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Ökologisch konzipiert

Erweiterung eines Sportinternats in Hannover
Ökologisch konzipiert

Das Sportinternat in Hannover integrierte beim Neubau innovative Gebäudetechnik. Im Passivhausstandard gebaut, wird ausschließlich durch ein in den Stahlbetondecken integriertes Rohrsystem geheizt, gekühlt und belüftet. Umweltschonende Dämmstoffe wie die Gefälledach-Systemlösung aus Mineraldämmplatten zeugen vom ökologischen Anspruch.

Die Erweiterung des Lotto Sportinternats durch ein zusätzliches Internatsgebäude mit integrierter neuer Sporthalle musste nach dem Wunsch des Bauherrn, des Landessportbunds Niedersachsen (LSB), Passivhausstandard aufweisen und mit ökologisch nachweislich besonders qualifizierten Bauweisen und Bauprodukten umgesetzt werden. Damit sollte gleichzeitig ein Beispiel für umweltgerechtes und Energie schonendes Bauen gesetzt werden. Angesichts der strengen ökologischen Vorgaben beteiligten sich neben anderen Sponsoren u. a. die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) an den Kosten des zu errichtenden Bauwerks.

„Das gesamte Gebäude wird durch ein Rohrsystem, das ursprünglich zur Betonkernkühlung entwickelt wurde, belüftet, geheizt und gekühlt“, erklärte Architekt Willi Reichert vom zuständigen Architekturbüro Schumann & Reichert aus Hannover. „Dies ist durch den Passivhausstandard beim Heizwärmebedarf möglich. In den drei Etagen sind jeweils drei unterschiedliche Systeme der Heizwärmezuführung installiert, die hinsichtlich ihrer Auswirkungen
auf die Raumluftqualität und -temperatur sowie dem Energieverbrauch messtechnisch exakt erfasst werden“. Die Auswertung der Messergebnisse soll zusammen mit zusätzlichen Nutzerbefragungen zur Akzeptanz wichtige Erkenntnisse für weitere Bauvorhaben in Passivhausbauweise sicherstellen.
Das Bauvorhaben hatte dadurch Modellcharakter. Der damalige niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff würdigte die Bedeutung des zukunftsweisenden Projektes während der feierlichen Bau-Bewilligungsübergabe an den LSB-Baudirektor Reinhard Rawe mit der zusammenfassenden Aussage „Der Weg zu erfolgreichem Klimaschutz führt über nachhaltigen Umgang mit Energie“.
Optimierte Dachdämmung
Das umweltgerechte Konzept wurde auch bei der Auswahl der Dachdämmung konsequent umgesetzt. Statt dem Einsatz konventioneller Kunstschaumdämmstoffe entschieden sich Bauherr und Planer für die bindemittelfreie Ytong Multipor Mineraldämmung. Die Dämmplatte aus gemahlenen Quarzsand sowie Kalk und Zement ist nicht brennbar nach Brandschutzklasse A1 und erfüllt durch seine natureplus-Zertifizierung höchste ökologische Ansprüche.
Zum Abfluss von Niederschlägen wurde ein Dachgefälle von zwei Prozent vorgesehen. Um den für Passivhausstandard notwendigen Wärmedämmwert von UD=0,15 W/(m²K) zu gewährleisten, war nach der wärmetechnischen Berechnung durch den Dämmstoffhersteller eine mittlere Dämmstoffdicke von 330 mm ausreichend. Sie erforderte eine mehrlagige Dämmung aus Unterlagsplatten (Flachplatten) und Gefälleplatten. Die Gefälledämmung wurde nach dem vom Hersteller per CAD erstellten Gefälledachunterlagen im Werk zugeschnitten und auf Paletten zusammengestellt. Vor Ort erfolgte per Autokran der direkte Transport auf das Flachdach.
Der Dachaufbau inklusive der Dachdichtung war bis zur Oberkante der wurzelfesten Dachabdichtung bei dem Internatsgebäude und der Sporthalle identisch. Als Haftbrücke kam auf der Stahlbetondecke ein Bitumenvoranstrich zum Einsatz. Darauf wurde eine AL + G 200 S4 Dampfsperre vollflächig als Behelfsabdichtung aufgeschweißt. Anschließend erfolgte nach dem Gefälledachplan die Verlegung der Ytong Multipor Wärmedämmplatten. Die handlichen, stauchungsfreien Platten (600 x 390 mm) wurden im Verband press gestoßen mit Heißbitumen auf- bzw. untereinander verklebt. Die Stoßfugen blieben dabei unverklebt. Als erste Abdichtungslage wurde eine kaltselbstklebende Polymerbitumen Unterlagsbahn (KSP-Bahn) thermisch verklebt. Eine nach FFL geprüfte wurzelfeste Polymerbitumen Oberlagsbahn diente anschließend als zweite Abdichtungslage. Sie wurde vollflächig aufgeschweißt und gewährleistete im Verbund mit der ersten Lage eine homogene, feuchtesichere Flachdachabdichtung.
Sehr verarbeitungsfreundlich
Die Dämmarbeiten verliefen aufgrund der Verarbeitungsfreundlichkeit der Mineraldämmung relativ zügig. Insgesamt wurden die 2 300 m² Dachfläche mit rund 800 m³ Mineraldämmplatten ausgestattet.
„Eine spezielle Herausforderung war angesichts der ungewöhnlichen Gebäudegeometrie die geforderte gleiche Anschlusshöhe an der umlaufenden Attika“, erklärt Dachdeckermeister Ulrich Iversen vom für die Dachdämmung und Dachdichtung zuständigen Unternehmen Isotech AFF GmbH. „Grate und Kehlen wichen vom üblichen 45-Grad-Winkel eines rechtwinkligen Gebäudes ab und mussten den komplizierten Dachflächen-Gegebenheiten angepasst werden. Ohne den vom Hersteller gelieferten CAD-Gefälledachplan und die leichte Bearbeitbarkeit der Mineraldämmung wäre die Exaktheit der eingehaltenen gleichen Anschlusshöhe nicht zu realisieren gewesen.“
Seine Mitarbeiter achteten zu Beginn der Verlegung darauf, dass die Ansatzgebinde am Dachrand absolut schnurgerade verlegt wurden. „Die Platten ließen sich zügig und einfach per Schleifbrett nachschleifen, so dass die bei anderen Gefälledämmplatten oft durch den Domino-Effekt entstehenden Verlegefugen in der Dachfläche vermieden wurden“, erläutert Iversen. Da Ytong Multipor Dämmplatten nicht schwinden, wird auch eine nachträgliche Fugenbildung baupraktisch ausgeschlossen.
Interessante Dachzusatznutzung
Beim Internatsgebäude wurde auf der eingebauten Dämmung und Dachabdichtung ein Gründach mit aufgeständerter Photovoltaik vorgesehen. Bei der Planung des Daches der Zweifeld-Halle ließen sich die Architekten in Abstimmung mit dem Bauherrn eine besonders elegante Lösung einfallen.
So wurde die Dachfläche durch einen abschließenden Oberflächenbelag aus Tartan zu einem zusätzlich nutzbaren Spielfeld. Dank der druckfesten Mineraldämmplatte ist die dadurch entstehende Belastung für die Dachdämmung vollkommen unproblematisch. Die Sportfläche umfasst 550 m² und wird am Dachrand auf drei Seiten von einer kreativ gestalteten Absturzsicherung mit integriertem Ballfangnetz umrahmt.
Durch die Erweiterung bietet das Internat nun 68 Sportlern einen Vollzeitplatz und 48 Sportlern einen Teilzeitplatz. Der Trainingsbetrieb ist seit der offiziellen Eröffnung im August 2010 im Gang. Mit der Fertigstellung der Außenanlagen sind seit Mai 2011 auch die letzten Baumaßnahmen abgeschlossen.
Entwurf und Planung: Schumann & Reichert Architekten BDA, Hannover
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