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Neubau einer Doppelsporthalle in Groningen (NL): Sportliche Welle mit Klinkerriemchen

Neubau einer Doppelsporthalle in Groningen (NL)
Sportliche Welle mit Klinkerriemchen

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In eine Häuserzeile in der Groninger Innenstadt wurde ein geschlossener Backsteinbau eingefügt, dessen Klinkerriemchen-Fassade sich spektakulär in Stufen nach oben wellt. Hinter der skulpturalen Hülle – die Rückseite wird von Stahltrapez bestimmt – hat Architektin Marlies Rohmer zwei übereinander liegende Sporthallen geschichtet. Beide Hallen werden durch Ober-lichter mit Tageslicht versorgt.

Robert Uhde

Im Norden der Groninger Innenstadt wird seit dem Jahr 2000 das Gelände der ehemaligen CiBoGa-Gasfabrik in ein großflächiges Wohn- und Geschäftsquartier umgewandelt. Direkt angrenzend liegt auch die historische Violenstraat mit ihrer drei- bis viergeschossigen Wohnbebauung unterschiedlichen Datums. Inmitten der kleinteiligen, überwiegend mit Backstein errichteten Häuserzeile hatte die Stadt Groningen ursprünglich den Neubau eines kleineren Schulgebäudes mit angrenzender Sporthalle vorgesehen. Nachdem die Planungen aber schon seit Jahren nicht vorangekommen waren, wurde 2010 entschieden, statt der Schule lediglich eine neue Sporthalle für unterschiedlichste Nutzer zu errichten.
Städtebaulich eingebettet
Mit der Umsetzung des Projektes wurde schließlich die Amsterdamer Architektin Marlies Rohmer beauftragt, die bereits an den Planungen für die Schule beteiligt war und die in den vergangenen Jahren schon bei zahlreichen anderen Entwürfen wie einer Doppelmoschee in Amsterdam oder einem Studentenwohnheim in Utrecht (bba 10|2011) aufgezeigt hat, wie sich unterschiedlichste Nutzungsanforderungen intelligent in einen vorhandenen städtebaulichen Kontext einbetten lassen.
Um auf dem eng bemessenen Grundstück das geforderte Raumprogramm integrieren zu können, mussten die beiden Sporthallen zwangsläufig übereinander geschichtet werden. Statt sie aber wie zunächst angedacht parallel zur Straße zu platzieren, entschied sich Marlies Rohmer dazu, sie orthogonal zur Straße auszurichten, also über die gesamte Gebäudetiefe reichen zu lassen. Die links und rechts an die Halle elegant anschließenden Gebäudeabschnitte mit dem Haupteingang, den Erschließungsfluren, dem doppelgeschossigen Treppenhaus, den Umkleidebereichen sowie den Geräteräumen wurden gleichzeitig leicht zurückversetzt angeordnet: „Im Zusammenspiel gelang es so, den Entwurf etwas kleinteiliger wirken zu lassen und die Sporthallen gleichzeitig aus der umgebenden Bebauung herauszulösen“, erklärt die Architektin das Konzept. „Darüber hinaus konnten so zur Straße hin zwei kleine, baumbegrünte Plätze integriert werden, die die Aufenthaltsqualität vor Ort erhöhen, und auf auf denen die Kinder sich vor dem Sportunterricht treffen oder ihre Fahrräder abstellen können.“
Gewellte Klinkerriemchen-Fassade
Ein weitere grundsätzliche Überlegung betraf die konkrete Gestaltung der Fassade sowie die Schaffung von ausreichend Tageslichteinfall:
„Um Blendeffekte zu vermeiden, werden Sporthallen in der Regel als weitgehend geschlossene Volumen mit entsprechend negativer Aufenthaltsqualität und hohem Energieverbrauch geplant“, erklärt Marlies Rohmer den Ausgangspunkt ihrer Planungen. „Stattdessen haben wir hier entschieden, den Komplex mit einer durchgehend geschlossenen, in vier Abschnitten nach oben wellenden Klinkerriemchen-Fassade zu errichten.“
Die oberen drei „Wellen“ werden dabei horizontal durch große Glasflächen überdeckt, so dass die Fassade quasi als „Lichtfalle“ fungiert, die auf beiden Ebenen ausreichend indirektes, und somit blendfreies Tageslicht zur Verfügung stellt. Die in Sitzhöhe gelegene untere „Welle“ fungiert abweichend als langgestreckte Sitzbank im öffentlichen Raum.
Gleichzeitig sorgt die wellenförmige Außenhülle dafür, dass die Halle nach außen hin den Blicken der Öffentlichkeit entzogen wird, ohne selbst dabei abweisend zu wirken. Trotz der abweichenden Nutzung wird der Neubau somit nicht als Störfaktor empfunden. Im Gegenteil: Durch die Wahl von rötlich-braunen Klinkern, die sich nahtlos in die vorhandene Bebauung und in das Stadtbild von Groningen einfügen, schafft die geometrisch abstrakte Fassade nicht nur einen gelungenen architektonischen Blickfang, sondern sorgt gleichzeitig auch für eine wohltuende Beruhigung der bislang sehr heterogenen Straßenfront. Der historische Charakter der Umgebung wird durch den großflächigen Eingriff somit nicht überformt, sondern auf intelligente Weise hervorgehoben. Besondere Perspektiven ergeben sich dabei vor bzw. nach Sonnenuntergang, wenn das Kunstlicht aus der Sporthalle den plastischen Eindruck der Fassade noch hervorhebt.
Um den lebendigen Charakter der Fassadenwelle zu betonen, wurden die Klinker (Klinkerriemchen „Flamenco“ von Wienerberger) auf der Baustelle im Wilden Verband gemauert, bei dem Köpfe und Läufer in unregelmäßigem Rhythmus abwechseln. Als ungewöhnliche Herausforderung erwies sich insbesondere die Ausbildung der in ultrahochfestem Beton ausgeführten, dabei bis zu 2,5 m vorkragenden Fassadenwellen im Frontbereich: „Um hier eine dauerhaft tragfähige Konstruktion zu erhalten, wurden auf der Baustelle zunächst 8 mm starke gebogene Fassadenplatten Rockpanel auf den Betonschalen montiert, auf die dann 25 mm dicke Klinkerriemchen mit einem speziellen Kleber aufgebracht werden konnten“, berichtet Marlies Rohmer. Als innenseitiger Abschluss kamen Multiplex-Platten zum Einsatz: „Am oberen Abschluss der Betonschalen und im Anschluss an die Stahlrahmenkonstruktion des Gebäudes wurden außerdem die Aluminiumprofile der Oberlichter eingelassen.“ Die Profile für die Oberlichter basieren auf den Systemen CS 68, CS 77FP und CW50 in RAL 7016 von Reynaers.
Gestaltung mit Stahl-Trapezblech
Rückwärtig wird der Neubau oberhalb eines verklinkerten Sockels aus Kostengründen mit einer Außenhülle aus Stahltrapezprofilen (P 40/100 von Hans Laukien) eingefasst.
Die patchwork-artige Farbgebung mit den auch im Innenraum verwendeten schwarzen, braunen, roten und orangen Tönen betont dabei den blockartigen Charakter des Volumens und schafft gleichzeitig eine intelligente Antwort auf die heterogene Bebauung in der Nachbarschaft.
Zur rückwärtigen Erschließung wurde eine industriell anmutende, mit schwarzen Stahltrapezprofilen verkleidete Außentreppe integriert.
Der Innenraum des Neubaus mit den beiden Sporthallen wurde im Kontrast zur Außenhülle bewusst schlicht gehalten. Das Zusammenspiel von weiß bzw. beigefarben geklinkerten Wänden, orangefarbenen Trägerelementen sowie metallgrauen Stahltrapezblechen, ebenfalls von Hans Laukien, im Deckenbereich schafft ein ebenso funktionales wie robustes Ambiente mit geringen Unterhaltungskosten. In der oberen Halle, die lediglich durch eine „Welle“ belichtet wird, wurden zusätzlich auch Oberlichter eingefügt. Für eine zusätzliche Energieeinsparung sorgen eine Sedum-Dachbegrünung, die durchgehende Verwendung von LED-Leuchten, der Einbau von Sensortasten in den Duschen sowie ein hoher Grad an Automatisierung. Im Zusammenspiel der unterschiedlichen Maßnahmen gelang den Architekten ein städtebaulich hervorragend eingebetteter Neubau, der neben architektonischen Qualitäten auch in Sachen Energieeffizienz überzeugt.
Architekten:
Marlies Rohmer Architects & Urbanists, Amsterdam NL
Planungsteam: Marlies Rohmer mit Fabian van den Bosch, Ronald Hageman, Thomas van Nus, Begoña Masia Albelda, Cor Martis
Statik: BREED integrated design, Den Haag NL
http://breedid.nl


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