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Neuer Putz in historischer Rezeptur

Umbau und Erweiterung eines Seminarzentrums in Immenstadt
Neuer Putz in historischer Rezeptur

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Das Gut Hochreute im Allgäu ist internationaler Treffpunkt für Meditationskurse und Kommunikationsaktivitäten. Umgebaut und erweitert wurde das landwirtschaftliche Mustergut von 1910 von Dietrich Untertrifaller Architekten. Der historische Kratzputz an Villa und Remise des denkmalgeschützten Gebäudes diente als Grundlage für den neuen Fassadenputz.

Walter Bader, Objektmanager Baumit GmbH, Günther Prechter, Projektleiter Dietrich | Untertrifaller Architekten | be

Im Gegensatz zu anderen Regionen Deutschlands ist die Verarbeitung von massivem Kratzputz im Allgäu eher selten. Oftmals werden dünnschichtiger Oberputz in Kratzputzstruktur, verbunden mit einem Anstrichsystem, eingesetzt. Aber es gibt auch Handwerksbetriebe, die die traditionellen Verfahren kompetent ausüben, wenn sie die Möglichkeit dazu erhalten.
Eine solche Gelegenheit boten der Umbau und die Erweiterung von Gut Hochreute, einem ehemaligen landwirtschaftlichen Mustergut aus dem Baujahr 1910, zum Europazentrum der Buddhismusstiftung Diamantweg. Dietrich Untertrifaller Architekten aus Bregenz konnten 2009 den Wettbewerb für sich entscheiden und leiteten Bestandsumbau und Erweiterung als Generalplaner. Nachdem das umgebaute Bestandsgebäude bereits im September 2014 in Betrieb gegangen ist, wird der Neubau im Juni 2015 bezugsfertig sein.
Umbaukonzept
Die exponierte Lage der historischen, ummauerten Hofanlage am Nordufer des Großen Alpsees nutzte die weltweit tätigte Stiftung zur Schaffung einer repräsentativen Adresse. Die Erweiterung umfasst Beherbergungs-, Seminar- und Wirtschaftsräume. Hierfür wurde hangaufwärts ein neuer, niedrig gelagerter Hoftrakt aus eingeschossigem Wirtschaftsflügel und zweigeschossigem Wohnhaus errichtet, der das bestehende Wirtschaftsgebäude ins Zentrum der Gesamtanlage stellt.
Das Herz des neuen Sakral- und Gemeinschaftshauses ist der Meditationssaal im hölzernen Obergeschoss des Hauses. Ein geölter Dielenboden aus stammbreiten Eichenbrettern wurde in Eigenleistung des Bauherrn verlegt. Die Auskleidung der Innenflächen in astfrei sortierter Weißtanne verleihen dem Saal ein seiner neuen Nutzung gemäßes Ambiente und erinnert dennoch an den einstigen Heuboden.
Durch die neue Funktionszuweisung war es möglich, die bauliche Charakteristik des stützenfreien Einraums von rund 550 m² Grundfläche mit seinem mächtigen Satteldach und der weitgehend geschlossenen Holzfassade denkmalgerecht zu erhalten.
Vier breite Stahltreppen, in einem unter die rückwärtige Traufe geschobenen, verglasten Anbau, bieten nahezu 1 000 Personen kurze Wege. So durfte das raumprägende historische Holzwerk unverkleidet erhalten bleiben. Im EG, im ehemaligen Stall, der in geputzter Ziegelbauweise errichtet wurde, befinden sich Foyer, Großküche und Speisesaal. Die drei Großräume fügen sich in die Baustruktur des denkmalgeschützten Bestandes ein.
In energetischer Hinsicht bieten sowohl die umgebauten Bestands- als auch die neuerrichteten Bauteile Niedrigenergiestandard, einschließlich einer Lüftungsanlage mit hocheffizienter Wärmerückgewinnung.
Massiver Kratzputz
Der historische Kratzputz an Villa und Remise des denkmalgeschützten Gutes Hochreute diente als Rezepturgrundlage für den Fassadenputz.
Massive Kratzputze können sowohl auf normalem Grundputz und, wie hier am Gut Hochreute, im Bestand und Neubau auf WDV-Systeme aufgebracht werden.
Beim Massivputz-System wird über der Dämmung eine Gewebespachtelung aufgebracht. Die Oberfläche wird aufgeraut, so dass der Kratzputz, in vierfacher Kornstärke aufgetragen, nicht an der Fassadenfläche abrutscht. Zum Egalisieren ist unbedingt eine Zahnkartätsche einzusetzen, um Lufteinschlüsse zu öffnen.
Der nach dem Baumit-Farbsystem „Life“ eingefärbte mineralische Putz wird nach dem Abbinden mit dem sogenannten Igel, einem Nagelbrett, oder einem ähnlichen Werkzeug angerissen (gekratzt). Diese mechanische Behandlung entfernt die harte Bindemittelschicht an der Oberfläche, der Putz entspannt und seine Oberfläche vergrößert sich.
Der Putz wirkt sauberer und das für lange Zeit, denn die „Edelkreidung“ erlaubt die Ablösung von Feinpartikeln aus der Oberfläche. Zusammen mit diesen Feinanteilen wird auch angelagerter Schmutz abgegeben, der Selbstreinigungseffekt erhält die Putzfläche jahrzehntelang frisch. Im Vergleich zu anderen Putzen ist die Auftragsstärke höher, was zudem die mechanische Belastbarkeit und den Witterungsschutz des WDV-Systems verbessert.
Planung: Architektur: Dietrich | Untertrifaller Architekten, Bregenz mit Prof. Roland Gnaiger Projektleitung Günther Prechter Tragwerkplanung und örtliche Bauaufsicht: gbd ZT GmbH, Dornbirn Planung Haustechnik: Ingenieurbüro Mayer AG, Ottobeuren Lichtplanung: Pfarré Lighting Design, München Medienplanung: Martin Schniz, Stuttgart Brandschutzplanung: IBS-Institut für Brandschutztechnik und Sicherheitsforschung GesmhH, Linz Bauphysik: Ingenieurbüro Bernhard Weithas, Lauterach Landschaftsarchitektur: Barbara Bacher, Linz Ausführende Firmen Außenputz: Stuckateur- fachbetrieb Frank Mauer, Wangen im Allgäu Martin Neuhofer e.K., Immenstadt im Allgäu


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