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Vom Wind beeinflusst

Neubau eines Wohnhochhauses in Hamburg
Vom Wind beeinflusst

Hamburg und seine Hafencity, das ist eine interessante Geschichte zwischen Städtebau und Investoreninteressen. Doch neben Bauten, die dem reinen Kostendruck folgen, und denen, die als zukünftige Prestige-Objekte gedacht sind, gibt es auch solche, bei denen ebenso Wert auf eine hochwertige Gestaltung wie auf Funktionalität gelegt wurde. Eines davon ist das Oval am Kaiserkai aus der Feder von Christoph Ingenhoven.

Marc Nagel

Direkt am Sandtorhafen liegt das Kaiserkai in Hamburg und zählt den Hafen, die berühmte Speicherstadt und die Hamburger Innenstadt zu seinen Nachbarn. Dort also, wo schon seit Jahren eines der interessantesten Städtebauprojekte der Bundesrepublik ein ganzes Gebiet verwandelt, wo einst Ladungen gelöscht und Waren umgeschlagen wurden, wohnen und arbeiten immer mehr Menschen und genießen die Vorzüge vom Leben am Wasser.
Ein weiterer Baustein dieser Entwicklung in der Hafencity ist das Oval am Kaiserkai, ein elfgeschossiges Wohnhaus in exponierter Lage. Zusammen mit dem sechsgeschossigen Bürogebäude, das direkt an das Oval grenzt, bildet es einen Fixpunkt in der Silhouette des Gebiets und eine neue Adresse mit Ausblick. Eine Lage, die ihren Reiz auch aus den möglichen Blickbeziehungen zum Hafen mit seinen Containerschiffen, zur Speicherstadt mit ihrer historischen Bausubstanz und zur Innenstadt bezieht.
Von der Lage beeinflusst
Doch nicht nur die Ausblicke und eine Höhe von elf Vollgeschossen machen das Gebäude zu einem besonderen Punkt. Auch seine Form sticht aus den sonst meist nach dem Motto „quadratisch, praktisch, gut“ gestalteten Nachbarn heraus. Wer darin allerdings eine reine gestalterische Spielerei der Planer von Ingenhoven Architekten vermutet, der liegt falsch.
Denn aufgrund der Lage sah man es als logische Schritt an, den in diesem Bereich häufig aufkommenden starken Winden keinen Klotz in den Weg zu stellen, sondern die Form des Gebäudes von der Stromlinie des Windes beeinflussen zu lassen. Dies kommt vor allem der deutlich verringerten Sogwirkung zu Gute, die ansonsten bei einem rechteckigen Gebäude auftreten würde. So entstand ein ovaler Grundriss, der dem Bau auch seinen Namen gibt.
Um die möglichst beste Form zu finden, arbeiteten die Architekten aus Düsseldorf und des IFI Institut für Industrieaerodynamik GmbH zusammen und schafften es so, den richtigen Kompromiss aus aerodynamischen Eigenschaften und hohem Wohnwert zu finden. Denn schließlich zeichnet sich gutes Design nicht nur durch die Form, sondern auch durch die Nutzbarkeit aus. So achteten die Planer im Falle des Ovals am Kaiserkai nicht nur darauf, dass der stramme Hamburger Wind wenig Angriffsfläche hat, sondern sie sorgten auch dafür, dass alle Wohnungen eine gute und schöne Aussicht haben, genügend Sonnenlicht erhalten und trotzdem praktisch zu bewohnen sind. Ein Gedanke, der wohl selbst einen Hans Scharoun oder einen Hugo Häring überzeugt hätte.
Damit auch Freisitze geschaffen werden konnten, ließen sich die Architekten zusätzlich etwas einfallen. Statt einfach Balkone an die Fassade außen anzuhängen, was den Sinn der aerodynamisch optimierten Formgebung wett gemacht hätte, verliehen sie der westlichen Fassade einen wellenartigen Schwung, der an seinen Rücksprüngen jeweils Platz für freie Bereiche schafft. So kann der ovale Grundriss aufrecht erhalten werden, ohne dass man auf Balkone und damit auf zusätzlichen Lebenswert verzichten muss. Konstruktiv wurden diese Balkone über einen Iso Korb von Schöck mit der Bodenplatte der jeweiligen Geschossdecke verbunden und in einem zweiten Arbeitsgang gegossen.
Fassade als Schaufenster
Beim Oval am Kaiserkai wurde dabei nicht nur Wert auf Formales und Konstruktives gelegt, man bemühte sich auch, das Funktionale zu erfüllen. Diese Kombination sieht man unter anderem bei den zur Aussichtsseite hin voll verglasten Fassadenbereichen. Sie ermöglichen es den Bewohnern auch im Inneren der Wohnungen die Ausblicke auf die Umgebung zu genießen. Die dabei zum Einsatz gekommenen Verglasungen der Typs Hero Top und Hero Sun GT 1.1 mit einem U-Wert von 1,1 W/m2K stammen von Hero Glas und wurden in Schüco-Fassadenprofile, System FW 50+ eingepasst. Auch die Öffnungsflügel sind dem System FW 50+ entnommen. Komplettiert wird die Fassade von den Bereichen, in denen sich die Erschließung sowie die Funktions-, Nutz- und Nebenräume der Wohnungen befinden. Sie sind im Wechsel von offenen und geschlossenen Elementen ausgeführt. Die geschwungene und ovale Außenhaut des Gebäudes ist dabei nicht mit gebogenen Scheiben und Profilen versehen, sondern weist einzelne, gerade Elemente auf. Dies ist mit Sicherheit dem Umstand geschuldet, dass Kosten zu reduzieren waren und durch die polygonale Zerlegung der Radien bei sinkenden Kosten trotzdem die Anmutung einer Rundung zu gewährleisten war.
Die bereits erwähnten geschlossenen Fassadenbereiche an den Nutz- und Funktionsräumen wurden als Kaltfassade auf einer Stahlbetonwand konstruiert und mit einer mineralischen Dämmschicht versehen. Die Deckplatten bestehen aus VSG-Lochgläsern der Typen GT 5.1 und GT 6.1 von Hero. Diese Fassade bietet somit nicht nur Sichtschutz, sondern ist zudem für den von der Ostseite des Gebäudes her zu erwarteten Schall stärker abgeschirmt.
Grundrisse flexibel gestalten
Das gesamte Gebäude ist so konzipiert, dass es als Dreispänner organisiert werden kann und somit drei Wohnungen pro Stockwerk und Erschließung zugänglich sind.
Die Grundrisse sind im Regelfall dabei so geplant, dass sich alle Wohnungen auch zu größeren Einheiten zusammenschalten lassen. Dies erhöht die individuelle Gestaltungsfreiheit der jeweiligen Bewohner erheblich und trägt dazu bei, dass die ohnehin exklusiven Wohnungen zusätzlich an Reiz gewinnen können. Im maximal denkbaren Fall wäre es somit möglich, aus den drei Wohnungen eine Wohnung zu machen und somit eine sehr exklusive Situation zu schaffen.
Vom Aufbau sind die Grundrisse des Ovals am Kaiserkai so gestaltet, dass jede der drei Wohnungen über einen Freisitz verfügt, der sich jeweils an der vollverglasten Seite des Gebäudes befindet. Da diese im Westen liegt und sehr offen gestaltet wurde, ist der Blick in Richtung Hafen, zu den Landungsbrücken und in die historische Innenstadt frei. Insgesamt verfügt das Oval am Kaiserkai über eine Brutto-Geschossfläche von 5 455 m2, größtenteils verteilt auf die 28 Wohneinheiten. Die Wohnungen variieren dabei zwischen Größen von 57 m2 und 123 m2. Einzige Ausnahme bei der Geschossaufteilung in drei Wohnungen bilden das neunte und das zehnte Geschoss, das jeweils als Penthouse ausgebildet ist und somit bereits ein Wohnen über die gesamte Etage möglich macht. Erschlossen werden die Wohnungen über einen Erschließungskern, der sich auf der Ostseite des Gebäudes befindet und aus einer Treppenanlage sowie zwei Aufzügen gebildet wird.
Exklusive Adresse
Mit der ungewöhnlichen Form, der prominenten Position im Stadtbild und der Nähe zu solch Prestige trächtigen Bauten wie der zukünftigen Elbphilharmonie bildet das Oval am Kaiserkai eine exklusive Adresse in der Hafencity Hamburg. Damit ist es Ingenoven Architects und dem Generalunternehmer gelungen, in einem städtebaulich und architektonisch ohnehin umkämpften Gebiet ein Zeichen zu setzen und all jenen eine Option zu bieten, die das exklusive Wohnen am Wasser, die zentrale Lage, ausreichend Platz und gelungene Architektur miteinander verbinden wollen. Zusammen mit den historischen Ensembles der Speicherstadt, den Bauten der Hafenkrone, wie etwa Chipperfields Hotel, und den architektonischen Leuchttürmen wie der Elbphilharmonie von Herzog & de Meuron bilden solche Bauten wie das Oval am Kaiserkai eine beeindruckende Kulisse entlang der Elbe und der vielen Hafenbuchten.
Bleibt nur zu wünschen, dass diese Art Architektur sich durchsetzt und die Chance einer nachhaltigen städtebaulichen Entwicklung in der Hafencity nicht verpasst wird.
Christoph Ingenhoven: „Lebens(t)räume am Strom – das ist das Grundmotiv dieses Wohnprojektes. Fasziniert von der Lage am Wasser und dem Blick auf die Stadt, sollte ein auf schlanke Stützen gestellter Baukörper zwischen diesen beiden Extremen vermitteln.“
Architekten: Ingenhoven Architects, Düsseldorf
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