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Keramische Fliesen und Platten für die Fassadengestaltung

Frische Optik mit uraltem Material
Keramische Fliesen und Platten für die Fassadengestaltung

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Fassaden benötigen heute in aller Regel eine zusätzliche Wärmedämmung und werden dann als Verbund- oder hinterlüftete Systeme ausgeführt. In beiden Fällen lassen sich keramische Fliesen und Platten als sehr beständige und elegante Bekleidungen für eine zeitgemäße Fassadengestaltung einsetzen.

Markus Hoeft

Gebrannter Ton ist ein sehr altes Baumaterial und dabei auf verblüffende Art zeitlos. Keramische Oberflächen erreichen ohne besondere Wartung lange Standzeiten an oder auf Gebäuden und sehen dabei nach Jahrzehnten oft noch genauso aus wie am ersten Tag. Vor allem die Farbgebung des gebrannten Scherbens hat eine Stabilität, wie sie kaum ein anderes Material aufweist. Der Unterschied zwischen gebauter und angestrichener Farbe tritt hier besonders offenkundig zu Tage.
Mit ihrer Dauerhaftigkeit und ihre geringen Anfälligkeit gegen optische Veränderungen und Verschmutzungen eignen sich keramische Werkstoffe auch und gerade als Werkstoff für die Fassadengestaltung. Das 20. Jahrhundert hat dabei zum Beispiel auf gemauerte Klinkerfassaden, direkt angemörtelte Spaltkeramik oder auch auf Klinkerriemchen gesetzt. Es entstand eine Formensprache mit traditionellen Farben, Formaten und Fugenbildern, die zwar bis heute nicht ausgesprochen altmodisch wirkt, aber doch eine gewisse formale Enge und Konvention nicht leugnen kann – Klinkerriemchen und Spaltkeramik haben eben stets eine erwartbare und nicht unbedingt avantgardistische Optik.
Entwicklungen der letzten Jahrzehnte zeigen aber, dass Keramik auch anders geht: Mit frischeren Farben, überraschenden Formaten und innovativen Befestigungssystemen. Diese Fassaden aus (Ziegel-)Platten und (Steinzeug-)Fliesen befreien den Planer aus dem Korsett eines relativ starren Gestaltungskanons und ermöglichen individuelle, unverwechselbare Gebäudeansichten. Erhalten bleiben auch bei diesen Lösungen die Eleganz und die dauerhafte Wertbeständigkeit, die keramische Fassadengestaltung/-bekleidungen auszeichnen.
Feuchtehaushalt
Neben den gestalterischen Aspekten hat sich in den letzten Jahrzehnten auch die energetische Funktion von Fassaden gewandelt. Anders als früher benötigen sie heute fast immer eine Wärmedämmung, so dass in technischer Hinsicht entweder vorgehängte hinterlüftete Fassaden (VHF) oder aber Wärmedämm-Verbundsysteme (WDVS) ausgeführt werden. Die Entscheidung für das eine oder andere System hat Auswirkungen auf die mögliche Größe der Bekleidungselemente.
Keramische Fliesen oder Platten sind weitgehend wasser- und diffusionsdicht, weshalb für eine sichere Abführung von eventuell eingedrungener Feuchtigkeit hinter der Bekleidung gesorgt werden muss.
In VHF übernimmt die Hinterlüftung diese Funktion, so dass es aus bauphysikalischer Sicht keine Formatbeschränkung für das einzelne Bekleidungselement gibt. Die Größe der Fliesen und Platten ist faktisch nur durch die Fertigungs-, Transport- und Befestigungsbedingungen begrenzt.
In Verbundsystemen, bei denen der keramische Belag direkt auf die Wärmedämmung bzw. auf ihren Armierungsputz appliziert wird, stehen für die Feuchteabfuhr und den Ausgleich von Spannungen infolge thermischer Längenänderungen nur die Fugen zur Verfügung. Um genügend Fugenfläche gewährleisten zu können, begrenzen die Standardzulassungen für WDVS mit keramischer Bekleidung die Formatgrößen der Fliesen und Platten meist auf maximal 30 x 30 cm. Die Lösungen sind vor allem für Kombinationsfassaden interessant, bei denen WDVS mit Putzoberfläche in architektonisch besonders zu betonenden Teilbereichen mit keramischen Belägen kombiniert werden.
Größere Fliesen oder Platten in Verbundaufbauten benötigen eine Belüftung und Entkopplung, wie sie zum Beispiel das System Ceravent bietet, das eine Verdoppelung der Bekleidungsformate bis zu 60 x 60 cm ermöglicht. Ein eigenständiger und verdübelter Belagsträger schafft dabei eine 10 mm dicke Luftschicht, die Wasserdampf abführen und Rissbildungen infolge kritischer Scherspannungen vermeiden kann. Ceravent ist als Komplettsystem aus Komponenten verschiedener Hersteller für den Einsatz auf Wärmedämmungen bis 190 mm Dicke zugelassen. Die Zulassung umfasst den Systemaufbau aus der Bekleidungsträgermatte von Gutjahr, den Fliesenverlegewerkstoffen von PCI sowie den Fliesenserien Chroma II und Keraion von Agrob Buchtal. Weil Ceravent auch auf problematischen und „haftungsfeindlichen“ Untergründen verarbeitet werden kann, eignet es sich speziell für Sanierungen, wo es auch auf unzureichend haftenden Altputzen oder alten Wärmedämmungen eingesetzt werden kann.
Hinterlüftet mit Ziegelplatten
In den 1980er Jahren entstand in einer Arbeitsgemeinschaft deutscher Dachziegelwerke die Idee für ein vorgehängtes hinterlüftetes Fassadensystem auf der Basis von stranggepressten Ziegelplatten, das später unter dem Namen Argeton bekannt wurde und sich unter dieser Bezeichnung bis heute bei Wienerberger im Sortiment befindet. Andere Firmen verließen später die Entwicklungsgemeinschaft bzw. brachten ähnliche oder modifizierte Systeme unter jeweils eigenen Produktnamen auf den Markt. So entwickelte Wienerberger selbst neben Argeton die besonders leichte Variante Argelite. Möding spricht von Alphaton- und Longoton-Fassaden, Creaton nennt sein System Tonality, NBK fasst unterschiedliche Lösungen unter Terraart zusammen und Agrob Buchtal bezeichnet das entsprechende Teilsortiment als Keratwin.
Eine große und vielleicht auch etwas verwirrende Bezeichnungsvielfalt, hinter der sich aber immer wieder bestimmte Kerngedanken finden: Keramische Platten, die sehr einfach in jeweils systemzugehörige Unterkonstruktionen eingehängt oder eingeclipst werden, so dass eine nicht sichtbare Befestigung entsteht. Durch die Herstellung mittels Strangpressen ist die Höhe der Elemente stets begrenzt, in der Regel auf 500 mm (in Einzelfällen auch bis 1 000 mm). Die möglichen Längen betragen meist bis 1 500 mm, in speziellen Sortimenten bis 3 000 mm.
Für den Architekten dürften aber in vielen Fällen gar nicht diese jeweiligen Maximalmaße relevant sein, sondern
die Vielfalt der möglichen Zwischenmaße bei der Fassadengestaltung, aus denen paneelartigen Elementen ein regelmäßig-ruhiges, betont rechteckiges Fugenraster entsteht.
Gemeinsam mit den Ziegelfarben bildet dieses Raster das Hauptgestaltungsmittel der Fassaden. Für die Oberflächen stehen alle vom Dachziegel bekannten Gestaltungsmöglichkeiten und Farbwelten zur Verfügung. Mit einer speziellen Farbbeeinflussung durch die Tonmischung und den Brand sowie mit Engoben oder Glasuren lassen sich sowohl erdig-naturnahe als auch ausgesprochen farbige Elemente herstellen und an der Fassade auch beliebig mischen. Die für Ziegel typische Farbbrillanz und –stabilität sorgen dafür, dass die vom Planer gewählte Gestaltungsvariante für lange Zeit optisch unverändert erhalten bleibt.
Gestaltung mit Tiefe
Auch wenn Argeton und die aus markenrechtlichen Gründen anders bezeichneten verwandten Systeme die genannten Kerngedanken gemeinsam haben, gibt es natürlich Unterschiede, z.B. in den als Standard verfügbaren oder objektbezogen gefertigten Formaten, aber auch in den Details der nicht sichtbaren Befestigung oder in der Angebotsbreite bei Farben, Formteilen und Zubehör.
Im Grundsatz sind die einwandigen und die doppelwandig mit Hohlkammern ausgeführten Ziegelplatten zu unterscheiden, wobei letztere die größere Stabilität, aber auch das höhere Flächengewicht an der Fassade aufweisen. Die Oberflächen der Platten können glatt sein, aber auch Texturen in Form von Rillen, Wellen oder Scheinfugen haben, wodurch die Fassade eine gewisse Tiefe bekommt.
Die Gestaltung in der dritten Dimension lässt sich mit Stabziegeln, die auch Baguettes genannt werden, noch weiter vorantreiben. Es handelt sich dabei um stabförmige Elemente mit rechteckigem oder auch elliptischem Querschnitt, die hauptsächlich in Fensterbereichen, zur Gestaltung offener Fassaden oder als Sonnenschutz eingesetzt werden. Mit gekrümmten Baguettes aus projektbezogener Herstellung lassen sich selbst runde Formen ausführen. Eine ähnliche Vielfalt zeigen die Ecklösungen, die klassisch mit Eckfuge, aber mit speziellen Formteilen auch als vollkeramische Ecke bzw. Rundung möglich sind.
Weitere Auswahlkriterien für ein bestimmtes System können beispielsweise sein, ob neben der klassischen Querformat-Optik auch Hochformat-Fassaden ausführbar sind oder ob für den Sockel- und Erdgeschossbereich spezielle Qualitäten wie Graffitischutz, Demontage- sicherung oder auch geprüfte Ballwurfsicherheit vorhanden sind.
Großformate im Quadrat
Die verschiedenen keramischen Fliesen und Platten für die Fassadengestaltung werden gemäß DIN EN 14411 Keramische Fliesen und Platten – Begriffe, Klassifizierung, Gütemerkmale und Kennzeichnung vor allem nach dem Formgebungsverfahren und der Wasseraufnahme klassifiziert. Die Norm macht dabei keinen Unterschied zwischen Fliesen und Platten. Traditionell werden aber Ziegel für die Fassade aufgrund ihrer Herstellungsart meist als Platten bezeichnet, während der Begriff Fliesen in diesem engeren Sinne für Steinzeug und Feinsteinzeug verwendet wird.
Über die Eignung einer Fliese für den Außenbereich und damit die Fassade entscheidet vor allem die geringe Wasseraufnahme. Anders als die länglich-paneelartigen Ziegelelemente können Fliesen auch in großen quadratischen Formaten hergestellt werden, was den Gestaltungspielraum vergrößert. Ebenso wie die geringe Fliesenstärke die Eleganz und Leichtigkeit der Fassade erhöhen kann. Diese Leichtigkeit drückt sich in der optischen Wirkung der Fassade, aber auch in ihrem tatsächlichen Flächengewicht aus: Je nach Aufbau können Werte um 20 kg/m² erreicht werden, während einwandige Ziegel meist etwas über 30 kg/m² liegen und Fassaden aus zweiwandigen Ziegelplatten sogar über 60 kg/m² schwer sein können.
Auch bei Steinzeugfassaden hat sich weitgehend die nicht sichtbare Befestigung durchgesetzt, zum Beispiel mit Hinterschnittankern und Agraffen, die in die Unterkonstruktion eingehängt werden. Ein solches Befestigungssystem bietet Agrob Buchtal für seine verschiedenen Feinsteinzeugserien an. Elastische Zwischenlagen zwischen Agraffen und Keramik sowie Justierschrauben an den Agraffen sorgen dabei für eine zwängungsfreie Lagerung und eine saubere Optik mit besonders gleichmäßigem Fugenbild.
Einen anderen Weg ging der gleiche Hersteller bei seinen großformatigen Steinzeugplatten Keraion Quadro. Auf ihrer Rückseite befinden sich keramische Verbundkörper mit integrierter Edelstahlschraube, an der die Agraffen bzw. Plattentragprofile befestigt werden. Das nur 8 mm dicke Material erfährt dadurch keine Schwächung durch die Hinterschnittanker. Keraion zeichnet sich darüber hinaus durch eine große Formatvielfalt bis zur Größe von 120 x 120 cm aus. Kleinere Fliesenformate bis 0,12 m² Fläche können auch als Verbundelemente Keraion Plus verarbeitet werden. Eine 8 mm starke Trägerplatte wird dabei werkseitig mit Keramikelementen beklebt sowie verfugt und die vorgefertigte Platte dann als Ganzes nicht sichtbar an der Unterkonstruktion befestigt. Mit SikaTack-Panel hat Agrob Buchtal außerdem ein zugelassenes System für dauerelastisch auf einer Unterkonstruktion verklebte Steinzeugfliesen bis 120 x 120 cm Größe. Die Ausführung dieser innovativen und nach Herstellerangaben auch sehr wirtschaftlichen Verklebung darf nur von Firmen mit einem Eignungsnachweis gemäß der Zulassung ausgeführt werden.


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