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Kunstvoll verästelt

Neubau Berufsschule im niederländischen Doetinchem
Kunstvoll verästelt

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Im niederländischen Doetinchem ist ein neuer Berufsschulbau für das Grafschap College entstanden. Um den Entwurf in die grüne Umgebung einzubetten und um zugleich einen effektiven Sonnenschutz zu ermöglichen, hat das Delfter Architekturbüro cepezed den dreigeschossigen Kubus mit einer ornamentartigen Struktur aus perforiertem Corten-Stahl umhüllt.

Anforderung:

Neues Schulgebäude im Sportpark mit Interaktion zur grünen Umgebung

Lösung:

Perforierte Corten-Stahl-Segmente auf Aluminium-Sandwich-Fassade – mit der Optik von stilisierten Eichenbäumen


Robert Uhde

Das 1973 gegründete Büro Cepezed zählt zu den renommiertesten Architekturadressen in den Niederlanden. In Deutschland sind die Planer vor allem durch ihr Informatik-Zentrum in Berlin-Adlershof sowie durch ihre Projekte für den Sportwagenhersteller Porsche bekannt geworden. Ähnlich hochwertig gestaltet präsentiert sich jetzt der Ende 2018 eröffnete Neubau für das Grafschap College in der rund 50 000 Einwohner zählenden Kleinstadt Doetinchem, unweit der deutsch-niederländischen Grenze bei Emmerich. Der klimaneutral errichtete Neubau bietet auf drei Ebenen mit einer Bruttogeschossfläche von 5 800 m² Raum für rund 650 Schülerinnen und Schüler, die hier vor Ort eine sportliche, militärische oder militärtechnische Ausbildung absolvieren.

Das Grafschap College in Doetinchem gehört zu den größten Berufsschulzentren in der niederländischen Provinz Gelderland. An vier verschiedenen Standorten in der Stadt erhalten rund 10 000 junge Menschen eine Ausbildung in Technik, Informatik, Handwerk, Verwaltung, Wirtschaft, Tourismus, Pflege, Einzelhandel oder Pädagogik. Um die wachsenden Schülerzahlen aufzunehmen und dabei die Möglichkeiten eines großflächigen Sportparks im Süden der Stadt nutzen zu können, hatte die Einrichtung 2014 entschieden, ihr Angebot durch einen weiteren Standort mit Anbindung an die vorhandenen Sportplätze und eine dort neu errichtete Sporthalle zu erweitern.

Aus dem 2015 ausgeschriebenen Wettbewerb ging cepezed als Sieger hervor. Ausgehend von den Vorstellungen des Auftraggebers entwickelten die Planer einen kompakten, als Stahlkonstruktion errichteten Baukörper, der durch seine umlaufenden Fensterbänder und seine leicht erhöhte Lage auf einem großflächigen Sockelplateau ganz bewusst die Anmutung eines Pavillons im Grünen erhalten hat: „Ganz wichtig war uns dabei, dass man durch die Anhebung des Gebäudes auch vom Erdgeschoss aus über den angrenzenden Parkplatz hinwegblicken kann, um so die schöne Aussicht auf den angrenzenden Park zu genießen“, erklärt Projektarchitekt Koen van Tienen das Konzept. Die langgestreckte Treppenanlage mit integrierter Rampe sorgt dabei für einen fließenden und barrierefreien Übergang zwischen den unterschiedlichen Höhenniveaus.

Kontrastreich gestaltete Fassade

Eine zusätzliche Einbettung in den grünen Umraum ermöglicht die Fassadengestaltung, die zunächst ganz konventionell durch einen symmetrischen Wechsel von dunklen Aluminium-Sandwich-Elementen und 1,80 m hohen Fensterbändern geprägt ist. Die auf einer Fläche von 1 140 m² eingesetzten, jeweils 3,6 x 1,2 m großen Aluminium-Paneele (Stameta) wurden projektspezifisch angefertigt aus 2 mm dicken eloxierten Aluminiumblechen. Diese wurden auf jeweils 50 mm dicken EPS-Platten verleimt und dann vor Ort auf der darunter liegenden Holzrahmenkonstruktion des Gebäudes verschraubt. Die rückseitig integrierte, 2 x 80 mm dicke Dämmung aus PIR sorgt dabei für einen optimierten Wärmeschutz.

Wohltuend aufgelöst wird die Symmetrie durch eine ornamenthafte Struktur aus perforiertem und damit lichtdurchlässigem Corten-Stahl (Metadecor), die sich optisch wie eine Reihe stilisierter Eichenbäume um den Baukörper schmiegt: „Die Gestaltung schafft einen direkten Bezug zu dem vorhandenen Baumbestand vor Ort und ermöglicht gleichzeitig einen effektiven Sonnenschutz in den verschiedenen Klassenräumen“, erklärt Koen van Tienen.

Die Umsetzung der ungewöhnlichen Konstruktion erfolgte in enger Kooperation mit dem Fassadenspezialisten Metadecor aus Kampen, der nach den Vorstellungen der Architekten die verschiedenen Einzelsegmente angefertigt hat. „Jedes einzelne Element wurde dabei rückseitig mit angeschweißten U-Profilen verstärkt“, so Koen van Tienen. „Um die verschiedenen Elemente zu vergrößern, wurden die U-Profile der verschiedenen Teile dann auf der Baustelle zu größeren Elementen verschraubt und anschließend mit Pendelstangen am Holzrahmen befestigt.“

Intelligenter Grundriss

Bereits auf den ersten Blick überzeugt auch die Gestaltung des Innenraumes. Als zentrales Element fungiert dabei ein langgestrecktes, über große Oberlichter geöffnetes Atrium. Es steigt mit seinen verschiedenen Treppen und Zwischenebenen kaskadenartig über die gesamte Gebäudehöhe auf und erschließt dabei nicht nur die verschiedenen Ebenen, sondern bietet gleichzeitig auch vielfältige Möglichkeiten zur Interaktion und Begegnung.

Auf beiden Obergeschossen führen offene Galerien zu beiden Seiten des Atriums zu den verschiedenen Lehrräumen. Auf halber Höhe der Treppe findet sich außerdem die Kantine als räumliches Herz des Neubaus. Komplettiert wird das Raumprogramm durch eine schuleigene Küche, durch das Lehrerzimmer sowie durch extern vermietete Räume im Erdgeschoss. Im Souterrain unterhalb des Sockels stehen außerdem eine Fahrradgarage sowie Umkleidekabinen und Schließfächer zur Verfügung.

Interieur und Haustechnik

Mit der Planung und Umsetzung des Interieurs war die büroeigene Abteilung cepezedinterieur verantwortlich. Ein besonderes Detail ist dabei die einprägsame Materialsprache: „Ganz bewusst haben wir versucht, die Identität der hier untergebrachten Fachbereiche durch eine entsprechende Kombination von Materialien, Texturen und grafischen Elementen umzusetzen“, so Koen van Tienen. „So haben wir einerseits feste Materialien wie schwarzes Gummi und Holz für die Böden verwendet, um einen eher militärischen Look zu erhalten und andererseits aber auch neonfarbene Akzente gesetzt, um dynamische Bezüge zum Bereich Sport zu ermöglichen.“

Komplettiert wird das Projekt durch eine nachhaltige Gebäudetechnik, die neben PV-Modulen und Klimadecken auch eine energiesparende Beleuchtung umfasst. Im Ergebnis gelang es so, den Neubau zu einem der ersten ohne Erdgas betriebenen Schulgebäude in den Niederlanden zu machen.


Objekt: Berufsschule Graafschap College in Doetinchem (NL)

Standort: Sportweg 3, Doetinchem (NL)

Bauherr: Graafschap College, Doetinchem (NL)

Planung: cepezed, Delft (NL)
Planungsteam: Ronald Schleurholts, Jan Hotekamer, Koen van Tienen, Teun Kruip, Ruud van Ginneken, Tibo Hoek
www.cepezed.com

Innenraumgestaltung: cepezedinterieur, Delft
www.cepezedinterieur.com

Projektentwicklung: Aveco de Bondt

Bauunternehmen: Klaassen Groep, Dinxperloo (NL)

TGA: Pola Installatietechniek, Zevenaar (NL)

BGF: 5 800 m2

Fertigstellung: 10|2018


Architekt Koen van Tienen: „Die Sicht nach außen bleibt dabei aber aufgrund der Perforation weitgehend erhalten, gleichzeitig ergibt sich ein schönes Schattenspiel im Innenraum.“


Verstärkt und vergrößert

Die Corten-Stahl-Segmente wurden rückseitig mit U-Profilen verstärkt. Um die verschiedenen Elemente zu vergrößern, wurden die U-Profile auf der Baustelle zu größeren Elementen verschraubt und anschließend mit Pendelstangen am Holzrahmen befestigt.




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