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Neubau einer Hauptniederlassung in München von OSA Ochs Schmidhuber Architekten

Neubau einer Hauptniederlassung in München von OSA Ochs Schmidhuber Architekten
Fassade ist Ansichtssache

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Neben technischen und konstruktiven Anforderungen trägt die Fassade als äußerste Schicht zur gestaltprägenden Erscheinung eines Gebäudes bei. Dass über die Hülle eines Bauwerks bereits vieles über dessen Funktion und Nutzen an die Umwelt kommuniziert wird, lässt sich am Neubau der Arthrex Hauptniederlassung in München von OSA Ochs Schmidhuber Architekten beispielhaft erkennen.

Dipl.-Ing. Nikolai Ziegler

Die Architektur (OSA Ochs Schmidhuber Architekten) wirkt ruhig und kontrolliert. Fast schon als gebauter Gegensatz zu den dunklen Wolken, die über dem Bau am Himmel aufziehen. In konzentrierter Regelmäßigkeit und Zuverlässigkeit reihen sich hochformatig Fenster an Fenster. Horizontale Fassadenbänder kennzeichnen die vier aufeinander folgenden Geschosse der Hauptfassade. Nicht nur die strenge Fassadengliederung, auch der reinweiße Farbton sämtlicher Fassadentafeln lässt einen hochwertigen, fast schon klinischen Eindruck entstehen.
Und tatsächlich, bei dem Neubau am westlichen Stadtrand Münchens handelt es sich um die europäische Hauptniederlassung eines weltweit führenden Herstellers von orthopädischen Medizinprodukten, Arthrex. Das Unternehmen mit Firmensitz in Florida, das 1981 in München gegründet wurde, baut damit seinen Münchner Standort zu einem Forschungs- und Vertriebsstandort für ganz Europa aus.
Nutzungskonzeption
Das Grundstück, auf dem der Bau entstand, gehört zur letzten größeren Entwicklungsfläche innerhalb der Münchner Stadtgrenzen. Auf 350 ha entsteht derzeit ein neues Quartier, in dem bis zu 20 000 Menschen leben und 7 500 arbeiten sollen.
Zu seiner Auffassung von Stadtstrukturen sagt Florian Schmidhuber:„Jahrhundertelang bildete eine gesunde Durchmischung von Gewerbe, Wohnen, Leben und Arbeiten den Kern städtischen Zusammenlebens. Diese Verzahnung aller Lebensbereiche verliert zunehmend an Bedeutung. Doch wie viel Gewerbe verträgt ein Wohngebiet? Und lässt sich verhindern, dass monokulturelle Baugebiete sich zu gesellschaftlichen Brennpunkten entwickeln? Charakteristisch für den verantwortungsvollen Umgang mit Gemeindegebiet sollte es bleiben, alle Lebensbereiche abzubilden und so das Wesen urbaner Existenz zu sichern“.
Der Bebauungsplan für das gesamte Gebiet in Freiham stammt ebenfalls vom Münchner Architekturbüro OSA Ochs Schmidhuber Architekten. Er bildete die Voraussetzung für die Entwicklung einer Corporate Architecture für Arthrex für momentan 375 Mitarbeiter mit einem Nachverdichtungspotenzial auf insgesamt 550 Mitarbeiter.
Schmidhuber erläutert weiter: „Arthrex ist ein weltweit agierender Hersteller für Medizinprodukte – ein sehr sensibles Thema. Es ging uns bei dem Entwurf deshalb nicht allein darum, eine neue Wirkstätte für die Mitarbeiter zu schaffen. Für uns als Architekten bestand die Herausforderung vor allem in der Verknüpfung von Unternehmensinhalten und Architektur. Klarheit, Transparenz und Funktionalität standen dabei für uns im Vordergrund.“
Corporate Identity
Entstanden ist ein Gebäude, das die Grundwerte der Marke Arthrex sichtbar werden lässt. Klare Linien in der Baukörperpositionierung bei hoher Funktionalität der Räume. Auf dem Baugrundstück von 9 485 m² wurde mit der Arthrex Hauptniederlassung ein Verwaltungsbau realisiert, der auf einer Bruttogeschossfläche von 18 000 m² neben Büroarbeitsplätzen ein Schulungszentrum, ein Konferenzbereich sowie eine Kantine beherbergt.
In seiner klaren, geradlinigen Struktur bildet der Neubau ein architektonisches Äquivalent zu den klinischen Produkten und Operationstechniken des Herstellers.
An den viergeschossigen, abgewinkelten Hauptbau schließen sich in kammartiger Struktur drei Flügel an, die sich jeweils über zwei Geschosse erstrecken. Der Grundriss des Gebäudes zeigt sich großräumig und lichtdurchflutet. Während das Erdgeschoss dem Haupteingang und öffentlicheren Nutzungen vorbehalten ist, befinden sich in den Obergeschossen die Büroeinheiten.
Fassade
Besonders auffällig erscheint dem Betrachter die Fassade des Bauwerks. Durch tiefe Laibungen werden sämtliche Fensterflächen zusätzlich betont. Als Systemlieferant der Fensterbauteile diente Schüco. Während die festverglasten Bereiche, wie die Fassade am Haupteingang, auf der Pfosten-Riegel-Fassade „FW 50“ basiert, kamen an den übrigen Stellen die Fenster „AWS 75. SI“ zum Einsatz. Bei 75 mm Bautiefe und einer Ansichtsbreite von 117 mm erreicht das Aluminium-Fenstersystem einen Uf -Wert von 1,3 W/m²K. Als Grundbestandteil der Fassaden fanden die Wärmeschutz-Isolierverglasung „Climaplus Ultra N“ mit Randverbund „Chromatec Ultra“, aus dem Werk Flachglaswerk Radeburg stammend, die einen Ug-Wert von 1,1 W/m²K erreichen, allgemeine Verwendung.
Zwischen den Fensterbändern gliedern sich auf Höhe der Geschossdecken, ab dem 2. OG zusätzlich als Brüstungsverkleidung, weiße Fassadenelemente. Aufgrund ihrer leichten Spiegeleigenschaften wird ersichtlich, dass hierbei ebenfalls ein auf Glas basierendes Bauteil verwendet sein könnte. Bei dieser vorgehängten, hinterlüfteten Fassade handelt es sich um das System „Airtec Glassic“ des Herstellers Lithodecor. Die multifunktionale, rahmenlose Glasfassade ist für unterschiedlichste Anwendungsbereiche entwickelt worden. Aufbauend auf variablen Tragprofilen aus Aluminium wird das Einscheiben-Sicherheitsglaselement durch wenige, sichtbare Klammern an der Unterkonstruktion befestigt. Die Gläser stehen in einem Abstand von rund 12 mm zueinander, um ein Ausdehnen der Platten bei großem Wärmeeintrag zu ermöglichen. „Airtec Glassic“ ist auch mit rückwärtigem Siebdruck oder emailliert, mit oder ohne Fugenfüll-Leisten, mit farbig beschichteten Halteklammern oder in Alu natur erhältlich. Das System erfüllt die DIN-Norm 18516–1 für hinterlüftete Außenwandbekleidungen. Als leicht modifizierte Lösung kam für die Untersicht der Vordächer „Airtec Glass“, ebenfalls von Lithodecor, zum Einsatz. Hierbei werden die maximal 27 mm starke Verbundplatten aus ESG mit einem Leichtbetonträger verklebt. Die Befestigung der bis zu 7,74 m² großen Elemente erfolgt mit einer nicht sichtbaren Agraffen-Einhänge-Konstruktion.
Ebenfalls mit einer unerwarteten Produktlösung überrascht der Sonnenschutz. Um die Vertikalität und Strenge der Fassade zu variieren, sind die seilgeführten Leichtmetallen Raffstoren so angeordnet, dass sich deren Laufschienen nicht parallel zur Fensterleibung befinden, sondern vielmehr eine nach außen gekippte, die weißen Fassadentafeln leicht überlappende Fahrbahn aufweisen. Damit gelingt es, der ohnehin schon plastischen gestalteten Fassade, durch den schräg angebrachten Sonnenschutz eine zusätzliche Tiefenwirkung zu verleihen. Entgegen ihrer Ausrichtung handelt es sich bei den Verschattungselementen um eine klassische Sonnenschutz Raffstore Typ E80 AF AS von Warema. Als Vorteil von Raffstoren dieser Bauart gilt, dass die Lamellen selbst in Abschirmstellung eine maximale Durchsicht nach außen ermöglichen.
Wie sich hier einmal mehr zeigt, erfüllen Fassaden ein breites Aufgabenspektrum. Über deren technische Anforderungen hinaus bietet sich darin ein vielfach unterschätztes Potenzial zur Gestaltung unserer Umwelt. Der Arthrex Hauptniederlassung verhilft die Fassade zu einem charakteristischen Erscheinungsbild.
Architekten: Ochs Schmidhuber Architekten, München


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