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Fassade sauber planen

Reinigungsgerechte Gebäudeplanung senkt Betriebskosten
Fassade sauber planen

Dipl.-Ing. Olaf Meier

Ein jährlicher Aufwand von drei bis sechs Prozent der gesamten Baukosten allein für die Gebäudereinigung ist Anlass genug, bereits in der Planungsphase des Gebäudes die Reinigung nicht zu vergessen.
Nicht nur im Innenbereich lässt sich durch einfache Maßnahmen und richtige Auswahl von Materialien der Reinigungsaufwand reduzieren, auch die richtige Gestaltung der Fassade bietet erhebliches Einsparungspotenzial.
Bei den Betriebskosten von Gebäuden stehen die Reinigungskosten an erster Stelle. Nach rund 20 Jahren erreichen sie im Schnitt schon die Höhe der Baukostensumme.
Die Grundlagen für einen hohen Reinigungsaufwand werden dabei leider schon oft in der Planungsphase gelegt. Trotz gleichem Nutzungszweck von Gebäuden können bei unterschiedlicher Baugestaltung die Reinigungskosten einen Unterschied von mehr als 100 Prozent ausmachen.
Materialauswahl und Zugänglichkeit
Durch die richtige Materialauswahl und relativ einfache Planungs-Grundregeln lassen sich diese Aufwendungen jedoch deutlich reduzieren – nicht nur im Innenbereich z. B. bei der Bodenreinigung (siehe bba 3/2004, Seiten 44 ff), sondern auch bei der Gebäudehülle.
„Neben der Auswahl des Werkstoffes, mit dem die Fassade beschichtet bzw. verkleidet wird, spielt auch die Zugänglichkeit von Fassade und Fenstern für das Reinigungspersonal eine entscheidende Rolle“, so Martin Lutz vom Forschungs- und Prüfinstitut für Facility Management (FIGR). Das Metzinger Institut hat sich insbesondere auf den Bereich Gebäudereinigung spezialisiert und bietet dazu Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen und Beratungsdienstleistungen an.
Imprägnierung, Putz oder Lotus-Effekt
Abgase oder der Bewuchs mit Algen und Pilzen sorgen dafür, dass das „Gesicht“ eines Gebäudes schnell alt aussehen kann. Fassaden bieten Kleinstorganismen häufig eine gute Lebensgrundlage. Dort finden sie Licht, organische Nahrung (Schmutz) und vor allem Wasser. Eine weit verbreitete Methode zur Bekämpfung ist der Einsatz hochgiftiger Biozidanstriche. Allerdings hat dieses Verfahren einen großen Nachteil: Um wirken zu können, müssen Biozide wasserlöslich sein. Dadurch werden sie innerhalb von zwei bis fünf Jahren ausgewaschen, der Anstrich muss wieder erneuert werden.
Um Fassaden aus saugfähigen, mineralischen Baustoffen vor diesen unansehnlichen Verschmutzungen langfristig zu schützen, hat die Degussa AG Protectosil SC Concentrate entwickelt.
Diese „easy-to-clean“-Beschichtung wird exklusiv von der Firma efinger & albani in Deutschland vertrieben. Mit ihr behandelte Flächen bleiben länger sauber und eventuelle Reinigungen sind einfacher durchzuführen.
Die Fassaden zeigen bei Regen keine unschönen, dunklen Wasserablaufstreifen und sind weniger anfällig gegen Bewuchs mit Mikroorganismen.
Protectosil SC Concentrate bildet eine wasserdampfoffene, farblose hydro- und oleophobe Imprägnierung und erzeugt so einen guten Abperleffekt gegen Wasser und öl- bzw. fettverwandten Verschmutzungen.
Die Beschichtung kann auf vielen porösen, mineralischen Baustoffen verwendet werden, wie z. B. auf Beton, Ziegelmauerwerk, Sandstein, Granit oder Marmor.
Weitere Informationen bba 510
Eine Alternative zum Einsatz von chemischen Verfahren sieht das Unternehmen Saint-Gobain Weber in der Verwendung von dickschichtigen, mineralischen Edelkratzputzen als Fassadenbe-schichtung, wie z. B. den Typen terranova 200, 201 oder 202.
Derartige Putze mit Zement und Kalk als Bindemittel verfügen über eine geringe Wasseraufnahme und eine sehr schnelle Wasserabgabe. Zusätzlich ist bei dickschichtigen mineralischen Putzsystemen der Tauwasserfall in der Nacht geringer, die Fassade bleibt dadurch länger trocken. Durch den Wasserhaushalt des Putzes wird kein Wasser in der Fassade gespeichert – Algen und Pilze verlieren so ihre Lebensgrundlage. Gleichzeitig verhindert der hohe pH-Wert in den zement- und kalkhaltigen Putzen das Wachstum von Mikroorganismen. Ein weiterer positiver Aspekt ist die Fähigkeit zur Selbstreinigung: Fast alle mineralischen Beschichtungen weisen ein mehr oder minder ausgeprägtes Kreiden der Oberfläche auf. Mit den herunterrieselnden Körnern werden sowohl Schmutz als auch anhaftende Keime und Sporen von der Fassade entfernt.
Weitere Informationen bba 511
Lotuseffekt
Geht es um Selbstreinigung, dann erregte in der Vergangenheit der Lotus-Effekt viel Aufmerksamkeit: Nach dem Vorbild der Lotus-Blätter bleiben Wasser und Schmutz auf einer mikrorauen Oberfläche nicht haften, das so beschichtete Bauteil kann sich selbst reinigen.
Doch Martin Lutz vom FIGR ist hier skeptisch: „Dieser Effekt funktioniert unbestritten, zumindest im Laborversuch. Doch in der Praxis kann die angestrebte Selbstreinigung daran scheitern, dass in Deutschland einfach nicht genug Niederschlag fällt.“ Denn ausreichend Wasser ist notwendig, um den Schmutz komplett abzuwaschen. Allerdings lassen sich Oberflächen mit Lotus-Effekt zumindest einfacher reinigen, sei es auch mit dem Wasserschlauch.
Bekanntestes Beispiel für die Umsetzung des Lotus-Effektes ist die Fassadenfarbe Lotusan der Sto AG.
Die mikroraue, nicht benetzbare Oberflächenstruktur der Farbe bietet Schmutz und Mikroorganismen keinen Halt. Partikel und Pilzsporen bleiben nicht haften, sie liegen nur lose auf und können so von Wassertropfen weggespült werden. Die Silicon-Farbe ist in Weiß und verschiedenen Farbtönen nach dem Sto Color System – es umfasst insgesamt 800 Farbtöne – erhältlich und kann individuell abgetönt werden.
Weitere Informationen bba 512
Auch Fenster erfordern Aufmerksamkeit
Auch bei Fenstern bietet die Industrie inzwischen „selbstreinigende“ Lösungen an.
„Die Selbstreinigung hat hier allerdings nichts mit dem Lotus-Effekt zu tun“, weiß Lutz. „Im Gegenteil, man beschichtet die Glasoberfläche besonders wasseranziehend.“
Pilkington bietet zum Beispiel mit Pilkington Activ ein derartig beschichtetes Glas, das gleich auf zweifache Weise sich selbst reinigt: Zunächst reagiert die Beschichtung mit Hilfe eines „photokatalytischen“ Prozesses mit der ultravioletten Strahlung des Tageslichts und zersetzt organische Verschmutzungen. Eine direkte Sonnenbestrahlung ist dazu nicht erforderlich.
Der zweite Teil des Prozesses läuft ab, wenn Regen oder Wasser auf das Glas treffen: Da Pilkington Activ „hydrophil“ ist, bilden sich keine Tropfen, sondern das Wasser verteilt sich in einem gleichmäßigen Film auf der Oberfläche und nimmt den gelösten Schmutz beim Ablaufen mit.
Im Vergleich zu konventionellem Glas trocknet das Wasser auch sehr schnell und lässt keine unansehnlichen „Trocknungsflecken“ zurück. Der Reinigungsaufwand reduziert sich so deutlich.
Weitere Informationen bba 513
Auch Saint-Gobain Glass bietet mit der Produktfamilie „Clean“ ein ähnliches Fensterglas.
Es ist für den Außenbereich in zwei Versionen erhältlich: Der Typ „Aquaclean“ ist nur mit einem hydrophilen Material beschichtet, der Typ „Bioclean“ bietet zusätzlich eine photokatalytische Wirkung.
Weitere Informationen bba 514
Manuelles Fensterputzen leicht halten
Aber trotz aller Beschichtungen – ganz auf eine manuelle Reinigung der Fenster wird wohl nie verzichtet werden können. Und der Aufwand dafür sollte schon in der Planung berücksichtigt werden.
So werden teilweise Gebäude realisiert, bei denen ein einzelnes kleines Fenster nur durch eine Hubarbeitsbühne erreichbar ist. Die Reinigung kostet dann schnell mehrere hundert Euro – oder das Fenster wird erst gar nicht gereinigt und verschmutzt immer weiter. „Fenster sollten nach Möglichkeit vom Inneren des Gebäudes her leicht zugänglich sein und von dort aus auch beidseitig gereinigt werden können“, rät denn auch Martin Lutz.
Ist dennoch eine Reinigung von außen nicht zu vermeiden, müssen entsprechend sichere Anschlagpunkte für Sicherheitsgeschirr, Fassadenbefahranlagen, begehbare Fassadenumläufe oder zumindest sichere Standplätze zum Aufstellen von Leitern bzw. Hubarbeitsbühnen vorgesehen sein.
Das bedeutet, dass der Architekt auch bei der Gestaltung der Außenanlagen immer die Reinigung des Gebäudes im Hinterkopf haben muss. So müssen die umlaufenden Bodenflächen ausreichend befestigt sein; Pflanzen oder Stufen erschweren das Aufstellen von Leitern und machen den Zugang mit Hubarbeitsbühnen unmöglich. Fehlen diese Möglichkeiten, müssen Reinigungsunternehmen auf weniger abgesicherte Arbeitsmethoden ausweichen, wie zum Beispiel Leitern mit großen Längen einsetzen, überhängend arbeiten, klettern oder ähnliches. Dies bedeutet nicht nur mehr Aufwand und damit mehr Kosten, sondern stellt auch eine potenzielle Gefährdung des Reinigungspersonals dar.
Weitere Informationen zu diesem komplexen Thema sind ebenso erhältlich bei FIGR Forschungs- und Prüfinstitut für Facility Management GmbH, Herr Martin Lutz, Lise-Meitner-Straße in 71555 Metzingen, Telefon 07123/9750-0.
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