Erweiterung für historisches Landratsamt in Neustadt an der Waldnaab

Wie eine Stadtmauer

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Ein Hybridbau aus Beton (Sichtbeton) und Holz fügt sich direkt an das alte Gebäudeensemble von Neustadt an der Waldnaab zum Neuen Schloss. Der neue, klar strukturierte Bürotrakt schafft im Landratsamt Raum für über 100 zusätzliche Arbeitsplätze. Hinter einer Fassade aus beige-grauem Leichtbeton – in Sichtbeton-Qualität ausgeführt – kamen auch im Innenraum Sichtbeton-Flächen zur Ausführung.

Anforderung:

Parterre aus einschaliger Betonwand, die innen wie außen die Beschaffenheit des Betons zeigt.

Lösung:

Leichtbeton (Druckfestigkeitsklasse LC 12/13) wurde innen und außen in Sichtbetonklasse SB3 ausgeführt.


Conny Eck | be

Der Erweiterungsbau wurde von den Berliner Architekten Bruno Fioretti Marquez passgenau entworfen und direkt an das erhaltene Denkmalensemble angebunden. Fünf der sechs im Wettbewerb 2016 prämierten Architekturbüros hatten mit eigenständigen Bauten auf das betreffende Hanggrundstück reagiert. Nur das siegreiche Büro aus Berlin umfasste das Eckgrundstück an seinen Rändern und dockte mit zwei verglasten Fugen je an der Längsseite des Neuen Schlosses an, das sich zur Hauptstraße giebelständig in die mittelalterliche Bebauung der Nachbarhäuser einfügt.

Mit diesem Kunstgriff gelang Dreierlei: Ein großer, innenliegender und terrassenförmig aufsteigender öffentlicher Hofgarten vermittelt nun zwischen Neuem Schloss und dem Erweiterungstrakt. Straßenseitig überragt der Neubau mit Pultdach nicht die Oberkante der EG-Decke des historischen Baus und respektiert so das Denkmal. Und schließlich wird mit der abgewinkelten U-Form das Gelände zwischen Stadtplatz und abschüssigem Hohlweg neu geordnet.

Verbesserte städtische Infrastruktur

Nötig geworden war der Neubau, weil die Verwaltung des Landratsamtes Neustadt an der Waldnaab aus allen Nähten platzte. Ein in den 1970er Jahren hinter dem Neuen Schloss erbauter Trakt entsprach weder städtebaulich, architektonisch, energetisch noch vom Raumangebot her zeitgemäßen Vorstellungen einer modernen Behörde und wurde nach Beschluss des Kreisausschusses abgerissen.

Für den speziellen Standort haben die Architekten einen Baukörper entworfen, der nach außen eine niedrige, weitgehend geschlossene, homogene Fassade aus beigegrauem Leichtbeton zeigt. Sie wird von wenigen großen gläsernen Ausschnitten mit markanter Holzlaibung und dem Entree, hinter dem sich das Foyer anschließt, durchbrochen. Zur Längsseite des Schlosses und zum neuen Innenhof hin öffnet sich der Neubau unerwartet über vier Geschosse mit bodentiefer Verglasung und verweist mit der holzbekleideten Fassade auf die Holzkonstruktion des Hybridbaus. Der nachhaltige Baustoff Holz war auch im Innern, neben Leichtbeton in Sichtbetonqualität, das Material der Wahl. Bevor mit dem Neubau begonnen werden konnte, hatte das Hanggrundstück tief ausgebaggert und die Baugrube mit einer Betonbohrpfahlwand gesichert werden müssen.

Nachhaltiger Hybridbau aus Holz und Sichtbeton

„Die gelungene Einbindung des Hybridbaus aus Holz und Beton in das Schlossensemble ist eine Meisterleistung aller Beteiligten“, fasst Projektleiter Heribert Eckl zusammen. Er begleitete für das Landratsamt den Bau, der vom regionalen Baugeschäft Helmut Kreuzer in kurzer Zeit errichtet worden ist. Nach neun Monaten konnte im Rohbau – mit den Sichtbeton-Flächen zur Straße – der Trockenbau beginnen und die Holzfassade zum Innenhof montiert werden.

Zunächst galt es, für die drei Untergeschosse eine 40 cm dicke Wand aus wasserundurchlässigem Beton (WU-Beton) gegen den Druck des Erdreichs zu errichten. Diese ist gedämmt und innen nach exakten Bewehrungs- und Schalplänen mit Fugenverlauf und Ankerpunkten verwirklicht worden. Die rund 740 m³ des WU-Betons, mit dem auch die 30 cm dicke Bodenplatte ausgeführt worden ist, kam von der Beteiligungsgesellschaft TBG Transportbeton von HeidelbergCement aus Weiden per Pumpendienst Naabtal.

„Wir haben im Untergeschoss einseitig und gegen das Erdreich beziehungsweise die Bohrpfahlwand geschalt“, beschreibt Bauunternehmer Kreuzer den Bauablauf. Das UG war eine Baustelle der Überwachungsklasse 2 mit besonderem Augenmerk auf den WU-Beton. Damit die Güte dieses Betons den Anforderungen an ein wasserdichtes Bauwerk entsprach, entnahm Hans-Peter Zeitler von der Betotech in Nabburg Proben aus dem Mischer. Nach erfolgter Prüfung der Konsistenz war sofortiges Handeln angesagt. „Der Beton wurde aus dem Mischer in die Schalung gepumpt. Sechs bis acht Mitarbeiter haben kontinuierlich in Tagesabschnitten geschalt, betoniert, verdichtet, ausgeschalt und so fort“, schilderte Helmut Kreuzer den zügigen Ablauf. In die aufsteigenden Wände waren schon die Aussparungen für die Auflager der Holzbalkendecken integriert. Hier sind verschiedene Decken eingezogen worden, von denen aus immer weiter in die Höhe betoniert werden konnte.

Sichtbeton: Glatt und ohne Hohlstellen

Knapp unter Geländeverlauf erfolgte an der insgesamt bis zu 9 m hohen Wand ein Materialwechsel. Denn das gesamte Parterre sollte aus einer 60 cm dicken, einschaligen Wand aus Leichtbeton in Druckfestigkeitsklasse LC 12/13 bestehen, die innen wie außen die Beschaffenheit des Betons zeigt. Aufgrund der wärmedämmtechnischen Eigenschaften dieses Leichtbetons musste diese tragende Außenwand nicht extra gedämmt werden.

Der Leichtbeton wurde innen und außen in Orientierung an die Sichtbetonklasse SB3 ausgeführt. Die Oberflächen sollten glatt und ohne Hohlstellen ausfallen. „Wir konnten die Leichtbetonwände in hoher Sichtbeton-Qualität ausführen“, resümiert Bauunternehmer Helmut Kreuzer. Besonders an den Kanten der großen Fensterausschnitte war die geforderte Sichtbeton-Qualität für die Ausführenden eine Herausforderung.

Damit dieser Leichtbeton die gewünschte Farbnuance erlangte, war im Betonwerk als leichte Gesteinskörnung für den Beton der vulkanische Zuschlag Vulkamix verwendet worden. Außerdem musste er mit Kübeln eingebracht werden, da er nicht pumpfähig ist. Bruno Fioretti Marquez, versierte Planer in puncto Sichtbeton, gaben die Zusammensetzung des Leichtbetons vor. Musterplatten und eine Eins-zu-eins-Musterfläche waren im Vorfeld zur Zufriedenheit von Architekten und Bauherren ausgefallen. Die Doka-Schalung wurde etwas modifiziert und bei der Betonage ließen die Planer zusätzlich Dreikantleisten für die präzise Eckausbildung der Laibungen verwenden, in die später exakt auf Maß produzierte Holzfenster eingesetzt wurden.


Projekt: Erweiterung Landratsamt, Neustadt an der Waldnaab

Bauherr: Landkreis Neustadt an der Waldnaab

Architekten: Bruno Fioretti Marquez, Berlin
www.bfm.berlin

Bauleitung: Häffner + Zenk Planungsgesellschaft mbH, Potsdam, und greiner architekten, Neustadt an der Waldnaab

Bauunternehmen: H. Kreuzer Baugeschäft, Störnstein


Stimmen

Prof. Piero Bruno: „Die Außenwand bezieht sich mit ihrer Materialität auf die Architektur der Stadtmauer und ist als monolithische Leichtbetonkonstruktion ausgeführt.“

Bauherr Landrat Andreas Meier: „Das klar strukturierte, moderne Gebäude bietet Mitarbeitern und Besuchern ein für Behörden eher ungewöhnliches und besonders angenehmes Ambiente. Der atriumähnliche Innenhof ist sehr beeindruckend und bietet auch Raum für unterschiedliche, kulturelle Veranstaltungen.“


Die 60 cm dicke, einschalige Wand aus Leichtbeton in Druckfestigkeitsklasse LC 12/13 zeigt innen wie außen die Beschaffenheit des Betons. Aufgrund der wärmedämmtechnischen Eigenschaften dieses Leichtbetons musste diese tragende Außenwand nicht extra gedämmt werden.


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