Schiefer

Variationen vom Quadrat

Dipl.-Ing. Gerard Halama

Traditionell und bewährt, aber ebenso innovativ wie herausfordernd präsentiert sich heute Schiefer als ein reizvolles Fassadenmaterial. Neue Deckarten erlauben überraschende Fassadengestaltungen.
Neue Gestaltungsmöglichkeiten
Stahl, Glas, Beton, Keramik, Granit, Schiefer: In der Aufzählung der klassischen Gestaltungselemente moderner Architektur ist der Naturstein Schiefer eher ein Neuling. Die Veränderungen in diesem Sektor sind so gravierend, dass es sich lohnt, einen Blick auf dieses Material zu werfen. Insbesondere die rationellen rechteckigen Steinformate sind die Basis für vielerlei interessante Fassadengestaltungen.
Welche Fassadengestaltungen aus diesem Naturstein entstehen, hängt maßgeblich von den Beteiligten ab. In Deutschland sind es vor allem die traditionellen „Deutschen“ Deckarten, die das Bild des Schiefers an der Wand prägen. Die klassische Altdeutsche Deckung, die Schuppen-Deckung oder die neue Universal-Deckung basieren auf runden sichtbaren Steinformen. Doch die hier zu Lande über Jahrhunderte prägende Schiefertradition darf den Blick auf neue Deckarten mit völlig neuen Gestaltungsmöglichkeiten und Einsatzbereichen nicht versperren.
Impulse aus Nachbarländern
Bezeichnend für die Situation der Schieferfassade ist, dass die Impulse für eine neuartige, moderne Fassadengestaltung vorwiegend aus den Ländern kommen, in denen die Deutschen Deckarten nur eine untergeordnete Rolle spielen und in denen im Gegenzug die Rechteck-Deckungen dominant sind.
Das sind vor allem die innovativen Niederländer und die auf ökologisch sinnvolle und qualitativ hochwertige Fassaden eingestellten Schweizer. Die Nachfragen und Impulse aus diesen Ländern wurden von Rathscheck Schiefer, einem der führenden Anbieter der Welt, aufgenommen und ausgebaut.
Dabei entstanden in den zurückliegenden Jahren sehenswerte neue Deckarten. Sie eignen sich durch ihre Vielfalt an Gestaltungen und die verschieden große Steinformate gleichermaßen für kleine wie große Fassaden. Die stark verbesserten Abbaumethoden des Natursteines wirken sich zusätzlich günstig auf den Materialpreis aus, so dass Schieferfassaden heute sogar als recht günstig gelten. Solide Funktion von hinterlüfteten Fassaden, eine einfache Verarbeitungstechnik und im Fall von Vandalismus schnelle Reparatur sind weitere Vorteile von Schieferfassaden.
Für alle vorgestellten Schiefer-Deckarten gilt, dass die Optik der Fassaden ganz entscheidend von der Wahl der Steinformate, deren Ausrichtung und Überdeckung abhängt.
Die gleiche Deckart kann durch entsprechende Veränderungen grundverschieden aussehen. Hier erwächst dem kreativen Architekten ein interessantes Betätigungsfeld.
Rechteck-Doppeldeckung
Die Rechteck-Doppeldeckung, auch Englische Deckung genannt, galt bei uns lange Zeit als die einzige „moderne“ geradlinige Deckart für Dach und Wand.
Die Schieferdeckung im halben Verband kann bei der Wahl entsprechender Steine wie ein Mauerwerksverband, also eher flach, gestreckt und länglich aussehen. Werden für die Deckung hohe Steine eingesetzt, können auch quadratische Ansichtsflächen im halben Verband entstehen.
Bereits bei dieser klassischen Deckart zeigt sich, dass ein und die gleiche Verlegeart, je nach Steinformat und Ausrichtung (Hoch- oder Querformat) grundverschiedene Gestaltungen zulässt.
Gezogene Rechteck-Deckung
Die gezogene Rechteck-Deckung basiert auf der klassischen Rechteck-Doppeldeckung.
Die Schiefer werden bei dieser Deckart in der Waagerechten so weit auseinander gezogen wie möglich. Die Regeln fordern an der Fassade eine Mindesthöhen- und Seitenüberdeckung von 4 cm. Die auseinander gezogene Deckung gilt als überaus sparsam im Materialverbrauch und damit preiswert; ideal geeignet für große Fassadenflächen.
Waagerechte Deckung
Die Waagerechte Deckung gilt als die preiswerteste Deckart überhaupt. Sie ist vor allem durch eine leicht diagonal verlaufende Linie der Stoßfugen gekennzeichnet. Dieser diagonale Verlauf hat seinen Ursprung in der mindest erforderlichen Seiten- und Höhenüberdeckung von 4 cm. Daraus ergibt sich der diagonale Versatz der Schieferplatten in einer Fläche. Bei der gleichen Deckart entsteht ein völlig anderes Deckbild, wenn die Schieferplatten im Hochformat mit größerer seitlicher Überdeckung verlegt werden.
Geht man gar auf eine halbsteinige Überdeckung über, entsteht ein interessanter halbsteiniger Verband ohne eine diagonale Ausprägung der Deckung.
Variable Rechteckdeckung
Die Variable Rechteckdeckung basiert in ihrer Grundidee auf der Waagerechten Deckung. Sie unterscheidet sich von dieser vor allem durch den so genannten Vorschnitt (vergleichbar einer Vorschnittdeckung bei Holzziegeln / S-Pfannen). Dabei werden die untere linke und obere rechte Ecke der Schieferplatte so gestutzt, dass die neben und übereinander liegenden Platten im Eckbereich nicht überdoppeln. Die gestutzten Ecken erlauben nun einen einfachen Steinverband ohne einen seitlichen Versatz der Stoßfugen. Die Deckart prägt eine moderne Kreuzfuge.
Weil für diese neue Deckart im Prinzip alle verfügbaren Steinformate einsetzbar sind, ist die mögliche Vielfalt der Gestaltungen auf Anhieb enorm groß. Von waagerecht länglichen über klassisch rechteckige, rein quadratische bis hochformatige Optiken ist so gut wie alles möglich.
Damit eignet sich diese Deckart sehr gut auch für komplexe Fassaden mit unregelmäßigen Fensterteilungen, Erkern oder Rücksprüngen.
Kronen-Deckung
Die Kronen-Deckung ist eine auffällige Deckart mit quadratischen oder rechteckigen Ansichtsflächen, Kreuzfuge und dominanter waagerechter Akzentuierung.
Die Deckung basiert auf einer Idee aus dem Bereich der Dachdeckung mit Biberschwanzziegeln. Auf jeder Traglatte sind zwei Schieferplatten so übereinander montiert, dass die unteren Schieferplatten die offenen Stoßfugen der oberen Platten abdecken.
Im Gegensatz zur Biberschwanzdeckung ist diese Aufdoppelung bei Schieferplatten als solche nicht erkennbar. Lediglich das starke Schattenspiel der waage-rechten Fuge lässt hier auf doppelte Materialstärken schließen.
Die Kronen-Deckung mit quadratischer Ansichtsfläche prägt eine edle Optik. Und auch hier sind durch die Wahl entsprechender Steinformate andere Gestaltungsvarianten denkbar und möglich.
Unterlegte Deckung
Die Unterlegte Deckung hat ihren Ursprung in Basel.
Ein überaus kreativer Architekt hat dieses Deckbild für die Fassade des Schauspielhauses in Basel eingesetzt. Die Idee wurde vom Schieferlieferanten Rathscheck Schiefer weiterentwickelt, so dass diese Deckart heute bautechnisch zum Standard gehört.
Das Besondere an der Unterlegten Deckung sind Schiefer, die sichtbar mit breiten Edelstahlblechen fixiert sind.
Im Lichtschein schimmern diese Bleche auf den dunklen, blaugrauen Schiefern.
Die Platten sind so verlegt, dass die Klammern waagerechte, senkrechte und auch diagonale Netzlinien bilden – die Fassade wirkt festlich.
Kreativität und Planung gefragt
Das geplante Raster ist das Wesen einer gut geplanten Schieferfassade aus rechteckigen Schiefern. Erreicht wird eine gezielte Rasterung durch die Wahl nahe liegender Steinformate und höhere Seiten- oder Höhenüberdeckungen. In besonderen Fällen ist ein Stein-Sonderformat erforderlich. Ein gelungenes Fassadenbild ist ohne Vorplanung nicht möglich. Basis dieser Planungen ist bei Schieferfassaden eine Mindestseiten- und Höhenüberdeckung von 4 cm. Darüber hinaus hat die Fantasie freien Lauf. Neue, vor allem größere Steinformate ermöglichen preiswertere Fassadenlösungen. Farbige Schiefer in grünlichen und rötlichen Tönen erweitern das Einsatzspektrum.
Die klassische Schieferfassade erfährt durch die große Vielfalt verschiedener Rechteck-Deckarten eine Renaissance. Neben den neuen Deckarten können auch die klassischen Rechteck-Deckarten durch die Wahl entsprechender Steinformate neue Gestaltungen ermöglichen. Gefordert sind Kreativität und Planung.
Weitere Informationen
Schieferfassaden bba 503

Die Schieferbranche erlebt zurzeit eine Renaissance ohne Gleichen. Durch den Zusammenbruch der Asbestzementproduktion, die Rückbesinnung auf natürliche Materialien und gleichzeitig den technologischen Fortschritt im Bergbau ist das Naturgestein Schiefer wieder zu einem interessanten Material für Dach und Fassade avanciert.
Beim Schiefer handelt es sich um ein Sedimentgestein, das vor etwa 400 Millionen Jahren aus Tonschlamm-Massen entstand. Hoher Auflagedruck verfestigte die Massen immer mehr zu Tonstein. Bei der späteren Gebirgsbildung wurden die Steinschichten durch seitlichen Druck aufgefaltet. Durch die gleichmäßige Ausrichtung der Minerale, durch Glimmerlagen und durch die Verzahnung untereinander entstand die für Schiefer charakteristische Spaltbarkeit im bergfeuchten Zustand.
Ein hochwertiger Schiefer besteht aus bis zu 90 Glimmerlagen pro Millimeter Gestein. Bei einer Spaltstärke von etwa 5 mm verfügt der Stein über mehr als 400 Glimmerlagen. Sie sichern zum einen die Beständigkeit und Qualität des Gesteins, zum anderen den seidigen Glanz.
Moselschiefer ist eine der ältesten und bekanntesten Schiefermarken. Das Gestein wird in den Rathscheck-Bergwerken Katzenberg und Margareta in Mayen bei Koblenz in bis zu 300 Meter Tiefe unter Tage gewonnen. Der größte Schieferproduzent weltweit ist Spanien. Dort wird Schiefer meist im Tagebau gewonnen. Je nach Region und Tradition sind es Schieferplatten mit einer Dicke von 3 bis 4 mm (Frankreich) oder 4 bis 6 mm (Deutschland und z.B. England).
Schiefer gibt es in verschiedenen Farben. Der klassische, meist verlegte Schiefer ist der blaugraue seidenmatt glänzende Stein. Daneben gibt es aber auch natürliche Schiefervorkommen in grünlichen und rötlichen Farbtönen. Die Farbe hängt u.a. von den eingelagerten Mineralien ab.

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