Aluminiumfassade für einen umgestalteten Büro-Pavillon aus den 1980er-Jahren in London

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Der 19 Meter hohe Zylinder „3 Broadgate“ steht beengt zwischen zwei Bürokolossen und ist eine bauliche Besonderheit im Finanzdistrikt City of London. Trotz eines breiten Fußgängerdurchgangs im Erdgeschoss wurde der Büro-Pavillon von den Passanten als Barriere betrachtet und, so gut es ging, umgangen. Dank Orms Architects London überzeugt 3 Broadgate nun als einladender Torbogen mit einer schillernden Aluminiumfassade und neuer Identität.

Anforderung:

Zeitgemäße Fassadenneugestaltung u.a. mit dem Ziel, die Wahrnehmung des Gebäudes als Barriere aufzulösen

Lösung:

Vorgehängte Aluminiumfassade aus bronzefarbenen Schindeln, die optisch einen großen Torbogen bildet


Stephanie Lindenschmidt

Während des Finanzbooms der 1980er-Jahre wurden in der City of London eine Vielzahl großer Bürogebäude errichtet. Für den Bereich zwischen Liverpool Station und Finsbury Avenue Square entwarf der britische Architekt Peter Foggo einen dreiteiligen Bürokomplex mit hochwertiger Granitfassade und postmoderner Anmutung. Die Adressen 1–2, 3 und 5 Broadgate wurden als zusammenhängender städtischer Cluster mit einer einheitlichen Fassade konzipiert.

Es gab viele Stimmen, die diese architektonische Einheit gerne erhalten hätten – letztlich ohne Erfolg. Bereits 2010 begann sich der Campus mit der Umgestaltung von 5 Broadgate aufzulösen. Der Firmensitz der Schweizer Bank UBS erstreckt sich über eine Fläche von 65 000 m2 und 67,5 m Höhe und wurde von Make Architects komplett in Edelstahl gehüllt. Die andere Seite des Pavillons grenzt an 1–2 Broadgate, für das aktuell Allford Hall Monaghan Morris ein neues Fassadendesign entwickeln.

Barrieren auflösen

Die ursprüngliche Fassade von 3 Broadgate dominierten roséfarbener Granit und getönte Glasfronten. Ebenerdig ist das Gebäude offen und sollte Fußgänger dazu anregen, ihren Weg durch das Gebäude hindurch fortzusetzen.

Der Abstand vom Pavillon zu den Nachbargebäuden des Campus ist eng und Broadgate für Fußgänger eine beliebte Verbindung zur Liverpool Street und Moorgate. Die Auswertung von Fußgängerbewegungsströmen zeigt, dass durchschnittlich etwa 30 000 Menschen diese Strecke jeden Wochentag nutzen. Allerdings entscheidet sich nur ein kleiner Prozentsatz für den Weg durch das Gebäude. Die meisten gehen um den Pavillon herum.

Oberste Priorität für die Umgestaltung von 3 Broadgate war es daher, die Wahrnehmung des Gebäudes als Barriere aufzulösen. Orms entfernte die abgehängte Decke und erweiterte damit die Durchgangshöhe von 3 auf 4 m. Zusätzlich wurde der zuvor rampenartig verlaufende Durchgang eingeebnet. Eine neue vorgehängte Aluminiumfassade bildet optisch über die gesamte Höhe der drei Stockwerke einen Torbogen, der die engen Zwischenräume zwischen 5 und 1–2 Broadgate auflockert und einen spannenden neuen Weg für die Londoner bereitstellt. Einen zusätzlichen Anreiz für den Weg durch das Gebäude wird der neue Coffee-Shop im Inneren des Bogens sein.

Aluminiumfassade in moderner Schindel-Optik

Im Designprozess für die Fassade blickten Orms Architects in die Vergangenheit von Broadgate. Die erste historisch dokumentierte Nutzung des Londoner Stadtgebiets spricht von einem „Tenter Ground“, wo neu hergestellte Tücher nach dem Walken zum Trocknen aufgespannt wurden.

Daraus entwickelte das Designteam die Idee rechteckiger, sich überlappender Kacheln, die sich in Wellenform um das Gebäude wickeln. Zuerst skizzierten die Architekten eine Art bewegliche Kachel, die sich im Wind bewegt und an die aufgespannten Tücher der Tenter Grounds erinnert. Diese Idee führte Orms zunächst in Richtung Terrakotta.

Am Ende überzeugte jedoch eine wesentlich leichtere Variante aus Metall: Der Kölner Fassadensystemhersteller Pohl präsentierte den Briten eine Schindel aus Aluminium, welche die Leichtigkeit von Stoffbahnen abbildet und zudem selbst durch Leichtigkeit überzeugt. Ein quadratisches Lochmuster kreiert zusätzliche Durchlässigkeit. Der Fassadenbauer Waagner Biro UK bot für die Aluminiumschindeln eine gut durchdachte wellenförmige Unterkonstruktion an, die die gesamten Fassadenkosten optimal in den Budgetrahmen einpasste und dem Duo den Zuschlag sicherte.

Schillernder Bronzeton

In drei Größen bis maximal 500 x 350 mm unterstreicht jede einzelne Schindel die Eigenständigkeit und die menschengerechtere Dimension des Pavillons im Gegensatz zu seinen Nachbargebäuden.

Für die Oberfläche der insgesamt 5 425 Schindeln setzten Orms auf eine besonders wartungsarme und langlebige Lösung. Im Gegensatz zu einer Beschichtung mit Pulver wird beim Eloxieren die oberste Schicht des Aluminiums mittels anodischer Oxidation in eine Schutzschicht mit matter bis seidenglänzender Anmutung und hoher Langlebigkeit verwandelt. Ein weiteres Plus: Da es sich um eine Oberflächenveredelung ohne zusätzlichen Farbauftrag handelt, kann das Metall zu 100 Prozent wieder in den Rohstoffkreislauf zurückgeführt werden. Pohl bemusterte das Projekt mit den verschiedensten Eloxalfarben, letztendlich entschied sich Orms für einen warm-schillernden Bronzeton („Pohl Duranize Bronze“).

740 m2 Schindeln wurden 2018 am Kölner Standort der Pohl Facade Division produziert und nach London verschifft. Seit dem Frühjahr 2019 können die Londoner nun ihren täglichen Weg durch den schillernden Torbogen nehmen. Einen neuen Spitznamen hat der Pavillon 3 Broadgate bereits vor seiner Wiedereröffnung erhalten: der Ritter vom Broadgate.


Eigentümer: British Land, London, UK

Architekten: Orms, London, UK
www.orms.co.uk

Generalunternehmer: Sir Robert Mc Alpine, Hemel Hempstead, UK

Fassadenbauer: Waagner Biro UK, Barnsley, UK


John Storry, Associate Director Orms Architects: „Die neue Gebäudehülle nimmt Bezug zur mittelalterlichen Nutzung des Areals als ‚Tenter Ground‘, wo neu hergestellte Tücher nach dem Walken zum Trocknen aufgespannt wurden.“


John Storry, Associate Director Orms Architects: „Durch die Neugestaltung des Gebäudes konnten wir eine wichtige Fußgängerverbindung zwischen zwei sehr belebten öffentlichen Räumen (…) transformieren und wiederbeleben.“


Manuel Schnüpke, Pohl Facade Division: „Wir haben uns in der Beratungsphase mit Orms direkt bei 3 Broadgate getroffen, verschiedene Muster-Bleche im Gepäck. Aus diesem dynamischen Prozess ist auch die Idee der Perforation entstanden, die der Fassade noch mehr Leichtigkeit verleiht.“


Eloxal-Verfahren

Beim Eloxal-Verfahren (eloxal = Abk. für elektrolytische Oxidation von Aluminium) wird die oberste Schicht des Aluminiums mittels anodischer Oxidation künstlich verstärkt. Innerhalb kurzer Zeit lässt sich somit eine sehr harte, dauerhafte Oxidschicht auf dem eher weichen Aluminium erzeugen. Normalerweise entsteht diese bei Bewitterung. Die Oxidschicht schützt das Metall vor Korrosion – zumindest innerhalb eines bestimmten pH-Bereichs. Salz oder Schwefeldioxid können jedoch zu Korrosionserscheinungen führen, weshalb Aluminium in Meeresnähe oder unter rauen Industriebedingungen weniger langlebig ist.


Mehr zum Thema

  • bba-Fachbeitrag: Bronzefarbene Aluminiumfassade bei einer Dachaufstockung in Lorsch

www.hier.pro/bba1016-aluschindeln-bronze



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