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Weiße Welle am Ufer

Neubau eines Wohnhauses in Vejle in Dänemark
Weiße Welle am Ufer

Beim Neubau dieses bemerkenswerten Wohnhauses im dänischen Vejle ließen sich die Architekten vom nahen Wasser inspirieren und schufen eine imposante weiße Welle; umhüllt von Glas und weißen Ziegelplatten. Aufgrund der nicht alltäglichen Formgebung gab es besondere Anforderungen an die Ziegel und an die Unterkonstruktion.

Sven-Erik Tornow/jo

Im Jahre 2004 starteten die Stadtväter von Vejle ein ehrgeiziges Projekt: Die Bebauung der Uferlinie des Fjords. Am ausgeschriebenen Architekturwettbewerb beteiligten sich namhafte Büros. Den Stadtvätern ging es nicht nur um die Errichtung eines neuen Bauwerks, sondern um die Neugestaltung des gesamten Hafengebietes. Ein erster Schritt war die Wohnbebauung unmittelbar am Wasserrand mit Blick auf den Fjord und auf die von Bergen umschlossene Stadt.
Skulptur als Baukörper
Außergewöhnliche Entwürfe wurden vorgelegt. Als Sieger ging das Architekturbüro Henning Larsen Architects, Kopenhagen, aus dem Wettbewerb hervor.
Basis des Siegerentwurfes war eine organische und zugleich skulpturale Form: Eine Welle. Vor allem die im direkten Umfeld vorgefundenen natürlichen Gegebenheiten inspirierten die Architekten zu dieser außergewöhnlichen Gebäudeform. So soll mit dem Bauwerk zugleich ein neuer Markstein am Ufer des Fjordes gesetzt werden. Die Wellen nehmen das Thema Wasser auf und wandeln es in markante Architektur um. Gerade die skulpturelle Anmutung bietet im Gegensatz zu geschlossenen Baukörpern einen ganz besonderen Blickwinkel sowohl für Bewohner wie für Betrachter. Die gewollte Transparenz ermöglicht nicht nur weitreichende Ausblicke, sondern auch Durchblicke. Mit dieser besonderen Offenheit gewinnt das Gebäude seine skizzenhafte Linienführung, die sich harmonisch in die gesamte Ufersituation einfügt.
Tragender Stahlbau
Konstruktiv setzte man den ausdruckstarken Entwurf mit einer Stahlkonstruktion um. Sie bildet sowohl das formgebende Tragwerk der „Wellenfassaden“, als auch die Tragkonstruktion für die Wand- und Deckenelemente. Zur Sicherung des Bauwerks und aufgrund der ufernahen Lage erfolgte eine Pfahlgründung mit weit mehr als 60 m Tiefe. Im Bauablauf erstellte man zunächst geschossweise die Stahlkonstruktion. In diese wurden dann Decken und Wände als Betonfertigelemente eingefügt.
Als hüllende Elemente auf den Stahlträgern der „Wellenfassaden“ kamen werkseitig vorgefertigte Holzelemente zum Einsatz. Sie bieten neben der beidseitigen Beplankung aus Holz auch die entsprechende Wärmedämmung für die Außenwand. Neben den flächigen Kassetten kamen auch solche zur Verwendung, die später die Fenster aufnehmen konnten. Unmittelbar nach der Montage der Kassetten wurden diese gegen Witterungseinflüsse abgedichtet. So entstand die formgebende äußere Hülle der „Welle“.
Weiße Fassadenziegel
Während auf der Vor- und Rückseite des Gebäudes Glas das vorherrschende Material ist, entschied sich der Architekt bei der Wahl der Dach- und Fassadenbekleidung für die geschwungenen Außenwände für das keramische Element Tonality® von Creaton.
Als Fassadenziegel besitzt Tonality aufgrund seines speziellen Herstellungsprozesses eine besonders hohe Festigkeit bei geringem Gewicht. Hochwertiger Ton aus dem Westerwald wird fein aufbereitet und anschließend bei Temperaturen über 1 250°C gebrannt. Das Ergebnis sind widerstandsfähige, frostbeständige Tonziegel in natürlichen Farbtönen. Bei der Ausführung „Tonality Classic Oberflächenveredelt“ wird zusätzlich mit einer speziellen, matten Oberflächenveredelung ein dauerhaft wirksamer Schutz gegen Graffiti erzielt. Zugleich reduziert sie die Verschmutzung, Bemoosung und Veralgung der Ziegeloberfläche und ist gegen Säuren und Laugen beständig.
Intelligenter Unterbau
Zwei verschiedene Basis-Unterkonstruktionssysteme für vorgehängte hinterlüftete Fassaden ermöglichen die einfache Montage: Das Basisagraffensystem (BAS) und das Adaptivsystem (ADS). Bei beiden Systemen werden die Fassadenziegel einfach eingehängt. Das Adaptivsystem erlaubt Gestaltungen mit offener, farbiger oder geschlossener Fuge. Einzelne Ziegel können bei Bedarf schnell und ohne großen Aufwand ausgewechselt werden. Eine integrierte Demontagesicherung schützt gleichwohl vor Diebstahl und Vandalismus. Eine dritte Variante der Unterkonstruktion, T-Line, ermöglicht auch die Verlegung im Halbverband. Sie basiert auf dem Adaptivsystem und bietet durch zwei aufeinander abgestimmte Vertikalprofile und Fugenprofile – jeweils Typ A und Typ B – eine Verlegung im Halbverband.
Aufgrund der besonderen Formgebung der Fassade wurden hier zusätzliche Anforderungen an den Fassadenziegel und seine Unterkonstruktion gestellt. Grundsätzlich musste die Verlegung im verband erfolgen, was eine erweiterte Unterkonstruktion erforderlich machte. Darüber hinaus hatte der Architekt eine klare Vorstellung zum Fugenbild der Fassadenbekleidung. Denn statt der sonst üblichen Verlegung mit einer Fuge von 8 mm war es ausdrücklicher Wunsch, dass zwischen den einzelnen Ziegeln nur eine Fuge von 2 mm sichtbar sein sollte. Eine farbliche Akzentuierung der Fugen – in vielen Fällen zur Strukturierung der Fassadenfläche eingesetzt – war ebenfalls nicht erwünscht. Vielmehr musste der Fugenbereich der Fassadenziegel entsprechend der Oberflächenfarbe ebenfalls in reinweiß hergestellt werden. Am Ende entstand dadurch ein harmonisches, nur durch die Ziegelformate unterbrochenes, Fassadenbild.
Die sicherlich größte Herausforderung bestand in der Ausbildung der „Wellenberge und –täler“. Denn die hier vorhandenen Krümmungen und Biegungen ließen sich nicht durch Standard-Ziegel umsetzen.
Verlegung im Halbverband
Zur Aufnahme der Unterkonstruktion wurden zunächst parallel zur unteren Fassadenkante seewasserbeständige Aluminium-Profile, in 30 x 80 mm Größe, auf die abgedichteten Kassetten montiert. Um zu verhindern, dass sich herabfließendes Wasser oberhalb der Profile staut, setzten die Fachhandwerker hier pfeilförmige Silikonraupen. Dadurch wird der größte Teil des herunter fließenden Wassers zwischen die Profile geleitet. Auf die Alu-Profile wurden abwechselnd die Vertikalprofile Typ A und Typ B des T-Line Systems montiert, jeweils ergänzt durch die Feinfuge von 2 mm Breite und weißer Farbbeschichtung. In diese Unterkonstruktion konnten anschließend die Fassadenziegel im Halbverband eingesetzt werden.
In den stark gekrümmten und gebogenen Bereichen kamen speziell zugeschnittene Sonderformatziegel zum Einsatz. Sie wurden nach der Verlegung der „Standardflächen“ vor Ort aufgemessen und auf Maß produziert.
Materialhomogener Übergang
An den Stirnseiten der Wellenfassade ordnete der Planer zunächst witterungsbeständige Faserzementplatten auf den Stahlträgern an. Diese nehmen natürlich den gesamten Verlauf der Fassade auf. Randabschlussprofile aus den Fassadenflächen sowie den unterseitigen Verkleidungen der Auskragungen rahmen die Faserzementplatten ein. Zusätzlich fixierte man farblich angepasste Bleche auf den Faserzementplatten, die den Fugenbereich zwischen den einzelnen Fassadenziegeln abdecken. Mit einem speziellen, langsam abbinden Kleber fixierten die Handwerker anschließend die einzelnen Keramikplatten auf den Stirnflächen. Aufgrund der längeren Abbindezeit waren während der Verlegung noch Lagekorrekturen möglich. Gleichzeitig nutzen die Handwerker doppelseitig klebende PU-Bänder zur Fixierung der Platten während der Abbindephase des eigentlichen Klebers.
Entwässerung
Insbesondere auf den Wellenbergen und in den Wellentälern ist mit einem erhöhten Anfall von Niederschlagswasser zu rechnen. Also wurde natürlich am tiefsten Punkt des Wellentals eine Entwässerungsrinne angeordnet, die das durch die Fassadenbekleidung eingedrungene und abgelaufene Wasser aufnimmt. Die Rinne deckte man mit einem begehbaren Rost ab. Auch im Bereich der Wellenberge ordnete man auf beiden Seiten der Welle „unsichtbare“ Entwässerungen an. Kastenrinnen, die horizontal zwischen Fassadenziegeln und Kassetten montiert wurden, nehmen das Niederschlagswasser auf, das nachfolgend und über Fallrohre nach untern abgeführt wird. Außerdem verlegte man Fassadenziegel mit Langlochschlitzen unmittelbar oberhalb der Kastenrinnen. Ein rostfreies Stahlprofil führt den durch die Langlochschlitze eindringenden Niederschlag wie ein Tropfblech direkt in die Rinne.
Natürliche Ufermarkierung
Mit den einerseits großformatigen (300 mm x 1 200 mm) Tonality Fassadenziegeln und der andererseits „harmonisierten“ Halbverband-Verlegung entstand eine außergewöhnliche Fassade. Dank des besonderen Materials in Verbindung mit einer intelligenten Unterkonstruktion ist es gelungen, die dynamische Wellenform bis in die Fassadenbekleidung zu übertragen. Gerade die weiße Materialität der Fassadenziegel korrespondiert mit der gewollten Leichtigkeit eines skulpturalen Bauwerks. Trotz einer Höhe von rund 38 m wirkt „Die Welle“ nicht als monolithischer Solitär, sondern vielmehr als „natürliche“ Ufermarkierung. Ihr Stand-Ort vermittelt eine ästhetische Beschaulichkeit, ihre Form die immerwährende Bewegung, nicht hektisch, sondern mit einer der Natur entliehenen Geschmeidigkeit.
Architekt Jesper Hoiberg von Henning Larsen Architects: „Wie eine Wolke, die vom Himmel heruntergezogen wurde – eine weiße, weiche Form.“
Architekt: Henning Larsen Architects a/s, Kopenhagen
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