Trennung der einzelnen Räume gewährleisten. Dehnbare Druckdichtungen an Ober- und Unterseite sowie Gummidichtungen an den Seiten ermöglichen in Abhängigkeit vom Material der Flächenelemente und der Wanddicke Schallschutzmaße von 37 bis über 50 dB.
Neben der Wand selbst ist auch die Schallübertragung auf den sogenannten Nebenwegen beispielsweise über den Fußboden oder eine abgehängte Decke durch den Planer zu beachten. Eine weitere Schwachstelle kann der Anschluss der Querwände an die Außenwand sein, speziell wenn bei Fassaden mit durchlaufenden Fensterbändern hier eine Verjüngung der Wand auf das Maß schlanker Fensterprofile erforderlich ist. Einige Hersteller bieten für diese Situationen schallschutztechnisch optimierte Anschlüsse mit Fassadenschwertern an. Zur akustischen Qualität von Büroräumen gehört neben dem Schallschutz gegen angrenzende Räume auch die gute Hörbarkeit von Sprache innerhalb des Raums.
Gerade Trennwände aus schallharten Materialien wie Glas können Geräusche aus dem eigenen Raum reflektieren und damit verzerren. In Abhängigkeit von der Boden- und Deckenausbildung sowie der Möblierung sollte in solchen Umgebungen die Integration von schallabsorbierenden Materialien in die Trennwand geprüft werden.
Die „verschwundene“ Wand
Ihre optische Raumwirkung erhalten umsetzbare Trennwände vor allem durch das Material und die Farbgestaltung der Rahmen- bzw. Trägerelemente einerseits und der Flächenfüllung andererseits. Bei Glastrennwänden bestimmen außerdem die Ansichtsbreite der Träger und die Position der Verglasung das Bild mit. Drei grundsätzliche Bauweisen für Glas-Trennwände lassen sich unterscheiden: wandmittige Verglasung, flächenbündige Verglasung oder stützenfreie Ganz-Glas-Wand. In der einfachsten Ausführung befindet sich die Einscheiben- oder bei höheren Schallschutzanforderungen auch eine Isolierverglasung mittig in einem Rahmen, wodurch der Eindruck von überdimensionalen Fenstern entsteht und die Wand eine eindeutige Rhythmik erhält.
Optisch zurückhaltender präsentieren sich frontbündig verglaste Wände, bei denen die Gläser außen auf den Profilen sitzen und die Wand dadurch eine völlig glatte Oberfläche ausbildet. Die Bauweise entspricht in etwa dem, was im Fassadenbau als Structural Glazing bezeichnet wird. Neben der Eleganz bieten frontbündig verglaste Systeme oft einen besonders guten Schallschutz. Sowohl mittige als auch bündige Verglasungen können durch schmale Ansichtsbreiten der Profile optisch reduziert werden. Noch einen Schritt weiter gehen die Ganz-Glas-Wände, die ohne senkrechte Tragprofile auskommen. Unauffällig verfugte bzw. verklebte Glasstöße und die wahlweise Ausführung mit einfacher oder doppelter Verglasung ermöglichen nahezu unsichtbare Raumabtrennungen, die aber trotzdem einen komfortablen Schallschutz bieten.
In ihrer architektonischen Wirkung erzeugen derartige optisch „verschwundene“ Wände eine beeindruckende Großzügigkeit und Offenheit – büßen damit aber gleichzeitig auch ihre abschirmende, auf Zurückgezogenheit und Intimität zielende Funktion ein. Im Einzelfall kann es deshalb sinnvoll sein, die Trennwand mit hohem Glasanteil mit Jalousien zu kombinieren, die der Büronutzer bei Bedarf herablassen kann. Alternativ lässt sich mit modernen Techniken der Glasgestaltung, z. B. Ätzungen, der transparente Anteil der Verglasung reduzieren.
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