Fachwerkhaussanierung in Kirchhundem im Sauerland

Kleinod gerettet

Fachwerkbauten prägen mit ihrem Charme seit Jahrhunderten das Bild ländlicher Siedlungen und historischer Altstädte.

Rund 2,5 Millionen dieser Zeugnisse alter Handwerkskunst gibt es heute noch deutschlandweit.
Galten Fachwerkbauten in den fünfziger und sechziger Jahren aufgrund unzureichenden Komforts als nicht zeitgemäß, so hat sich dies in den letzten Jahrzehnten mit dem zunehmendem Interesse an historischen Bauten und individuellen Gebäuden gewandelt. Den heutigen Ansprüchen an modernen Wohnkomfort angepasst, sind sie längst zu Liebhaberobjekten avanciert. Nicht zuletzt deshalb räumen die örtlichen Denkmalschutzbehörden ihrer Erhaltung und Modernisierung den gebührenden Stellenwert ein.
Sorgfältige Bestandsaufnahme
Fachwerkbauten sind Holzskelettkonstruktionen, die mit besonderer Sorgfalt saniert werden müssen. Ansonsten besteht die Gefahr, die Tragfähigkeit des Hauses aufs Spiel zu setzen und durch ungenügenden Wärmeschutz und Wärmebrücken Feuchtigkeit ins Haus zu holen. Häufig ist die Unterhaltung der Bausubstanz jahrzehntelang vernachlässigt worden und dadurch das Tragwerk in Mitleidenschaft gezogen. Die Folgen sind brüchige Ausmauerungen und rissige, marode und von Braunfärbung und Würfelbruch befallene Holzbalken.
Da viele Schäden auf den ersten Blick nicht erkennbar sind, ist die Fachwerkbauweise unter bautechnischen Gesichtspunkten als problematisch einzuschätzen.
Das Ehepaar Poggel hat für die Sanierung ihres Fachwerkhauses in Kirchhundem mit Georg Koch einen Architekten gefunden, der die persönliche Beziehung der Bauherren zu dem Haus verstand und ihre Wünsche und Vorstellungen stets respektierte, während er das notwendige Know-how einbrachte.
Die gravierenden Schäden an der Bausubstanz des Hauses zeigten sich in ihrem ganzen Ausmaß erst bei der sorgfältigen Bestandsaufnahme.
Sanierung von Grund auf
Die Sanierungsarbeiten begannen mit der kompletten Entkernung des Haupthauses. Zuerst wurde die Ausfachung aus Lehm, Strohgebinde und Ziegel, die noch aus dem Wiederaufbau des Hauses nach einem Brand im Jahre 1797 stammte, entfernt und das Fachwerk aus Eichenholz freigelegt.
Die Überprüfung der Tragfähigkeit ergab, dass vor allem im Erdgeschoss tierische und pflanzliche Schädlinge ganze Arbeit geleistet hatten. Dies machte umfangreiche Holzreparaturen erforderlich und den Ersatz aller tragenden befallenen Holzbalken. Zudem stellte sich heraus, dass die Fundamente des Hauses nur aus einfachen, flachen Felssteinen bestanden, worauf eine Balkenlage ausgelegt war mit einer Dielung aus Fichtenholz.
Die Konsequenz war, das Haus mit Fichtenstämmen abzustützen und die alten „Fundamente“ zu entfernen. Dann erst konnten neue Wasser- und Stromleitungen verlegt, anschließend alle tragenden Wände abschnittsweise mit 1 m tiefen, frostsicheren Streifenfundamenten aus Beton unterfangen und schließlich eine massive Bodenplatte gegossen werden.
Als tragende Decken für die anderen Geschosse kamen Leimbinder zum Einsatz, auf die eine Dämmung und abschließend der Estrich aufgebracht wurde.
Weitaus aufwändiger waren die Holzarbeiten: Faule Eichenbalken mussten ausgewechselt, alle anderen abgeschliffen und mit einer neuen dampfdurchlässigen, elastischen Holzschutzlasur versehen werden.
Alle Balken für das Fachwerk, sowohl die alten sanierten als auch die neuen, haben einen Feuchtegehalt unter dem kritischen Wert von 16 % (massebezogen). Dadurch werden die Schwind- und Quellvorgänge, denen jedes Fachwerk unterworfen ist, auf ein Mindestmaß reduziert.
Erneuerung der Gefache
Nachdem die Holzständerkonstruktion fertig gestellt war, wurde die Ausmauerung der Gefache in Angriff genommen, die als Raumabschluss für den notwendigen Wärme- und Schallschutz sorgen.
Zugleich muss die Ausmauerung so elastisch sein, dass sie die Quell- und Schwindbewegungen des Holzes auffängt. Für die Erneuerung der Gefache ist es sinnvoll, auf Baustoffe zurückzugreifen, die sich in alle Gefachformen einpassen lassen.
Architekt und Bauherr entschieden sich hier für Porit-Porenbeton – einen Baustoff, der für diese anspruchsvolle Aufgabe besonders geeignet ist.
Die massiven und dennoch leichten Porenbetonsteine lassen sich millimetergenau sägen und so komplizierten Gefachformen anpassen. Darüber hinaus besitzt dieses Material eine sehr gute Wärmedämmung. Für den Bauherren war auch von Bedeutung, dass Porenbeton als natürlicher und wohngesunder Baustoff anerkannt ist, mit dem außer einer guten Bauqualität ein hoher Wohnwert erreicht wird.
Konstruktion
Bei einer Balkendicke von 17 cm ergab sich folgende Konstruktion: Zur Verankerung des Porenbeton-Mauerwerks wurden zunächst Dreikantleisten umlaufend an die Gefachhölzer genagelt und danach die Gefache um die Putzdicke zurückversetzt mit 11,5 cm dicken Porit-Plansteinen ausgemauert.
Zum Holz hin wurden die Steine mit einer zu den Leisten passenden Nut ausgesägt, um ihnen festen Halt zu geben. Die Fugen zwischen Porenbeton und Holz sind mit einem bis zu 2 cm dicken Wärmedämm-Mörtel ausgefüllt worden. So werden die Toleranzen und Verformungen der Holzkonstruktion ausgeglichen.
Der auf die Plansteine aufgebrachte Putz liegt mit dem Fachwerk auf einer Ebene. Damit kann Regenwasser schnell ablaufen und witterungsbedingte Feuchtigkeit abtrocknen. Um auch den nötigen, heute mit der Energieeinsparverordnung geforderten Wärmeschutz zu erreichen – die 17 cm dicke Fachwerkwand reicht dafür zusammen mit dem Außen- und Innenputz natürlich nicht aus – ist die Außenwand anschließend mit 17,5 cm dicken Plansteinen von innen hintermauert worden. Steinwolle kam als zusätzliche Dämmung dazwischen.
Damit erreichte die gesamte Wandkonstruktion einen U-Wert von 0,266 W/m²K.
Anbau
Der Anbau wurde bis auf das Bruchsteinmauerwerk des Erdgeschosses abgerissen und neu mit 30 cm dicken Porit-Plansteinen hochgezogen. Um den Fachwerkcharakter herzustellen, wurde der Außenwand eine Holzkonstruktion aus Fichtenbalken mit einer Ausmauerung aus 11,5 cm dicken Plansteinen vorgesetzt. Beide Wände sind miteinander verdübelt.
Für alle tragenden Innenwände von Haupthaus und Anbau kamen 24,5 cm und für alle nichttragenden 11,5 cm dicke Steine zum Einsatz.
Weitere Informationen
Porenbeton-Plansteine bba 510
Planung: Arch. Bauing. grad. Georg Koch,

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