Nachverdichtung im Kontext - Neubau einer Wohnanlage in Kressbronn am Bodensee

Schöner Wohnen auf der Werft

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Früher wurden hier Schiffe gebaut und gewartet, heute wohnt man auf der ehemaligen Bodan-Werft in sechs neuen Gebäuden. In einigen der stillgelegten, denkmalgeschützten Hallen werden ebenfalls Wohnungen integriert. Das nicht unumstrittene Umnutzungs- und Nachverdichtungskonzept präsentiert sich über eine moderne, markante Architektur, die dem früheren Werftgelände einen neuen Charakter verleiht.

Dipl.-Ing. Nikolai Ziegler

Wer heute das Bodenseeufer in Kressbronn besucht, dürfte überrascht sein. In den vergangenen Monaten hat sich hier vieles verändert. Bis in die Gegenwart gehörte das mit industriellen Hallenbauten aus Stahl und Holz sowie etlichen Gewerbebauten und schlichten Arbeiterunterkünften bebaute Werftgrundstück zum gewohnten Stadtbild. Die alteingesessene „Bodan-Werft“ , einst der größte Schiffbaubetrieb am Bodensee, zeigt sich heute jedoch als modernes Wohnareal.
Begonnen hatte die tiefgreifende Wandlung des Areals mit der Insolvenz des Unternehmens. Das private Gelände wurde verkauft und in Folge eines städtebaulichen Konzeptes für eine Umnutzung mit Nachverdichtung freigegeben. Seit Schließung der Werft im Jahr 2011 wurde in der Gemeinde kontrovers über die Zukunft des rund 40 000 m² großen Geländes diskutiert. Aufgrund der geschichtlichen Bedeutung wurden Teile der ehemaligen Anlage als Kulturdenkmal ausgewiesen.
Mit der Planung des Geländes beauftragte der Bauherr die Architekten-werkgemeinschaft Weinbrenner Single Arabzadeh aus Nürtingen. „Die Anlage war überhäuft von Schuppen, Häuschen und Hallen. Man hat gesehen, wie das Ganze hier entstanden ist: Da kam der Auftrag, ein Schiff zu bauen, also brauchte man eine größere Halle. Und die hat man dann dort neu errichtet, wo Platz war“ , beschreibt der Architekt Afshin Arabzadeh die Ausgangssituation. Über die Herausforderung, das Denkmal einerseits authentisch zu erhalten und jenes gleichzeitig umzunutzen, erklärt er:
„Man muss Kompromisse machen. Auf beiden Seiten: Aufgrund der uns gestellten Aufgaben konnten die Hallen in ihrer jetzigen Form nicht gänzlich erhalten bleiben. Das Wort Kompromiss klingt so, als würden beide Seiten verlieren. Aber das Gegenteil ist der Fall: Das Denkmal wird aufgewertet, weil die Silhouette, die erhalten bleibt, künftig in einem völlig neuen Licht erscheint. Die Wohnbebauung bekommt durch das Leben im Denkmal eine Note, wie man sie wahrscheinlich nirgendwo sonst am Bodensee findet.“
Integrativ nachverdichtet
Die Planungen des Architekturbüros sahen zunächst eine umfangreichere Nachverdichtung mit teilweise höherer Geschossigkeit vor, die dann schließlich auf ein Gesamtensemble bestehend aus acht vierstöckigen Gebäuden mit insgesamt 115 Wohneinheiten in unterschiedlichen Größen von 60 bis 280 m² reduziert wurde. Um die frühere Nutzung der Anlage ablesbar zu halten, schlugen die Planer für jene als Kulturdenkmal ausgewiesenen Hallen vor, diese ebenfalls in die Umnutzung zu integrieren. Nach dem „Haus-im-Haus-Prinzip“ sollten diese unter anderem zu zwei integrierten Geschoss-Wohnungsbauten entwickelt werden.
Die ehemalige, ebenfalls unter Denkmalschutz stehende Verladehalle soll transloziert, das heißt an eine andere, unmittelbar angrenzende Stelle auf dem Gelände versetzt werden. Weitere denkmalgeschützte Gebäude und eine zusätzliche Fläche von 8 500 m² wurden zur separaten Nutzung der Gemeinde Kressbronn übertragen, die eine öffentliche Nutzung als Seepromenade anstrebt. Obwohl durch die Umnutzung seit über 100 Jahren erstmals eine öffentliche Uferpromenade mit direktem Zugang zum Wasser in Aussicht steht, stieß das Projekt in der Bevölkerung weiterhin auf Widerstände. Jedoch wandelte sich das Meinungsbild mit zunehmendem Planungs- und Baufortschritt.
Inzwischen wurden in einem ersten Bauabschnitt drei Neubauten realisiert. Nahezu alle Wohnungen sind so angeordnet, dass vom Balkon und dem Wohnbereich eine Seesicht ermöglicht wird. „Wir haben ganz bewusst unsere ansonsten bevorzugten geraden Linien verlassen und die Baukörper sowie die Fassaden aufgebrochen. Wir arbeiten hier mit einer aufgelockerten Fassade, zu der auch Erker und Balkone gehören, die auf der einen Seite die Privatsphäre der einzelnen Wohnungen schützen, auf der anderen Seite aber auch den vermeintlich abschließenden Charakter einer solchen Bebauung geschickt auflösen“ , erklärt Afshin Arabzadeh.
Umsetzung
Jener Anspruch lässt sich an den Fassaden der realisierten Bauten entsprechend nachvollziehen. Dabei fällt besonders die bedachte Auswahl und Zusammenstellung der jeweiligen Materialien und Produkte ins Auge, die einen hochwertigen Eindruck vermitteln. Umlaufende Horizontalbänder auf Höhe der Geschosswechsel verleihen den Fassaden eine einheitliche Gliederung.
Jene Fertigelemente aus Faserzement wurden von HFB Engineering GmbH passgenau für das Projekt produziert. Auch wenn Faserzement an Fassaden bislang nur selten Verwendung findet, stellt, wie es der Einsatz am behandelten Objekt verdeutlicht, jener durch Zuschlag von Fasern besonders widerstandsfähige Zement für das Bauwesen interessante, neuartige Möglichkeiten dar.
Die Süd-, Ost- und Westfassaden zeichnet ein hoher Anteil bodentief verglaster Flächen aus. Dazwischenliegende Wandelemente bekleidet eine Holzfassade aus Horizontallamellen. Um den Farbton der einzelnen Lärchenholzlamellen den Farbabstufungen der Fassade anzupassen, wurde das Holz durch Lignosil Verano, einer Oberflächenbehandlung von Keim vorgegraut. Durch den bewussten Verzicht einer Schutzfunktion wird dieser Anstrich im Laufe der Zeit durch die natürliche Vergrauung ersetzt, während vom ersten Tag an eine silbergrau patinierte Holzoptik besteht.
Bei den Verglasungen mit anthrazitfarbenen Rahmen handelt es sich um das flächenversetzte Holz-Aluminium Fenster-System Batimet TA35 FVNG mit Dreifachisolierverglasung.
Das für Fenster und Balkontüren lieferbare System erreicht einen Uw-Wert von bis zu 0,85 W/(m²K). Der erforderliche Sonnenschutz wird über Warema Leichtmetall Raffstoren mit Tageslichttransport, Typ E 60 AF A6, sichergestellt.
Auf der Nordseite, die gemäß ihrer Ausrichtung größere geschlossene Flächen aufweist, wurde eine Eternitverkleidung verbaut. Zwischen den hier ebenfalls bodentief verglasten Fensterflächen beschließen die Faserzementtafeln Equitone Textur 8 mm von Eternit die Gebäudehülle. Diese Fassadentafel aus durchgefärbtem Faserzement, produziert nach DIN EN 12467, zeichnet eine kräftig deckende, UV-beständige Beschichtung mit körnig, matt glänzender Oberfläche aus, die den Anforderungen der Nordfassade besonders entspricht.
Derzeit wird mit Bauabschnitt zwei und drei an der Fertigstellung des Projekts gearbeitet. Auf den Gemeindeflächen des Areals entsteht im Kern der historischen Werftanlage ein Multifunktionsgebäude mit einer öffentlichen kulturellen und gastronomischen Nutzung sowie im ältesten, denkmalgeschützten Gebäude der Werft, dem ehemaligen Verwaltungsgebäude ein Bootsverleih und Aussichts-pavillon. In Kürze wird das ehemalige Werftgelände dann von einer neuen Nutzung belebt.
Fertigelemente Faserzement
Zement CEM II/A-LL
Holzfassade OberflächenbehandlungLignosil Verano
Aluminiumfenster TA35 FVNG
Leichtmetall Raffstoren Typ E 60 AF A6
Faserzementtafel Equitone Textur
Planung:
Architektenwerkgemeinschaft weinbrenner.single.arabzadeh. Nürtingen


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